Rügenwalder Mühle

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Rügenwalder Mühle Carl Müller GmbH & Co. KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1834
Sitz Bad Zwischenahn (Niedersachsen, Deutschland)
Leitung Christian Rauffus
Mitarbeiter 450, davon 17 Auszubildende[1]
Umsatz 175,4 Mio. Euro[1]
Branche Lebensmittel
Website www.ruegenwalder.de
Stand: 31. Dezember 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014

Die Rügenwalder Mühle Carl Müller GmbH & Co. KG ist ein Wurst, Schinken und Fleischersatzprodukte produzierendes Unternehmen der Lebensmittelindustrie im niedersächsischen Bad Zwischenahn. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Rauffus Beteiligungs-GmbH.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Müller gründete 1834 in der pommerschen Kleinstadt Rügenwalde eine Fleischerei. Nachfolger von Carl Müller wurde sein Sohn Johann August Wilhelm Müller. Carl Wilhelm Gottfried Müller, der das Unternehmen in der dritten Generation leitete, stellte 1903 zum ersten Mal Teewurst unter diesem Namen her.[2][3][4] Um Carl Müllers Wurst von anderen unterscheiden zu können, entwirft seine Frau Alwine eine rote Windmühle als Firmenlogo; damals noch mit krummen Würsten als Flügel.[2][5] Eine Mühle, da der Familienname Müller war und ein Konkurrenzunternehmer mit Namen Carl Schiffmann ein Schiff als Firmenlogo hatte.[5]

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges musste der Standort in Rügenwalde im Zuge der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aufgegeben werden. Die Familie Müller floh 1946 in das niedersächsische Westerstede im Ammerland. Dort wurde der Geschäftsbetrieb wiederaufgenommen und vom vierten Geschäftsführer Carl Wilhelm Müller 1956 nach Bad Zwischenahn verlagert. Unter dem gelernten Uhrmacher Kurt Rauffus († 2007), Ehemann der Erbin Ruth Müller, wuchs das Unternehmen in der nächsten Generation zu einem Industriebetrieb an. Heute leitet sein Sohn Christian Rauffus den Betrieb in sechster Generation. 2012 wurde im Bad Zwischenahner Ortsteil Kayhausen am Zwischenahner Meer eine funktionsfähige Windmühle eingeweiht, die in Anlehnung an das Firmenlogo mit roten Ziegelsteinen erbaut wurde und den Markenauftritt des Unternehmens unterstützen soll.[6]

2012 eingeweihte Rügenwalder Mühle in Kayhausen am Zwischenahner Meer

Zur Produktpalette gehören heute Teewurst, Schinkenwurst, unter dem Markennamen Schinkenspicker,[3] Mett, Leberwurst, Schinken, Frikadellen und Würstchen. Als ehemalig in Rügenwalde ansässiges Unternehmen darf es seine Teewurst unter der WortmarkeRügenwalder Teewurst“ auf dem Markt anbieten. Neben den Wurstprodukten stellt der Konzern seit 2014 auch fleischlose Produkte wie vegetarische Schnitzel, Mini-Frikadellen und Aufschnitt her, ein Teil dieser Produkte ist vegan.[7][8]

Das Unternehmen erzielte 2014 einen Umsatz von 175,4 Millionen Euro[1] und 2015 einen Umsatz von 205 Millionen Euro[9] und verkauft fast ausschließlich in Deutschland.[10] 2014 verhängte das Bundeskartellamt gegen 21 Wurstunternehmen, darunter Rügenwalder Mühle Carl Müller, eine dreistellige Millionenstrafe wegen illegaler Preisabsprachen.[11]

In einem Interview mit der F.A.Z. äußerte sich der Geschäftsführer und Inhaber Christian Rauffus über die langfristige Ausrichtung des Unternehmens. Er sprach sich gegenüber der Zeitung gegen häufigen Fleischverzehr aus. Er sagte: „Ernährungsphysiologisch ist die Wurst nicht so der Brüller.“ Er führte aus: „Ich kann mir vorstellen, dass wir in 20 Jahren ohne Fleisch arbeiten“, und „es kann aber auch sein, dass wir dann bei einem Anteil von 50:50 stehen.“ Seit 2015 sind fleischfreie Produkte im Angebot. Im November 2016 kamen schon auf etwa 400 Tonnen Fleischprodukte rund 100 Tonnen vegetarischer Produktion in einer Woche.[12]

Öffentlichkeitsauftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des Wurstherstellers ist eine Mühle mit roten Würsten als Flügel. Eine echte zum Unternehmen gehörige Windmühle gab es aber weder in Rügenwalde noch später in Niedersachsen, bis die Firma 2011/2012 sich eine Salz mahlende Mühle am Ostufer des Zwischenahner Meers errichten ließ. Die Mühle ist aus Holz und Klinker gebaut und siebzehn Meter hoch.[13][10] Bei der Schlüsselübergabe war der Fernsehmoderator Jörg Pilawa als Werbepartner zugegen.[14]

Christian Rauffus unterstützte 2013 den Vorschlag eines Veggieday.[7] Die Süddeutsche Zeitung führte dazu ein Interview Rauffus mit dem Handelsblatt an. Es sei der SZ zufolge ein Trend zum Flexitarismus auszumachen, viele Menschen wollten Fleisch in Maßen und mit gutem Gewissen verspeisen, ebenso werde gelegentlich vegetarisches Essen immer beliebter.[7]

Im September 2016 testete die Stiftung Warentest eine Untersuchung über vegetarische Fleischersatzprodukte, darunter auch das vegetarische Schnitzel von Rügenwalder, welches dabei als mangelhaft bewertet wurde.[15] Laut Stiftung Warentest wurden mit 400 Milligramm pro Kilogramm vergleichsweise hohe Konzentrationen gesättigter Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl gefunden, für die es zwar keinen Grenzwerte gibt, die aber laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als „potenziell besorgniserregend“ einstuft sind.[16][17] Rügenwalder Mühle erklärte gegenüber der Rheinischen Post, dass die Rückstände durch ein Paraffin verursacht würden welches ausdrücklich zur Herstellung von Lebensmitteln zugelassen sei. Es wurde von einem Zulieferer eingesetzt, sei jedoch kein gesundheitsgefährdendes Mineralöl. Das Unternehmen ließ dies durch Analysen in mehreren unabhängigen Laboren nachweisen. Die Zutat, die für das Paraffin verantwortlich gewesen war, wurde zudem ausgetauscht. Sie werde nicht mehr bei Rügenwalder Mühle eingesetzt. Die Gemüsefrikadellen des Unternehmens wurde Testsieger im Bereich "Veggie-Frikadelle".[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Die Rügenwalder Mühle auf einen Blick, abgerufen am 5. Juli 2015.
  2. a b Familiengeschichte der Rügenwalder Mühle.
  3. a b Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts. 15., neubearbeitete Auflage. Gabler u. a., Wiesbaden u. a. 2006, ISBN 3-8349-0436-8, S. 448 (google.com [abgerufen am 27. August 2016]).
  4. Rügenwalder Mühle: Unsere handwerkliche Tradition: Teewurst. 29. Mai 2013, abgerufen am 27. August 2016.
  5. a b Unser Firmenlogo zum Anfassen. In: www.ruegenwalder.de. Abgerufen am 27. August 2016.
  6. Unser Chef. Rügenwalder Mühle, 23. Mai 2013, abgerufen am 27. August 2016.
  7. a b c Vorschlag der Grünen, Wursthersteller lobt Veggie Day Süddeutsche 26. August 2013.
  8. Lebensmittelkonzern Rügenwalder Mühle: "Mensch, Papa, noch 'ne Wurst?" In: Spiegel Online. 27. August 2016, abgerufen am 27. August 2016.
  9. http://www.ruegenwalder.de/unsere-firma/fakten/
  10. a b Martin Dowideit: Der Mann mit der Mühle, abgerufen am 5. Juli 2015.
  11. http://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2014/15_07_2014_Wurst.html?nn=3591568.
  12. FAZ, Ein Wurstfabrikant will weg vom Fleisch, 14. November 2016
  13. Oldenburgische Wirtschaft Juni 2012: Rügenwalder Mühle.
  14. Nordwest-Zeitung am 15. November 2012.
  15. Vegetarische Schnitzel & Co: Die besten Alternativen zu Fleisch. In: test.de. 28. September 2016, abgerufen am 21. Februar 2017.
  16. Stiftung Warentest lässt Veggie-Wurst durchfallen. In: Süddeutsche Zeitung. 28. September 2016, abgerufen am 5. Oktober 2016.
  17. Bastian Brauns: Auch im Veggi-Burger lauert Gefahr. In: Die Zeit. 28. September 2016, abgerufen am 5. Oktober 2016.
  18. Rheinische Post, Die Fleischbeschau für Vegetarier, 28. Oktober 2016

Koordinaten: 53° 10′ 25″ N, 8° 3′ 38″ O