Römerkanal-Wanderweg

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Koordinaten: 50° 52′ 15″ N, 6° 52′ 6″ O

Verlauf von Kanal und Wanderweg
Logo des Wanderweges

Der Römerkanal-Wanderweg ist ein Wanderweg entlang der im 1. Jahrhundert n. Chr. von den Römern erbauten Eifelwasserleitung. Er verläuft von Nettersheim über Kall, Rheinbach, Brühl und Hürth nach Köln-Sülz und besitzt eine Länge von 116 km. Der Wanderweg wurde im Jahr 1988 zum hundertjährigen Bestehen des Eifelvereins eröffnet, im Jahre 2012 grundlegend modernisiert und auch mit einem zeitgemäßen Beschilderungssystem versehen. Am Wegesrand informieren rund 50 Schautafeln über örtliche Besonderheiten und den Bau der Wasserleitung. Wegzeichen ist ein stilisierter Querschnitt des überwölbten Kanals in schwarz auf weißem Grund. Ein aktueller Pocketguide oder ein aktueller archäologischer Wanderführer des Eifelvereins mit abgedruckten Kartenausschnitten, die den Verlauf des 2012 erneuerten Wanderwegs wiedergeben, sind unverzichtbare Begleiter bei Wanderungen. Zur Einkehr laden verschiedene Gastronomie- und Übernachtungsbetriebe ein. Der Freundeskreis Römerkanal, in dem alle Anliegergemeinden und zuständigen Institutionen vertreten sind, bündelt die Aktivitäten zur Erhaltung und Vermarktung des Bauwerks. Er führt auch eigene Veranstaltungen durch.

Sehenswertes entlang der Strecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunnenstube „Grüner Pütz“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Grüner Pütz

Die Römer erschlossen zuerst die Quellen bei Kallmuth, Urfey und Dreimühlen und erweiterten später in einer zweiten Bauphase dieses System durch einen vierten Leitungsstrang zum „Grünen Pütz“ im Urfttal in der Nähe von Nettersheim. Diese Quellfassung war der Beginn der zu Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. erbauten Eifelwasserleitung, auch Römerkanal genannt. Obwohl am Grünen Pütz ein Parkplatz besteht, nimmt der Wanderweg am Naturzentrum Eifel in Nettersheim seinen Anfang und führt zum Grünen Pütz und danach entlang der Leitungstrasse im Urfttal weiter zu einem interessanten Aufschluss bei der Burg Dalbenden.

Aufschluss der Eifelwasserleitung bei der Burg Dalbenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Nordhang des Urfttales bei der Burg Dalbenden in Urft befand sich ein heute noch vollständig erhaltener Durchlass der an dieser Stelle schon in der Antike für ein kurzes Stück oberirdisch geführten Leitung. Dieser Durchlass sollte den Kanal davor bewahren, durch das Wasser eines kleinen Trockentals unterspült zu werden. Der Wanderweg führt nun an der Stolzenburg vorbei und danach weiter über Sötenich, Keldenich und Dottel. Keldenich liegt auf der Wasserscheide von Urft und Erft. In Kall passierte die Eifelwasserleitung diese Wasserscheide. Der Wanderweg führt nun an einem der Quellgebiete des Römerkanals, dem Quellgebiet Urfey, vorbei zu der kleinen, aber wegen ihres guten Erhaltungszustandes bedeutenden Aquäduktbrücke in Mechernich-Vollem.

Aquäduktbrücke in Mechernich-Vollem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz bevor die Leitung aus dem Quellgebiet von Urfey auf den Kallmuther und Nettersheimer Leitungsstrang traf, überquerte der Kanal über eine kleine heute noch gut erhaltene Aquäduktbrücke den antiken Kallmuther Bach. Dieses Brückenbauwerk befindet sich zwischen den Orten Urfey und Vollem und kann heute wieder besichtigt werden. Die kleine Aquäduktbrücke ist heute die Station 9 des 2012 erneuerten Wanderwegs.

Brunnenstube Klausbrunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Klausbrunnen

In einem weiteren Quellgebiet der Eifelwasserleitung 700 m östlich von Kallmuth lässt sich wieder eine rekonstruierte Brunnenstube besichtigen, der Klausbrunnen. Er war vor der späteren Erweiterung des Kanals zum Grünen Pütz der äußerste Punkt der römischen Wasserleitung nach Köln.

Sammelbecken in Mechernich-Eiserfey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Sammelbecken in Eiserfey

In Eiserfey kann ein rundes Sammelbecken besichtigt werden, in das neben dem Leitungsstrang von Nettersheim (Grüner Pütz), Kallmuth (Klausbrunnen) und Urfey ein zweiter Kanal vom Quellgebiet „Hausener Benden“ beim Ort Weyer herkommend einmündet. Von dem Sammelbecken aus wurde das Wasser in der Eifelwasserleitung weiter nach Köln transportiert. Der Wanderweg führt nun durch das Veybachtal weiter zur Aquäduktbrücke in Vussem.

Aquäduktbrücke bei Vussem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Aquäduktbrücke Vussem

Um ein heute namenloses Seitental des Veybaches zu überqueren, wurde bei Mechernich-Vussem eine ca. 80 m lange und bis zu 10 m hohe Aquäduktbrücke errichtet. Heute ist dort eine Teilrekonstruktion mit drei von ehemals wahrscheinlich zwölf Bögen zu sehen.

Aufschlüsse bei Mechernich-Breitenbenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am rechten Hang des Krebsbachtales findet man einen Aufschluss der Eifelwasserleitung mit Einstiegsschächten. Einstiegsschächte waren an diesem Abschnitt der Leitung besonders zahlreich, da es die Römer hier mit geologischen Problemen zu tun hatten, durch die die Leitung reparaturanfällig war. Hier befinden sich in der Nähe des Römerkanals Überreste von römischen Gebäuden.

Aufschlüsse bei Euskirchen-Kreuzweingarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufschluss an der Straße „Am Römerkanal“ ist bekannt für seine mächtigen Kalksinterablagerungen. An einem weiteren Aufschluss in Kreuzweingarten können die restaurierten Grundmauern eines kleinen römischen Gebäudes besichtigt werden. Man vermutet, dass hier ein kleiner Tempel stand.

Von Kreuzweingarten nach Rheinbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Kreuzweingarten verläuft der Wanderweg an der Hardtburg, einer Burg aus dem 12. Jahrhundert, bei deren Bau auch Baumaterial aus der Eifelwasserleitung verwendet wurde, vorbei nach Niederkastenholz. Hier sind in der Kirche St. Laurentius neben Baumaterial sogar Kalksinterplatten verwendet worden. Außerdem findet man in Niederkastenholz im Bürgersteig römische Pfeilerstümpfe einer Wasserleitung, die aber wohl mit der Eifelwasserleitung nicht in Verbindung stand. Der Wanderweg führt weiter über Palmersheim nach Rheinbach, wo am Kreisel Aachener Straße ein Teilstück des Kanals aufgestellt ist, das in Rheinbach geborgen wurde und dessen Sohle und Wangen aus römischem Stampfbeton besteht. Ein weiteres Teilstück steht in der Pützstraße und stammt aus Mechernich-Breitenbenden. Am Wasemer Turm und am Hexenturm in Rheinbach wurde auch wieder Baumaterial aus dem Römerkanal verwendet.

Von Rheinbach nach Hürth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Lüftelberg befand sich zur Überwindung des Swistbaches eine 1400 m lange und bis 11 m hohe Aquäduktbrücke, die aber im Mittelalter komplett abgebrochen wurde. An der Station 35 des Wanderwegs steht ein Pfeilernachbau der Aquäduktbrücke, der sich an falschem Standort befindet, aber einen ungefähren Eindruck von dem Bauwerk vermittelt. Der Wanderweg verläuft weiter über Lüftelberg und Buschhoven in den Kottenforst, wo sich an Station 40 ein mittelalterlicher Ausbruchgraben befindet, der durch die Gewinnung von Baumaterial entstand. Station 38 des Wanderwegs ist ein Aufschluss der Eifelwasserleitung, die die Römer hier besonders tief ins Erdreich hineinbauen mussten; in diesen Aufschluss, der sich in Buschhoven befindet, muss man von oben einsteigen. Der Römerkanal-Wanderweg führt weiter über Brühl nach Hürth.

Die Wasserleitungen in Hürth und der Aufschluss in Hürth-Hermülheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. hatten die Römer ihre etwa 30.000 Einwohner zählende Verwaltungshauptstadt Untergermaniens aus mehreren Quellen am Rand des Vorgebirges (Ville) mit Wasser versorgt. Diese liefen an der Burg Hermülheim zusammen. Den genauen Ort hat man noch nicht gefunden. Die ab Hürth-Hermülheim bestehende Sammelleitung der Quellen vom Vorgebirgshang wurde, da nicht mehr ausreichend zur Versorgung der Stadt, aufgestockt. An der Realschule in Hermülheim befindet sich eine zugängliche Ausgrabungsstelle, die die Vorgehensweise der römischen Ingenieure deutlich erkennen lässt. Innerhalb Hürths verläuft der Weg vom Brühler Wasserturm kommend über Fischenich und Kendenich durch das rekultivierte Gelände der ehemaligen Braunkohlengrube Franziska die Luxemburger Straße querend auf die Trierer Straße zu. Diese führt zum Brabanter Platz. Hier trifft der Weg auf die Trasse der älteren Hürther Leitung aus dem Hürther Tälchen des Duffesbachs. Ein Teilstück der Leitung ist hier aufgestellt. Die Kreuzstraße liegt in der Trasse des ehemaligen Wartungsweges der Leitung. Am Rathaus ist wieder ein ausgegrabenes Teilstück aufgestellt. An der Kirche geht es links in die Deutschherrenstraße zum Burgpark der ehemaligen Burg Hermülheim, an der die Vorgebirgsleitungen zusammengeführt wurden. Von dort geht der Wanderweg am Duffesbach entlang und unmittelbar an der freigelegten Leitung an der Realschule vorbei, dann weiter durch Efferen bis zum Kölner Grüngürtel. Der Bach in seinem schnurgeraden Bett ist der Nachfolger der ehemaligen Wasserleitung. Der Bach floss früher in Hermülheim, wo er einen unnatürlichen rechtwinkligen Knick macht, gerade aus und versickerte bei Kalscheuren.

Die Leitung in Köln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab der Unterführung unter der Bundesautobahn 4 an der ehemaligen Schleifkotten-Mühle, an der der Bach bis zum Militärring wieder oberirdisch verläuft, führt der Weg am Bach entlang bis zur ausgegrabenen und mit einem Schutzdach versehenen Entschlammungsanlage auf der Höhe des Sportparks des 1. FC Köln (Einkehrmöglichkeit). Auf dem Kölner Abschnitt der Berrenrather Straße ist noch ein Pfeilerrest der Leitung aufgestellt. Es folgt ein weiterer Hinweis auf den Römerkanal in Höhe des Manderscheider Platzes an der gegenüber gelegenen Schule. Ein letztes Teilstück der antiken Wasserleitung wurde in Höhe der ehemaligen Einmündung der Berrenrather- in die Zülpicher Straße (bei Nummer 47) aufgestellt. Obwohl die Leitung weiter ins Zentrum der Stadt auf den Marsilstein führte, mag man hier das Ende des Wanderweges setzen.

Wanderherbergen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Wanderherbergen nahe dem Weg sind zu nennen:

  • Jugendgästehaus Nettersheim (betrieben von der Gemeinde Nettersheim)
  • Jugendherberge Naturfreundehaus Kendenich / Villehaus in Hürth (betrieben von den Naturfreunden)
  • Jugendwohnheim Haus Rheinbach (betrieben vom Staatlichen Berufskolleg Glas Keramik Gestaltung)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Grewe: Der Römerkanalwanderweg. Ein archäologischer Wanderführer. Textband und Kartenband. Herausgegeben vom Eifelverein 1988 in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege. Verlag des Eifelvereins, Düren 1988, ISBN 3-921805-16-3.
  • Klaus Grewe: Der Römerkanal-Wanderweg: Ein archäologischer Wanderführer. Eifelverein, Düren 2005. ISBN 3-921805-16-3
  • Klaus Grewe und Manfred Knauff: Die lange Leitung der Römer. Der Römerkanal-Wanderweg Nettersheim-Köln. Eifelverein, 2012. ISBN 978-3-921805-81-7
  • Klaus Grewe: Aquädukte. Wasser für Roms Städte. Der große Überblick – vom Römerkanal zum Aquäduktmarmor. Regionalia Verlag GmbH, Rheinbach 2014. ISBN 978-3-95540-127-6
  • Ingrid Retterath: Deutschland: Römerkanal-Wanderweg. Conrad Stein Verlag, Welver 2008. ISBN 978-3-86686-240-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Römerkanal-Wanderweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Grewe: Aquädukte. Wasser für Roms Städte. Der große Überblick – vom Römerkanal zum Aquäduktmarmor. S. 390