Querschnitt (empirische Forschung)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Einteilung klinischer Studien
Einteilung klinischer Studien:

Interventionsstudie:

Beobachtungsstudien:

In der empirischen Forschung spricht man von einem Querschnitt (z. T. engl. Cross-sectional data), von einer Querschnitt(s)studie, von Querschnittsanalyse oder Querschnittsdesign, wenn eine empirische Untersuchung (beispielsweise eine Befragung oder Inhaltsanalyse) einmalig durchgeführt wird. Im Unterschied zum Querschnittsdesign wird eine Längsschnittstudie mehrmals hintereinander durchgeführt.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Querschnittuntersuchung im Bereich der Psychologie werden Vorgehensweisen von Teilnehmern unterschiedlicher Altersstufen zu einem festen Untersuchungszeitpunkt miteinander verglichen. Bei diesen Stichproben werden Lebensalter und Zeitpunkt als unabhängige Variable definiert während die erfassten Werte als abhängige Variable verzeichnet werden. Ein Altersunterschied zweier Stichproben kann jedoch im Querschnittdesign nicht zwangsläufig auf die zu Grunde liegenden Entwicklungsprozesse zurückgeführt werden, da hier möglicherweise ein Kohorteneffekt vorliegen könnte. Trotzdem kann die Querschnittsmethode genutzt werden, um erste heuristische Anhaltspunkte für Entwicklungsphänomene zu erhalten, ohne dass hierfür eine Längsschnittuntersuchung durchgeführt werden muss.[1]

Empirische Sozialforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierbei erfolgt eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Querschnitts- und Längsschnittuntersuchungen. Die Variablen der Querschnittserhebung können nur zu einem einmaligen festen Zeitpunkt beobachtet und verglichen werden. So entstehen gesellschaftliche „Momentaufnahmen“ von derzeit gültigen Fakten, Meinungen oder Verhaltensweisen. Beim Querschnittsdesign verwendet man Zufallsstichproben, um die Repräsentativität zu gewährleisten. Um Prozessanalysen durchzuführen, bei denen die Veränderungen der Variablen über einen bestimmten Zeitraum ausgewertet werden soll kann eine Längsschnittanalyse durchgeführt werden.

Ein Vorteil der Querschnittmethode ist es beispielsweise, dass für die Datenerhebung ein einmaliger Zeitpunkt berücksichtigt werden muss und der Zeitraum vom Beginn der Untersuchung bis zur Auswertung der Ergebnisse kurz gehalten werden kann. Für eine einmalige Untersuchung lassen sich leichter Probanden gewinnen, die bereit sind an der Studie teilzunehmen, während bei Analysen über einen längeren Zeitraum weitere unvorhergesehene Faktoren eine Rolle spielen können, wie beispielsweise der Tod eines Teilnehmers. Ein Nachteil der einmaligen Datenerhebung liegt insbesondere darin, dass keine Informationen über individuelle Entwicklungsverläufe oder Verhaltensänderungen ablesen lassen. So können mögliche Unterschiede beim Vergleich zweier Altersgruppen nicht eindeutig dem Alterseffekt zugeordnet werden, da sich im Zeitraum zwischen den Studien eventuell die gesellschaftlichen Bedingungen verändert haben können. Das Ergebnis der Studie ist also nur für den Zeitpunkt der Erhebung gültig und lässt sich nicht generell auf andere Zeitpunkte übertragen.[1]

Beispiel
EmpEffekte.png
– A: Alterseffekt: Mit 15 Jahren kaufen sich alle z. B. einen Bausparvertrag
– P: Periodeneffekt: Im Jahr 2000 kauften sich alle z. B. einen 2000er-Kalender und Querschnitt
– K: Kohorteneffekt: Der Jahrgang 1989 (1999 10 Jahre alt) kauft jedes Jahr z. B. Kinokarten für den Film „1989“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Querschnittstrategie. In: Lexikon der Psychologie. (spektrum.de).
  • J. Lee: Odds ratio or relative risk for cross-sectional data? In: International Journal of Epidemiology. Band 23, Nr. 1, 1994, S. 201–203, doi:10.1093/ije/23.1.201, PMID 8194918 (englisch).
  • Carsten Oliver Schmidt, Thomas Kohlmann: When to use the odds ratio or the relative risk? In: International Journal of Public Health. Band 53, Nr. 3, 2008, S. 165–167, doi:10.1007/s00038-008-7068-3, PMID 19127890 (englisch).
  • Nina Baur, Jörg Blasius: Charakterisierung von Querschnittstudien und Trendstudien. In: Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung. Springer-Verlag, 2014, ISBN 978-3-531-18939-0, S. 233 ff. (books.google.de).
  • Ben Godde, Bettina Olk, Claudia Voelcker-Rehage: Querschnittsstudien. In: Einführung Gerontopsychologie (= UTB M (Medium-Format). 4567). UTB, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-8252-4567-2, S. 43 (books.google.de).

Beispiele für Querschnittsanalysen

  • Klaus Doderer: Jugendliteratur heute. Eine Querschnittsanalyse des Jahrgangs 1964. Institut für Jugendforschung, Frankfurt/Main 1965, OCLC 7908513.
  • Thomas Christian Paefgen: Globales und Euro-Marketing. Eine juristische Querschnittsanalyse grenzüberschreitender Werbung. Nomos, Baden-Baden 1989, ISBN 3-7890-1712-4.
  • Christian M. Heidl, Margarete Landenberger, Patrick Jahn: Lebenszufriedenheit in Westdeutschland eine Querschnittsanalyse mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels. DIW, Berlin 2012, OCLC 930958671.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik