Rüdiger Döhler

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Rüdiger Döhler (2010)

Rüdiger Döhler (* 24. August 1948 in Rochlitz, Sachsen) ist ein deutscher Orthopäde und Chirurg.[1]

Leben[Bearbeiten]

Döhler wuchs in Erlau (Sachsen) und Hohen Neuendorf auf. Im Januar 1958 floh seine Familie nach Bremerhaven. Nach dem Abitur an der Wilhelm-Raabe-Schule ging er in der Crew X/67 als Reserveoffizieranwärter (San) zur Bundesmarine. Er studierte Medizin an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Universität Hamburg. 1973 war er Vorortsprecher des Kösener SC-Verbandes.[2] 1976 wurde er als Arzt approbiert und mit einer Doktorarbeit in der Kieler Chirurgie zum Dr. med. promoviert.[3] Im Universitätsklinikum Essen wandte er sich zunächst der Pathologie zu. Von April 1977 bis November 1979 war er Assistenzarzt in der Chirurgie des Klinikum Minden. Im Universitätsklinikum Kiel wurde er 1983 Facharzt für Orthopädie. Mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft war er 1984/85 an der University of Edinburgh.[4] Im September 1985 kehrte er als Oberarzt nach Kiel zurück. Ab 1988 widmete er sich im Universitätsklinikum Münster der Wirbelsäulenchirurgie. Er wechselte 1990 in die Unfallchirurgie des AK Altona und wurde bei Friedrich Hennig 1992 auch Chirurg.[5] Seit 1980 Ehrenritter des Johanniterordens, betreute er von 1982 bis zur Wende (DDR) die Krankenhäuser des Ordens in Stendal und Genthin. Als Rechtsritter schied er 1990 auf eigenen Antrag aus dem Orden aus. Aus der ersten Ehe mit Engel v. Bülow hat er drei Kinder.

Seine Forschungsarbeit konnte er bei Werner Lierse im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fortführen und 1993 mit der Habilitation abschließen.[6][7] 1994 hospitierte er als Flottenarzt der Reserve am National Naval Medical Center. Als Privatdozent und Chefarzt beteiligte er sich ab 1995 mit seiner zweiten Frau Marlo Döhler am Aufbau des neuen Krankenhauses in Plau am See. Ab 1998 baute er mit Jacek Kotas und Robert Jäckel die in Mecklenburg-Vorpommern erste Abteilung für Handchirurgie auf. Seit 1996 an die Charité umhabilitiert, wurde er im Januar 2006 apl. Professor der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.[8] Das Royal College of Surgeons of Edinburgh verlieh ihm 1999 die Fellowship.[9] Mit einem Stuttgarter Unfallchirurgen folgte er im März 2001 der Einladung des irakischen Gesundheitsministers, am Saddam Center for Reconstructive Surgery in Bagdad zu operieren. Für das Friedensdorf International und die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ operierte er Patienten aus Polen, der Ukraine, Zentralasien und Afrika. Ab 2003 war er Regimentskommandeur des Lazarettregiments 71 (na).[10] Mit der Auflösung der Reservelazarettorganisation wurde er am 1. Dezember 2007 von Berndt Röder und Arno Roßlau im Hamburger Rathaus verabschiedet. Im Januar 2008 wechselte er in den Dienst des Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhauses Hamburg. 2010 war er als designierter Ärztlicher Direktor am Centro Médico La Paz in Bata, Äquatorialguinea.[11] Seit 2013 im Ruhestand, fuhr er einige Male als Schiffsarzt auf MS Deutschland. Im November 2014 zog er mit seiner Frau zurück nach Plau.

Am Klavier konzertierte er viele Male mit Christiane Klonz. Beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Deutschen Orthopädengesellschaft (2001) spielte er im Konzerthaus Berlin mit dem Orchester der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ein Bach-Konzert. Das von ihm gegründete Mecklenburger Ärztetrio wurde eine Zeitlang von einem Berliner Philharmoniker beraten.[12]

2014 gründete er einen Förderverein für das Bildarchiv Ostpreußen.[13]

Ehrenämter[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Medizin[Bearbeiten]

  • Verletzungsfolgen an Bewegungsapparat und Wirbelsäule, in: Achim Reichelt (Hg.): Orthopädie. Stuttgart 1993, ISBN 3-432-25201-3. GoogleBooks
  • Lexikon Orthopädische Chirurgie. Berlin 2003, ISBN 3-540-41317-0. GoogleBooks
  • mit Margret Liehn und Lutz Steinmüller (Hg.): OP-Handbuch. Grundlagen, Instrumentarium, OP-Ablauf, 5. Auflage. Berlin Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-16844-4 (3. Auflage bei GoogleBooks) [17]
  • Vom Barbier zum Chirurgen – Johann Dietz. Ein barockes Bürgerleben. Chirurgische Allgemeine 14. Jg., 10. Heft (2013), S. 617–622.
  • mit Thaddäus Zajaczkowski und Anton M. Zamann: Ludwig von Riediger (Ludwik Rydygier) – ein großer, in Deutschland vergessener Chirurg. Der Chirurg 84 (2013), S. 602–606. Abstract (SpringerLink)
  • mit Loukas Konstantinou: Wirbelsäulentuberkulose eines Wikingers. Chirurgische Allgemeine 2015.

Studentengeschichte[Bearbeiten]

  • Der Seniorenconvent zu Königsberg. Ostpreußen und seine Corps vor dem Untergang, in Einst und Jetzt:
Teil I: Bd. 52 (2007), S. 147–176. ISSN 0420-8870
Teil II: Bd. 54 (2009), S. 219–288. ISSN 0420-8870
  • Corps Masovia. Die 175-jährige Geschichte von Königsbergs ältester und Potsdams erster Korporation im 21. Jahrhundert. München 2005, ISBN 3-00-016108-2. GoogleBooks
  • Deutscher Idealismus und Corpsstudententum, in: Sebastian Sigler: Freundschaft und Toleranz. 200 Jahre Corps Bavaria zu Landshut und München. München 2006, ISBN 3-932965-86-8, S. 183–188.
  • mit Georg v. Klitzing (Hg.): Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr.. München 2010, ISBN 978-3-00-028704-6. GoogleBooks
  • Hans Koch – ein deutsches Schicksal im Widerstand, in: Sebastian Sigler (Hg): Corpsstudenten im Widerstand gegen Hitler. Duncker & Humblot, Berlin 2014. ISBN 978-3-428-14319-1, S. 45–56.
  • Hans-Wolfram Knaak – Widerstand als aktiver Senior, in: Sebastian Sigler (Hg): Corpsstudenten im Widerstand gegen Hitler. Duncker & Humblot, Berlin 2014. ISBN 978-3-428-14319-1, S. 323–328.
  • Max Draeger – Mord aus Rache? In: Sebastian Sigler (Hg): Corpsstudenten im Widerstand gegen Hitler. Duncker & Humblot, Berlin 2014. ISBN 978-3-428-14319-1, S. 431–436.
  • Die Corps in den 1930ern. Riesensteinbrief des Corps Saxo-Borussia Heidelberg, Nr. 123 (2015), S. 30–37.

Literatur[Bearbeiten]

  • Privatdozent Dr. med. J. R. Döhler, in: Profile aus dem Landkreis Parchim, Bd. 2 (1999), S. 69.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rüdiger Döhler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hamburger Ärzteblatt 08/2013, S. 7.
  2. Kösener Corpslisten 1981, 76, 191.
  3. Dissertation: Die intraoperative bakterielle Kontamination und ihre Beeinflussung durch intraoperative Spülungen mit Kochsalzlösung und Kanamycin in Hinblick auf die postoperative Heilung der Operationswunde.
  4. R. Döhler: Orthopädie in Schottland. Mitteilungsblatt der DGOT 1/1986, S. 51–54.
  5. R. Döhler: Leserbrief zum Bericht über die erste Sitzung der Kommission Gesamtorthopädie. Orthopädie Mitteilungen 4/1992, S. 284–286.
  6. Habilitationsschrift: Untersuchungen zur neurovaskulären Versorgung kortikalen Knochens. Histologie und elektronenmikroskopische Funktionsanalyse an Ratte und Maus (Hamburg 1991)
  7. Deutsche Universitätszeitung (1994)
  8. Mitteilung in der Plauer Zeitung (PDF; 1,8 MB)
  9. RCSEd
  10. Marc Ebel, Arno Roßlau: Die Reserveorganisation im Verantwortungsbereich des Sanitätskommandos I 1963 bis 2007. Kiel 2007
  11. Bata
  12. NDR 1 Radio MV: Das Mecklenburger Ärztetrio. Rüdiger Döhler, Wolfgang Thiess und Frieder Rohn. 11. Juli 2004, 19.05 bis 20.00 Uhr
  13. Die gebührende Anerkennung. Das Bildarchiv Ostpreußen leistet wichtige Erinnerungsarbeit. Ein neuer Förderverein wird es unterstützen. Ostpreußenblatt Nr. 48, 29. November 2014. (Digitalisat)
  14. CHAZ
  15. Beirat awiso
  16. Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern 11/2006, S. 391.
  17. OP-Handbuch, 5. Auflage