Quirnheim

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Ort Quirnheim. Zum Adelsgeschlecht siehe Merz von Quirnheim.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Quirnheim
Quirnheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Quirnheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 35′ N, 8° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bad Dürkheim
Verbandsgemeinde: Grünstadt-Land
Höhe: 310 m ü. NHN
Fläche: 4,45 km²
Einwohner: 758 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 67280
Vorwahl: 06359
Kfz-Kennzeichen: DÜW
Gemeindeschlüssel: 07 3 32 042
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Industriestraße 11
67269 Grünstadt
Webpräsenz: www.gruenstadt-land.de
Ortsbürgermeister: Hubert L. Deubert
Lage der Ortsgemeinde Quirnheim im Landkreis Bad Dürkheim
Bad Dürkheim Grünstadt Grünstadt Haßloch Meckenheim (Pfalz) Niederkirchen bei Deidesheim Ruppertsberg Forst an der Weinstraße Deidesheim Wattenheim Hettenleidelheim Tiefenthal (Pfalz) Carlsberg (Pfalz) Altleiningen Ellerstadt Gönnheim Friedelsheim Wachenheim an der Weinstraße Elmstein Weidenthal Neidenfels Lindenberg (Pfalz) Lambrecht (Pfalz) Frankeneck Esthal Kindenheim Bockenheim an der Weinstraße Quirnheim Mertesheim Ebertsheim Obrigheim (Pfalz) Obersülzen Dirmstein Gerolsheim Laumersheim Großkarlbach Bissersheim Kirchheim an der Weinstraße Kleinkarlbach Neuleiningen Battenberg (Pfalz) Neuleiningen Kirchheim an der Weinstraße Weisenheim am Sand Weisenheim am Sand Weisenheim am Sand Erpolzheim Bobenheim am Berg Bobenheim am Berg Dackenheim Dackenheim Freinsheim Freinsheim Herxheim am Berg Herxheim am Berg Herxheim am Berg Kallstadt Kallstadt Weisenheim am Berg Weisenheim am Berg Landkreis Alzey-Worms Worms Ludwigshafen am Rhein Frankenthal (Pfalz) Rhein-Pfalz-Kreis Landkreis Germersheim Neustadt an der Weinstraße Landkreis Südliche Weinstraße Landau in der Pfalz Kaiserslautern Landkreis Kaiserslautern Donnersbergkreis Kaiserslautern Landkreis SüdwestpfalzKarte
Über dieses Bild

Quirnheim, historisch auch Querum[2], pfälzischQuerem“, ist eine Ortsgemeinde im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim, die der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land angehört. Sie liegt im Nordwesten der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Pfalz auf 310 m ü. NHN[3] am Südostrand des Alzeyer Hügellandes nahe dem Nordende der Deutschen Weinstraße.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Quirnheim mit dem Hertlingshäuserhof, Boßweiler und Quirnheim-Tal mit den Wohnplätzen Neuhäuschen, Göbelshaus, Bruchmühle und Papiermühle.[4]

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptort sowie die beiden Ortsteile werden durch den Quirnheimer Bach entwässert, einen linken Zufluss des Eisbachs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Mai 771 wurden der Ort und die Kirche St. Maria und St. Martin erstmals urkundlich im Lorscher Codex erwähnt;[5] die ab dem 16. Jahrhundert protestantisch genutzte Kirche gilt als älteste des Landkreises. Der heutige Ortsteil Boßweiler ist bereits am 11. Mai 767[6] als „villa Buchsolare“[7] bzw. „Buchrolare“[8] im Codex diplomaticus des Klosters Fulda zu finden. Im zehnten Jahrhundert wird Königsgut in der Wormsgau erwähnt, diese beiden Königshöfe lagen bei Bossweiler; der Hertlingshäuserhof geht auf einen davon zurück.[9] 1453 wurde Boßweiler - Bußweiler als damaliger noch existenter Hauptort - als Lehen des Landgrafen Hesso von Leiningen erwähnt, nach dessen Tod 1467 gelangten beide Siedlungen in den Besitz der neuen Linie Leiningen-Westerburg und gehörten dem Amt Grünstadt an. Das Dorf Bos(s)weiler ging im Dreißigjährigen Krieg unter, erhalten blieben nur die am Rande liegende Oswaldskapelle und Gebäude des alten adligen Hofes - die kleinere Siedlung Quirnheim mit dem Hertlingshäuserhof blieb unberührt. In den Jahren 1671 bis 1672 wurde der Mainzer Patrizier Quirinus von Merz mit dem freien Quirnheimerhof[10] beschenkt und mit beiden Orten belehnt. Dies geschah aus Dankbarkeit der Leininger Grafen und des Fürstbischofs von Speyer für die erbrachten Dienste als Kanzler und Komitialgesandter. Der beträchtliche Schaden durch französische Übergriffe in den 1690er Jahren wurde finanziell von der Familie Merz getragen. Quirin Merz, Johann Wilhelm Merz und Albrecht von Mer(t)z ist die Ritter-Merz-Straße gewidmet.

Nach der Französischen Revolution wurde die Region 1794 im ersten Koalitionskrieg besetzt und 1798 in den französischen Staat eingegliedert. Bis 1814 gehörte Quirnheim zum Kanton Grünstadt im Département du Mont-Tonnerre. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen wurde das Gebiet 1815 zunächst Österreich zugeordnet und 1816 in einem Staatsvertrag an das Königreich Bayern abgetreten. Unter der bayerischen Verwaltung gehörte Quirnheim zum Landkommissariat Frankenthal im Rheinkreis.

Der Ort gehörte von 1938 an zum Landkreis Frankenthal (Pfalz), bis dieser 1969 aufgelöst wurde. Im Rahmen der rheinland-pfälzischen Funktional- und Gebietsreform wurde Quirnheim 1972 der neugeschaffenen Verbandsgemeinde Grünstadt-Land zugeordnet.

Während des Kalten Krieges befand sich etwa 1500 m nordöstlich der Gemeinde und des Segelfluggeländes Grünstadt-Quirnheimer Berg (316,6 m[3]) und etwa 700 m östlich des Gerstenbergs (319,3 m[11]) eine US-amerikanische Flugabwehrraketenstellung bei 309,9 m, die bis 1983 mit Nike Hercules-Raketen, später mit MIM-104 Patriot-Raketen ausgerüstet war und bis 1994 nuklear ausrüstbar. 2001 wurde die Quirnheim Missile Station samt Munitionslager und Truppenübungsplatz aufgelöst.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des Jahres 2014 waren 39,7 % der Einwohner evangelisch und 27,9 % katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[12]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Quirnheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[13]

Wahl SPD CDU FWG WGR Gesamt
2014 2 3 3 4 12 Sitze
2009 2 3 4 3 12 Sitze
2004 3 3 3 3 12 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Quirnheim e. V.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beschreibung des Wappens lautet: „In geteiltem und oben gespaltenem Schild, oben rechts wiederum gespalten, rechts von Silber und Blau dreizeilig geschachtet, links in Gold ein goldbekrönter halber schwarzer Adler am Spalt, oben links in Blau ein rotbewehrter und -bezungter silberner Löwe, unten in Silber ein blaues Hufeisen mit abwärts gekehrten Stollen.“

Die Silber-Blau-Schachtung stellt die Farben des Hochstifts Speyer dar. Der kaiserliche schwarze Adler steht für das spätere Freiungsrecht des Hertlingshäuserhofs und den zweiten Königshof in Boßweiler.[9] Der Löwe auf blauen Grund wurde durch die Familie Merz eingebracht und hat nassauischen Ursprung, durch Kurfürst Johann Graf von Nassau wurde der Ritter Johann Merz 1397 in den kurfürstlichen Rat in Mainz berufen. Der Ursprung des nach unten geöffneten Hufeisens ist genauso unbekannt wie im Eisenberger Wappen.

Das Quirnheimer Wappen wurde 1926 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern genehmigt und geht zurück auf ein Gerichtssiegel von 1674.[14]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protestantische Kirche
Ehemaliges Merz’sches Schloss (Hertlingshäuserhof) mit Park

Flugsport

Auf dem Quirnheimer Berg liegt das Segelfluggelände des Luftfahrtvereins Grünstadt und Umgebung.

Museum

Im Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen US-Raketenstation wurde ein Motorrad- und Technikmuseum geschaffen, das von ehrenamtlichen Kräften geleitet wird.

Regelmäßige Veranstaltungen

Der Ort feiert zweimal Kirchweih, die in der örtlichen Mundart Kerb genannt wird: Die Erbsekerb wird im Juli, die Dorfkerb in der ersten Woche im Oktober veranstaltet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Quirnheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Richard Dertsch: Die Urkunden des Stadtarchivs Mainz: Regesten, Bände 1-2, Verlag des Stadtarchivs Mainz, 1962, Seite 122 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  3. a b Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2014, Seite 88 (PDF; 2,4 MB)
  5. Karl Josef Minst [Übers.]: Lorscher Codex (Band 3), Urkunde 1205, 22. Mai 771 – Reg. 614. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 155, abgerufen am 15. Februar 2016.
  6. Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex Diplomaticus Fuldensis, T. Fischer 1850, Seite 19 – Google Books
  7. Werner Bornheim: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 8, Deutscher Kunstverlag 1982, Seite 159 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  8. Georg Heeger: Die germanische Besiedlung der Vorderpfalz an der Hand der Ortsnamen, K. & A. Kaussler 1900, Seite 38 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  9. a b Wolfgang Haubrichs: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, Band 3, Selbstverlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 1977, Seite 53/54 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  10. Werner Bornheim: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 8, Deutscher Kunstverlag 1982, Seite 457 – Google Books (Snippet-Ansicht)
  11. Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANDIS-Karte)
  12. KommWis, Stand: 31. Dezember 2014
  13. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  14. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.