Rüdiger Wehner

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Rüdiger Wehner (2012)

Rüdiger Wehner (* 6. Februar 1940 in Nürnberg) ist ein deutscher Neuro-, Sinnes- und Verhaltensbiologe.

Leben[Bearbeiten]

Rüdiger Wehner hat an den Universitäten Frankfurt und München Zoologie, Chemie und Philosophie studiert. 1967 wurde er an der Universität Frankfurt bei Martin Lindauer mit einer Arbeit zum Thema "Physiologie des Formensehens bei der Biene" promoviert. Im selben Jahr ging er als wissenschaftlicher Assistent an das Zoologische Institut der Universität Zürich zu Ernst Hadorn, wo er sich 1970 habilitierte. Nach zwei Forschungsaufenthalten an der Yale University und der Cornell University wurde er 1972 zum Extraordinarius und 1976 auf den Ordinarius am Zoologischen Institut in Zürich berufen, dem er von 1986 an bis zu seiner Emeritierung 2005 auch als Direktor vorstand. Von 2005 bis 2008 hatte er eine Emeritus-Forschungsprofessur an der Universität Zürich. 2007 erhielt er den mit 65.000 Euro dotierten Alexander von Humboldt Forschungspreis, und entschied sich für eine Gastprofessor am Biozentrum der Universität Würzburg, wo er bis 2010 tätig war.

Er ist verheiratet mit der Biologin Sibylle Segesser von Brunegg.

Forschung und Lehre[Bearbeiten]

Rüdiger Wehner hat in seiner Forschungsarbeit die Kombination von experimenteller Verhaltensforschung im Freiland und Sinnes- und Neurobiologie im Laboratorium angestrebt. Am Beispiel der Orientierungsleistungen sozialer Insekten, unter denen er die nordafrikanische Wüstenameise Cataglyphis als Tiermodell gewählt hat, konnte er zeigen, daß diese über mehrere Navigationsmodule verfügt, mit denen sie auf visuelle Reize wie Himmels- und Landmarken reagiert und dann über motorische Programme zur Entfernungsmessung einsetzt. Damit schaffen es die Ameisen, nach ihren Beutezügen auf schnurgeradem Weg zurück in ihr Nest zu finden, auch dann, wenn sie zuvor über einen Zeitraum von mehreren Wochen in einem dunklen, unterirdischen Bau zugebracht haben. Weiter konnte Wehner nachweisen, daß die Ameisen die Fähigkeit zur so genannten "Wegintegration" haben, die ihnen präzise die Länge des Rückwegs weist.

Wehner ist bei seinen Forschungen immer von den beobachteten Verhaltensleistungen der Ameisen ausgegangen und hat dann nach den hierfür verantwortlichen sensorischen und neuronalen Mechanismen gesucht. Schlußendlich hat er die Betrachtung seiner Forschungsergebnisse auch auf ökologische und evolutive Aspekte ausgedehnt.

Im deutschsprachigen Raum ist er besonders als Mitautor des Standard-Lehrbuchs "Allgemeine Zoologie" bekannt geworden, das von Alfred Kühn begründet wurde und danach (von Ernst Hadorn und Wehner) als "Hadorn/Wehner" ein Begriff in der biologischen Hochschullehre wurde. In seiner nunmehr 25. Auflage ist Walter Gehring Mitautor des nunmehr als "Wehner/Gehring" bekannten Buches.

Ehrungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rede bei der Ehrenpromotion Rüdiger Wehner
  2. Auf der Suche nach dem Kompass im Ameisenhirn - Schweizer Wissenschaftler forscht als Humboldtpreisträger am Biozentrum, Universität Würzburg, 24. April 2007 (abgerufen am 5. August 2012)
  3. Wüstenameisen auf Stelzen. In: FAZ. 3. April 2007 (abgerufen am 5. August 2012)
  4. Pressemitteilung, VolkswagenStiftung, 10. Juli 2006 (PDF, abgerufen am 5. August 2012; 23 kB)

Weblinks[Bearbeiten]