Quotenstichprobe

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Die Quotenstichprobe (Quota-Samples) ist eine spezielle Systematische Stichprobe.

Quotenstichproben sind keine Zufallsstichproben, sondern beruhen auf einer bewussten Auswahl von Zielpersonen. Bei einer Quotenstichprobe wird versucht, eine repräsentative Zusammensetzung der Stichprobe durch die Festlegung von Quoten an bestimmten Merkmalen, deren Verteilung in der Grundgesamtheit bekannt sein müssen, herbeizuführen. Den Interviewern werden genaue Vorgaben gemacht, welche Eigenschaften die zu befragenden Personen haben müssen.

Die Güte einer Quotenstichprobe kann überprüft werden, indem die Verteilung nicht quotierter, aber für die Grundgesamtheit bekannter Merkmale in Stichprobe und Bevölkerungsstatistik verglichen wird. Wurden beispielsweise für eine Quotenstichprobe anhand von Zensusdaten die Merkmale Alter, Geschlecht und Wohnortgröße verwendet, kann das zusätzliche Merkmal Konfession genutzt werden, um festzustellen, inwieweit die Stichprobe der Grundgesamtheit entspricht.

Anwendung[Bearbeiten]

Quotenstichproben werden in den Sozialwissenschaften und insbesondere in der Psychologie eingesetzt. Ein Grund für die Anwendung der Quotenstichprobe in der Umfrageforschung liegt in den geringen Ausschöpfungsquoten bei Zufallsstichproben, die bei Telefonumfragen in den USA inzwischen im einstelligen Bereich[1] liegen. Bei einer Quotenstichprobe werden Interviewverweigerer durch sogenannte Statistische Zwillinge ersetzt, die die gleichen Quotenmerkmale aufweisen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass statistische Zwillinge sich auch in den nicht quotierten Merkmalen ähnlich sind (s. oben). Auf diese Weise gibt es bei Quotenstichproben keinen (sichtbaren) Stichprobenausfall, der die Ergebnisse bei Zufallsstichproben in erheblichem Ausmaß verzerren kann.[2]

Wissenschaftliche Diskussion um die Quotenstichprobe[Bearbeiten]

Die Wissenschaftlichkeit und der Nutzen von Quotenstichproben werden in der Sozialwissenschaft seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert.[3]

Kritiker und Gegner des Verfahrens stützen ihre Ablehnung auf mehrere Argumente. Das erste Argument ist, dass die Mathematik der Zufallsstichprobe auf Quotenstichproben nicht anwendbar ist. Somit ist es auch nicht zulässig (aber gleichwohl technisch möglich) Kennzahlen für die Qualität einer Untersuchung wie Konfidenzintervalle zu berechnen.[4] Ein weiteres Argument ist der Einfluss der Qualität der Interviewer-Arbeit auf das Ergebnis: Die Auswahl der konkreten Zielperson bleibt bei der Quotenstichprobe dem Interviewer überlassen. Durch dieses Vorgehen bekommen die Interviewer einen großen Einfluss auf den Verlauf der Studie. Nur wenn sie korrekt arbeiten, entspricht die Stichprobe den Qualitätskriterien. Da die Interviewer pro durchgeführtem Interview bezahlt werden und da wegen des Schutzes der Anonymität der Befragten eine Nachkontrolle schwierig ist, seien Quotenstichproben anfällig für Manipulationen.[5] Hinzu kommt, dass das Verfahren die Auswahlwahrscheinlichkeit für gut erreichbare Personen erhöht, bzw. man mit der Quotenstichprobe Menschen, die sich partout nicht befragen lassen, ebenso wenig erreicht, wie mit einer Zufallsstichprobe.[6]

Nutzer und Befürworter der Quotenstichprobe dagegen argumentieren mit den Ergebnissen in der Forschungspraxis, die mindestens genauso gut seien, wie die mit Zufallsstichproben gewonnenen. Angesichts der sinkenden Ausschöpfungsquoten bei Zufallsstichproben soll auch eine Verbesserung der Repräsentativität durch Verzicht auf Zufallsstichproben angestrebt werden.[7]

Quotenstichproben sind unter bestimmten Bedingungen schneller und – allerdings in Abhängigkeit vom Umfragemodus (telefonisch, persönlich, postalisch, online) – wirtschaftlicher als Zufallsstichproben. Das gilt vor allem dann, wenn keine Liste der zu befragenden Menschen vorliegt, aus der eine Zufallsstichprobe gezogen werden könnte. Durch die Quotenvorgaben werde außerdem der Ermessensspielraum des Interviewers so stark eingeschränkt, dass eine Zufallsauswahl angenähert werde.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.people-press.org/2012/05/15/assessing-the-representativeness-of-public-opinion-surveys/
  2. Vgl. Schnell, R., Hill, P. B. & Esser, E. (2008). Methoden der empirischen Sozialforschung (8., unveränd. Aufl.). München: Oldenbourg, hier S. 306-317. Ausführlicher zum Thema Stichprobenausfälle: Proner, H. (2011). Ist keine Antwort auch eine Antwort? Die Teilnahme an politischen Umfragen (1. Aufl.). Wiesbaden: VS-Verl. für Sozialwissenschaften.
  3. Vgl. z. B. die Übersicht bei Reuband, Karl-Heinz (1998). Quoten- und Randomstichproben in der Praxis der Sozialforschung. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der sozialen Zusammensetzung und den Antwortmustern der Befragten. ZA-Information 43, 48-80.
  4. Schnell, R., Hill, P. B. & Esser, E. (2008). Methoden der empirischen Sozialforschung (8., unveränd. Aufl.). München: Oldenbourg, hier S.303
  5.  Dieter Roth: Empirische Wahlforschung. Ursprung, Theorien, Instrumente und Methoden. 2. Auflage. VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15786-3, S. 68f.
  6. Vgl. Schnell, R., Hill, P. B. & Esser, E. (2008). Methoden der empirischen Sozialforschung (8., unveränd. Aufl.). München: Oldenbourg, hier S. 302-304
  7. Zu dieser Problematik vgl. auch Newport, F. (2011). Presidential Address: Taking Aapor's Mission To Heart. Public Opinion Quarterly, 75 (3), 593–604.
  8. Vgl. Schnell, R., Hill, P. B. & Esser, E. (2008). Methoden der empirischen Sozialforschung (8., unveränd. Aufl.). München: Oldenbourg, hier S. 302-304