Römischer Gutshof bei Lösnich

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Der Lösnicher Hinterwald 2014 – Geographischer Standort des ehemaligen Römischen Gutshofs bei Lösnich
Standortskizze zum Römischen Gutshof bei Lösnich.

Der römische Gutshof bei Lösnich existierte vom ersten bis vierten Jahrhundert nach Christus. Er lag auf der Höhe des weitausholenden Moselbogens zwischen Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues in der Gemarkung „Lösnicher Hinterwald“ der Gemeinde Lösnich Richtung Wolf in der Nähe des Kluckertsbaches, der hier abschüssig seinen Weg in das Moseltal sucht.

Mauer und Keramikfunde auf dem Lösnicher Friedhof und die in 200 m vom Friedhof entfernt gemachten Funde wiesen bereits auf ehemals römische Präsenz in Lösnich und Umgebung hin.[1] So auch die ca. 1,5 km entfernte römische Villa bei Kinheim-Kindel, die ebenfalls in das 1. bis 5. Jahrhundert datiert werden konnte und 1976 bei Wegebauarbeiten entdeckt und freigelegt worden war.[2]

Landgut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Hinweise zu im Wald herumliegenden Trümmerresten im Lösnicher Hinterwald erhielt das Trierer Museum im August 1927.[3] Fünf Jahre später fasste das Museum den Entschluss, den Hinweisen nachzugehen, nachdem von bereits erfolgten privaten Grabungen weitere Berichte im Museum eingetroffen waren. Im dicht bewaldeten Lösnicher Hinterwald konnte ein rechteckiger Raum mit den Innenmaßen 20,40 × 10,97 m freigelegt werden. Wie sich Jahrzehnte später herausstellen sollte, handelte es sich hier um das zentrale Wohnhaus eines ehemals römischen Gutshofes (Villa rustica). Ein Münzfund konnte auf das Jahr 351 n. Chr. datiert werden.[4]

Durch die widrigen Umstände der damaligen Zeit wurden weitere Grabungen und Recherchen eingestellt. Erst im November 1973 nahm das Rheinische Landesmuseum Trier neue archäologische Grabungen auf und legte im dicht bewaldeten und zum Teil abschüssigem Gelände in der Nähe des Lösnicher Wasserwerks in Richtung Wolf eine römische Anlage mit mehreren Gebäudeeinheiten und ein größeres Gräberfeld frei.[4]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schema einer typischen Porticusvilla.
  • Herrenhaus
  • Weinkelter
  • Wirtschaftsgebäude/Werkstatt
  • Brauerei (vermutlich Bierbrauerei)
  • Gebäude (unklare Zweckbestimmung)
  • Gebäude (unklare Zweckbestimmung)
  • Darranlage (Konservierung vergänglicher Nahrungsmittel)
  • Gebäude (unklare Zweckbestimmung)
  • Gebäude (vermutlich Schmiede)
  • Tempelbezirk

So wurden durch die Grabungen zehn Gebäude freigelegt, von denen acht dem Leben auf dem Lande entsprechend errichtet und eingerichtet worden waren. Die Entstehung dieser Siedlung kann in Teilen bis ins 1. Jahrhundert nach Christus datiert werden. Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts entstanden weitere Gebäudeeinheiten und blieben bis Mitte des 4. Jahrhunderts in ständiger Benutzung.[5] Es kann angenommen werden, dass Viehzucht und Ackerbau die Lebensgrundlage der Bewohner gebildet haben, bis auch der Weinbau im 3. Jahrhundert als weiterer wirtschaftlicher Zweig hinzugekommen war. Zur Absicherung der Funktion der Lösnicher Kelteranlage (Gebäude 2) wurde 1990 eine Nachgrabung vorgenommen. Bodenproben aus original römischen Schichten wurden im Rheinischen Landesmuseum Trier einer genauen Untersuchung unterzogen. Dabei wurden die erwarteten Traubenkerne und Traubenkernfragmente in verschiedenen Siebungen gefunden.[6]

Es wird angenommen, dass die Einführung der Kelteranlage im Gut die Prosperität des Betriebes gesteigert hat. Die Frage nach der Herkunft der Trauben kann nur vermutet werden. Es liegt nahe, dass die zur Weinerzeugung benötigten Trauben aus der unmittelbaren Nähe stammten, vermutlich aus der heute noch zum Anbau genutzten „Wolfer Sonnenlay“ am Wolfer Kloster.[7]

Herrenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vergleichbarer baulicher Konzeption die Villa Rustica in Mehring.

Das Herrenhaus als zentrales Wohngebäude entsprach in seinem Baustil einer Porticusvilla. Die bebaute Fläche betrug eine Ausdehnung von ca. 32 × 24 m. An den Eingangsbereich (Porticus) grenzten links und rechts die fast quadratischen Eckrisalite (5 × 5,40 m und 4,80 × 4,70 m). An den Porticus Bereich schloss sich ein zentraler großer Raum (19,70 × 10,70 m) an. Rechts daneben befanden sich drei weitere Räume, die als der typisch römische Sauna- und Badebereich identifiziert werden konnten. Beginnend direkt hinter dem rechten Eckrisalit: Das Tepidarium (Wärmeraum), dann das Caldarium (warmer oder heißer Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit) und schließlich das Frigidarium (Abkühlraum mit Kaltwasserbecken). Die Räume schlossen in ihrer Ausdehnung von 10,70 m ab mit der Bereite des zentralen Raumes.[8] Den hinteren Teil des Hauses bildete ein langer rechteckiger Raum in etwa der Ausdehnung des zentralen Wohnraums (19,30 m) und einer Breite von 3,70 m.[9] Hinten links befand sich außerhalb des Herrenhauses noch ein Keller mit den Innenmaßen von ca. 6 × 5 m.[10]

Weinkelter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das etwa 30 m in südöstlicher Richtung vom Herrenhaus entfernte Gebäudehatte hatte eine Ausdehnung von ca. 18 × 13 m und zwei unterschiedlich große Becken.[11] Die Funktion einer Weinkelter konnte hier nachgewiesen werden. In einem Raum der Größe 6,20 m x 5,30 wurde offensichtlich nach Aufgabe der südlichen Raumbegrenzung das verbleibende Fundament zum Aufsatz eines kleinen Beckens genutzt. Daran schloss sich ein zweites große Becken etwa der Innenfläche von 4 × 6 m an. Insgesamt wurden 3 Feuerstellen ausgemacht. Zwei Steinquader, einer mit Schleifspuren, zwei Gruben und zwei Pfostenlöcher in dem verbleiben großen Raum mit der Innenabmessung von ca. 8 × 10 m wurden mit dem Keltervorgang in Verbindung gebracht.[12] Keramische Funde innerhalb des Gebäudes lassen den Schluss zu, dass die Hauptnutzungszeit des Gebäudes im 3. und 4. Jahrhundert lag. Aber auch Fragmente aus dem 2. Jahrhundert wurden sichergestellt. Die eigentliche Weinpresse bestand aus Holz und machten Gewichtssteine für den Pressvorgang notwendig.[13] Wenn auch die Ausbreitung des Weinstocks am Oberrhein, in der Pfalz und an der Mittelmosel bis ins 1. Jahrhundert zurückreicht, so kann über die Rebsorte leider noch keine Aussage getroffen werden.[14]

Dass der Weinanbau bereits in römischer Zeit eine nicht unbedeutende Rolle im Moselraum gespielt hat, zeigen weitere jüngere Ausgrabungen von Kelteranlagen an der Mosel. So wurden im Nachbarort Erden moselaufwärts auf der gegenüberliegenden Moselseite 1992 und 1998 zwei weitere Kelterhäuser der Römer aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts direkt in der Weinbergslage "Erdener Treppechen" freigelegt. Das erste mit einer Größe von 38 × 16 m, dass zweite ca. 40 m entfernt mit den Ausmaßen 14 × 10 m.[15]

Ende der Gutshofanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die endgültige Zerstörung des Landgutes erfolgte offensichtlich in der Mitte des 4. Jahrhunderts, wie sich auch aus dem vergrabene Münzfund aus dem Jahre 351 schließen lässt. Der Einfall der Germanen in die hiesige Region bereits ab 275/276 nach Christus und die erneuten Einfälle der Alamannen um 355 dürften das Ende der Siedlungsanlage besiegelt haben.[16]

Grabanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1978 wurden die Ausgrabungsarbeiten eines Gräberfeldes ca. 250 m vom Gutshof in nordöstlicher Richtung aufgenommen, um hier beobachtete raubgräberische Tätigkeiten zu unterbinden. Hier konnten insgesamt 35 Fundstellen registriert werden.[17] Dabei wurden drei Grabbezirke ausgemacht, in denen neben einer Amphorenbestattung Urnenbestattungen mit und ohne Platteneinfassungen nachgewiesen wurden. Die Amphorenbestattung ist in hiesiger Region eher ein Seltenheit. Die Grabbeilagen weisen auf einen höheren sozialen Status des Bestatteten hin.[18] Das Grab konnte ins ausgehende 1. Jahrhundert nach Christus datiert werden. Ähnliche Amphorenbestattungen kamen bei Freilegungsarbeiten der römischen Stadtmauer in Trier zum Vorschein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anastasia Moraitis: Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Kreis Bernkastel-Wittlich (= Trierer Zeitschrift. Beiheft 26). Selbstverlag des Rheinischen Landesmuseums, Trier 2003, ISBN 3-923319-54-1.
  • Karl-Josef Gilles: Die römische Villa von Kinheim. In: Jahrbuch 1991 Kreis Bernkastel Wittlich. Herausgeber Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, Verlag Weiss-Druck, Monschau

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trierische Jahrbuch 4, 1911, Seite 23
  2. Karl Josef Gilles, Die römische Villa in Kinheim, S. 144
  3. Hans Vogts: Die Kunstdenkmäler des Kreises Bernkastel. Nachdruck der Ausgabe von 1935, erschienen im Verlag der Akademischen Buchhandlung Interbook Trier, Seite 425, Lösnich; siehe auch Trierer Zeitschrift 3, 1928, Seite 185
  4. a b Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 9
  5. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 45
  6. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 28/29
  7. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 30
  8. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 15
  9. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 23
  10. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 22
  11. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 14
  12. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 26
  13. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 28
  14. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 30
  15. http://www.roemerkelter-erden.de, 25. September 2014
  16. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 80
  17. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 107
  18. Anastasia Moraitis, Der römische Gutshof und das Gräberfeld bei Lösnich, Seite 120

Koordinaten: 49° 57′ 37″ N, 7° 4′ 0″ O