Quirnheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Quirnheim
Quirnheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Quirnheim hervorgehoben

Koordinaten: 49° 35′ N, 8° 8′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bad Dürkheim
Verbandsgemeinde: Leiningerland
Höhe: 310 m ü. NHN
Fläche: 4,45 km2
Einwohner: 794 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 178 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67280
Vorwahl: 06359
Kfz-Kennzeichen: DÜW
Gemeindeschlüssel: 07 3 32 042
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Industriestraße 11
67269 Grünstadt
Website: www.quirnheim.de
Ortsbürgermeister: Rainer Merz (FWG)
Lage der Ortsgemeinde Quirnheim im Landkreis Bad Dürkheim
Bad DürkheimGrünstadtGrünstadtHaßlochMeckenheim (Pfalz)Niederkirchen bei DeidesheimRuppertsbergForst an der WeinstraßeDeidesheimWattenheimHettenleidelheimTiefenthal (Pfalz)Carlsberg (Pfalz)AltleiningenEllerstadtGönnheimFriedelsheimWachenheim an der WeinstraßeElmsteinWeidenthalNeidenfelsLindenberg (Pfalz)Lambrecht (Pfalz)FrankeneckEsthalKindenheimBockenheim an der WeinstraßeQuirnheimMertesheimEbertsheimObrigheim (Pfalz)ObersülzenDirmsteinGerolsheimLaumersheimGroßkarlbachBissersheimKirchheim an der WeinstraßeKleinkarlbachNeuleiningenBattenberg (Pfalz)NeuleiningenKirchheim an der WeinstraßeWeisenheim am SandWeisenheim am SandWeisenheim am SandErpolzheimBobenheim am BergBobenheim am BergDackenheimDackenheimFreinsheimFreinsheimHerxheim am BergHerxheim am BergHerxheim am BergKallstadtKallstadtWeisenheim am BergWeisenheim am BergLandkreis Alzey-WormsWormsLudwigshafen am RheinFrankenthal (Pfalz)Rhein-Pfalz-KreisLandkreis GermersheimNeustadt an der WeinstraßeLandkreis Südliche WeinstraßeLandau in der PfalzKaiserslauternLandkreis KaiserslauternDonnersbergkreisKaiserslauternLandkreis SüdwestpfalzKarte
Über dieses Bild

Quirnheim, historisch auch Querum[2], pfälzisch „Querem“, ist eine Ortsgemeinde im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim. Sie gehört der Verbandsgemeinde Leiningerland an, innerhalb derer sie sowohl hinsichtlich der Zahl der Einwohner als auch hinsichtlich der Fläche die sechstkleinste Ortsgemeinde darstellt. Sie liegt im Nordwesten der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich in der Pfalz auf 310 m ü. NHN[3]. Sie liegt am Südostrand des zum Rheinhessischen Tafel- und Hügelland gehörenden Alzeyer Hügellandes nahe dem Nordende der Deutschen Weinstraße. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Kindenheim, Bockenheim an der Weinstraße, Grünstadt, Mertesheim, Grünstadt, Ebertsheim, Lautersheim und Biedesheim.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Quirnheim mit dem Hertlingshäuserhof, Boßweiler und Quirnheim-Tal mit den Wohnplätzen Neuhäuschen, Göbelshaus, Bruchmühle und Papiermühle.[4]

Erhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nordosten der Gemarkung unmittelbar an der Grenze zu Kindenheim und Bockenheim erstreckt sich der Gerstenberg (319,3 m) und unmittelbar südlich von diesem der Quirnheimer Berg (317,1 m).

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptort sowie die beiden Ortsteile werden durch den Quirnheimer Bach entwässert, einen linken Zufluss des Eisbachs. Ersterer nimmt innerhalb des Gemeindegebiets von rechts den Quirngraben auf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Merz’sches Schloss (Hertlingshäuserhof) mit Park

Am 22. Mai 771 wurden der Ort und die Kirche St. Maria und St. Martin erstmals urkundlich im Lorscher Codex erwähnt;[5] die ab dem 16. Jahrhundert protestantisch genutzte Kirche gilt als älteste des Landkreises. Der heutige Ortsteil Boßweiler ist bereits am 11. Mai 767[6] als „villa Buchsolare“[7] bzw. „Buchrolare“[8] im Codex diplomaticus des Klosters Fulda zu finden. Im zehnten Jahrhundert wird Königsgut in der Wormsgau erwähnt, diese beiden Königshöfe lagen bei Bossweiler; der Hertlingshäuserhof geht auf einen davon zurück.[9]

1453 wurde Boßweiler – Bußweiler als damaliger noch existenter Hauptort – als Lehen des Landgrafen Hesso von Leiningen erwähnt, nach dessen Tod 1467 gelangten beide Siedlungen in den Besitz der neuen Linie Leiningen-Westerburg und gehörten dem Amt Grünstadt an. Das Dorf Bos(s)weiler ging im Dreißigjährigen Krieg unter, erhalten blieben nur die am Rande liegende Oswaldskapelle und Gebäude des alten adligen Hofes – die kleinere Siedlung Quirnheim mit dem Hertlingshäuserhof blieb unberührt. In den Jahren 1671 bis 1672 wurde der Mainzer Patrizier Quirinus von Merz mit dem freien Quirnheimerhof[10] beschenkt und mit beiden Orten belehnt. Dies geschah aus Dankbarkeit der Leininger Grafen und des Fürstbischofs von Speyer für die erbrachten Dienste als Kanzler und Komitialgesandter. Der beträchtliche Schaden durch französische Übergriffe in den 1690er Jahren wurde finanziell von der Familie Merz getragen. Quirin Merz, Johann Wilhelm Merz und Albrecht von Mer(t)z ist die Ritter-Merz-Straße gewidmet.

Ab dem 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Französischen Revolution wurde die Region 1794 im ersten Koalitionskrieg besetzt.

Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war die Gemeinde in den Kanton Grünstadt im Département du Mont-Tonnerre eingegliedert und war Sitz einer eigenen Mairie. 1815 hatte der Ort 430 Einwohner. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen wurde das Gebiet 1815 zunächst Österreich zugeordnet und 1816 in einem Staatsvertrag an das Königreich Bayern abgetreten. Unter der bayerischen Verwaltung gehörte Quirnheim zum Landkommissariat Frankenthal im Rheinkreis, der späteren Pfalz.

Ab 1939 war Quirnheim Bestandteil des Landkreises Frankenthal (Pfalz). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort am 7. Juni 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde Wattenheim Bestandteil der ebenfalls neu geschaffenen Verbandsgemeinde Grünstadt-Land, ehe diese 2018 in der Verbandsgemeinde Leiningerland aufging.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des Jahres 2014 waren 39,7 Prozent der Einwohner evangelisch und 27,9 Prozent katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[11] Katholischerseits gehört die Gemeinde zum Bistum Speyer und untersteht dort dem Dekanat Bad Dürkheim, die Evangelischen zur Protestantischen Landeskirche Pfalz. Bis 2015 bildete die Gemeinde katholischerseits die Pfarrei Boßweiler und gehörte zur Pfarrgemeinschaft Grünstadt. Seit 1. Januar 2016 gehört die Gemeinde zur in Grünstadt ansässigen Pfarrei Hl. Elisabeth; die beiden katholischen Kirchen bilden seither die Filialen Mariä Himmelfahrt (Quirnheim) sowie St. Oswald (Boßweiler).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Quirnheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:

Wahl SPD CDU FWG WGW Gesamt
2019[12] 2 3 3 4 12 Sitze
2014[13] 2 3 3 4 12 Sitze
2009 2 3 4 3 12 Sitze
2004 3 3 3 3 12 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Quirnheim e. V.
  • WGW = Wählergruppe Würtz

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist Rainer Merz (FWG). Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 65,20 % gewählt und ist damit Nachfolger von Hubert L. Deubert (SPD), der nicht mehr angetreten war.[14]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Quirnheim
Blasonierung: „In geteiltem und oben gespaltenem Schild, oben rechts wiederum gespalten, rechts von Silber und Blau dreizeilig geschachtet, links in Gold ein goldbekrönter halber schwarzer Adler am Spalt, oben links in Blau ein rotbewehrter und -bezungter silberner Löwe, unten in Silber ein blaues Hufeisen mit abwärts gekehrten Stollen.“[15]
Wappenbegründung: Die Silber-Blau-Schachtung stellt die Farben des Hochstifts Speyer dar. Der kaiserliche schwarze Adler steht für das spätere Freiungsrecht des Hertlingshäuserhofs und den zweiten Königshof in Boßweiler.[9] Der Löwe auf blauen Grund wurde durch die Familie Merz eingebracht und hat nassauischen Ursprung, durch Kurfürst Johann Graf von Nassau wurde der Ritter Johann Merz 1397 in den kurfürstlichen Rat in Mainz berufen. Der Ursprung des nach unten geöffneten Hufeisens ist genauso unbekannt wie im Eisenberger Wappen.

Das Quirnheimer Wappen wurde 1926 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern genehmigt und geht zurück auf ein Gerichtssiegel von 1674.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protestantische Kirche

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler

Vor Ort existieren insgesamt zwölf Objekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter die protestantische Kirche und der Quirnheimer Hof; letzterer diente einst als Hof des Klosters Hertlingshausen.

Museum

Im Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen US-Raketenstation wurde ein Motorrad- und Technikmuseum geschaffen, das von ehrenamtlichen Kräften geleitet wird.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl außerhalb des Pfälzerwalds gelegen, ist das Gemeindegebiet Bestandteil des Naturparks Pfälzerwald.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort feiert zweimal Kirchweih, die in der örtlichen Mundart Kerb genannt wird: Die Erbsekerb wird im Juli, die Dorfkerb in der ersten Woche im Oktober veranstaltet.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Kalten Krieges befand sich etwa 1500 m nordöstlich der Gemeinde und des Segelfluggeländes Grünstadt-Quirnheimer Berg (316,6 m[3]) und etwa 700 m östlich des Gerstenbergs[16] eine US-amerikanische Flugabwehrraketenstellung bei 309,9 m, die bis 1983 mit Nike Hercules-Raketen, später mit MIM-104 Patriot-Raketen ausgerüstet war und bis 1994 nuklear ausrüstbar. 2001 wurde die Quirnheim Missile Station samt Munitionslager und Truppenübungsplatz aufgelöst.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Quirnheim verläuft die Kreisstraße 26, die den Ort mit Kindenheim und Ebertsheim verbindet. Auf dem Quirnheimer Berg liegt das Segelfluggelände des Luftfahrtvereins Grünstadt und Umgebung. Nächstgelegens Bahnhalte sind Ebertsheim und Mertesheim entlang der Eistalbahn.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Quirnheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. Richard Dertsch: Die Urkunden des Stadtarchivs Mainz: Regesten, Bände 1-2, Verlag des Stadtarchivs Mainz, 1962, Seite 122 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  3. a b Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: 1. Januar 2017[Version 2019 liegt vor]. S. 88 (PDF; 1,9 MB).
  5. Karl Josef Minst [Übers.]: Lorscher Codex (Band 3), Urkunde 1205, 22. Mai 771 – Reg. 614. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 155, abgerufen am 15. Februar 2016.
  6. Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex Diplomaticus Fuldensis, T. Fischer 1850, Seite 19 – Google Books
  7. Werner Bornheim: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 8, Deutscher Kunstverlag 1982, Seite 159 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  8. Georg Heeger: Die germanische Besiedlung der Vorderpfalz an der Hand der Ortsnamen, K. & A. Kaussler 1900, Seite 38 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  9. a b Wolfgang Haubrichs: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, Band 3, Selbstverlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 1977, Seite 53/54 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  10. Werner Bornheim: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 8, Deutscher Kunstverlag 1982, Seite 457 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  11. KommWis, Stand: 31. Dezember 2014
  12. Der Landeswahlleiter RLP: Gemeinderatswahl 2019 Quirnheim. Abgerufen am 14. Oktober 2019.
  13. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  14. Der Landeswahlleiter RLP: Direktwahlen 2019. siehe Leiningerland, Verbandsgemeinde, 20. Ergebniszeile. Abgerufen am 14. Oktober 2019.
  15. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.
  16. Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANDIS-Karte)