Römisch-katholische Kirche in Island

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Römisch-katholische Kirche in Island
Basisdaten
Staat Island
Kirchenprovinz Immediat
Diözesanbischof David Tencer OFMCap
Emeritierter Diözesanbischof Pierre Bürcher
Fläche 103.000 km²
Pfarreien 6 (2014 AP 2015)
Einwohner 325.671 (2014 AP 2015)
Katholiken 11.454 (2014 AP 2015)
Anteil 3,5 %
Diözesanpriester 7 (2014 AP 2015)
Ordenspriester 8 (2014 AP 2015)
Katholiken je Priester 764
Ordensbrüder 8 (2014 AP 2015)
Ordensschwestern 29 (2014 AP 2015)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Isländisch
Kathedrale Landakotskirkja
Website www.catholica.is

Die seit der Reformation praktisch nicht mehr bestehende römisch-katholische Kirche in Island hat sich im 19. und 20. Jahrhundert neu konsolidiert.

Das ganz Island umfassende Bistum Reykjavík betreute laut päpstlichem Jahrbuch Annuario Pontificio 2004 unter insgesamt 288.201 Isländern 6451 Katholiken. Es gibt 5 Pfarreien und fünf Kirchen. In den letzten Jahren wurden drei neue Kirchengebäude und zwei Kapellen erbaut und eingeweiht, weitere sind im Bau bzw. in der Planung.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Christianisierung Islands um das Jahr 1000 gab es die beiden Bischofssitze Skálholt (seit 1056) und Hólar (seit 1106), die zunächst wie Skandinavien dem Erzbistum Bremen, ab 1104 dem Bistum Lund und schließlich dem Erzbistum Trondheim unterstanden. In der Reformation wurden diese Bistümer von Rom gelöst und die lutherische Lehre eingeführt. Schon 1536 hatte Christian III. von Dänemark dabei die evangelisch-lutherische Religion für sein Land, Norwegen und die Färöer durchgesetzt. Er profitierte davon, war er doch jetzt selbst das Kirchenoberhaupt und konnte so über den Reichtum und die Güter der Kirche verfügen.

Als der Bischofssitz von Skálholt im Jahre vakant wurde, beeilte er sich daher einen Protestanten hier einzusetzen, der für schnelle Verbreitung der evangelischen Religion sorgte. Allerdings widersetzte sich dem der katholische Bischof Jón Arason auf Hólar. Er initiierte sogar eine Gegenreformation. Er konnte sich jedoch trotz weitreichender Unterstützung in der Bevölkerung nicht lange halten und wurde 1550 mit zweien seiner Söhne in Skálholt hingerichtet.

Karte der isländischen Bistümer und Klöster im Mittelalter

Erst 300 Jahre später, im Rahmen der katholischen Nordpolmission (Praefectura Apostolica Poli Arctici) von 1855 bis 1869, setzten wieder katholische Priester ihren Fuß auf isländischen Boden. Die beiden Franzosen Bernard Bernard (1821–1895) und Jean-Baptiste Baudoin (1831–1875) erreichten 1857 (Bernard) bzw. 1858 (Baudoin) Island und erwarben dort im Jahre 1859 das Anwesen Landakot nahe Reykjavík, worauf sie 1864 schließlich eine kleine Kapelle errichteten. Alles in allem hatten sie und ihr Vorhaben jedoch einen mehr als problematischen Stand: während Bernard bereits 1862 das Land verließ, blieb Baudoin noch bis 1875, jedoch ohne größere Erfolge dabei zu verzeichnen.

Zu dieser Zeit gab es allerdings die Nordpolmission nicht mehr. Als sie 1869 aufgehoben wurde, kam die isländische Mission zur Apostolischen Präfektur Dänemark, die 1892 zum Apostolischen Vikariat erhoben wurde. Nach dem Tod Baudoins gab es 20 Jahre lang keinen residierenden Priester mehr in Island. Nur einmal im Jahr kam ein Priester aus Dänemark, um den wenigen Katholiken die Sakramente zu spenden. Erst 1896 wurde wieder, diesmal von Dänemark aus, eine katholische Mission auf Landakot, dem alten Besitz der Nordpolmission, gegründet.

Am 12. Juni 1923 wurde eine Apostolische Präfektur in Island errichtet. Diese wurde 1929 zum Apostolischen Vikariat erhoben. Erster Bischof war Martin Meulenberg, ein geborener Rheinländer. 1932 zählte Island 218 Katholiken, 2 Missionsstationen, 4 Priester und 2 Laienbrüder sowie 30 Josefschwestern von Chambéry.

Am 18. Oktober 1968 wurde das Apostolische Vikariat zur Diözese erhoben. Das Bistum Reykjavík ist unmittelbar dem Heiligen Stuhl unterstellt (Immediat). Höhepunkt in der jüngsten Zeit war der Papstbesuch durch Johannes Paul II. im Jahr 1989.

Als fünfte Pfarrei Islands wurde am 28. Juli 2007 St. Thorlák in Reyðarfjörður im Osten Islands gegründet. Der Sitz der rund 600 Katholiken zählenden Pfarrei soll langfristig in das 32 km entfernte Egilsstaðir verlegt werden, wo ein Gemeindezentrum mit einer Kapelle (50 Sitzplätze) im Bau ist[2]. Die Kapelle wurde Ende 2009 eingeweiht[3]. Als sechste Pfarrei wurde im September 2014 St. Johannes Paul II in Keflavík gegründet und die gleichnamige Pfarrkirche am 21. September 2014 eingeweiht.[4] Auch in Selfoss im Süden Islands ist für die nahe Zukunft der Bau einer Kirche mit 100 Sitzplätzen und eines Pfarrzentrums geplant.[5] Mit dem Bau wurde 2015 begonnen.[6]

2015 waren von den Einwohnern Islands 13 000 (3,6 %) römisch-katholisch bei deutlich steigender Tendenz, damit hat Island den höchsten Katholikenanteil aller skandinavischen Länder[7], der sich zum überwiegenden Teil aus katholischen Immigranten v.a. aus Polen und Philippinen und anderen, katholisch geprägten Herkunftsländern zusammensetzt.

Apostolischer Präfekt von Island[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Apostolische Vikare von Island[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischöfe von Reykjavík[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenzeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1990 erscheint sechsmal im Jahr die Kirchenzeitung KaÞolska Kirkjublađiđ.

Kirchenbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kathedrale von Reykjavík

Kirchen:

Kapellen:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen und Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.bonifatiuswerk.de/werk/aktuelles/newsausgabe/article/bistum-reykjavik-die-groesste-gemeinde-nordeuropas/
  2. Bonifatiusblatt, Januar-März 2010, S.11.
  3. Bonifatiusblatt, Juli-September 2010, S.14.
  4. http://www.catholica.is/fregnir/item/ny-kirkja-a-selfossi
  5. KaÞolska Kirkjublađiđ: S. 5, Jahrg. 24, November/Dezember 2014
  6. http://www.bonifatiuswerk.de/fileadmin/user_upload/bonifatiuswerk/bilder/Projekte/PDF-Listings/2015/Projekte_Island_05022015.pdf
  7. http://www.bonifatiuswerk.de/werk/aktuelles/newsausgabe/article/bistum-reykjavik-die-groesste-gemeinde-nordeuropas/