Rüdiger Döhler

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Rüdiger Döhler (2010)

Rüdiger Döhler (* 24. August 1948 in Rochlitz, Sachsen) ist ein deutscher Chirurg, Studentenhistoriker und Herausgeber.[1]

Leben[Bearbeiten]

Döhlers Eltern sind der Oberfeldwebel und Neulehrer Joachim Döhler aus Sachsen und seine Frau Margarete geb. Hergesell aus der Oberlausitz. Die Vorfahren sind seit 1593 als Handwerker in Schöneck/Vogtl. nachgewiesen.[2]

Döhler wuchs in Erlau (Sachsen) und Hohen Neuendorf auf. Eine halbe Stunde vor dem Zugriff der Stasi floh seine Familie im Januar 1958 aus der Deutschen Demokratischen Republik über West-Berlin nach Bremerhaven. Die SPD hatte den der SED missliebigen Vater 1957 dorthin vermittelt. Nach dem Abitur an der Wilhelm-Raabe-Schule (Bremerhaven) ging Döhler in der Crew X/67 als Reserveoffizieranwärter (San) zur Bundesmarine. Als Seekadett entlassen, studierte er von 1968 bis 1974 Medizin an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, unterbrochen von drei Semestern an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Universität Hamburg. Im Studium segelte er viele Seeregatten der Kieler Woche, Nordseewoche und Cowes Week. Von 1980 bis 1990 war er im Johanniterorden, seit 1989 als Rechtsritter. Seine drei Kinder aus der ersten Ehe mit Engel v. Bülow leben in Berlin und Köln.

Er engagierte sich in seiner Mecklenburger Zeit als Pianist und konzertierte mit Christiane Klonz und dem collegium musicum Parchim. Das von ihm gegründete Mecklenburger Ärztetrio wurde eine Zeitlang beraten von Götz Teutsch, dem Prinzipal der Cellisten der Berliner Philharmoniker.[3] Beim Festakt zum hundertjährigen Bestehen der Deutschen Orthopädengesellschaft (2001) spielte er im Konzerthaus Berlin mit dem Orchester der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Johann Sebastian Bachs d-Moll-Konzert. Bei der 500-Jahrfeier des Royal College of Surgeons of Edinburgh (2005) begleitete er Mhairi Lawson in der Edinburgh Academy.

Chirurgie[Bearbeiten]

Nach dem Staatsexamen im Januar 1975 war er Medizinalassistent in Kiel, Bremerhaven und Essen. 1976 wurde er als Arzt approbiert und mit einer Doktorarbeit bei Gert Zierott cum laude zum Dr. med. promoviert.[4] Bei Lutz-Dietrich Leder im Universitätsklinikum Essen wandte er sich zunächst der Pathologie und besonders den Knochentumoren zu. Ab April 1977 lernte er die Grundlagen der Chirurgie bei Günther Heinemann im Klinikum Minden. Am 1. Dezember 1979 wechselte er in die Orthopädie unter Walter Blauth im Universitätsklinikum Kiel. Dort wurde er im Februar 1983 Facharzt für Orthopädie. Um osteologische Grundlagenforschung zu betreiben, ging er im März 1984 mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft für anderthalb Jahre zu Sean Hughes an die University of Edinburgh. Zwischenzeitlich war er Lecturer in der Unfallchirurgie der (alten) Royal Infirmary of Edinburgh.[5] Im September 1985 kehrte er als Oberarzt nach Kiel zurück. Um sich mit der Wirbelsäulenchirurgie vertraut zu machen, arbeitete er von September 1988 bis Mai 1990 bei Hans Henning Matthiaß im Universitätsklinikum Münster. Bei seinem Unbehagen an der deutschen Orthopädie kehrte er im Juni 1990 in die Chirurgie zurück.[6] Bei Friedrich Hennig am AK Altona wurde er auch Chirurg. Seine Forschungsarbeit konnte er bei Werner Lierse im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fortführen und 1993 mit der Habilitation an der Universität Hamburg abschließen.[7][8]

Plau am See[Bearbeiten]

Als Privatdozent und Chefarzt ging er 1995 mit seiner Frau Marlo geb. Kröpelin nach Plau am See, um sich mit ihr am Aufbau des neuen Krankenhauses am Plauer See zu beteiligen. Nach der Wende (DDR) als privatwirtschaftliche Fachklinik für Neurologie / Neurochirurgie und Orthopädie geplant, war sie der erste Krankenhausneubau in Mecklenburg-Vorpommern. Zum Verletzungsartenverfahren der Berufsgenossenschaften (bis 2008) zugelassen, verband Döhlers Abteilung als erste in Deutschland die zehn Jahre später zusammengelegten Fächer Orthopädie und Unfallchirurgie. Operative Schwerpunkte waren Korrekturosteotomien und Endoprothesen, vor allem Implantatwechsel.[9][10] Angeborene Hüftluxationen bei Erwachsenen waren relativ häufige „Altlasten“ aus der DDR. Vor den systematischen Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verkehrskontrollen im ländlichen Mecklenburg spielten Polytraumen eine große Rolle.[11] Wie schon in der Pathologie befasste er sich immer mit Knochentumoren und systemischen Erkrankungen des Skeletts. Er erkannte früh die Bedeutung der Metallose und gewann Hans-Georg Willert für eine internationale Multizenterstudie.[12][13]

Ab 1998 baute er mit Dr. Jacek Kotas und Dr. Robert Jäckel in Plau die im Land erste Abteilung für Handchirurgie auf. Er förderte die zivil-militärische Zusammenarbeit als Gastgeber „weißer“ Wehrübungen.[14][15] Einem Röbeler Tierarzt half er bei der Versorgung von verletzten Greifvögeln.[16] Mit einem Stuttgarter Unfallchirurgen folgte er im März 2001 der Einladung des irakischen Gesundheitsministers, am Saddam Center for Reconstructive Surgery in Bagdad zu operieren. Für das Friedensdorf International operierte er in Plau am See Kinder aus Afrika und Zentralasien.[17][18] Für die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ half er ehemaligen NS-Zwangsarbeitern aus Polen und der Ukraine. Seit 1996 an die Charité in Berlin umhabilitiert, wurde er im Januar 2006 apl. Professor an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.[19]

Tagungen in Plau am See
Plauer Chirurgen (2005)
Schultersymposion. 17. Mai 1996
Kniesymposion. 16. November 1996
Die Erwachsenenhüfte. 17. Juni 2000
Traumasymposion. 16./17. Juni 2001
65. Gemeinsames Symposion der Orthopädischen Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern. 14. September 2002
Der S-ROM-Schaft in der Hüftendoprothetik. 29. August 2003
DRG´s und Endoprothesen – das Ende von Selbstverständlichkeiten. 20. März 2004
Verletzungsfolgen – „Schnittstellen“ von Orthopäden und Unfallchirurgen. 6. Mai 2006
Traumanetzwerk. 21. April 2007

Hamburg[Bearbeiten]

Im Januar 2008 wechselte er in den Dienst des Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhauses Hamburg, das ihn zeitweise nach Elmshorn und St. Peter abstellte. 2010 war er als designierter Ärztlicher Direktor am Centro Médico La Paz in Bata, Äquatorialguinea.[20] Zur Stabilisierung von Wirbelsäulenfrakturen führte er dort die Spondylodese ein. Wieder bei Christian Jürgens im BUK Hamburg, war er für Forschung und Lehre zuständig. Seit Juni 2013 im Ruhestand, fährt er gelegentlich als Schiffsarzt auf MS Deutschland. Im Oktober 2013 referierte er beim 3. Österberg-Seminar (Medizin).[21][22]

Bundeswehr[Bearbeiten]

Kommandoübergabe des LazRgt 71 (na) in Breitenburg (2003)

Vor dem Studium kam er nach der Grundausbildung im Marineausbildungsbataillon 3 an die Marineversorgungsschule, auf die Gorch Fock (unter Peter Lohmeyer) und an die Marineschule Mürwik. Im Bundeswehrkrankenhaus Detmold wurde er im August 1979 vom Oberleutnant zur See zum Stabsarzt und zuletzt im Mai 1993 als einziger Sanitätsoffizier im 1. Zerstörergeschwader zum Flottenarzt d. R. befördert. Beim DESEX 1/94 mit Henning Bess im Südatlantik war er Senior Medical Officer.[23] Mit Plaus Bürgermeister Hans-Heinrich Jarchow übernahm seine Klinik 1996 die Patenschaft für den Sanitätsabschnitt der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern.[24] Vom 1. Februar 1990 bis zum 31. Dezember 1997 war er Kommandeur der Reservelazarettgruppe 6102.[14] Am 7. November 2003 wurde er als Nachfolger von Jörg Haasters Regimentskommandeur des Lazarettregiments 71 (na).[14] Mit der Auflösung der Reservelazarettorganisation wurde er am 1. Dezember 2007 von Berndt Röder und Arno Roßlau im Hamburger Rathaus verabschiedet. Nach der sog. Wiedervereinigung beschäftigte ihn die Rolle der Bundeswehr in der deutschen Gesellschaft und in der NATO.[25][26]

Corps[Bearbeiten]

Döhler wurde im Januar 1969 Mitglied des Corps Palaiomarchia-Masovia und war 1973 Vorortsprecher des Kösener SC-Verbandes.[27] Er betrieb die neuerliche Rekonstitution (1997) und den Wiederaufbau des Corps Masovia Königsberg zu Potsdam. Von 2001 bis 2006 war er Vorsitzender des Altherrenvereins.[28] Seit langem befasst er sich mit Ostpreußen und der Geschichte der Studentenverbindungen.[29][30][31] Der Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung wählte ihn 2009 zum Vorsitzenden.[32] Für sein Corps und den Norddeutschen Waffenring ist er Paukarzt.[33]

Ehrenämter und Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Teil I – Bd. 52 (2007), S. 147–176. ISSN 0420-8870
Teil II – Bd. 54 (2009), S. 219–288. ISSN 0420-8870

Buchbeiträge[Bearbeiten]

Herausgeber[Bearbeiten]

  • Corps Masovia. Die 175jährige Geschichte von Königsbergs ältester und Potsdams erster Korporation im 21. Jahrhundert. München 2005, ISBN 3-00-016108-2. GoogleBooks
  • mit Georg von Klitzing – Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr.. Erstmals vollständige, bebilderte und kommentierte Neuausgabe in zwei Bänden mit einem Anhang, zwei Registern und einem Vorwort von Franz-Friedrich Prinz von Preußen. München 2010, ISBN 978-3-00-028704-6. GoogleBooks

Medizingeschichtliche Beiträge[Bearbeiten]

  • Aufgaben und soziale Aspekte der Orthopädie. Zentralblatt für Sozialversicherung, Sozialhilfe und Versorgung 39 (1985), S. 366–368.
  • Vom Barbier zum Chirurgen – Johann Dietz. Ein barockes Bürgerleben. Chirurgische Allgemeine 14. Jg., 10. Heft (2013), S. 617–622.
  • mit Thaddäus Zajaczkowski und Anton M. Zamann: Ludwig von Riediger (Ludwik Rydygier) – ein großer, in Deutschland vergessener Chirurg. Der Chirurg 84 (2013), S. 602–606. Abstract (SpringerLink)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Ernst und Spaß
  1. Hamburger Ärzteblatt 08/2013, S. 7
  2. Kirchenbuch der Pfarrkirche St. Georg
  3. NDR 1 Radio MV: Das Mecklenburger Ärztetrio. Rüdiger Döhler, Wolfgang Thiess und Frieder Rohn. 11. Juli 2004, 19.05 bis 20.00 Uhr
  4. Dissertation: Die intraoperative bakterielle Kontamination und ihre Beeinflussung durch intraoperative Spülungen mit Kochsalzlösung und Kanamycin in Hinblick auf die postoperative Heilung der Operationswunde
  5. J. R. Döhler: Orthopädie in Schottland. Mitteilungsblatt der DGOT 1/1986, S. 51–54
  6. J. R. Döhler: Leserbrief zum Bericht über die erste Sitzung der Kommission Gesamtorthopädie. Orthopädie Mitteilungen 4/1992, S. 284–286
  7. Habilitationsschrift: Untersuchungen zur neurovaskulären Versorgung kortikalen Knochens. Histologie und elektronenmikroskopische Funktionsanalyse an Ratte und Maus (Hamburg 1991)
  8. Deutsche Universitätszeitung (1994)
  9. J. R. Döhler: [Supracondylar corrective osteotomy in post-traumatic cubitus varus. 3 cases in 2 patients]. In: Der Unfallchirurg. Band 105, Nummer 4, April 2002, S. 397–400, ISSN 0177-5537. PMID 12066480.
  10. J. R. Döhler: Brauchen wir neue Hüftendoprothesen? Chirurgische Allgemeine 7 (2006), S. 471–475
  11. R. Döhler, R. Baetgen: Zur klinischen Primärversorgung von Schwerverletzten. Chirurgische Allgemeine 8 (2007), S. 188 f.
  12. F. F. Hennig, H. J. Raithel, K. H. Schaller, J. R. Döhler: Nickel-, chrom- and cobalt-concentrations in human tissue and body fluids of hip prosthesis patients. In: Journal of trace elements and electrolytes in health and disease. Band 6, Nummer 4, Dezember 1992, S. 239–243, ISSN 0931-2838. PMID 1304233.
  13. Dissertation Dr. Antje Brümmer, Universität Greifswald (2005)
  14. a b c Marc Ebel, Arno Roßlau: Die Reserveorganisation im Verantwortungsbereich des Sanitätskommandos I 1963 bis 2007. Kiel 2007
  15. Erste Übung für den Krisenfall war erfolgreich. Schweriner Volkszeitung vom 27. April 2001
  16. Focus vom 23. September 2013, S. 112.
  17. Schweriner Volkszeitung vom 11. März 2004: Medizin auf höchstem Niveau
  18. Schweriner Volkszeitung vom 3. November 2004: 13jährige Usbekin erneut in Plau operiert
  19. Mitteilung in der Plauer Zeitung (PDF; 1,8 MB)
  20. Bata
  21. 3. Österberg-Seminar Medizin (PDF; 13 kB)
  22. Wird in Deutschland unnötig operiert? CORPS Magazin (DCZ) 4/2013, S. 21–22
  23. Mit der Marine im Südatlantik. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 91 (1994), S. 164–168
  24. Die „Mecklenburg-Vorpommern“ und Plau am See. Das Plauer Krankenhaus übernahm Patenschaft über Lazarett der neuen Fregatte der Bundesmarine. Plauer Zeitung, 17. Dezember 1996
  25. R. Döhler: Kommandeur-Tagung in Rendsburg. Wehrmedizinische Monatsschrift 2/1991, S. 94
  26. R. Döhler: Soldat als Lebenseinstellung. Marineforum 6-2012, S. 54
  27. Kösener Corpslisten 1981, 76, 191
  28. Verzeichnis sämtlicher Mitglieder des Corps Masovia 1823 bis 2005. Potsdam 2006
  29. R. Döhler: Säulen Preußens – 59 Corpsstudenten als Oberpräsidenten preußischer Provinzen. Einst und Jetzt 55 (2010), S. 143–148, ISBN 978-3-87707-781-8
  30. R. Döhler: Wilhelm II. – eine Würdigung zum 150. Geburtstag. CORPS-Magazin 1/2009, S. 23 f.
  31. R. Döhler: Der Deutsche Idealismus und das Corpsstudententum, in: Sebastian Sigler (Hg.): Freundschaft und Toleranz. 200 Jahre Corps Bavaria zu Landshut und München. München 2006, S. 183–188, ISBN 3-932965-86-8
  32. Corpsmitteilungen der Borussia Bonn, Nr. 132 (2013), S. 24 f.
  33. Immer locker aus dem Handgelenk. Risiken und Verletzungsprävention beim Mensurfechten. 1. Paukärztekongress, Freiburg i. Br. 2./3. März 2007
  34. Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern 11/2006, S. 391
  35. RCSEd
  36. OP-Handbuch, 5. Auflage

Literatur[Bearbeiten]

  • Privatdozent Dr. med. J. R. Döhler, in: Profile aus dem Landkreis Parchim, Bd. 2 (1999), S. 69.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rüdiger Döhler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien