Rödingen

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Koordinaten: 50° 57′ 56″ N, 6° 27′ 33″ O

Rödingen
Gemeinde Titz
Höhe: 85 (82–89) m ü. NHN
Fläche: 16,48 km²
Einwohner: 1326 (31. Okt. 2009)
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52445
Vorwahl: 02463
Markt mit Korneliuskapelle aus dem 18. Jahrhundert

Rödingen ist eine Ortschaft mit überwiegend agrikultureller Prägung in der Gemeinde Titz im Kreis Düren, Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen. Die besondere Verbundenheit mit dem Nachbarort Höllen würdigte die Verwaltung mit der Einrichtung eines zusätzlichen Wahlbezirks Rödingen-Höllen.

Die Katholische Pfarrgemeinde St. Kornelius hat in Rödingen ihren Sitz.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rödingen liegt südlich von Ameln, westlich von Bettenhoven, östlich vom Jülicher Stadtteil Güsten und nördlich von Höllen in der Jülicher Börde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Besiedlung ist zum Ende der Römerzeit etwa 350 n. Chr. nachgewiesen. Durch Rödingen verlief eine Römerstraße von Roermond nach Remagen. 1520 rastete Albrecht Dürer auf seiner Reise von Antwerpen in Rödingen.

Bis zur kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen war Rödingen Hauptort der Gemeinde Rödingen, zu der neben dem Kernort die Orte Höllen, Kalrath und Bettenhoven zählten. Die Zerschlagung der Alt-Gemeinde und Zuordnung zur Neu-Gemeinde Titz waren sehr umstritten und von heftigen Protesten begleitet, da die zentralörtliche Bedeutung der Ortschaft Titz schwer zu vermitteln war. Die Neuordnung wurde am 1. Januar 1972 wirksam.[2]

Am 8. September 1965 wurde in der Pfarrkirche St. Kornelius der Brasilianer Dr. phil. Adwalter Antonio Carnielli zum Kath. Priester geweiht.[3]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name leitet sich aus dem Grundwort „Rodung“ mit dem auf Menschengruppen verweisenden Suffix „-ingen“ ab. Nach den Regeln der Toponomastik ist die Bedeutung also „bei den Leuten auf der Rodung“.

Siehe auch: Rodungsname

Bürgewald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rödingen gehört zu den so genannten Bürgewaldgemeinden, die Rechte am Bürgewald besaßen. Dies ist der Legende nach dem heiligen Arnold von Arnoldsweiler zu verdanken, durch den legendären "Ritt um den Bürgewald". Hauptort der Bürgewaldgemeinden ist Arnoldsweiler. Dorthin mussten die Rödinger am Pfingstdienstag, später am Pfingstmontag, dem heiligen Arnold eine Kerze opfern. Dieser Wachszins wurde erst im 19. Jahrhundert aufgelöst.[4]

Bockwindmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rödinger Bockwindmühle wurde am 10. Juli 1914 durch ein Feuer zerstört und nicht mehr wiederaufgebaut. Sie stand im freien Feld östlich von Rödingen in Richtung Grottenherten. Schon 1597 wurde ihr Standort auf einer lokalen Flurkarte eingezeichnet. Heute steht hier ein Feldkreuz, umrahmt von zwei Bäumen. Der Straßenname Mühlenend erinnert an die Windmühle.[5]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: St. Kornelius (Rödingen)

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort besteht ein zweigruppiger katholischer Kindergarten. Die Gemeinschaftsgrundschule wurde 2015 aufgelöst.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf weist zwei Gaststätten, eine Pizzeria, eine Bäckereifiliale, eine Apotheke, eine Postfiliale und eine Zweigstelle der Sparkasse Düren auf.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Bundesstraße 55 verläuft südlich von Rödingen und führt zur Anschlussstelle Jülich-Ost der Bundesautobahn 44 und zur Anschlussstelle Bergheim der Bundesautobahn 61. Die nördlich liegende Anschlussstelle Titz der A 44 ist über die Nachbarorte Ameln und Titz zu erreichen.
  • Busse des öffentlichen Personennahverkehrs fahren sonntags den Ort nicht an. In der Woche fahren zwei Buslinien. Die Buslinie 284 der RVE verbindet Rödingen mit Jülich und Jackerath. Die Linie 963 der REVG hat als Endpunkte Rödingen und Köln-Weiden und führt über Elsdorf, Bergheim und Frechen-Königsdorf.
  • Rödingen ist am Radverkehrsnetz NRW angeschlossen, im Nachbarort Höllen befindet sich ein Knotenpunkt. Der Radwanderweg Wasserburgen-Route führt durch Rödingen. Die flache Landschaft der Jülicher Börde ist für Radfahrer ideal.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Synagoge Rödingen

Auf dem 1986 in die Denkmalliste der Gemeinde eingetragenen jüdischen Friedhof stehen noch 15 Grabsteine aus der Zeit von etwa 1850 bis 1910.

Matronenstein in Rödingen

Matronensteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1785 wurden zwischen Rödingen und Höllen neun Matronensteine aus der römischen Siedlungsphase gefunden. Ein Stein ist erhalten, das Original steht im Reiss-Museum Mannheim, je ein Duplikat im Foyer des Rathauses Titz und in Rödingen, Ecke Hohe Straße/Platz. Die übrigen Steine wurden im Schlossmuseum Mannheim im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Stein in Rödingen ist den Matronae Gesahenae gewidmet, seine Inschrift lautet: [6]

(Für) die Göttinen Gesahenae (haben) Marcus Julius Valentinus und Julia Julinna auf Befehl der Göttinnen gerne und in Übereinstimmung mit ihrem Gelübde diesen Altarstein errichtet

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • TTC 1956 Rödingen-Höllen e.V. – Tischtennis Club mit zwei Herrenmannschaften und einer Jugendmannschaft.
  • SV 1919 Rödingen-Höllen e.V. – Sportverein mit Radsport- und Fußballabteilung
  • St.Seb. Schützenbruderschaft Rödingen e.V. – Schützenverein
  • Rödinger Historetten e.V.
  • Geschichtsverein von Rödingen, Höllen, Bettenhoven und Kalrath e.V.
  • Karnevalsgesellschaft 1949 Rot-Gold Rödingen-Höllen e.V.
  • Männer Gesang Verein (MGV) von 1858 e.V.
  • Interessengemeinschaft Mühlenplatz (Mühlenend)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DAS TELEFONBUCH, Online-Auskunft, abgerufen am 6. Oktober 2013
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 308.
  3. Arquidiocese de Vitória, Padres, padre Adwalter Antonio Carnielli. Abgerufen am 5. Januar 2012 (portugiesisch).
  4. Urkunde von 1360 zur Bestätigung des Wachszinses, durch den Herzog von Jülich.
  5. Helmut Holtz: Windmühlen in der Gemeinde Titz, in: Jülicher Geschichtsblätter Band 76–78.
  6. Henk Verbeek: Land aan de Roer. gezoend door de muzen en vertrapt door Mars. Land an der Rur. Von den Musen geküsst und vom Mars geschunden, Roerdalen 2014, S. 44

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]