Römersteinbruch St. Margarethen

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Der Römersteinbruch im Jahr 1960/1961

Der Römersteinbruch Sankt Margarethen ist einer der ältesten noch aktiven Werksteinbrüche österreichweit und liegt in der Gemeinde Sankt Margarethen im Burgenland. Er liegt in einer flachen Landschaft in der Nähe des Neusiedler Sees.

Steinbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus diesem Steinbruch stammt der St. Margarethener Kalksandstein, der bereits vor 2000 Jahren beim Bau von Carnuntum Verwendung fand und ab dem 16. Jahrhundert überregionale Bedeutung erlangte. Seit dieser Zeit befindet sich der Steinbruch im Besitz eines Zweigs der Familie Esterházy. Verwendet wurde dieser Kalksandstein damals u. a. für Kirchenbauten in Ödenburg (heute Sopron), in Wien für den Bau des Stephansdoms und Maria am Gestade. Im Barock wurde die Wiener Karlskirche und später zahlreiche Bauwerke der Wiener Ringstraße aus diesem Werkstein errichtet.[1]

Seit 2001 ist der Steinbruch aufgrund seiner historischen Bedeutung gemeinsam mit der Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.[2]

Der Steinbruch wurde 66 Jahre lang von der Gustav Hummel GmbH betrieben, 2017 wurde der Steinmetzbetrieb vom Traiskirchner Unternehmen Ecker Stein gekauft. Steinmetzmeister Wolfgang Ecker übernahm die Gesellschaftsanteile der Gustav Hummel GmbH und den Pacht- und Abbauvertrag mit dem Grundeigentümer, den Esterházy-Betrieben.[3]

Bildhauerzentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bildhauerhaus Sankt Margarethen: Einen bedeutenden kulturellen Aufschwung nahm der Steinbruch, der bis dahin hauptsächlich als Werkstofflieferant seine Bedeutung hatte, als Karl Prantl im Jahr 1959 das erste Symposion Europäischer Bildhauer an diesem Ort veranstaltete. So stehen heute an die 50 Steinskulpturen, teils bereits etwas verwittert, am St. Margarethener Kogel.

Freilichtmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Steinbruch sind rund 150.000 m² für Besucher frei zugängig. In diesem Bereich sind Informationstafeln über die verschiedenen Gesteinsformationen und die fossilen Funde, die in einem Ausstellungsraum dargestellt sind, angebracht. Zu diesen Funden zählen Wirbelknochen von Walen, Hai-Zähne, Fische, Muscheln. Man sieht auch immer wieder Skulpturen, die verschiedene Bildhauer hier in den letzten Jahrzehnten schufen.[4]

Seit den 1960er Jahren werden im Steinbruch, ebenfalls auf Anregung von Prantl, alle fünf Jahre Passionsspiele von Laiendarstellern gespielt. Seit dem Jahr 1996 wird die Naturbühne auch als Sommertheater für Opernaufführungen genutzt. Als das Gebiet rund um den Steinbruch in die im Jahr 2001 gegründeten Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See mit eingebunden wurde, erfuhr der Römersteinbruch neuerlich einen touristischen Schub.

Im Jahr 2007 wurde von der Fürst Esterházyschen Verwaltung das Festspielgelände durch das Architektenteam AllesWirdGut komplett neu umgestaltet.[5]

Passionsspiele St. Margarethen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festspielbühne, die auch für die Opernaufführungen dient

Die Spielstätte der Passionsspiele ist seit 1961 im Römersteinbruch. Der Beginn der Spiele geht auf das Jahr 1926 zurück als durch Jugendliche die Aufführungen im Bauernhof der Familie Unger erstmals stattfanden. Im Jahr 1933 gelobte die Pfarrgemeinde, die Passionsspiele alle zehn Jahre zu spielen, „um sich die Gnade für ein neues, erweitertes Gotteshaus zu erwirken sowie zur religiösen Erneuerung der Pfarrgemeinde und des Heimatlandes“.

So wurden die Passionsspiele in den Jahren 1933, 1936, 1946 und 1956 im Pfarrgemeindehaus aufgeführt. Da die Besucher immer zahlreicher kamen, viele aber aus Platzmangel abgewiesen werden mussten, wurde eine neue Spielstätte gesucht. Seit die Spiele auf Anregung von Karl Prantl im Römersteinbruch stattfinden, finden die Aufführungen alle fünf Jahre statt. Die Anzahl der Mitwirkenden stieg stetig bis auf 650 Spieler, die allesamt ihre Freizeit unentgeltlich zur Verfügung stellen. Der Reinerlös der Aufführungen wird karitativen Zwecken zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2006 hatten die Passionsspiele 70.000 Besucher.

Im Jahr 2011 wurden die Passionsspiele in einer Inszenierung von Robert Herzl vom Stadttheater Baden von 12. Juni bis 15. August zwanzigmal aufgeführt. Die Musik stammt von Thomas Steiner. In die Rolle des Christus schlüpften Christian Katter und Hubert Händler.

Oper im Steinbruch St. Margarethen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oper im Steinbruch St. Margarethen fand erstmals 1996 (unter dem Namen Opernfestspiele St. Margarethen) statt und hat sich bis heute zu österreichweiter Bedeutung entwickelt. Nach dem Konkurs des Veranstalters der Opernfestspiele St. Margarethen im Frühling 2014 wurde die Auffang- und Nachfolgegesellschaft, die Arenaria GmbH gegründet, die nun die Oper im Steinbruch St. Margarethen veranstaltet. 2014 wurde Aida gespielt, 2015 stand Tosca auf dem Programm. Im Jahr 2016 wurde auf der Ruffinibühne Der Liebestrank von Gaetano Donizetti aufgeführt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Römersteinbruch Sankt Margarethen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Symposion Europäischer Bildhauer in Verbindung mit Christa Hauer-Fruhmann (Hrsg.): St. Margarethen. Bildhauersymposion. S. 11.
  2. Steinbruch St. Margarethen. Naturwunderwelten und Open Air-Kultur, abgerufen am 14. Mai 2014
  3. orf.at: Neuübernahme nach 66 Jahren. Artikel vom 10. Juli 2017, abgerufen am 10. Juli 2017.
  4. Ausflugsziele der Freistadt Rust abgerufen am 7. Juli 2015
  5. Esterházy bietet geführte Touren durch ROM! auf Alles wird gut abgerufen am 11. Juli 2013

Koordinaten: 47° 48′ 13″ N, 16° 38′ 3,7″ O