Rāfida

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Rāfida (arabisch ‏رافضة‎, DMG rāfiḍa ‚Ablehner‘, daneben werden auch die Pluralformen rawāfiḍ oder arfāḍ verwendet) ist ein polemisches Kollektivnomen, das seit dem achten Jahrhundert für bestimmte schiitische Gruppen, insbesondere die Imamiten, verwendet wird. Auf Deutsch wird der Begriff üblicherweise mit Rāfiditen wiedergegeben. Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe wird auf Arabisch auch als Rafd (rafḍ) bezeichnet.

Der Begriff Rāfida wurde zunächst nur im Rahmen innerschiitischer Auseinandersetzungen verwendet, und zwar für diejenigen Schiiten, die im Jahre 743 nicht bereit waren, den Aliden Zaid ibn ʿAlī bei seinem Aufstand gegen die Umayyaden zu unterstützen. Hintergrund war, dass Zaid sich weigerte, wie sie die beiden ersten Kalifen Abū Bakr und ʿUmar ibn al-Chattāb zu verfluchen. Den Namen „Ablehner“ (Rāfiḍa) erhielten sie, weil sie Zaid ibn ʿAlī ablehnten.

Aus dem polemischen Vokabular der Zaiditen, also den Anhängern von Zaid ibn ʿAlī, fand der Begriff später Eingang in die sunnitische Häresiographie. Hier wurden damit jene Schiiten bezeichnet, die im Gegensatz zu den gemäßigten Zaiditen das Imamat der beiden ersten Kalifen Abū Bakr und ʿUmar nicht anerkannten, aber andererseits in ihrer Verehrung der schiitischen Imame nicht so weit gingen wie die Ghulat. Al-Dschahiz verfasste mit seiner Schrift al-ʿUthmānīya im 9. Jahrhundert eine Widerlegung der Ansichten der Rāfiditen. In der Zeit des seldschukischen Herrschers Tughrul Beg (gest. 1063) ließ dessen Wesir al-Kundurī die Rāfiditen in Chorasan öffentlich auf den Kanzeln verfluchen.[1]

Bis heute spielt der Begriff eine wichtige Rolle in der sunnitischen Polemik gegen die Zwölfer-Schia.

Literatur[Bearbeiten]

  • Etan Kohlberg: Art. „al-Rāfiḍa“ in Encyclopaedia of Islam. Second Edition. Bd. VIII, S. 386b–389a.
  • Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert der Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam. 6 Bde. Berlin: De Gruyter 1991-97. Bd. I, S. 272-403.

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. Ibn al-Athīr: al-Kāmil fī t-tārīḫ. Ed. Muḥammad Yūsuf ad-Daqqāq. 11 Bde. Dār al-kutub al-ʿilmīya, Beirut, 1987. Bd. 8, S. 365. Digitalisat