Quentin Meillassoux

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Quentin Meillassoux (* 1967 in Paris) ist ein französischer Philosoph. Er gilt als Vertreter des spekulativen Realismus, einer Strömung, die sich von der Linguistischen Wende in der Philosophie absetzt und der objektorientierten Ontologie zuwendet.[1][2]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meillassoux ist ein Sohn des neomarxistischen Anthropologen und Afrikanisten Claude Meillassoux (1925–2005). Er studierte am Lycée Louis-le-Grand, danach bei den Philosophen Bernard Bourgeois und Alain Badiou. Beeinflusst wurde er auch von Gilles Deleuze und Martin Heidegger. Er lehrt heute an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne.

Philosophisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein erstes und bis jetzt bekanntestes Werk ist Après la finitude („Nach der Endlichkeit“, 2006). Alain Badiou schrieb das Vorwort dazu und stellt darin fest, dass Meillassoux in diesem Werk einen ganz neuen Weg skizziere, anders als Immanuel Kant, der drei grundsätzliche Alternativen des Denkens über die äußere Welt benannt hat: Dogmatismus, Skeptizismus und Kritizismus.

Meillassoux interessiert sich für Naturwissenschaften und Mathematik, weil diese einen Zugang zur Welt unabhängig von Sprache und jenseits des Sozialkonstruktivismus bieten. Er führt die Begriffe Ancestralität, Archefossil und Korrelationismus ein. Mit Ancestralität ist die Zeit vor dem bewussten Leben gemeint; mit Archefossil bezeichnet er wissenschaftliche Daten, aufgrund derer wir im Stande sind, z. B. Aussagen über die Entstehung der Erde zu tätigen; Korrelationismus meint, dass zu jedem Denken ein Sein gehört und umgekehrt, was bedeutet, dass es keinen gedanklichen Zugang zur Welt ohne ein vom Denken unabhängiges Sein gibt; d. h. die Welt, die wir kennen, besteht nur in uns und unsere Gedanken bestehen nur in der Welt.

Meillassoux setzt Kants transzendentale Philosophie mit der Position eines „schwachen Korrelationismus“ gleich, da Kant behaupte, dass etwas an sich existiert und dieses Etwas denkbar ist. Eine Position des „starken Korrelationismus“ postuliere hingegen, dass wir nur wissen können, dass es ein An-sich gibt, weil es gedacht werden könne.

Meillassoux kehrt in seiner Kritik des Korrelationismus zur klassischen „vor-kritischen“ Ontologie zurück, ohne ihn jedoch ganz aufzugeben; er will vielmehr den Korrelationismus radikalisieren und über eine Grenzen treiben. Meillassoux stellt auch den vorkantianischen „metaphysischen Realismus“ mit seinem Satz vom zureichenden Grund (etwa: wenn etwas existiert, muss dies eine Ursache haben) und damit das Kausalitätsprinzip überhaupt in Frage: Der spekulative Realismus gründe nicht wie die klassische Metaphysik auf der notwendigen Existenz von etwas oder der Annahme einer Causa sui, also von etwas, das eine Ursache für sein eigenes Sein sei. Die einzige Notwendigkeit sei die der Kontingenz, also der Nicht-Notwendigkeit, aber diese sei kein Seiendes. So habe auch das vernünftige Denken keinen äußeren Grund. Er kritisiert damit sowohl den materialistischen Determinismus als auch die idealistische Vorstellung einer reflexiven Freiheit: Auch die Wahlen, die das Individuum trifft, seien kontingent; es gebe keinen Unterschied zwischen freiwilligen und unfreiwillig getroffenen Entscheidungen.

Während die Physik sich nicht auf empirische Regelmäßigkeiten oder Gesetze der Natur berufen könne (die sich jederzeit ändern könnten), sei die Mathematik in der Lage, grundlegende Qualitäten wie „Dinge an sich“ zu denken. Einziges Kriterium für die Richtigkeit des Denkens sei nicht seine Übereinstimmung mit der Welt, sondern seine Widerspruchsfreiheit. Daher seien wir grundlegend auf das absolute Denken zurückgeworfen, wie schon Descartes postulierte.

Meillassoux versucht weiterhin zu zeigen, dass wissenschaftliche Aussagen über die Entstehung der Erde nicht in Übereinstimmung mit dem Korrelationismus zu bringen sind, da es zum Zeitpunkt der Entstehung der Erde keine denkenden Menschen gab.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ray Brassier weist darauf hin, dass der Korrelationismus nicht nur von der Existenz von Archefossilien in Frage gestellt wird, sondern vom gesamten Bild der Realität, wie sie von den modernen Naturwissenschaften beschrieben wird, deren Objekte nicht widerspruchsfrei gedacht werden können.[4] So ist auch kritisch anzumerken, dass die Technologien, mit denen heute das Alter von Archefossilien nachgewiesen werden können, z. T. gerade darauf basieren, dass das Prinzip der Widerspruchsfreiheit auf subatomarem Niveau nicht gilt.

Außerdem müsse man akzeptieren, dass es eine erhebliche Kontingenz zwischen der Art, wie uns die Realität erscheint, und ihrer wirklichen Existenz gibt; so kann sie uns kontingent erscheinen, obwohl sie es in Wirklichkeit vielleicht nicht ist. Es gehe daher nicht an, die Grenzen der wissenschaftlichen Erkenntnis als Argument für eine positive ontologische Konstruktion zu verwenden.[5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nach der Endlichkeit. Versuch über die Notwendigkeit der Kontingenz. Diaphanes Verlag, 2014. ISBN 9783037348475. (Französische Originalausgabe: Après la finitude. Essai sur la nécessité de la contingence. Éditions Seuil, Paris 2006.)
  • Die Zahl und die Sirene. Diaphanes Verlag, 2013. ISBN 9783037342602. (Französische Originalausgabe: Le nombre et la sirène. Fayal, Paris 2011.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Levi Bryant, Nick Srnicek and Graham Harman (Hrsg.): The Speculative Turn: Continental Materialism and Realism. re-press, 2011. PDF (open access)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Graham Harman: Brief SR/OOO tutorial. (bei Wordpress)
  2. Thomas Palzer: Spekulativer Realismus: Über eine neue Art, auf der Erde zu leben. In: Deutschlandfunk, 21. Februar 2016.
  3. Quentin Meillassoux:Nach der Endlichkeit, Erstes Kapitel.
  4. Ray Brassier: Nihil Unbound. Enlightenment and extinction. Basingstoke 2007, S. 59.
  5. Interview mit Slavoj Žižek in: The Speculative Turn: Continental Materialism and Realism, S. 413.