Räumung des Hambacher Forsts 2018

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Baumhäuser im Hambacher Forst (Februar 2018)
Lage des noch erhaltenen Teils „Hambacher Forst“ zwischen Braunkohle-Abbruchkante und A4/RWE-Hambachbahn im Bereich Morschenich (alt) und Manheim (alt)
Temporäre Siedlung am Waldrand (2018)

Der Hambacher Forst stand im September 2018 vor der Abholzung. Er ist ein Überrest von 2 km²[1] des ursprünglich 40 km² großen Bürgewaldes,[2] zwischen Köln und Aachen, der seit 1978 für den Tagebau Hambach gerodet wurde.

Die dortige Baumhauskolonie und die Proteste im Hambacher Forst sind Symbol des Widerstands gegen den Braunkohleabbau,[3] die Kohleverstromung und die damit verbundene Klimabelastung.[4] Seit 2012 wurde der verbliebene Teil des Waldes mehrfach von Aktivisten besetzt.

In der Rodungssaison 2018/2019 sollte ein Großteil des verbliebenen Waldes durch den Tagebaubetreiber RWE gerodet werden. In diesem Gebiet befanden sich 50–60 Baumhäuser, die vor einer Rodung geräumt und abgerissen wurden. Am Mittwoch, den 12. September 2018 ordnete die nordrhein-westfälische Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen Ina Scharrenbach (CDU) eine Räumung an. Der folgende Polizeieinsatz gilt als einer der größten in der jüngeren Geschichte Nordrhein-Westfalens.[5] Formal wurde nicht von einem Polizei-, sondern von einem Rettungseinsatz gesprochen.[6] Diese politische Sprachregelung wurde im September 2021 vom Verwaltungsgericht Köln als vorgeschoben und die Räumung als rechtswidrig eingestuft.[7] Zu dem Urteil kann ein Antrag auf Zulassung der Berufung gestellt werden, das vom Oberverwaltungsgericht in Münster entschieden wird. Es ist damit bis zum Verstreichen der Frist nicht rechtskräftig.[8]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konstruktionen in den Bäumen, Monkey town 2

Die ersten Bauten im letzten noch verbliebenen Waldstück entstanden bereits ab 2012 bei einer Besetzung. Einige Baumhäuser stehen oder standen in Oaktown auf der Stiel-Eiche Mona[9] und in den Beechtown, Cosytown, Kleingartenverein, Lorien,[10] und Gallien genannten Baumhausdörfern und Waldcamps nordöstlich des für den Abriss vorgesehenen Dorfs Morschenich, nordwestlich von Buir und westlich von Manheim.

Hüttendorf und Baumhäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konstruktionen befanden sich teils in mehr als 20 Metern Höhe,[11] für den Baumschutz waren diese nicht mit Nägeln, sondern teils mit Knoten befestigt. Zwischen Hütten und Podesten gab es als Walkway in den Baumkronen angelegte Seilwege und Bautenverbindungs-Brücken. Für den Aufstieg wurde geklettert. Für Lasten gab es einen Flaschenzug.[12] Die Versorgung mit elektrischer Energie wurde durch Solarpaneele hergestellt, Internetanschluss über Mobilfunk.[13]

Küchen und beheizbare Schlafräume waren später als Begründung für die Räumung wegen leicht entflammbarer Materialien der Bauten genannt worden.[9] Tripods aus drei Baumstämmen mit Podest für den Protest ergänzten die Konstruktionen in den Bäumen. Die Baumbesetzer wollen die Rodung des Waldes und das Ausbaggern eines 450 Metern tiefen Tagebaulochs verhindern. Der Alltag des Waldlebens sei kein Wellness-Urlaub, so eine Bewohnerin, der Winter hart gewesen.[2] Über das Hüttendorf und die Baumhäuser im Hambacher Forst wurde vielfach in überregionalen Medien berichtet.

Beechtown (englisch beech Rotbuche), das Baumhausdorf, in dem am 19. September 2018 der Dokumentarfilmer Steffen Meyn abstürzte und tödlich verunglückte, während er von oben über die Baumbesetzungen und Proteste berichtet hatte, war das höchstgelegene Waldcamp unter den zu Gruppen zusammengefassten etwa 70 Baumhäusern. Mit Hängebrücken waren die Hütten zu einem geschlossenen Kreis verbunden, darin wohnten in den Kronen der Buchen mehrere Personen bis zur Räumung, kurz vor der Rodungssaison ab Oktober.[14]

Die Baukonstruktionen und Hütten wurden von den Behörden als Schwarzbauten eingestuft und zeitweise geduldet. Im Herbst 2018 erklärte Rolf Martin Schmitz für den RWE-Vorstand, die Erdmassen unter dem Wald und den besetzten Bäumen würden für die Stabilisierung der Böschungen des Tagebaus gebraucht; es gebe keine Spielräume für einen Kompromiss mit den Umweltschützern, da ein Erhalt auch eines Teils des Waldes technisch unmöglich sei. Am Ende entscheide das Parlament über Gesetze.[15]

Wiesencamp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protestcamp am Hambacher Forst vor dem durch die Dürre geschädigten Wald am 9. September 2018

Am Hambacher Forst gibt es immer wieder ein „Wiesencamp“ auf einem privaten Grundstück, um welches auch bereits ein jahrelanger Rechtsstreit geführt wurde.[16][17][18][19]

Räumung im Herbst 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtliche Begründung der Räumung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baumhaus im Hambacher Forst (2018)

Im Jahr 2014 entschied das Bauministerium Nordrhein-Westfalens, dass die im Wald errichteten Baumhäuser der Baumbesetzer nicht als bauliche Anlagen einzustufen seien. Am 4. September 2018, ein Jahr nach den politischen Veränderungen durch die NRW-Landtagswahl 2017, erging ein Erlass des Ministeriums, in dem die Häuser zu baulichen Anlagen erklärt wurden.

Da die Baumhäuser keine Rettungstreppen und Zufahrten für Rettungskräfte in einem Notfall haben, verstießen sie nach Ansicht der Landesregierung gegen brandschutzrechtliche Vorschriften. Ferner fehlten bei den Baumhäusern die notwendigen Fensterbrüstungen und Absturzvorrichtungen. Nach Aussage des Ministeriums müsse daher unverzüglich geräumt werden, da „Gefahr im Verzug für Leib und Leben der Baumhausbewohner aus Brandschutzgründen“ bestünde.[5] Jan Heinisch, Staatssekretär im Bauministerium Nordrhein-Westfalens sagte: „Der Brandschutz kennt keinen Aufschub. Sollte irgendwo ein Brand ausbrechen, könnten die Retter nicht schnell genug zur Hilfe eilen. Die Situation ist für die Bewohner lebensgefährlich.“

Die Landesregierung wies scharf zurück, dass ein Zusammenhang zwischen der bevorstehenden Rodung durch die RWE AG und den Räumungen bestünde. Eine Erklärung, warum die Räumung erst nach der Trockenheit im Sommer 2018 erfolgte, lieferte das Ministerium indes nicht. Die RWE AG erklärte, dass der Konzern an der Entscheidung, nun mit der Räumung zu beginnen, nicht beteiligt gewesen sei, gab aber an: „RWE Power hat am 1. August 2018 einen Antrag bei den Ordnungsbehörden und der Polizei gestellt, rechtzeitig vor der genehmigten Rodungssaison 2018/2019 den Hambacher Forst, der Eigentum der RWE ist, von rechtswidrigen Besetzungen und Nutzungen zu räumen.“[9]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Räumung begann am 13. September und zog sich bis Anfang Oktober hin. Dabei wurde diese u. a. aufgrund von Protestaktionen und eines Todesfalls erheblich verzögert.

Am Abend des 12. Septembers wurde bekannt, dass der Hambacher Forst ab dem Folgetag aus Brandschutzgründen geräumt werden sollte. Die Bauämter des Kreises Düren und der Stadt Kerpen wurden vom Bauministerium angewiesen, die Räumungsbescheide am nächsten Morgen zu verlesen. Am Morgen des nächsten Tages rückte die Polizei in den Wald ein. Laut einem umfangreichen Bericht der taz handelte es sich um 40 bis 60 Baumhäuser in mindestens drei „Dörfern“ im Wald mit den Namen „Norden“, „Oaktown“ und „Gallien“.[2]

Bis zu den Abendstunden des 26. Septembers waren bereits 64 Baumhäuser abgebaut, wobei nicht eindeutig geklärt war, wie viele Baumhäuser tatsächlich existierten, ob auch Podeste mit Übernachtungsmöglichkeit in den Baumkronen pauschal in die Statistik der Polizei gerechnet werden und ob neue Konstruktionen seit dem ersten Tag der Räumung gebaut wurden.[20] Eine weitere Quelle nennt 53 abgebaute Baumhäuser.[21] Die Polizei räumte am 2. Oktober 2018 nach eigenen Angaben das letzte Baumhaus. Anschließend wurde nach Angaben eines Sprechers der RWE die Räumung des Gebietes vorbereitet.[22] Am 5. Oktober wurde die Rodung des Waldes vom Oberverwaltungsgericht Münster vorläufig untersagt. Bis zum 8. Oktober zog die Polizei schließlich wieder aus dem Wald ab. Unmittelbar danach begann eine erneute Besetzung des Waldes. Dabei errichteten die Aktvisten ebenfalls wieder Baumhäuser. Bei einer der polizeilichen Begehungen wurden am 25. März 2019 54 Konstruktionen, davon 39 fertige Baumhäuser gezählt. Eine weitere Räumungsaktion oder alternative Maßnahmen, um den Zugang zu den Baumhäusern zu erschweren, wurden von der Landesregierung in Erwägung gezogen, aber letztlich nicht umgesetzt.[23]

Die Gewerkschaft der Polizei schätzt, dass die Polizei in den fünf Wochen der Räumung insgesamt rund eine Million Arbeitsstunden leistete.[24]

Proteste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Räumung wurde von zahlreichen Protesten begleitet. So bildeten protestantische und katholische Geistliche und junge Gemeindemitglieder aus Düren und Buir eine Sitzblockade und wurden von der Polizei weggetragen.[25] Baumbesetzer verrichteten laut Polizei „ihre Notdurft unmittelbar über den eingesetzten Polizeibeamten und weigerten sich, die Baumhäuser zu verlassen“. Im Bereich der Zufahrt zum Wald wurde nach Polizeiangaben durch den Wurf eines Molotowcocktails ein Einsatzfahrzeug beschädigt. Am Vormittag des 14. Septembers blockierten Aktivisten aus Protest gegen die Räumung die Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund in Berlin.[26] Am Morgen des 15. Septembers besetzten Aktivisten die Förderbänder und Bagger des nahegelegenen Braunkohlekraftwerks Niederaußem. Das Kraftwerk musste daraufhin die Leistung drosseln. Unter dem Baumhausdorf „Oaktown“ wurde ein Schacht mit Menschen gefunden. Dieser musste von der Grubenwehr mit Sauerstoff versorgt und stabilisiert werden.[27][28][29] Die Arbeiten an den Tunneln und die Einsturzgefahr verzögerten die Räumung der Baumhäuser. Zum traditionellen Waldspaziergang kamen am 16. September nach Angaben der Veranstalter 7000 Menschen in den nahegelegenen Ort Buir. Da die Polizei das Betreten des Waldes untersagt hatte, sollte die Demonstration nach Morschenich gehen. Teile der Demonstration spalteten sich ab und forderten Zugang zum Wald. Bis zu 1000 Menschen gelangten an der Polizei vorbei in den Wald. Die Räumungsarbeiten wurden daraufhin bis zum 18. September abgebrochen.[30] Greenpeace-Aktivisten bauten am 26. September Zelte im Foyer der NRW-Staatskanzlei in Düsseldorf auf. Verschiedene Verleiher von Hebebühnen untersagten die Verwendung ihrer Geräte im Hambacher Forst.[31]

Am 6. Oktober 2016 fand eine Großdemonstration mit mehr als 50.000 Teilnehmern und zahlreichen Umweltorganisationen direkt am Hambacher Forst statt. Die Polizei sprach in ähnlicher Weise von mehreren zehntausend Demonstranten.[32] Zu den teilnehmenden Organisationen zählten u. a. die Naturfreunde Deutschlands, Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND); auch die Band Revolverheld wurde angekündigt.[33] Die Polizei hatte die Demonstration jedoch zuerst mit der Begründung von „erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit“ verboten.[34] Der BUND stellte daraufhin einen Eilantrag am Verwaltungsgericht Aachen und am Bundesverfassungsgericht. Das Verwaltungsgericht Aachen kippte am 5. Oktober 2018 das von der Polizei erlassene Verbot. Die Polizei akzeptierte die Entscheidung und zog nicht vor das Oberverwaltungsgericht in Münster.

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen verlegte aus Protest gegen die Rodungspläne ihren Landesparteitag auf den 7. Oktober 2018 an den Hambacher Forst.[35] Der Betreiber der ökologischen Suchmaschine Ecosia veröffentlichte ein an RWE gerichtetes Kaufangebot für das Gelände in Höhe von 1.000.000 Euro.[36][37]

Bereits 2017 gab es Proteste gegen den Kohleabbau während der Klimakonferenz in Bonn am Hambacher Tagebau. Die Glaubwürdigkeit der Klimazusagen wurde bezweifelt, die Räumung von Wald und Baumhäusern als unverhältnismäßig eingestuft.[38] Auch 2018, auf dem Weg zur UN-Klimakonferenz in Kattowitz, hatten Aktivisten die Reste des alten Waldes durchwandert.[9]

Todesfall eines Journalisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Nachmittag gegen 15:50 Uhr starb der 27-jährige Dokumentarfilmer und Journalist Steffen Meyn,[39] der sich auf ein Baumhaus im „Beechtown“ begeben hatte, da er sich auf dem Boden in seiner Dokumentationsarbeit von der Polizei gehindert sah. Dabei stürzte er durch eine eingebrochene Hängebrücke aus ca. fünfzehn Metern Höhe ab. Um den Vorfall aufzuklären, wurden die weiteren Räumungsarbeiten im Hambacher Forst bis zum 21. September komplett gestoppt.[40][41] Nach ersten Angaben der Polizei stand der Absturz des Journalisten in keinem Zusammenhang mit einer direkten polizeilichen Maßnahme. Jedoch war ein Hebebühnenarm mit SEK-Kräften dabei, einen Aktivisten aus einem benachbarten Baum zu holen, während der Journalist mit Personen auf dem Boden – darunter ein Polizist – über den Austausch einer Speicherkarte verhandelte.[11][42][43] Am 23. September gedachten 7.000 Menschen des verunglückten Journalisten und protestierten friedlich vor und im Wald; ein Waldspaziergang mit Route durch den Forst war untersagt worden, daher wurde eine Standkundgebung abgehalten.[44]

Rodungsstopp im Herbst 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großes Mausohr (Myotis myotis) im Quartier in einer Brücke

Das Oberverwaltungsgericht Münster verfügte am 5. Oktober 2018 einen vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst. Die Richter entsprachen damit in einem Eilverfahren dem Antrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.[45][46] Der BUND hatte argumentiert, dass der Wald mit seinen zwei Kolonien der vom Aussterben bedrohten Bechsteinfledermaus und dem Großen Mausohr[47] den Qualitäten eines europäischen FFH-Schutzgebietes entspreche und deshalb rechtlich geschützt werden müsse. Die Bechsteinfledermaus und das Große Mausohr sind im Anhang II und Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet und gleichzeitig Verantwortungsarten innerhalb der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung. Fledermausarten sind nach Anhang IV der FFH-Richtlinie auch außerhalb von FFH-Gebieten streng geschützt. Insgesamt seien 142 geschützte Arten vorhanden.[48]

Das Oberverwaltungsgericht Münster erklärte, die Unterlagen dazu umfassten mehrere Kisten. Die Rechtsfragen seien so komplex, dass man sie nicht in einem Eilverfahren beantworten könne. Die Rodung müsse daher vorerst gestoppt werden, damit keine „vollendeten, nicht rückgängig zu machenden Tatsachen geschaffen“ würden. Zudem könnten die EU-rechtlich geschützten „Gemeinwohlbelange des Gebiets- und Artenschutzes irreversibel beeinträchtigt“ werden.[47][49] Eine Sprecherin des Kölner Verwaltungsgerichts, an dem das Hauptsacheverfahren verhandelt wird, sagte der Rheinischen Post, eine Entscheidung dazu sei nicht „innerhalb weniger Wochen“ zu erwarten. Selbst ein mehrjähriger Rechtsstreit lasse sich nicht ausschließen.[47] RWE rechnete damit, dass erst Ende 2020 Rechtssicherheit zur Rodung im Hambacher Forst bestehen könnte.[50][45][51]

Am 24. September wurde ein Rechtsgutachten im Auftrag von Greenpeace vorgestellt, das zu diesem Zeitpunkt für die Rodung des Waldes keine betriebliche Notwendigkeit sah.[52]

Im Januar 2020 wurde der Erhalt des Hambacher Forstes bei einem Spitzentreffen der Bundesregierung und der vier vom Kohleausstieg betroffenen Bundesländer vereinbart.[53]

Juristische Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prozesse gegen Aktivisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Februar 2019 wurde der Prozess gegen eine Aktivistin eröffnet.[54] Am 5. Februar wurde der Prozess wegen eines nichterschienenen Polizeizeugen vertagt.[55] Am 18. Februar wurde die Aktivistin durch das Amtsgericht Kerpen zu neun Monaten Jugendhaft verurteilt.[56] Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Köln wurde das Urteil am 28. Mai 2019 zu einem dreiwöchigen Dauerarrest sowie 40 Sozialstunden im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes ermäßigt. Da die Untersuchungshaft angerechnet wurde, musste die Aktivistin den Arrest nicht antreten.[57]

Gerichtliche Beurteilung der Räumung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. September 2021 urteilte das Verwaltungsgericht Köln, dass die Räumung des Hambacher Forstes auf einer lediglich vorgeschobenen Begründung basiere und somit rechtswidrig gewesen sei. Das Landesbauministerium wies die Stadt Kerpen gegen ihren Willen an, eine Räumung durchzuführen. Als rechtliche Grundlage wurden hierzu vermeintliche Brandschutzmängel der Baumhäuser als Vorwand genutzt, um eine Räumung zu ermöglichen. Tatsächlich sei es aber darum gegangen, die Aktivisten aus dem Wald zu entfernen. Dies gehe u. a. aus der Räumungsanweisung des Bauministeriums an die Stadt Kerpen hervor. Für diesen Zweck seien das Baurecht und die Brandschutzbestimmungen aber nicht anwendbar, womit die Räumung nicht rechtens gewesen sei. Gegen die Entscheidung kann zunächst keine Berufung eingelegt werden; beim Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen kann aber innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollständigen Urteils noch die Zulassung der Berufung beantragt werden (§ 124a Abs. 4 VwGO).[58][59]

Künstlerische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berliner Liedermacher und Kabarettist Bodo Wartke komponierte zum Thema die Klavierballade „Hambacher Wald“ und erzielte damit eine beachtliche Reichweite auf YouTube.[60][61]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Proteste im Hambacher Forst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RWE: Hambacher Forst ist nicht zu retten, ZDF.de, 29. September 2018
  2. a b c Anett Selle, Bernd Müllender: Räumung im Hambacher Forst. „Der Wald bleibt, der Wald geht“, taz.de vom 13. September 2018 (abgerufen am 14. September 2018)
  3. Hambacher Forst: Massiver Einsatz gegen Braunkohlegegner, Berliner Morgenpost, 13. September 2018
  4. Polizei setzt Räumung der Baumhäuser fort, ZEIT ONLINE, 15. September 2018.
  5. a b WDR, Hambacher Forst: Anwälte wollen Räumung stoppen, er begann am 13. September 2018, abgerufen am 14. September 2018
  6. Über allen Wipfeln ist Lärm, Süddeutsche Zeitung, 13. September 2018.
  7. pad/mxw/dpa: Hambacher Forst: Räumung von Baumhäusern war rechtswidrig. In: Der Spiegel. 8. September 2021, abgerufen am 8. September 2021.
  8. Räumung von Baumhäusern im Hambacher Forst war rechtswidrig. In: DerTagesspiegel. 8. September 2021, abgerufen am 9. September 2021.
  9. a b c d Die Zeit, Jagd durch die Wipfel, 13. September 2018
  10. Räumungen starten wieder, taz.de vom 24. September 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  11. a b Nach tödlichem Unfall im Hambacher Forst Räumung gestoppt, Deutschlandfunk.de, 19. September 2018.
  12. Ich bin hier, um meinen Körper der Räumung entgegenzusetzen, Zeit Campus, 13. September 2018.
  13. Ich könnte da oben ein oder zwei Monate leben, ohne runterzukommen, Die Welt, 7. September 2018.
  14. Der Tag, an dem „Beechtown“ gefallen ist, Aachener Nachrichten, 25. September 2018.
  15. RWE-Chef Schmitz sieht keine Chance für Hambacher Forst, t-online, 30. September 2018.
  16. Braunkohlegegner: Das ist das Wiesencamp am Hambacher Forst.
  17. Radio Rur: Streit ums Wiesencamp beigelegt?. In: www.radio-rur.de.
  18. Aachener Zeitung: Merzenich/Kerpen: Der Landrat lässt das Wiesencamp räumen. In: www.aachener-zeitung.de.
  19. Ralph Jansen: Sechs Jahre im Hambacher Forst: Zerstörte Heimat – Was vom Leben im Wald geblieben ist.
  20. Aachener Nachrichten: Hambacher Forst : Heftige Proteste begleiten die Räumung des Waldes. In: www.aachener-nachrichten.de.
  21. Hambacher Forst: Polizei meldet Abbau von 53 Baumhäusern. 26. September 2018.
  22. Letzte Baumhäuser geräumt: RWE bereitet Rodung im Hambacher Forst vor. In: Spiegel Online. 2. Oktober 2018, abgerufen am 3. Oktober 2018.
  23. [1], WDR vom 19. September 2019; Zugriff am 9. September 2021
  24. Beamte abgezogen – So viele Stunden war die Polizei im Hambacher Forst. In: General-Anzeiger Bonn. 8. Oktober 2018 (general-anzeiger-bonn.de [abgerufen am 8. Oktober 2018]).
  25. Kölner Stadtanzeiger, Polizei räumt Waldgebiet Großeinsatz im Hambacher Forst im Minutenprotokoll, 13. September 2018
  26. Protet gegen Forst-Räumung: Umweltaktivisten blockieren NRW-Vertretung in Berlin. FAZ.net, 14. September 2018.
  27. Interview mit Pressesprecher der Feuerwehr Kerpen Twitter, 17. September 2018.
  28. Interview mit Pressesprecher der Feuerwehr Kerpen Teil 2 Twitter, 17. September 2018.
  29. Interview mit Pressesprecher der Feuerwehr Kerpen Teil 3 Twitter, 17. September 2018.
  30. Räumung des Hambacher Forstes wird fortgesetzt, sueddeutsche.de Video
  31. Bernd Müllender: Engpass im Hambacher Forst: Gehen RWE die Hebebühnen aus?. 23. September 2018.
  32. Hambacher Forst: "Das ist die Mitte der Gesellschaft".
  33. Große Protestaktion am Hambacher Forst geplant (Memento vom 2. Oktober 2018 im Internet Archive) dpa/stern.de vom 1. Oktober.
  34. Polizei verbietet Demonstration. In: FAZ.net. 5. Oktober 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  35. NRW-Grüne verlegen Parteitag an Hambacher Forst, welt.de vom 8. September 2018, abgerufen am 1. Oktober 2018
  36. Kate Connolly: Berlin startup offers €1m to save ancient Hambach forest from coal mining. 9. Oktober 2018, abgerufen am 9. Oktober 2018 (englisch).
  37. Ecosia offers RWE €1,000,000 for Hambach Forest. In: The Ecosia Blog. 9. Oktober 2018 (ecosia.org [abgerufen am 9. Oktober 2018]).
  38. Wolfgang Kaes: Ein Baum, ein Wald und der Rechtsstaat – Wie Politik im Hambacher Forst mit zweierlei Maß misst, General-Anzeiger, 24. September 2018.
  39. Wer ist der Verunglückte aus dem Hambacher Forst?, faz.de vom 20. September 2018 (abgerufen am 24. September 2018)
  40. Journalist stirbt bei Sturz von Hängebrücke, Tagesschau, 19. September 2018
  41. Chronik der Hambacher-Forst-Räumung: Das Schreien im Walde, taz.de vom 22. September 2018 (abgerufen am 3. März 2019)
  42. Todesfall im Hambacher Forst: Doch Polizeieinsatz in der Nähe, wdr.de vom 20. September 2018, Stand 17:56 Uhr (abgerufen am 28. September 2018)
  43. Unglück im Hambacher Forst: Journalist nach Sturz von Hängebrücke gestorben, aachener-nachrichten.de vom 19. September 2018 (abgerufen am 28. September 2018)
  44. Tausende trotzen Matsch und Regen, taz – die tageszeitung, 19. September 2018.
  45. a b Münster: Gericht stoppt vorläufig Rodung im Hambacher Forst. In: Spiegel Online. 5. Oktober 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  46. tagesschau.de: OVG Münster stoppt vorerst Rodung im Hambacher Forst. In: tagesschau.de. 5. Oktober 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  47. a b c Gericht verfügt vorläufigen Rodungsstopp. In: zeit.de. 5. Oktober 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  48. Bechstein-Fledermaus und Co.: BUND will Hambach stoppen. In: Kölnische Rundschau, 12. April 2012. Abgerufen am 26. April 2014.
  49. tagesschau.de: OVG Münster stoppt vorerst Rodung im Hambacher Forst. In: tagesschau.de. 5. Oktober 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  50. Hambacher Forst: RWE geht von Rodungsstopp bis Ende 2020 aus. In: welt.de. 5. Oktober 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  51. Tausende demonstrieren am Hambacher Forst. In: FAZ.net. Abgerufen am 6. Oktober 2018.
  52. Polizei setzt Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst fort, Der Tagesspiegel, 24. September 2018.
  53. Kohle-Unternehmen erhalten Milliarden. In: Tagesschau.de. 16. Januar 2020, abgerufen am 16. Januar 2020.
  54. Prozess gegen Hambi-Aktivisten: Eule im Amtsgericht. In: taz.de. 4. Februar 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  55. Prozess gegen Hambacher-Forst-Aktivistin: „Eule“ bleibt in U-Haft. In: taz.de. 5. Februar 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  56. Hambi-Aktivistin verurteilt: Ein Exempel statuiert. In: taz.de. 19. Februar 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  57. Landgericht Köln, 322 Ns 9/19. Abgerufen am 27. August 2021.
  58. Räumung des Hambacher Forsts war rechtswidrig, Tagesschau vom 8. September 2021; Zugriff am 9. September 2021
  59. Räumung von Baumhäusern im Hambacher Forst war rechtswidrig, Süddeutsche Zeitung vom 8. September 2021; Zugriff am 9. September 2021
  60. Protestkultur. Musik und Kunst als Durchlauferhitzer, deutschlandfunk.de vom 2. Oktober 2018 (abgerufen am 11. Oktober 2018)
  61. Bodo Wartke – Hambacher Wald YouTube, veröffentlicht am 21. September 2018 (abgerufen am 11. Oktober 2018)

Koordinaten: 50° 52′ 44″ N, 6° 33′ 33″ O