Röhrensee (Bayreuth)

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Röhrensee
Bayreuth Röhrensee am Abend 2009.JPG
Röhrensee am Abend mit Gaststätte, Bootshaus und der neuen Fontäne
Geographische Lage Bayreuth, Oberfranken, Bayern, Deutschland
Zuflüsse Aubach
Abfluss Aubach → SendelbachMistel
Daten
Koordinaten 49° 55′ 59″ N, 11° 34′ 23″ OKoordinaten: 49° 55′ 59″ N, 11° 34′ 23″ O
Röhrensee (Bayreuth) (Bayern)
Röhrensee (Bayreuth)
Fläche 1,7 ha[1]
Länge 450 m
Breite 60 m
Vorlage:Infobox See/Wartung/NACHWEIS-SEEBREITE

Der Röhrensee ist ein rund 1⅔ ha großer Teich südlich der Innenstadt von Bayreuth. Er liegt inmitten der gleichnamigen Parkanlage mit Tiergehegen und einem großen Spielplatz.

Im März 2018 wurde der Tierpark als ein Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.[2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Röhrensee wird vom Aubach von Süden nach Norden durchflossen und entstand im Jahr 1891 durch die Vereinigung des Cunoweihers und des Röhrenweihers in dessen Verlauf. Mit einer Länge von 450 und einer maximalen Breite von 60 Metern ist er die größte zusammenhängende Wasserfläche im Stadtgebiet von Bayreuth. Wo früher ein Damm den Cuno- vom damals wenig tiefer liegenden Röhrenweiher trennte, liegt heute eine künstliche Insel, die seit 1903 über zwei filigrane Bogenbrücken von beiden Ufern aus erreichbar ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Röhrensee leitet sich aus der einstigen Nutzung des Röhrenweihers ab. Bereits im Jahr 1611 war eine Deichelwasserleitung von den nahegelegenen Quellhöfen zur Innenstadt gelegt worden, die dort vier Brunnen speiste. Die hierfür verwendeten Rohre, ausgehöhlte Baumstämme, wurden in diesem Vorläufersee gewässert und gelagert. Im 19. Jahrhundert wurde am Röhrenweiher auch eine Badeanstalt betrieben.

Südlicher Teil des Röhrensees (ehemaliger Cunoweiher)
Westliche Brücke zur Insel

Der Verschönerungsverein Bayreuth von 1884 regte an, die beiden Weiher zusammenzulegen. Bereits 1891, damals hatte der Verein schon 838 Mitglieder, konnten sie zum nunmehr Röhrensee genannten Gewässer vereinigt werden. Im selben Jahr wurde dort mit acht „Gondeln“ die Kahnfahrt eröffnet. Zunächst auf der Insel, 1894 dann auf der Westseite des Sees entstand ein Restaurationsbetrieb, der sich „nicht nur wegen der guten Bewirtschaftung eines eifrigen Besuchs der Bayreuther Bürgerschaft erfreute“.[3] 1904 brannte das Gebäude ab und wurde in Etappen in seiner heutigen Form mit einem prägenden Fachwerktürmchen wiederaufgebaut.[4] Der damalige Pächter richtete in seinem Garten einen kleinen Zoo mit heimischen Tierarten und Affen ein. Auch gab es einen Kinderspielplatz und eine 20 Meter hohe Fontäne, die aber den Krieg nicht überstand. Im Jahr 1911 berichtete eine Zeitung vom Röhrensee, dass der Eislauf eine „Modekrankheit“ geworden sei.

Kiosk und Biergarten im Röhrenseepark

Aus dem Sommer 1919 stammt ein Kiosk mit Biergarten in der Nähe des Bootshauses. Mit Unterstützung der Oberfrankenstiftung wurde das Gebäude vom Eigentümer restauriert und im Mai 2005 wiedereröffnet.[5]

1926 empfahlen der Verschönerungsverein und der Direktor des Nürnberger Zoos, in den Anlagen am Röhrensee einen Zoo einzurichten. Die Umgestaltung des Geländes konnte jedoch, da die Einrichtung des Parks am Festspielhaus vorging, erst 1931 begonnen werden. Es wurden neue Zugänge und Wege geschaffen und das Gelände zum Teil neu bepflanzt, einen Zoologischen Garten verwirklichte man damals aber nicht. Den Unterhalt der Anlagen versuchte der Verein über Mitgliedsbeiträge sowie Einnahmen aus der Kahnfahrt und der Karpfenzucht zu finanzieren. In manchen Jahren reichten diese Einnahmen aber kaum aus. In einem Jahr mussten schon allein 16.000 Reichsmark für das Ausheben von Erdmassen aus dem verschlammten See aufgewendet werden.

Bootshaus und Gaststätte

Nach den Bombenangriffen des April 1945 war dem Verschönerungsverein sein Tätigkeitsfeld vorerst genommen. Das Wehr am Auslauf war zerstört, der See lag trocken und konnte nicht wieder gefüllt werden. Die alten Baumbestände am Ufer vertrockneten und gingen ein. Kähne und Bänke wurden zerschlagen und von der notleidenden Bevölkerung als Brennholz verfeuert. Als nach Kriegsende 1945 der amerikanische Militärgouverneur wieder öffentliche Veranstaltungen genehmigte, entwickelte sich die Röhrenseegaststätte zu einem der vorerst wenigen Tanzlokale in der Stadt. Nach Abschaffung der Lebensmittelmarken 1948 wurden dort auch wieder Speisen angeboten.

Flamingogehege

Erst 1950 begann man damit, den See und die Parkanlage wieder herzurichten. Aus den Mitteln der Almosenkastenstiftung erstellte die Stadt auch die Kahnhalle mit zehn Kähnen neu. Das Ablaufwehr wurde neu errichtet, Sprenglöcher wurden aufgefüllt, und die Anlagen wurden dem Verschönerungsverein gegen einen „Pachtschilling“ von 2.400 DM im Jahr zur Bewirtschaftung überlassen. Am 31. Dezember 1982 endete dieses Pachtverhältnis. Seitdem werden die Anlagen vom Stadtgartenamt gepflegt. Als Pächter bietet der Verein Naturfreunde seit dem 1. Juni 1983 Kahnfahrten, Fischen und den Eislauf an.

Im Jahr 1973, 47 Jahre nach den ersten Plänen, wurde das erste Tiergehege eingeweiht, finanziert aus Spenden der Bayreuther Bevölkerung und der ortsansässigen Wirtschaft. 2017 war der Tierbestand auf 31 Arten[6] angewachsen. In den zahlreichen Gehegen befinden sich unter anderem weiße Esel,[2] Nandus und Weißnackenkraniche.

Der Röhrensee und seine Parkanlage sind nach wie vor ein beliebtes Ziel für Jung und Alt. Entlang des Aubachs entstanden nach Süden hin im C’est-bon-Tal weitere Tiergehege. Im September 2011 wurde eine „generationenübergreifende Spielanlage“ eröffnet. 2020 wurde der Park entlang der Thiergärtner Straße in Richtung des Ökologisch-Botanischen Gartens erweitert. Auf dem bislang landwirtschaftlich genutzten Gelände südlich der Kleingartenkolonie Schwedenbrücke wurde ein „Weg der Artenvielfalt“ angelegt, den seltene endemische sowie süd- und südosteuropäische winterharte Laubbäume säumen.[7]

Wasserförderung im C’est-bon-Tal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der vom Aubach durchflossene Teil des Parks südlich der Eisenbahnbrücke trägt die historische Bezeichnung C’est-bon-Tal. 1611 wurde an dessen Osthang eine artesische Quelle gefasst und deren Wasser zu einem Brunnen an der Stadtkirche in die Innenstadt geleitet. Vor 1793 kamen eine weitere Quelle und eine zweite Wasserleitung hinzu.[8] Zur allgemeinen Wasserversorgung der Stadt trugen die Leitungen bis Ende des 19. Jahrhunderts aber nicht bei.

1880 waren 239 Privathäuser an die Wasserversorgung angeschlossen, acht Jahre später bereits 529. Deren rasch steigende Zahl und trockene Witterung führten zu Rationierungen, weshalb man sich an die alten Quellfassungsschächte im C’est-bon-Tal erinnerte. 1891 wurde neben der Eisenbahnbrücke mit dem Bau des C’est-bon-Reserve-Pumpwerks begonnen. Das 42.000 Mark teuere Dampfpumpwerk förderte Wasser aus den hierfür 20 Meter tief gebohrten Quellschächten und pumpte es zu Hochbehältern in der Saas und in Spänfleck. 1892 wurde die Dampfmaschine mit einem Generator verbunden, der den Strom für Bayreuths erste Straßenbeleuchtung lieferte. 1917 wurde ein dritter, 77,5 Meter tiefer Brunnen gebohrt. 1934 wurde das Pumpwerk neu gestaltet und die Dampfmaschine durch eine Heberleitung und einen Heberbrunnen im neuen Gebäude ersetzt.

Anfang der 1960er Jahre wurden drei weitere, 140 bis 160 Meter tiefe Brunnen gebohrt, aus den jährlich rund 73.000 Kubikmeter Wasser gefördert wurden. 1999 wurde die Förderung beendet, da eine Belastung des Grundwassers festgestellt wurde. Da sie nur etwas mehr als einem Prozent der jährlichen Wasserabgabe der Stadtwerke entsprach, wurde statt einer kostspieligen Sanierung der Rückbau der Anlage beschlossen und 2020 die Wasserschutzzone aufgehoben.[9]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Südende des Parks, neben der Thiergärtner Straße, liegt bei der ehemaligen Sandgrube ein Wilhelmshöhe genannter Hügel. Dort wurden am 12. April 1945, kurz vor der Befreiung der Stadt durch die US-Truppen am 14. April, deutsche Soldaten als vermeintliche Defätisten oder Deserteure von der Wehrmacht standrechtlich erschossen.[10]

Im Oktober 1969 wurde entdeckt, dass aus dem Röhrensee rund 700 Karpfen gestohlen worden waren. Im Vorjahr hatte der Verschönerungsverein 1400 junge Karpfen dort ausgesetzt. Die Ausbeute fiel jedoch so gering aus, dass er die Aufgabe der eigenen Fischzucht in Betracht ziehen musste.[11]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Röhrensee (Bayreuth) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abgemessen auf dem BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise).
  2. a b Schützen, was man liebt in: Nordbayerischer Kurier vom 28. März 2018, S. 11.
  3. Kurt Herterich: Südliches Bayreuth. Ellwanger, Bayreuth 1996, ISBN 978-3-925361-26-5, S. 76.
  4. Kurzurlaub neben Kängurus in: Nordbayerischer Kurier vom 12. März 2021, S. 7.
  5. Das Häuschen am See in: Nordbayerischer Kurier vom 19. Juli 2019, S. 11.
  6. Kletterfelsen, Kanus, Kaiserkronen. Der Röhrenseepark präsentiert sich in der Blütenfülle des Frühlings in: Nordbayerischer Kurier vom 8. Mai 2017, S. 16.
  7. Artenvielfalt erleben: Wandern unter den Blättern der Hopfenbuche und des Zürgelbaums in: Nordbayerischer Kurier vom 16. November 2020, S. 8.
  8. Kurt Herterich: Südliches Bayreuth, S. 90 ff.
  9. Quellhöfe: Hier sprudelte es ohne Pumpen in: Nordbayerischer Kurier vom 14./15. November 2020, S. 15.
  10. Udo Meixner: 70 Jahre Kriegsende. Bayreuth und Umgebung. 1. Auflage. Nordbayerischer Kurier, Bayreuth 2015, ISBN 978-3-944791-53-1, S. 128 f.
  11. Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 19./20. Oktober 2019, S. 10.