Röthges

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Röthges
Stadt Laubach
Koordinaten: 50° 32′ 15″ N, 8° 55′ 39″ O
Höhe: 198 m ü. NHN
Fläche: 3,06 km²[1]
Einwohner: 370 ca.[2]
Bevölkerungsdichte: 121 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35321
Vorwahl: 06405

Röthges ist ein Stadtteil von Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röthges befindet sich im östlichen Teil des Landkreises Gießen an einem Ausläufer des Vogelsbergs. Geologisch ist es fast mittig des vom vogelsberger Vulkangestein bedeckten etwa 60 km im Durchmesser umfassenden Gebietes. Röthges liegt an der alten Handelsstraße die "Kurzen Hessen", welche Frankfurt am Main mit Leipzig verband[3].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An einem leichten Südhang, wo sich zwei Straßen kreuzten, begann die Entstehung des Dorfes. Es handelte sich um die Straßenverbindungen von Hungen nach Grünberg und Villingen - Ettingshausen – in das Lumdatal. Im südlichen Teil verläuft die alte Straße von Laubach nach Lich. Am Fuße des abfallenden Geländes befand sich eine Wasserstelle, ein Tümpel. Diese Stelle wird Mitte des 19. Jahrhunderts als Weed oder Kump bezeichnet. Lange vor der ersten Erwähnung des Dorfes lebten auch hier bereits Menschen. Belegt wird diese Aussage durch Funde in der Gemarkung, die bis in die Zeit des Paläolithikums zurück reichen. (Siehe Kari Kunter, „Zwischen Wetterau und Vogelsberg“) Röthges wird erstmals 1322 in einer Urkunde erwähnt. Darin erscheint das Dorf unter dem Namen Rode juxta Wedirveldin. Auch die späteren Namen Roda, Rodde oder Rodechen lassen darauf schließen, dass das Dorf aus einer Rodung oder Siedlung hervorgegangen ist. Lange Zeit gehörte Röthges den Falkensteinern. Nach deren Ende wurde das Dorf dem gräflichen Haus Solms-Braunfels zuerkannt und blieb dort fast 400 Jahre. Erst nach der Säkularisation bzw. dem Reichsdeputationshauptschluss, also 1806, kam Röthges zu Hessen[4].

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Ort fast völlig zerstört. Heute ist Röthges für ruhesuchende Feriengäste ein Platz zum Ausspannen und Wandern in waldreicher Umgebung.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Röthges am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Laubach eingegliedert.[5]

Flüchtlinge und Heimatvertriebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie viele der westdeutschen Dörfer ist Röthges stark von den Wirren des Zweiten Weltkriegs geprägt. Hier sind besonders die vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge zu erwähnen, die heute nicht mehr wegzudenken sind. Ein besonders positives Beispiel der Integration vieler, aus den ehemaligen Ostgebieten stammenden Personen, die teilweise ein Drittel der Bevölkerung ausmachten. Schanzmark, Schlewitz, Kratzau, Brieg, Reichenberg, Schröffeldorf oder Heidersdorf, um nur einige der Orte heutiger Röthgeser zu nennen, die heute längst vergessen sind[6].

Zeittafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1322: Röthges wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
  • 1420: Nach dem Tod des letzten Falkensteiners fällt Röthges an den Grafen Bernhard zu Solms-Braunfels.
  • 1702: Die erste Schule wird gebaut. Vorher besuchten die Schüler die Schule in Villingen.
  • 1806: Röthges kommt zu Hessen.
  • 1843: Am alten Standort wird eine neue Schule gebaut.
  • 1879: Die neue Kirche wird gebaut. Die alte Kirche auf dem Friedhof wird abgerissen.
  • 1908: Eine eigene Wasserleitung mit einem Pumpwerk im Wasserhaus und ein Wasserbehälter werden gebaut.
  • 1921: Ein Gesangverein wird gegründet.
  • 1922: Röthges wird an das Stromnetz angeschlossen.
  • 1936: Die Freiwillige Feuerwehr Röthges wird gegründet.
  • 1953: Ein Feuerwehrhaus wird gebaut, und ein Löschwasserteich wird eingerichtet.
  • 1958: Eine neue Schule wird gebaut. Hier wird nur noch bis 1969 unterrichtet. Danach wird das Gebäude zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.
  • 1961: Ein Tiefkühlhaus wird gebaut.
  • 1970: Röthges wird eingemeindet.

Die Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche von Röthges

Die alte Kirche, die auf dem Friedhof stand, wurde 1846 wegen Einsturzgefahr abgerissen. Die heutige Kirche wurde am 14. September 1879 eingeweiht. Alle Bewohner des Dorfes und viele hochrangige Gäste nahmen an den Feierlichkeiten teil.

Den Stil des Bauwerks kann man mit dem zeitgemäßen Begriff Spitzbogenstil bezeichnen. Ein hoher Rechtecksaal mit verschiefertem Satteldach bildet den Hauptkörper. Er ist an den Längsseiten durch je drei Spitzbogenfenster mit Scheinmaßwerk belichtet. Vor der Südseite steht ein verputzter quadratischer Turm mit achtseitiger Steinlaterne und Steinhelm, der mit einer sogenannten Kreuzblume bekrönt ist. Entlang der Dachschrägen seitlich des Turmes zieht sich ein Spitzbogenfries. Durch den Turm gelangt man in das Schiff mit seiner dreiseitigen Empore. Die Orgel aus dem Jahr 1879 baute die Firma Voigt in Wiesbaden. Sie ist als Denkmalorgel eingestuft. Nach einer zeitaufwändigen Renovierung im Jahr 1986 beeindruckt sie wieder mit einem schönen vollen Klang.

Die Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des heutigen Friedhofes stand eine Burg. Nach der Zerstörung der Burg im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) siedelten die Besitzer in das Dorf über. Bei dieser Burg soll es sich um eine Raubritterburg gehandelt haben. Geschichtliche Unterlagen liegen nicht vor, jedoch berichtete schon Pfarrer Göbel - er war von 1659 bis 1684 in Wetterfeld und Röthges tätig - von einer ehemaligen Raubritterburg und von den Resten eines Wallgrabens. Reste waren auch später noch beim Bau des Wasserbehälters im Jahre 1908 zu sehen. An dieser Stelle konnten sich früher interessierte bauwillige Bürger kostenlos Sandecksteine und Mauersteine abholen.

Weitere Informationen zur Burg in Röthges: „Im verflossenen Winter wurden auf der sogenannten „Burg“ bei Röthges die Fundamente einer Mauer in der Stärke von 1,1 Meter freigelegt. Diese Burgstätte befindet sich dicht bei dem genannten Dorfe, auf der Anhöhe rechts vom Wege Laubach - Röthges, an den Friedhof stoßend. Auffallenderweise befindet sich die Burgstätte nicht ganz auf der höchsten Stelle der Anhöhe, sondern etwas unterhalb des Gipfels. Trotzdem bietet sie einen weiten Ausblick in die Umgebung. Schon seit langer Zeit dient diese Stätte als allgemeiner Steinbruch. Leider ist der Boden hierdurch in einer solchen Weise zerwühlt und ausgehöhlt worden, dass die ursprüngliche Anlage nicht mehr festzustellen ist. Die innere Burgstelle, worauf sich diese Mauerreste befinden, zeigt sich gegenwärtig als ein Viereck mit abgerundeten Ecken von ca. 300 m² Flächeninhalt, das von einem 1-3 Meter tiefen, 6-8 Meter breiten, kreisrunden Graben umschlossen wird. Die äußere Umfassungslinie dieses Grabens beträgt ca. 150 Meter. Niemand erinnert sich mehr, die Mauern über dem Erdboden gesehen zu haben. Dagegen teilten uns alte Leute mit, dass ihnen von ihren Großeltern erzählt worden sei, sie hätten die Mauern noch in Mannshöhe über dem Erdboden gesehen. Auch wurde uns vom Funde alter Töpfe, Hufeisen und von einem alten Schwert, das wie ein Kreuz aussah, erzählt“. Der Name „Auf der Burg“ hat sich bis heute erhalten; und die Dorfstraße in diese Richtung heißt „Burgstraße“.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Röthges unterstand im Überblick:[1][7]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Röthges ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Hungen zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfalle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Braunfels ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Hungen“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Röthges zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Fürst 1823.[11] Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[12]

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten. Gleichzeitung wurde Röthges dem Landgericht Laubach zugewiesen das in Amtsgericht Laubach umbenannt wurde. Die zweite Instanz war jetzt das Landgerichts Gießen.[13] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Laubach und Röthges wurde dem Sprengel des Amtsgericht Gießen zugelegt.[14] Die übergeordneten Instanzen sind jetzt, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

  • 1830: 254 evangelische, 5 römisch-katholische Einwohner, 2 Mennoniten
  • 1885: 279 Einwohner
  • 1925: 249 Einwohner
  • 1939: 228 Einwohner
  • 1950: 383 Einwohner
  • 1961: 308 (266 evangelische, 38 römisch-katholische) Einwohner. Erwerbspersonen: 79 Land- und Forstwirtschaft, 49 Prod. Gewerbe, 14 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 10 Dienstleistungen und Sonstiges.
Röthges: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
225
1840
  
263
1846
  
264
1852
  
255
1858
  
255
1864
  
260
1871
  
263
1875
  
264
1885
  
279
1895
  
260
1905
  
263
1910
  
247
1925
  
249
1939
  
228
1946
  
403
1950
  
383
1956
  
323
1961
  
308
1967
  
325
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1822 bis zur Eingemeindung hatte Röthges einen eigenen Bürgermeister. Seitdem wird Röthges von Laubach verwaltet und erhielt einen Ortsbeirat mit Ortsvorsteher.

Ortsvorsteher ist Harald Mohr.[2]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röthges ist ein typisches hessisches Dorf, mit einigen wenigen sehr gut erhaltenen und gepflegten Fachwerkhäusern, insbesondere um den Dorfplatz. Die 1879 gebaute Kirche mit ihrer besonderen 1988 restaurierten Orgel, ist ebenfalls zu erwähnen. Der Ort der alten Burg wird seit Jahrzehnten von heimischen Kindern als Spielplatz genutzt. Die Gegend um Röthges lädt hierbei immer zu Wanderungen und Radtouren in einer idyllischen Landschaft aus Wäldern, kleinen Wiesen und Feldern ein.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rund 370 Einwohner sind größtenteils in Vereinen organisiert, alleine über 150 Mitglieder zählt die Freiwillige Feuerwehr. Weitere Vereine sind z.B. der Obst- und Gartenbauverein oder der FC Bayern München Fanclub.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Röthges, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 19. Mai 2017)
  2. a b Die Stadtteile im Internetauftritt der Stadt Laubach, abgerufen im Dezember 2016.
  3. Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (2009): Der Vogelsberg
  4. Möll, Robert (2001): Röthges eine Dorfchronik
  5. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 301
  6. Möll, Robert (2013): Röthges im Spiegel der Geschichte
  7. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  8. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 21, 438 (online bei Google Books).
  9. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 424 (online bei Google Books).
  10. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 135 (online bei Google Books).
  11. Theodor Hartleben (Hrsg.): Allgemeine deutsche Justiz-, Kameral- und Polizeifama, Band 2, Teil 1. Johann Andreas Kranzbühler, 1832, S. 271 (online bei Google Books).
  12. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237-241
  13. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Blatt S. 197–211)
  14. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Februar 1968 (GVBl. I S. 41–44)