Rüddingshausen

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Rüddinghausen
Gemeinde Rabenau
Koordinaten: 50° 41′ 17″ N, 8° 54′ 56″ O
Höhe: 345 m ü. NHN
Fläche: 11,18 km²[1]
Einwohner: 953 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35466
Vorwahl: 06407
Blick vom Vorderen Vogelsberg (Lumda-Plateau) zwischen Wermertshausen und Rüddingshausen zum „eigentlichen“ Vogelsberg (773 m)
Blick vom Vorderen Vogelsberg (Lumda-Plateau) zwischen Wermertshausen und Rüddingshausen zum „eigentlichen“ Vogelsberg (773 m)

Rüddingshausen ist einer von sechs Ortsteilen der Gemeinde Rabenau im mittelhessischen Landkreis Gießen und hat rund 950 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rüddingshausen liegt an der Kreuzung der Landesstraßen L 3125 und L 3126 etwa 3,5 km nordöstlich von Kesselbach im Tal des Kesselbachs, einem Zufluss der Lumda. Das Dorf liegt im „Drei-Kreise-Eck“ der Landkreise Gießen, Marburg-Biedenkopf und dem Vogelsbergkreis und wird oft als das „nördlichste Dorf“ im Landkreis Gießen bezeichnet. Legt man jedoch die Lage im Bezug auf den Breitengrad zugrunde, so trifft die Bezeichnung wohl mehr für das weiter westlich und etwas nördlicher gelegene Winnen zu. Direkte Nachbardörfer sind Wermertshausen (Landkreis Marburg-Biedenkopf) im Nordwesten, Deckenbach (Vogelsbergkreis) im Nordosten, sowie die im Landkreis Gießen gelegenen Dörfer Weitershain im Südosten und Odenhausen (Lumda) im Südsüdwesten.

Nordöstlich des Ortes befand sich der wüst gegangene Ort Frankenhausen. [3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde es 1288 als Rudingeshusin. In einer Urkunde aus dem Jahr 1334 taucht der Name Rudingeshausen auf.[1] Das genaue Alter des Dorfes nicht genau bekannt. Rüddingshausen hat wahrscheinlich schon zu fränkischer Zeit bestanden und gehörte zur Mark Londorf.

Die Gemeinde Rüddingshausen wurde am 31. Dezember 1971 im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Rabenau eingegliedert.[4]

Dorfkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Die ursprüngliche Filialkirche war nach den Beschädigungen des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1667 erneuert worden. Sie verfiel dann und wurde abgebrochen. An gleicher Stelle entstand 1768 die heutige Evangelische Kirche Rüddingshausen mit dreiseitigem Schluss und Turmkreuz. Seit dem Frühjahr 2015 wird die Kirche einer äußeren und inneren Komplett-Sanierung unterzogen, welche voraussichtlich Anfang Dezember 2016 beendet sein wird.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rüddingshausen entstand im Laufe der 1840er Jahre durch die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse die Besenbinderei als eine Art Kleinindustrie. Hierzu verwendete man Birkenreisig, band es zusammen und verkaufte die Besen. Noch heute nennt der Volksmund die Bevölkerung von Rüddingshausen "die Bease" – die Besen.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Rüddingshausen unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Rudingeshusin, in villa (1288) [Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 643–644, Nr. 1088]
  • Rudinchishusin, in (1305) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 2, Nr. 87]
  • Rudingeshusen, de (1313) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 2, Nr. 218]
  • Rüdingshausen [Niveaukarte Kurfürstentum Hessen 1840–1861]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Rüddingshausen unterstand im Überblick:[1][5]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Rüddingshausen das „Patrimonialgericht der Freiherren Nordeck zur Rabenau“ in Londorf zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. 1822 traten die Freiherren Nordeck zur Rabenau ihre Recht am Gericht Londorf an das Großherzogtum Hessen ab.[9]Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Rüddingshausen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[10] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Rüddingshausen wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.[11] Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

1577: 0055 Hausgesesse
1669: 0189 Seelen
1742: 0002 Geistliche/Beamte, 77 Untertanen, 14 Junge Mannschaften, 9 Beisassen/Juden
1804: 0600 Einwohner
1830: 0687 evangelische Einwohner, 38 Juden.
1961: 0954 (841 evangelische, 95 römisch-katholische) Einwohner. Erwerbspersonen: 213 Land- und Forstwirtschaft, 189 Produzierendes Gewerbe, 28 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 34 Dienstleistungen und Sonstiges.
Rüddingshausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
730
1840
  
808
1846
  
830
1852
  
852
1858
  
905
1864
  
732
1871
  
741
1875
  
748
1885
  
657
1895
  
705
1905
  
736
1910
  
721
1925
  
748
1939
  
807
1946
  
1.064
1950
  
1.030
1956
  
984
1961
  
954
1967
  
971
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher ist Ewald Thomas (FW).[12]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Rüddingshausen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rüddingshausen ist in 2008 der erste Ort im Landkreis Gießen gewesen, in dessen Gemarkungsbereich Windkraftanlagen errichtet wurden. Nach den anfänglichen vier Anlagen erzielen die mittlerweile vorhandenen sieben Anlagen eine Gesamtleistung von 7,9 MW. Bei einem angenommenen durchgängigen 24-stündigen Betrieb könnten diese Anlagen somit 69.204.000 kWh elektrische Energie pro Jahr zur Verfügung stellen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Rüddingshausen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 11. November 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Einwohnerstatistik im Internetauftritt der Gemeinde Rabenau, abgerufen im August 2016.
  3. Frankenhausen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 308
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 174, 279 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  8. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 413 (online bei Google Books).
  9. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1822. Nr. 15. S. 177 (online [PDF; 36,0 MB]).
  10. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze  vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. Nr. 1879/15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  11. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16)  vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 1968/4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 a) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  12. Gemeinde Rabenau: Ortsbeiräte von Allertshausen, abgerufen im Januar 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rüddingshausen (Rabenau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien