Röhrendiode

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Eine Röhrendiode oder auch Vakuumdiode (Ältere Bezeichnung durch John Ambrose Fleming: Kenotron) ist allgemein eine Elektronenröhre mit zwei Elektroden. Im engeren Sinne werden nur evakuierte Röhren mit beheizter Kathode als Röhrendioden bezeichnet. Die Röntgenröhre und das Magnetron sind prinzipiell ebenfalls Röhrendioden.

Röhrendiode mit indirekt geheizter Glühkathode

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1873 entdeckte Frederick Guthrie, dass ein positiv geladenes Elektroskop entladen wird, wenn man ein geerdetes, glühendes Metallstück in die Nähe brachte. Bei negativ geladenem Elektroskop passiert nichts, woraus folgte, dass der elektrische Strom nur in eine Richtung fließen konnte. Thomas Edison entdeckte diese Erscheinung im Jahr 1880 bei Experimenten mit Glühlampen wieder und ließ sich den Effekt 1884 patentieren, ohne eine Anwendungsmöglichkeit zu kennen. Seitdem nennt man ihn Edison-Richardson-Effekt.

Etwa zwanzig Jahre später erkannte John Ambrose Fleming, der zuerst Angestellter von Edison und später wissenschaftlicher Berater der Marconi Wireless Telegraph Company war, dass der Edison-Effekt benutzt werden konnte, um schwache Radiosignale nachzuweisen. Er ließ sich die erste brauchbare Anwendung, die “Fleming valve”, im Jahr 1904[1] patentieren.

Funktionsprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röhrendiode im Schnitt

Aus der geheizten Kathode treten Elektronen aufgrund von Feldemission, Fotoemission oder thermischer Emission aus und können von der Anode eingefangen werden. Dieser elektrische Strom ist besonders hoch, wenn die Anode gegenüber der Kathode positives Potenzial hat. Bei negativer werdender Anode sinkt der Strom, weil die Energie der austretenden Elektronen noch ausreicht, um eine geringe Potentialbarriere zur (negativen) Anode zu überwinden. Bei maximalen Temperaturen der Kathode um 2000 °C beobachtet man diese Elektronen nur bis zu wenigen Volt Sperrspannung. Daher hat eine als Elektronenröhre mit Glühkathode aufgebaute Diode die Wirkung eines Einweg-Gleichrichters.

Auch ohne eine elektrische Spannung zwischen Kathode und Anode fließt aufgrund des Konzentrationsgefälles der thermisch oder durch den äußeren Fotoeffekt emittierten Elektronen ein kleiner Strom. Fotozellen - die vom Prinzip her ebenfalls Röhrendioden sind - können daher ähnlich wie Fotodioden auf Halbleiterbasis auch ohne Hilfsspannungsquelle zur Lichtmessung verwendet werden. Beim thermionischen Generator wird dieser Effekt ausgenutzt, um aus der Wärmeenergie der glühenden Kathode elektrische Energie zu erzeugen.

Anwendung als Gleichrichter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleichrichterröhre am dazugehörigen Transformator ohne Glättungskondensator

Röhrendioden mit Glühkathode wurden früher unter anderem in röhrenbestückten Geräten, wie z.B. dem sogenannten Volksempfänger mit der Röhre VY2, als Gleichrichter- und Demodulatordioden verwendet, später jedoch durch Selen- und schließlich durch Siliziumdioden mit erheblich geringeren Verlusten ersetzt.

Bei Röhrengleichrichtern dürfen die maximale Größe des Ladekondensators nicht überschritten, sowie der minimale Serienwiderstand (z. B. Widerstand der Trafowicklung) nicht unterschritten werden, da sonst wegen der hohen Stromspitzen die Lebensdauer der Kathodenbeschichtung über die übliche Abnutzung hinaus herabgesetzt wird. Die Werte sind in den entsprechenden Datenblättern dokumentiert.

Bauformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indirekt beheizte Röhrendioden, v.l.n.r.:
WI1 5/20 (Hochspannungsgleichrichtung)
PY88 (Boosterdiode aus TV)
EY51 (Hochspannungserzeugung in SW-TV)
Direkt beheizte Gleichrichterröhre AZ12
300…500 V Sperrspannung, max. 0,2 A Anodenstrom
In den beiden grau-blauen Blechhülsen aus P2-Eisen (Anoden) befinden sich W-förmig verlaufend die Kathodenbänder
Einzelteilansicht einer PY88

In der Praxis wird unterschieden zwischen Einzel- und Duodioden. Diese beiden Gruppen werden wiederum unterteilt in Dioden kleiner Leistung für Demodulatorzwecke und Leistungsdioden zur Gleichrichtung von Versorgungsspannungen.

Gruppe Kennbuchstabe Anwendung
Einzeldiode A Demodulatorzwecke
Duodiode B Demodulatorzwecke
Einzeldiode Y Einweggleichrichter
Duodiode Z Vollweggleichrichter

Oftmals wurden Dioden für Demodulatorzwecke mit einer Verstärkertriode in einem Kolben vereint, beispielsweise bei der EAF42, EBC91 oder EBF89.

Einzeldiode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzeldioden (Kennbuchstabe A bzw. Y) enthalten nur eine Kathode und eine Anode. Sie wurden z.B. zur Einweg-Gleichrichtung, als Boosterdiode in Horizontalablenkstufen von Fernsehern oder zur Amplituden-Demodulation eingesetzt.

Zur Hochspannungsgleichrichtung (6 bis ca. 100 kV) wurden spezielle Gleichrichterröhren-Typen entwickelt: zur Vermeidung von Feldemission besitzen sie abgerundete Anodenkanten und einen größeren Abstand zwischen Anode und Kathode. Sie benötigen auch bei indirekter Heizung eine isolierte Heizspannungsquelle; einer der Heizwendelanschlüsse ist mit der Kathode verbunden.
Eine andere, veraltete Bezeichnung für Hochspannungs-Gleichrichterröhren ist Glühventil.

Beispiele für Einzeldioden sind neben den abgebildeten Typen die EY80 und EY82 sowie die DY86 (Hochspannungsgleichrichterdiode).

Doppeldiode (Duodiode)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppeldioden (Kennbuchstabe B bzw. Z) sind Röhren mit zwei Anoden und einer gemeinsamen Kathode. Sie wurden in Empfängern zur Amplituden-Demodulation mit unabhängiger Erzeugung der Regelspannung ebenso verwendet wie in Verhältnis-Gleichrichtern zur FM-Demodulation.

Für Gleichrichterzwecke wird ein Transformator mit Mittelanzapfung der Sekundärwicklung verwendet, damit ist Vollweg-Gleichrichtung möglich. Die gegenphasigen Enden der Anodenspannungswicklung des Transformators werden mit jeweils einer Anode verbunden. An der Kathode entsteht der positive Pol der gleichgerichteten Spannung, die Mittelanzapfung der Transformatorwicklung bildet den Minuspol. Bei direkt geheizter Kathode muss für die Heizspannung auf dem Transformator eine separate, isolierte Heizwicklung vorhanden sein.

Beispiele für Vollweg-Gleichrichterröhren sind neben der abgebildeten AZ12 (direkt geheizt) die Typen EZ80 und EZ81 (beide indirekt geheizt, daher keine separate Heizwicklung auf dem Transformator notwendig).

Ausnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Type EAA91 wird auch oft in den Datenblättern als EB91 geführt. Tatsächlich handelt es sich hier um zwei unabhängige Einzeldiodenstrecken in einem Kolben, die Kathoden sind elektrisch getrennt.

Selbes gilt für die EYY13.

Quecksilberdampfgleichrichter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quecksilberdampfgleichrichter sind mit Quecksilber und Edelgas gefüllte Röhren mit ungeheizter Quecksilberteichkathode. Sie zählen daher nicht zu den Röhrendioden im engeren Sinne. Sie wurden für Gleichrichteranlagen größerer Leistung anstelle von Röhrendioden eingesetzt, da sie effektiver sind – sie besitzen in Durchlassrichtung einen geringeren Spannungsabfall, was sich unter anderem auch in geringeren Schwankungen der Ausgangsspannung bei unterschiedlicher Belastung zeigt.

Sonderformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Typen AX1 und AX50 wurden Doppeldioden für Gleichrichterzwecke mit Glühkathoden und Quecksilberdampffüllung geschaffen, die den Vorteil der Quecksilberdampfgleichrichter mit der einfachen Handhabung der Vakuumdioden vereinen sollen. Wegen der hochfrequenten Störungen durch die Gasentladung wurden diese Röhren in der Praxis nur im Netzteil leistungsfähiger NF-Verstärker eingesetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Road to the Transistor. Jmargolin.com. Abgerufen am 22. September 2008.