Römisch-katholische Kirche in den Vereinigten Staaten

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Die römisch-katholische Kirche in den Vereinigten Staaten ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche unter der geistlichen Führung des Papstes und der Kurie in Rom.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihren Ursprung findet die Römisch-katholische Kirche in den Vereinigten Staaten bereits mit der Kolonialisierung Amerikas. Doch entwickelte sie sich in den folgenden Jahrhunderten sehr langsam und war in ihrer Organisation und Hierarchie stets an Europa angekoppelt. Erst im Verlauf der großen Zuwanderungswellen des 19. Jahrhunderts gelang ihr eine zunehmende Verselbständigung. Zwar blieb sie bis um 1900 noch immer stark auf europäische Missionare angewiesen, doch entwickelte sie sich zunehmend in ihrer Struktur. Der erste Bischofssitz, der in den USA eingerichtet wurde, war Baltimore, errichtet am 6. November 1789.[1] Der erste Bischof und später Erzbischof von Baltimore – und damit der erste Bischof mit Sitz in den Vereinigten Staaten – war John Carroll (1735–1815).[2]

Die verschiedenen ethnischen Gruppen brachten ihre Glaubenstraditionen mit in ihre neue Heimat, welche sie bis heute pflegen, doch kam es zunehmend zu einer eigenständigen Kirchenkultur und Abnabelung von Europa durch geistliche Berufungen in den USA selbst. Immer neue Bistümer entstanden und die in den USA anwesenden Männer- und Frauenorden bekamen als eigenständige Provinzen innere Autonomie. Auch neue Ordensgemeinschaften entstanden in den USA, welche jedoch niemals internationalen Charakter entwickelten. Bereits 1875 wurde diese Entwicklung durch einen eigenen Kardinal für die USA gewürdigt, als der New Yorker Erzbischof John McCloskey ins Kardinalskollegium aufgenommen wurde.

Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelten sich moderne Strömungen in der Kirche der USA, die in Europa kritisch betrachtet wurden. Sie sind jedoch auf der Grundlage der religiös-weltanschaulichen Mischung dieser jungen Nation zu sehen. So war es bereits im 19. Jahrhundert für Ordensleute nicht üblich, auf der Straße ihre Ordenstracht zu tragen. Stattdessen trugen sie einen schwarzen Anzug mit geistlichem Hemd – in Europa zu dieser Zeit undenkbar.

Die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gaben der erstarrten katholischen Kirche der USA einen enormen Entwicklungsschub. So entstanden weitere Bistümer und die bislang oft in Gemeinden aus verschiedenen Herkunftsländern aufgeteilten Katholiken vermischten sich. Gleichzeitig verstand es die Amtskirche, auch Medien wie Fernsehen, Radio oder Internet frühzeitig zu nutzen. Die Spendenfreudigkeit der US-Amerikaner hatte die Kirche der USA schnell zu Wohlstand gebracht. Einem Wohlstand, der auch durch Geldgeschäfte gemehrt wurde. So startete die katholische Kirche der USA, welche bislang nicht sonderlich in der Weltkirche zutage getreten war, internationale caritative Tätigkeiten.

Die geringe Sesshaftigkeit der US-Amerikaner lässt diese bis heute wesentlich schneller ein Ordenshaus aufheben und andernorts ein neues begründen. Ebenso ist es mit anderen kirchlichen Gebäuden, die schneller als in Europa abgerissen und neu gebaut wurden. Die Wirtschaftlichkeit einer Einrichtung ist eine hohe Maxime.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschiedliche Blaufärbungen stehen für unterschiedlich starke katholische Dominanz

Etwa ein Viertel der US-Amerikaner ist katholisch. Da es unter den Protestanten verschiedene verbreitete Konfessionen in den Vereinigten Staaten gibt, ist die römisch-katholische Kirche dort die größte einzelne Glaubensgemeinschaft.[3]

Die römisch-katholische Kirche in den USA besteht heute aus 31 (lateinischen) Kirchenprovinzen mit insgesamt 178 Bistümern. Hierzu kommen noch 16 Bistümer der verschiedenen unierten Kirchen, welche ebenfalls stark sind (Ukrainisch-Katholische Kirche, Ruthenisch-Katholische Kirche, Armenisch-Katholische Kirche, Melkitische Griechisch-Katholische Kirche, Rumänisch-Katholische Kirche u.a.). In diesen 194 Bistümern leben 77 Millionen Katholiken, dies entspricht etwa 24 % der Bevölkerung. Die 17.403 Pfarreien des Landes werden durch 26.265 Weltpriester betreut, welche von 12.010 Ordenspriestern, 4.318 Ordensbrüdern und 49.883 Ordensschwestern unterstützt werden (Datenquelle: CARA[4]).

Die höchsten Anteile von Katholiken an der Gesamtbevölkerung finden sich im Nordosten sowie im Südwesten des Landes. Der prozentuale Anteil ist je Bundesstaat wie folgt (Stand 2008):[5]

Bundesstaat Gesamtbevölkerung Anz. Katholiken Proz. Anteil
Alabama 4.627.851 151.554 3,3
Alaska 626.932 52.813 8,4
Arizona 6.338.755 1.026.302 16,2
Arkansas 2.834.797 116.605 4,1
Colorado 4.861.515 707.420 14,6
Connecticut 3.502.309 1.282.153 36,6
Delaware 783.600 233.000 29,7
Florida 18.251.243 2.366.688 13,0
Georgia 9.544.750 730.005 7,6
Hawaii 1.283.388 251.575 19,6
Idaho 1.499.402 165.363 11,0
Illinois 12.852.548 3.870.647 30,1
Indiana 6.345.289 762.076 12,0
Iowa 2.988.046 499.661 16,7
Kalifornien 36.553.215 10.463.330 28,6
Kansas 2.775.997 415.103 15,0
Kentucky 4.241.474 382.521 9,0
Louisiana 4.293.204 1.188.798 27,7
Maine 1.317.207 191.008 14,5
Maryland 5.618.344 504.159 9,0
Massachusetts 6.449.755 2.709.552 42,0
Michigan 10.071.822 2.206.372 21,9
Minnesota 5.197.621 1.064.696 20,5
Mississippi 2.918.785 107.098 3,7
Missouri 5.878.415 757.349 12,9
Montana 957.861 104.276 10,9
Nebraska 1.774.571 366.894 20,7
Nevada 2.565.382 829.675 32,3
New Hampshire 1.315.828 319.269 24,3
New Jersey 8.685.920 3.562.389 41,0
New Mexico 1.969.915 498.334 25,3
New York 19.297.729 7.166.308 37,1
North Carolina 9.061.032 365.888 4,0
North Dakota 639.715 146.153 22,8
Ohio 11.466.917 2.068.348 18,0
Oklahoma 3.617.316 175.006 4,8
Oregon 3.747.455 442.137 11,8
Pennsylvania 12.432.792 3.530.817 28,4
Rhode Island 1.057.832 629.889 59,5
South Carolina 4.407.709 183.356 4,2
South Dakota 796.214 153.357 19,3
Tennessee 6.156.719 141.740 2,3
Texas 23.904.380 6.503.844 27,2
Utah 2.645.330 230.000 8,7
Vermont 621.254 118.000 19,0
Virginia 7.712.091 642.064 8,3
Washington 6.468.424 746.385 11,5
West Virginia 1.812.035 88.974 4,9
Wisconsin 5.601.640 1.650.276 29,5
Wyoming 522.830 47.119 9,0

Die katholische Kirche in den USA wird vertreten durch die US-amerikanische Bischofskonferenz („United States Conference of Catholic Bishops USCCB“). Vorsitzender der USCCB ist seit 2010 der Erzbischof von New York, Timothy Dolan.[6]

Durch Papst Leo XIII. wurde am 24. Januar 1893 ein Apostolisches Delegat eingerichtet, das Papst Johannes Paul II. am 10. Januar 1984 zu einer Nuntiatur führte. Apostolischer Nuntius ist seit 12. April 2016 Erzbischof Christophe Pierre.

Liste der Bistümer nach Kirchenprovinzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzbistümer und Bistümer in den Vereinigten Staaten
  1. Erzbistum Anchorage: Bistum Fairbanks, Bistum Juneau
  2. Erzbistum Atlanta: Bistum Charleston, Bistum Charlotte, Bistum Raleigh, Bistum Savannah
  3. Erzbistum Baltimore: Bistum Arlington, Bistum Richmond, Bistum Wheeling-Charleston, Bistum Wilmington
  4. Erzbistum Boston: Bistum Burlington, Bistum Fall River, Bistum Manchester, Bistum Portland, Bistum Springfield, Bistum Worcester
  5. Erzbistum Chicago: Bistum Belleville, Bistum Joliet in Illinois, Bistum Peoria, Bistum Rockford, Bistum Springfield in Illinois
  6. Erzbistum Cincinnati: Bistum Cleveland, Bistum Columbus, Bistum Steubenville, Bistum Toledo, Bistum Youngstown
  7. Erzbistum Denver: Bistum Cheyenne, Bistum Colorado Springs, Bistum Pueblo
  8. Erzbistum Detroit: Bistum Gaylord, Bistum Grand Rapids, Bistum Kalamazoo, Bistum Lansing, Bistum Marquette, Bistum Saginaw
  9. Erzbistum Dubuque: Bistum Davenport, Bistum Des Moines, Bistum Sioux City
  10. Erzbistum Galveston-Houston: Bistum Austin, Bistum Beaumont, Bistum Brownsville, Bistum Corpus Christi, Bistum Tyler, Bistum Victoria in Texas
  11. Erzbistum Hartford: Bistum Bridgeport, Bistum Norwich, Bistum Providence
  12. Erzbistum Indianapolis: Bistum Evansville, Bistum Fort Wayne-South Bend, Bistum Gary, Bistum Lafayette in Indiana
  13. Erzbistum Kansas City (in Kansas): Bistum Dodge City, Bistum Salina, Bistum Wichita
  14. Erzbistum Los Angeles: Bistum Fresno, Bistum Monterey in California, Bistum Orange in California, Bistum San Bernardino, Bistum San Diego
  15. Erzbistum Louisville: Bistum Covington, Bistum Knoxville, Bistum Lexington, Bistum Memphis, Bistum Nashville, Bistum Owensboro
  16. Erzbistum Miami: Bistum Orlando, Bistum Palm Beach, Bistum Pensacola-Tallahassee, Bistum Saint Augustine, Bistum Saint Petersburg, Bistum Venice
  17. Erzbistum Milwaukee: Bistum Green Bay, Bistum La Crosse, Bistum Madison, Bistum Superior
  18. Erzbistum Mobile: Bistum Biloxi, Bistum Birmingham, Bistum Jackson
  19. Erzbistum Newark: Bistum Camden, Bistum Metuchen, Bistum Paterson, Bistum Trenton
  20. Erzbistum New Orleans: Bistum Alexandria, Bistum Baton Rouge, Bistum Houma-Thibodaux, Bistum Lafayette, Bistum Lake Charles, Bistum Shreveport
  21. Erzbistum New York: Bistum Albany, Bistum Brooklyn, Bistum Buffalo, Bistum Ogdensburg, Bistum Rochester, Bistum Rockville Centre, Bistum Syracuse
  22. Erzbistum Oklahoma City: Bistum Little Rock, Bistum Tulsa
  23. Erzbistum Omaha: Bistum Grand Island, Bistum Lincoln
  24. Erzbistum Philadelphia: Bistum Allentown, Bistum Altoona-Johnstown, Bistum Erie, Bistum Greensburg, Bistum Harrisburg, Bistum Pittsburgh, Bistum Scranton
  25. Erzbistum Portland in Oregon: Bistum Baker, Bistum Boise City, Bistum Great Falls-Billings, Bistum Helena
  26. Erzbistum Saint Louis: Bistum Jefferson City, Bistum Kansas City-Saint Joseph, Bistum Springfield-Cape Girardeau
  27. Erzbistum Saint Paul and Minneapolis: Bistum Bismarck, Bistum Crookston, Bistum Duluth, Bistum Fargo, Bistum New Ulm, Bistum Rapid City, Bistum Saint Cloud, Bistum Sioux Falls, Bistum Winona
  28. Erzbistum San Antonio: Bistum Amarillo, Bistum Dallas, Bistum El Paso, Bistum Fort Worth, Bistum Laredo, Bistum Lubbock, Bistum San Angelo
  29. Erzbistum San Francisco: Bistum Honolulu, Bistum Las Vegas, Bistum Oakland, Bistum Reno, Bistum Sacramento, Bistum Salt Lake City, Bistum San Jose in California, Bistum Santa Rosa in California, Bistum Stockton
  30. Erzbistum Santa Fe: Bistum Gallup, Bistum Las Cruces, Bistum Phoenix, Bistum Tucson
  31. Erzbistum Seattle: Bistum Spokane, Bistum Yakima
  32. Erzbistum Washington: Bistum Saint Thomas

Missbrauchs-Fälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den vergangenen Jahren ist in den USA eine große Zahl von Fällen sexuellen Missbrauchs Kinder und Jugendlicher durch katholische Geistliche bekannt geworden, vor allem aus den 1940ern und bis in die 1990er Jahre. Jahrelang waren die Fälle nicht öffentlich geworden. Landesweit hatten mehr als 10.000 Opfer geklagt. Die durch katholische Laien gegründete private Organisation BishopAccountability veröffentlichte online nach Durchsicht kircheninterner Dokumente eine Zahl von 3.000 Einzeltätern. Das Problem der Missbrauchsskandale hat die Kirche der USA nicht nur viel an Ansehen gekostet, sondern zahlreiche Diözesen auch an den Rand der Zahlungsunfähigkeit getrieben. Der Erzbischof von Boston sitzt seit 2004 nicht mehr in seiner Residenz, sondern in einer Mietwohnung.

Im Juli 2007 erklärte sich die Erzdiözese von Los Angeles bereit, eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 660 Millionen Dollar als außergerichtlichen Einigung an rund 500 Kläger zu zahlen. Die Kirche vermied damit einen Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern[7]. Mit der vereinbarten Zahlung von Los Angeles summieren sich die kirchlichen Entschädigungszahlungen auf rund zwei Milliarden US-Dollar (1,45 Milliarden Euro). Der Dokumentarfilm Deliver Us from Evil aus dem Jahr 2006 thematisiert die Problematik anhand der Geschichte eines nordkalifornischen Priesters, dem der mögliche sexuelle Missbrauch von potentiell hunderten von Kindern vorgeworfen wird.

Kardinal Bernard Francis Law, der damalige Erzbischof von Boston, legte im Jahre 2002 die Leitung des Erzbistums Boston nieder, weil ihm vorgeworfen wurde, Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern unter seinen Diözesanpriestern nicht in hinreichender Weise verfolgt und angezeigt zu haben.[8]

Bei einer sechstägigen Reise vom 16. bis 21. April 2008 in die USA äußerte sich Papst Benedikt XVI. „tief beschämt“ über pädophile Priester und rief die katholische Kirche in den USA nach den Missbrauchsskandalen mehrfach zur Reinigung und Erneuerung auf. Er traf sich in einer symbolischen Geste auch mit Männern und Frauen, die als Kinder oder Jugendliche von Priestern missbraucht worden waren. Zugleich würdigte Benedikt jedoch auch die tiefe Spiritualität in den USA.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Patrick Carey: Catholics in America: A History (Taschenbuch), Aktualisierte Ausgabe, Rowman & Littlefield, 2008, ISBN 0-7425-6233-6
  • Mary Gail Frawley-O'Dea: Perversion of Power: Sexual Abuse in the Catholic Church (Taschenbuch), Vanderbilt University Press 2007
  • Mary Gail Frawley-O'Dea, Virginia Goldner (Hrsg.): Predatory priests, silenced victims : the sexual abuse crisis and the Catholic Church Mahwah, NJ [u.a.] : Analytic Press, 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu Erzbistum Baltimore auf catholic-hierarchy.org, gesehen am 25. Dezember 2015
  2. Eintrag zu John Carroll auf catholic-hierarchy.org, gesehen am 25. Dezember 2015
  3. http://www.adherents.com/rel_USA.html
  4. "Frequently Requested Church Statistics". Center for Applied Research in the Apostolate.
  5. US-amerikanische Bischofskonferenz: U.S. Catholic Population by State
  6. „New Yorker Erzbischof Dolan neuer Vorsitzender der US-Bischöfe“, kathweb.de, 17. November 2010
  7. Millionen für Missbrauchsopfer - US-Kirche kauft sich frei auf n-tv.de
  8. Domradio:Missstimmung vor Papstreise: US-Opfervereinigung fordert Rücktritt von Kardinal Law

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]