Räderuhr

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Räderuhr ist der Oberbegriff für Uhren mit einem mechanischen, vorwiegend Zahnräder enthaltenden Uhrwerk.[1]

Der Begriff wird gebraucht zur Abgrenzung von den historisch älteren Elementaruhren (Wasseruhren, Sonnenuhren, Astrolabien, Feueruhren, Kerzenuhren, Sternuhren und Sanduhren) und von den elektromechanischen Uhren, die keine Räder mehr enthalten, beziehungsweise von den Digitaluhren mit elektro-optischer Ziffernanzeige, die überhaupt ohne bewegte mechanische Teile auskommen.

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten]

Zeichnung des Astrariums von Giovanni de Dondi (1364)

Erste Räderuhren sind um 1300 nachweisbar. Zunächst wurden sie in Kirchen und Rathäusern als öffentliche Uhren verwendet. Mit zunehmender Verbreitung der Räderuhr formte sich das Berufsbild des Uhrmachers als Abspaltung des Schlosserhandwerks.

Frühe, monumentale Räderuhren waren meist Kunstuhren oder dienten astronomischen Beobachtungen. Sie waren entsprechend aufwändig gearbeitet und oft mit einer Vielzahl astronomischer Indikationen ausgestattet. Gleichzeitig entwickelten sich einfache und in ihren Abmessungen kleinere Uhren, wodurch sie eine große Verbreitung erfuhren. Bereits ab 1450 wurden erste Räderuhren mit Federantrieb ausgestattet und um 1510 fertigte der Nürnberger Uhrmacher Peter Henlein bereits transportable Tischuhren hoher Qualität. Galileo Galilei entdeckte 1583 den Isochronismus, die Grundvoraussetzung für die Erfindung des Uhrenpendels um 1650 durch Christiaan Huygens. Die Anfertigung wirklich tragbarer Uhren und damit die Entwicklung der Räderuhr zur Taschenuhr, wird aber erst mit der Erfindung der Unruh, um 1674 ebenfalls durch Huygens, möglich.

Die Führerschaft in der Weiterentwicklung und Verbesserung der Räderuhren, die noch im frühen 16. Jahrhundert in Nürnberg, danach in Augsburg gelegen hatte, wechselte Mitte des 17. Jahrhunderts zusehends nach England. Im Schwarzwald, in den Niederlanden und in Frankreich bildeten sich weitere bedeutende Zentren hoher uhrmacherischer Qualität und ausgeprägter regionaler Uhrentypen, ebenso in Wien und Genf.

Mit Beginn der industriellen Revolution zum Ende des 18. Jahrhunderts und der Massenfertigung in Fabriken erfuhr die Räderuhr endgültig den Durchbruch zum Alltagsgegenstand. Von der Taschenuhr zur Armbanduhr war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann nur noch ein kleiner Schritt.

Erwähnung in der Literatur[Bearbeiten]

Es ist nicht bekannt, wann die erste Räderuhr gebaut wurde. Allerdings hat bereits der italienische Dichter und Philosoph Dante Alighieri in seiner Komödie La Commedia[2] (ca. 1307-1320) die Räderuhr als Metapher für den Tanz der Seligen verwendet. Räderuhren waren also zu dieser Zeit bereits erfunden und wahrscheinlich allgemein im Gebrauch:

Beatrix sprach’s – wie um des Poles Stelle
Sich Sphären drehn, so jene Sel’gen nun,
Flammend, Kometen gleich, in Glut und Helle!
 
Wie, wohlgefügt, der Uhren Räder thun –
In voller Eil’ zu fliegen scheint das letzte,
Das erste scheint, wenn man’s beschaut, zu ruhn –
 
Also verschieden in Bewegung setzte
Sich jeder Kreis, drob, wie er sich erwies
Schnell oder träg’, ich seinen Reichthum schätzte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fritz von Osterhausen: Callweys Uhrenlexikon, Callwey, München 1999, ISBN 978-3766713537, S. 262
  2. Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie, Fischer, Frankfurt 2008. ISBN 978-3596900084

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst von Bassermann-Jordan, Hans von Bertele: Uhren. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1969.