Rüterberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Naturschutzgebiet siehe Naturschutzgebiet Rüterberg.

Koordinaten: 53° 9′ N, 11° 11′ O

Karte: Mecklenburg-Vorpommern
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Rüterberg
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Mecklenburg-Vorpommern

Rüterberg ist ein Ortsteil der Stadt Dömitz im Südwesten des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Bekannt wurde die Gemeinde durch den 1989 von ihren Bürgern ausgerufenen Status der Dorfrepublik Rüterberg. Von 1991 bis 2001 hieß die ehemalige Gemeinde offiziell Rüterberg („Dorfrepublik“ 1961–1989), nachfolgend bis 2002 Rüterberg („Dorfrepublik“ 1967–1989).[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elbe bei Rüterberg
Ortstafel (2007)
Denkmal der deutschen Teilung

Das zwischen Dömitz und Hitzacker (Elbe) an der Elbe liegende Dorf befindet sich im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Mecklenburg-Vorpommern, auf und um den Rüterberg. Der Ort grenzt an zwei Seiten an das Bundesland Niedersachsen. Zu Zeiten der deutschen Teilung war er aufgrund der Vorschriften der DDR-Grenzsicherung 22 Jahre lang von Sperranlagen umgeben. Zur Bundesrepublik Deutschland war er durch ein Zaunsystem entlang der Elbe getrennt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heute Rüterberg genannte Ort wurde 1340 erstmals erwähnt. 1896 und 1903 entstanden am Ostende zwei Ziegeleien. 1938 wurde das Dorf von Wendisch-Wehningen-Broda-Sandwerder in Rüterberg umbenannt. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das in der sowjetischen Besatzungszone befindliche Rüterberg ein Grenzdorf zur britischen Besatzungszone. Seit 1952 erfolgten Maßnahmen zur Grenzsicherung, so wurden unter anderem eine Sperrzone eingerichtet, die Passierscheinpflicht eingeführt und ein Grenzzaun entlang des Elbeufers errichtet. Im Zuge der „Aktion Ungeziefer“ kam es zur Zwangsumsiedlung mehrerer Familien ins Hinterland. 1961 wurden im Rahmen der „Aktion Festigung“ 26 Grundstücke eingeebnet und die Grenzanlagen am Elbeufer befestigt.

1966 kam es zur so genannten Schlacht von Gorleben, in der die Bundesrepublik Deutschland und britische Streitkräfte den westlichen Hoheitsanspruch auf die volle Breite der Elbe demonstrierten. Die DDR hingegen beharrte auf ihrem Standpunkt, dass die innerdeutsche Grenze in der Mitte des Flusses verlaufe. Nachfolgend wurde 1967 ein zweiter – innerer – Grenzzaun entlang der Elbe und somit um Rüterberg errichtet. Das Dorf war dadurch selbst vom Gebiet der DDR abgeschnitten. Nur durch ein bewachtes Tor konnten die Bewohner ihr Dorf nach Vorlage des Passierscheins verlassen oder betreten. Besucher konnten nicht empfangen werden. In den Nachtstunden zwischen 23 und 5 Uhr war ein Passieren nicht möglich. Der Ortsteil Broda und mit ihm zwei Ziegeleien und ein Sägewerk wurden 1981 abgetragen. Erhalten blieb lediglich ein Beobachtungsobjekt der Grenztruppen.[2] Noch 1988 wurde der innere Grenzzaun für elf Millionen Mark stabilisiert. Ein Mann nutzte diese Baumaßnahmen zur Republikflucht. In der Folge wurden Stolperdrähte und Hundelaufanlagen errichtet. Die Einwohnerzahl Rüterbergs sank von 1961 bis 1989 von etwa 300 auf 150.

Dorfrepublik Rüterberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Protest gegen die durch die Isolierung bestehende Situation wurde am 8. November 1989 von den Bewohnern die Dorfrepublik Rüterberg ausgerufen. Damit sollte ein Zeichen gegen die jahrelange Demütigung durch die DDR gesetzt werden. Als Vater der an das Vorbild der schweizerischen Urkantone angelehnten Idee einer Dorfrepublik gilt der Schneidermeister Hans Rasenberger, der sich bereits Jahre zuvor mit der Geschichte der Schweiz und den dortigen Dorfgemeinschaften beschäftigte. Als er 1988 Verwandte in der Bundesrepublik besuchen durfte, nutzte er die Gelegenheit zu Reisen zwischen der Bundesrepublik, der Schweiz und Frankreich aus und hörte bei den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag der Schweiz den Rütlischwur.

Rasenberger hatte am 24. Oktober 1989 eine Einwohnerversammlung beantragt, was gemäß den Vorschriften auch ins Ministerium für Staatssicherheit nach Berlin gemeldet wurde. Die Versammlung wurde für den 8. November genehmigt. Neben 90 Einwohnern waren im Gemeindehaus Vertreter vom Rat des Kreises Ludwigslust, ein höherer Offizier der Grenztruppen und der Leiter des Volkspolizeikreisamtes zugegen, denen ein von Rasenberger sorgfältig vorbereitetes Dokument vorgelegt wurde, in dem es darum ging, sich in einer Dorfrepublik fortan die eigenen Gesetze zu schaffen und sich nicht länger von der DDR-Führung bevormunden zu lassen. Die Bewohner beschlossen einstimmig die Einrichtung der Dorfrepublik. Bereits einen Tag später fiel die Berliner Mauer und Rüterberg war seit dem 10. November 1989 frei zugänglich.

Am 14. Juli 1991 erhielt die Gemeinde Rüterberg vom Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern das Recht, die Bezeichnung „Dorfrepublik 1961–1989“ (ab 2001 „Dorfrepublik 1967–1989“) als Zusatz auf allen Ortsschildern zu führen. Bei dem Akt der staatlichen Anerkennung, der Verleihung der Urkunde, waren 100 Jugendliche aus 19 Nationen anwesend. Die Regelung galt bis zum 21. Oktober 2002 – seitdem heißt das Dorf wieder Rüterberg.

Nachwendezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wende gab es Neuansiedlungen, es entstanden neue Straßen und Wohnhäuser. Anlässlich des zehnten Jahrestages der Ausrufung der Dorfrepublik wurde 1999 eine Heimatstube eröffnet, die Besuchern unter anderem Einblicke in das Leben in dem isolierten Grenzdorf gibt. Im selben Jahr wurde durch die Naturparkverwaltung Mecklenburgisches Elbetal ein hölzerner Aussichtsturm mit Blick ins Elbetal seiner Bestimmung übergeben. Am 13. Juni 2004 wurde Rüterberg in die Stadt Dömitz eingemeindet.[3]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Tag der Eingemeindung führte die ehemalige Gemeinde Rüterberg ein Wappen sowie eine Flagge, die wie folgt beschrieben werden:

Blasonierung: „In Grün auf goldenem Hügel, darin ein blauer Wellenfaden, ein golden gerüsteter Ritter mit Stechhelm, auf einem springenden, golden gehuften, gezäumten und gesattelten silbernen Pferd, in der rechten Hand ein goldenes Schwert und in der linken Hand die goldenen Zügel haltend.“

Flaggenbeschreibung: „Die Flagge der Gemeinde ist gleichmäßig längsgestreift von Blau, Gelb und Grün. Auf der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils zwei Fünftel der Höhe des blauen und des grünen Streifens übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.“

Außerdem existiert ein 1980 von Detlev Rasenberger, einem Sohn Hans Rasenbergers, erstellter Wappenentwurf, der wie folgt beschrieben wird: „Über silbernem Wellenschildfuß, darin zwei blaue Wellenlinien, in Silber ein grüner Berg belegt mit einem silbernen Ritter, welcher in der Rechten ein nach oben gerichtetes Schwert und in der Linken ein zweimal geteiltes Schild mit den Farben Blau, Gold und Rot übereinander (trägt).“ Über dem Wappen stehen Dorfrepublik (in der Schriftart Super Grotesk) und Rüterberg (Fette Gotisch) übereinander.[4]

Der im Wappen abgebildete Ritter soll einst vom Rüterberg mit seinem Pferd die Elbe übersprungen haben, um Rüterberg von Räubern zu befreien.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmuth Behrens (* 1951), ehemaliger Florettfechter, wurde in Rüterberg geboren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Rasenberger: Die Dorfrepublik. Aus der Geschichte des Elbgrenzdorfes Wendisch Wehningen-Broda, Rüterberg-Dorfrepublik 1967–1989. Eigenverlag, um 1990
  • Johann Friedrich Burmester, Beiträge zur Kirchengeschichte des Herzogthums Lauenburg, S.221 Wehningen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rüterberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gebietsänderungen, Statistisches Landesamt MV
  2. Rüterberg Dorfrepublik - www.dömitz.de
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  4. a b „10 Jahre Dorfrepublik Rüterberg“ von Andreas Herzfeld auf flaggenkunde.de