Römermuseum Stettfeld

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Römermuseum Stettfeld

Das Römermuseum Stettfeld ist ein archäologisches Museum in der baden-württembergischen Gemeinde Ubstadt-Weiher am westlichen Rand des Kraichgaus bei Bruchsal. Das Museum beherbergt archäologische Funde der seit den 1970er Jahren ausgegrabenen ehemaligen römischen Siedlung im Ortsteil Stettfeld. Bei den Grabungen wurden unter anderem eine große römische Villa, Fernstraßen sowie ein großes Gräberfeld gefunden und wissenschaftlich untersucht. Das Museum zeigt ein breites Spektrum römischer Glas- und Keramikgegenstände sowie Plastiken aus Sandstein und belegt eindrucksvoll ein blühendes provinzialrömisches Gemeinwesen an der Stelle des heutigen Stettfeld mit bis zu 800 Einwohnern in seiner Blütezeit, das um 260 n. Chr. infolge der Alemannen-Überfälle aufgegeben wurde.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Dauerausstellung zeigt das Römermuseum Funde, die insbesondere bei der Entdeckung eines großen Gräberfeldes gemacht wurden. Hierzu zählen Tonkrüge und Urnen, wertvolles Terra Sigillata Geschirr, Glasgefäße sowie Münzen und Metallgegenstände. Zu den ergiebigen gemachten Funde von 1982 gehört auch das Töpferei- und Ziegelei-Zentrum, welches im OG des Museums vorgestellt wird. Außerdem werden interessante Steinmetzarbeiten gezeigt, u.a. eine Herkulesstatue. Das Obergeschoss des Museums widmet sich dem 2003 durch geophysikalische Messungen entdeckten palastartigen Monumentalbau mit seinen eindrucksvollen Grundriss-Abmessungen von ca. 120 m x 60 m und diversen Nebengebäuden. Die Ausgrabungen im Zeitraum 2007–2012 zeigten, dass die Ausdehnung der Anlage die bisherigen Annahmen bei weitem übertrifft. Dieser industriell arbeitende Gewerbebetrieb hat sich mit seinen Erzeugnissen einen großen Absatzbereich auch außerhalb Stettfeld geschaffen. Ziegel mit dem Herstellerstempel LPL lassen sich in einem Umkreis von ca. 40 km nachweisen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Stettfeld ist einer der ältesten Orte der näheren Umgebung. Spuren einer Besiedlung werden durch den Fund von Gefäßscherben aus der Zeit der sog. Schnurkeramik auf 5000 v. Chr. datiert. Rund 3000 Jahre danach siedelten Menschen der Urnenfelderkultur auf Stettfelder Gemarkung. Ab dem 5. vorchristlichen Jahrhundert folgten die Kelten. Eine römische Siedlung entstand um 120 n. Chr. am Kreuzungspunkt der wichtigen Fernstraßen Basel–Mainz und Augsburg–Speyer, nachdem die römische Rheintalstraße ostwärts auf die nächstgelegenen hochwassersicheren Hügel des Kraichgaus verlegt worden war. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufende römische Fernstraße konnte im Ortsbereich schon mehrfach nachgewiesen werden. Einer der bedeutendsten Funde ist ein Herkules-Torso aus grünem Sandstein. Ein Friedhof mit vierhundert Gräbern und wertvollen Grabbeigaben im Bereich der heutigen Albert-Schweitzer-Straße zeugt von der damaligen Größe des "vicus" Stettfeld. Auf einer Sanddüne beim heutigen Stettfeld entstand Mitte des 2. Jahrhunderts auf einer Fläche von fünf Hektar eine auf Ziegel und Töpferwaren spezialisierte zivile Großziegelei, die in der jüngeren Vergangenheit von Archäologen großflächig ergraben wurde. Nach dem Rückzug der Römer um 260 n. Chr. war der Ort längere Zeit nicht bewohnt.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Erdgeschoss befinden sich Keramik-, Glas- und Metall-Funde, Plastiken aus Sandstein und vieles mehr aus der römischen Vergangenheit Stettfelds. Zeugnisse aus vielen Einzelausgrabungen und dem großen römischen Gräberfeld belegen einen wohlhabenden Ort an der Kreuzung zweier römischer Fernstraßen von ca. 100 - 260 n. Chr. Das Kellergeschoss zeigt, dass es auch in vorgeschichtlicher Zeit in und um Stettfeld dank Wasser und fruchtbarem Boden reges Leben gab. Im Obergeschoss wird an die durch geophysikalische Prospektion 2003 in Stettfeld entdeckte römische Villa erinnert. Mit ihren eindrucksvollen Grundriss-Ausmaßen von ca. 120 m x 60 m mit diversen Nebengebäuden kann sie als eine Besonderheit im rechtsrheinischen Siedlungsgebiet angesprochen werden, ist sie doch von den Außenabmessungen beinahe größer als die Front des Bruchsaler Schlosses und nur vergleichbar mit linksrheinischen Ausgrabungen. Echt sind die original bemalten Putzstücke aus früheren Ausgrabungen eines römischen Bades am gleichen Ort. Sie sind in einem phantasievoll gestalteten Wandgemälde nach pompejischem Vorbild integriert. Ein Kurzfilm verdeutlicht dem Besucher die Dimension und mögliche Bedeutung des römischen Palastes. Schwerpunkte der mit der Sonderausstellung 2009 dokumentierten ursprünglichen Farbigkeit antiker Plastiken sind in die Dauerausstellung übernommen worden.

Römische Villa - Ein Monumentalbau im Gewann Hecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2003 und 2006 wurden Im Gewann Hecken, das etwa 1.5 km nordöstlich des Ortes liegt, geomagnetische Messungen durch das Regierungspräsidium Stuttgart durchgeführt. Ziel war, Informationen über eine römische Fundstelle zu erhalten, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bekannt ist. Etwas Licht brachten die Untersuchungen durch Wilhelm Bauer von 1958. Man meinte damals, das zu einem Gutshof gehörige Bad sowie zwei Wirtschaftsgebäude angeschnitten zu haben. Bei den Untersuchungen erwiesen sich die Gebäudereste als teilweise sehr gut erhalten: so waren die Mauern noch bis zu zwei Meter hoch und auch das Hypokaustum (Fußbodenheizung) befand sich in einem sehr guten Zustand. Die erwähnten Messungen ergaben, dass das damals gewonnene Bild erneut korrigiert werden musste. Die Korrekturen beginnen bei der Größe der Anlage. Denn jetzt sind bei einer Breite von 60 m von einem Gebäudekomplex mit einer Seitenlange von 120 m auszugehen, was eher einer römischen Villa entspricht. Vermutete man bislang eine Villa Rustica mit Portikus und zwei Eckrisaliten, so zeigten die Messungen, dass die Anlage ein Portikus und vier Eckrisaliten besaß. Ebenso wurde nun ersichtlich, dass das 1958 freigelegte Badegebäude in die Villa integriert war und kein eigenständiges Gebäude bildete. Eine Ansprache der einzelnen Räume ist aber bislang nur in diesem Fall möglich. Nicht auszuschließen ist, dass es in der Villa noch eine weitere (frühere oder spätere) Badeanlage gab. Festgestellt wurden außerdem mehrere Nebengebäude. Schwierigkeiten bereitet die Rekonstruktion, da das Gebäude sicherlich nicht auf einmal errichtet wurde und somit die verschiedenen Bauphasen nur durch Ausgrabung bestimmt werden können. Ungeklärt bleiben muss vorerst auch, ob diese Prachtvilla, die rechts des Rheins bislang einmalig wäre, ein- oder zweistöckig war. Aus ästhetischen Gründen und ihrer Größe wegen wird man eher von einem zweistöckigen Bau auszugehen haben. Ein ähnlich imposantes vergleichbares Bauwerk ("Villa von Nennig") wurde in der Gemeinde Perl im Landkreis Merzig-Wadern im Saarland gefunden. Eine erste Durchsicht der Funde ergab, dass das ausgedehnte Anwesen etwa von der Mitte des 2. bis in die Mitte des 3 Jahrhunderts n.Chr. bestanden hat. Informationen über Erbauer bzw. Besitzer dieser Luxusvilla in Stettfeld liegen bislang nicht vor. Jedoch zeigten die Ausgrabungen von 1958, dass die Wände durch Wandmalerei und der Boden mit Mosaiken verziert waren, was fraglos auf einen für die Provinz außergewöhnlich begüterten Römer hinweist.

Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V. (FRM)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des FRM

Um die römische Vergangenheit zu dokumentieren, die Denkmalpflege zu fördern und die Betreuung des Römermuseums in Stettfeld zu ermöglichen, wurde 1984 der Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e. V. gegründet. Bekannt sind die jährlichen Sonderausstellungen, welche der Freundeskreis Römermuseum Stettfeld überwiegend in Eigenregie unter wissenschaftlicher Anleitung konzipiert und realisiert. Darüber hinaus veranstaltet der Freundeskreis regelmäßig die über die Region des Kraichgaus hinaus bekannten Stettfelder Abendvorträge sowie Führungen durch das Museum und zu den Originalschauplätzen. Ergänzend dazu werden Schulen innerhalb der Region unterrichtsbegleitende Veranstaltungen und museumspädagogische Aktivitäten angeboten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Knötzele: Zur Topographie des römischen Stettfeld, Grabungen 1974–1987. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8062-2040-7
  • Joachim Wahl, Mostefa Kokabi: Das römische Gräberfeld von Stettfeld. Bd.1 Osteologische Untersuchung der Knochenreste aus dem Gräberfeld. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0788-7
  • Peter Knötzele: Auf Schusters Rappen - römisches Schuhwerk. Römermuseum Stettfeld, Badisches Landesmuseum Karlsruhe. Karlsruhe 1996 (Ausstellungskatalog)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 49° 10′ 55,3″ N, 8° 38′ 34,1″ O