Rüdiger Bachmann

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Rüdiger Bachmann (* 29. Dezember 1974) ist ein deutscher-amerikanischer[1] Wirtschaftswissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1994 an der Kopernikussschule Freigericht, studierte Bachmann Philosophie und Spanisch (Magister) sowie Volkswirtschaftslehre (Diplom) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Von 2000 bis 2001 wurde er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz übernommen. Im Anschluss daran wechselte er an die Yale University und erwarb einen M.A. (2002), einen M.Phil. (2004) und einen Ph.D. (2007).

Bachmann ging 2007 als Assistenzprofessor an die University of Michigan, wo er bis 2011 lehrte. Danach wurde er Professor für Wirtschaftswissenschaften, insbesondere Makroökonomik an der RWTH Aachen, 2014 dann an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, wo er kurzzeitig den SAFE Chair of Behavioral Economics and Finance bekleidete. Seit August 2014 ist er Associate Professor (mit Tenure) für Wirtschaftswissenschaften an der University of Notre Dame in den USA. Er war außerdem Gastdozent bzw. Gastprofessor an den Departments of Economics der University of Pennsylvania, der University of Michigan und der Harvard University.

Bachmann ist CEPR Research Affiliate sowie CESifo Research Network Fellow und ifo Research Professor. Bis 2013 war er auch NBER Faculty Research Fellow. Von 2012 bis 2018 war er Associate Editor des Economic Journal. Seit 2018 ist er Associate Editor des Journal of Economic Dynamics and Control, und seit 2019 Mitglied des Herausgeberbeirats der Perspektiven der Wirtschaftspolitik. Bachmann war von 2015 bis 2017 als Nachwuchsbeauftragter Mitglied des erweiterten Vorstandes im Verein für Socialpolitik. Seit 2015 ist er Mitglied im Ausschuss für Makroökonomik des Vereins.

Sein Forschungsschwerpunkt ist die Makroökonomie.

Bachmann ist Gründungsmitglied der Ökonomenstimme, einer deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Autorenplattform.[2]

Debatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bachmann war am sogenannten Neueren Methodenstreit in der deutschen Volkswirtschaftslehre beteiligt. Als Reaktion auf die Umwidmung von zahlreichen wirtschaftspolitischen Lehrstühlen im Rahmen von Neuberufungen an der Universität Köln verfassten 83 Professoren der Volkswirtschaftslehre im Jahr 2009 einen Aufruf „Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten!“, der in der FAZ publiziert wurde.[3] Bachmann, zusammen mit den in den USA lehrenden deutschen Ökonomen Dirk Krüger und Harald Uhlig, organisierte daraufhin einen von 188 Ökonomen aus Deutschland und dem Ausland unterzeichneten Gegenaufruf „Baut die VWL nach internationalen Standards um!“, der im Handelsblatt veröffentlicht wurde.[4] Ein Jahr später zog Bachmann folgendes öffentliches Resümee: „Ich meine, der Methodenstreit war wichtig und richtig, [...]. Wissenschaft ist per Definition ein methodisches Unterfangen und bedarf deshalb auch der methodischen Reflexion.“[5] Der Methodenstreit löste ein gewisses Medienecho aus.[6][7][8][9][10][11][12]

Bachmann war in weiteren öffentlichen Debatten engagiert: so hat er die moderne, angelsächsisch geprägte Volkswirtschaftslehre und ihre universitäre Lehre gegenüber studentischen und journalistischen Kritikern verteidigt und deren Kritik als unangebracht zurückgewiesen: „Wenn die VWL tatsächlich eine marktradikale, hyperrationalistische Religion wäre, die nur dazu da ist, Ausbeutung durch Finanzkapitalisten zu legitimieren, dann gehörten mindestens 95 Prozent der aktuellen Forschung in der VWL nicht zur VWL.“;[13] er hat die deutsche Universitätslandschaft kritisiert und diese als zum Teil provinziell bezeichnet, vor allem in der Volkswirtschaftslehre;[14] und er hat sich zur sogenannten dual career-Problematik an deutschen Universitäten im Vergleich zu den USA geäußert: „Ich behaupte, dass Deutschland es versäumt, ein riesengroßes Potenzial an Wissenschaftlern im Ausland zu nutzen, die sofort kommen würden, wenn die intellektuelle Seite, die familiäre Seite – dazu gehört auch eine sehr frühe, dem Forschungsalltag entsprechende Kinderbetreuung – und erst als drittes die Gehaltsseite stimmten.“[15] Bachmann hat die Kritik des Konstanzer Zoologen Axel Meyer an der aktuellen Studentengeneration[16] zurückgewiesen und seine Studenten ausdrücklich als wohl informiert und erwachsen gelobt.[17] In einem Beitrag für die Zeitschrift Forschung und Lehre „Professor ist Professor“ hat Bachmann den fundamentalen Unterschied zwischen dem deutschen Juniorprofessor und dem amerikanischen Assistenzprofessor herausgearbeitet: ersterer ist oft ein Professor zweiter Klasse, letzterer ein voller Professor auf Bewährung. Aus diesem Grundunterschied ergäben sich dann die Vorteile für den wissenschaftlichen Nachwuchs in den USA: Verbeamtung auf „Bewährung“ (tenure track), Verhandelbarkeit von Gehalt, Ausstattung und Lehre, größere fakultäts- und universitätsinterne Wertschätzung.[18] In einem Interview mit FAZIT hat sich Bachmann zum Sexismus in den Wirtschaftswissenschaften geäußert.[19] In der Auseinandersetzung um die Schuldenbremse hat sich Bachmann als entspannt gegenüber Staatsschulden in Deutschland gezeigt, so lange die Zinsen niedrig seien.[20] In einem Beitrag für die FAZ hat sich Bachmann mit der Ökonomin Ulrike Malmendier aus Berkeley für mehr Spitzenforscher in der ökonomischen Politikberatung ausgesprochen.[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tweet von Rüdiger Bachmann auf Twitter; abgerufen am 1. August 2019
  2. Ökonomenstimme: Home.
  3. Volkswirtschaftslehre: Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten!.
  4. Blogs - Handelsblatt Online.
  5. Zum Neueren Methodenstreit – Ein Rückblick.
  6. Nils Goldschmidt: Was ist und was kann Ordnungsökonomik? In: FAZ.net. 19. Juni 2009, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  7. Gebhard Kirchgässner: Ökonomenstreit: Der Rückzug ins nationale Schneckenhaus.
  8. Thomas P. Gehrig: Wirtschaftswissenschaft: Schadet es, wenn Ökonomen rechnen können?.
  9. Viktor Vanberg: Wissenschaft: Die Ökonomik ist keine zweite Physik.
  10. Volkswirtschaftslehre: Deutsche Ökonomen zerfleischen sich.
  11. NachDenkSeiten – Die kritische Website > Ordoliberale Ökonomen rufen zum letzten Gefecht auf.
  12. Rettet die Wirtschaftpolitik.
  13. Haben die Uni-Ökonomen versagt?.
  14. Bert Losse: Schlechte Gehälter, viele Verpflichtungen: Die deutsche Uni-Landschaft ist provinziell.
  15. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 21. Oktober 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gsonet.org
  16. Axel Meyer: Ehre und Ehrlichkeit der Studenten. In: FAZ.net. 16. April 2015, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  17. ZEIT ONLINE - Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder imPUR-Abo. Sie haben die Wahl..
  18. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 3. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.forschung-und-lehre.de
  19. "Die akademische Ökonomenszene hat ein Sexismusproblem". 7. September 2017.
  20. Rüdiger Bachmann, Christian Bayer: Zinspolitik: Her mit den Schulden. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 9. Mai 2020]).
  21. Rüdiger Bachmann, Ulrike Malmendier: Verschenktes Potential: Warum deutsche Wirtschaftspolitik Spitzenforscher braucht. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 9. Mai 2020]).