Querkirche

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Der Vorgängerbau des Berliner Doms (Abb. um 1830) war eine Querkirche: Eingang und Altar befanden sich nicht wie üblich an den Schmalseiten der Kirche, sondern an den Längsseiten.

Eine Querkirche ist eine Form des Kirchenbaus, in deren Grundriss das Querhaus erheblich größer ausgebaut ist als das Langhaus. Letzteres entfällt fast vollständig. Das Prinzip der Querkirche verstand man ähnlich dem der reformatorischen Zentralkirche als eine architektonische Umsetzung des Prinzips vom „Priestertum aller Gläubigen.“ Chöre und Schiffe galten damit nicht mehr als konstitutiver (grundlegender) Bestandteil des Kirchengebäudes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafik aus Leonhard Christoph Sturms Anweisung von 1718. Die Idealkirche ist mit zwei Emporen und zentraler Kanzel versehen. Die gestrichelten Linien deuten an, dass die Kanzel von jedem Platz aus sichtbar wäre.
Beispiel für einen typischen Grundriss einer protestantischen Querkirche. Auf der kürzeren Mittelachse liegen (von der unteren Mitte her gesehen) der Eingang, der mittige Taufstein, die Kanzel und der Turm (Kirche Netstal, Schweiz, 1813.)

Die Querkirche entwickelte sich aus der spätmittelalterlichen unbestuhlten Langkirche, in der die Kanzel in der Regel seitlich an einem Mittelschiffspfeiler angebracht war. Vor dieser hatte sich die Gemeinde während der Predigt versammelt. Mit der Reformation wurde der Messgottesdienst am vorne befindlichen Altar abgeschafft und der Altartisch vor die Kanzel gestellt, z. B. in Straßburg, und ein seitliches der Kanzel und dem Altar zugewandtes Gestühl geschaffen, etwa in der Berliner Marienkirche. Mit dieser funktionalen Drehung nach Süden, Norden, teilweise sogar nach Westen, spielte die Ostung keine Rolle mehr.

Querkirchen als Neubauten entstanden bis zum Aufkommen des Historismus im 19. Jahrhundert mehr in reformiert geprägten als in lutherischen Gegenden. Im reformierten Kirchenbau der Schweiz war die Querkirche vor allem im Spätbarock und im Klassizismus ein beliebtes Konzept. Die Gründe sind darin zu suchen, dass die reformierte Theologie von Huldrych Zwingli und Jean Calvin einen radikalen Verzicht auf Bilder und Altäre vorsieht, der noch weit über die lutherischen Ideale hinausgeht. Auf der Suche nach einem idealen Raumkonzept erschien die Querkirche, die einen Blick auf die Kanzel als Zentrum des reformierten Predigtgottesdienstes ermöglicht, optimal. Die Grundrissformen sind vielfältig, und reichen von Ovalkirchen über Rechteckbauten zu Kirchen mit Kreuzgrundriss. Typisch für den reformierten Kirchenbau sind auch die U-förmigen Emporen, die in den Kirchen von Wädenswil und Horgen, den größten und bedeutendsten Querkirchen auf Schweizer Boden, am besten zur Geltung kommen.

Nach 1815 orientierte sich die protestantische Sakralarchitektur wieder mehr an mittelalterlichen Konzepten. Durch das Eisenacher Regulativ von 1861 wurde der gotische Formenkanon für den Kirchenbau empfohlen, bei dem das Sakrament (der Altar), nicht aber die Predigt (die Kanzel) im Mittelpunkt steht. Dieses Konzept stieß bei liberalen Lutheranern und Reformierten auf Widerstand und wurde durch das Wiesbadener Programm 1891 abgelöst wurden. Viele Kirchenbauten des Wiesbadener Programms wie auch der Moderne und Postmoderne sind als Zentralbauten angelegt und kommen dem Konzept der Querkirche oftmals nahe.

Auch vereinzelte katholische Kirchen wurden - allerdings aus bestimmten praktischen Notwendigkeiten - als Querkirchen ausgeführt. Bekanntestes Beispiel hierfür ist Gianlorenzo Berninis Kirche Sant’Andrea al Quirinale in Rom.

Beispiele für Querkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwigskirche Saarbrücken

Die Schlosskirche der Plassenburg in Kulmbach war die zweite jemals gebaute evangelische Querkirche. Erst im 19. Jahrhundert wurde sie zu einer Langkirche umgebaut.

Zur Querkirche umgebaute Längskirchen

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformierte Kirche Wädenswil, Schweiz
Reformierte Kirche Horgen, Schweiz
Grundrissplan der reformierten Schlosskirche Grüningen, Schweiz, 1781 oder 1782
Bestehende Querkirchen
Zur Querkirche umgebaute Längskirchen
Zur Längskirche umgebaute Querkirchen
«Falsche Querkirchen»

Bei einigen Bauten suggeriert die Achsengliederung des Aussenbaus eine Querkirche, der Innenraum ist aber als Längskirche bestuhlt.

Querkirchen innerhalb von Baukomplexen

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformierte Konfession
Lutherische Konfession
Mennonitische Konfession

Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norwegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kathrin Ellwardt: Kirchenbau zwischen evangelischen Idealen und absolutistischer Herrschaft. Die Querkirchen im hessischen Raum vom Reformationsjahrhundert bis zum Siebenjährigen Krieg. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, ISBN 3-937251-34-0
  • H. Schneider: Entdeckungsreise - Reformierter Kirchbau in der Schweiz. Zürich 2000.
  • E. Stockmeyer: Das Querraumprinzip in den Zürcher Landkirchen um 1800. Ein Beitrag zum Problem des protestantischen Kirchenbaus., in: Das Werk 30, 1943, S. 61–64.
  • Georg Germann: Der protestantische Kirchenbau in der Schweiz. Von der Reformation bis zur Romantik. Zürich, 1963.
  • Regnerus Steensma: Protestantse kerken hun pracht en kracht. Gorredijk 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Querkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien