RAF Linton-on-Ouse

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RAF Station Linton-on-Ouse
The Control Tower, R.A.F, Linton on Ouse - geograph.org.uk - 547880.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EGXU
IATA-Code HRT
Koordinaten
54° 2′ 56″ N, 1° 15′ 10″ WKoordinaten: 54° 2′ 56″ N, 1° 15′ 10″ W
16 m (52 ft.) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 15 km nordwestlich von York
Straße 7 km zur A19
Basisdaten
Eröffnung 1937
Betreiber Royal Air Force
Start- und Landebahnen
04/22 1834 m × 46 m Asphalt
10/28 1338 m × 46 m Asphalt

Die Royal Air Force Station Linton-on-Ouse, kurz RAF Linton-on-Ouse, ist ein Militärflugplatz der britischen Royal Air Force bei Linton-on-Ouse in North Yorkshire, England, ungefähr 15 km nordwestlich von York. Sie ist als wichtiges Pilotenschulzentrum eines der geschäftigsten Flugfelder der RAF, dem mit RAF Topcliffe und RAF Dishforth zwei Satelliten-Flugplätze unterstehen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die RAF Station Linton-on-Ouse war einer von zirka fünfzig Flugplätzen, die in der Zeit der Hochrüstung vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Der Baubeginn erfolgte 1936 und die Eröffnung für das RAF Bomber Command erfolgte im Mai 1937. Es dauerte jedoch bis April 1938, bis die ersten beiden Bomberstaffeln, die 51. und 58. Squadron, eintrafen. Die Basis beherbergte gleichzeitig den Stab der No. 4 Bomber Group, der vom späteren Oberkommandierenden des Bomber-Kommandos, Arthur T. Harris, befehligt wurde.

Gleich nach Kriegsausbruch wurden in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1939 aus Lintons Whitley-Bombern Flugblätter über Nazi-Deutschland abgeworfen, dem ersten Nacht-Einsatz der RAF im deutschen Luftraum. Die ersten Bombenangriffe flogen jeweils ganze zwei Bomber aus Linton im April 1940 auf Oslo und Aalborg, nachdem die Wehrmacht die Besetzung von Dänemark und Norwegen begonnen hatte. Das erste Ziel im Gebiet des Deutschen Reichs war im Folgemonat Mönchengladbach, wobei drei Flugzeuge eingesetzt wurden.

Zwischen Dezember 1940 und August 1942 beherbergte die Station die erste mit Halifax ausgerüstete RAF-Staffel, die 35. Squadron. Im Verlauf des Krieges waren die in Linton stationierten Bomber voll in die alliierte Luftoffensive gegen Deutschland integriert, ab Juni 1943 handelte es sich dabei um kanadische Lancaster und später wieder Halifax, die von der 408. und 426. Squadron eingesetzt wurden. Der letzte Angriff erfolgte am 25. April 1945 auf die Insel Wangerooge (siehe Artikel: Luftangriff auf Wangerooge am 25. April 1945).

Nach dem Krieg und dem Abzug der Kanadier unterstand die Station für kurze Zeit dem RAF Transport Command und kam im Juni 1946 unter die Kontrolle des RAF Fighter Command. Die hiesigen Jagdstaffeln flogen zunächst noch Kolbenmotor-Flugzeuge wie Hornets und Mosquitos und später dann Düsenjäger der Typen Meteor, Sabre und Hunter. Daneben beherbergte die Basis ab März 1953 für knapp zwei Jahre die Rettungshubschrauber-Staffel der RAF, die mit Sycamore ausgerüstete 275. Squadron. In Folge der Reduzierung der Jagdstaffeln wurde der Flugbetrieb in Linton im März 1957 vorübergehend eingestellt.

Am 1. 1957 September wurde die Station dem RAF Flying Training Command unterstellt und ist seit dem Oktober des Jahres Heimat der No. 1 Flying Training School (FTS). Deren Aufgabe war damals die Flugausbildung von Royal Navy-Piloten. Zur Grundausbildung wurde zunächst die Provost genutzt, die ab Oktober 1960 durch die Jet Provost ersetzt wurde, und zur Fortgeschrittenenausbildung kam die Vampire zum Einsatz. Hinzu kam ab Ende 1961 die Basisausbildung zukünftiger Hubschrauber-Piloten des Fleet Air Arm (FAA) auf der Chipmunk. Das Fortgeschrittenentraining für die Marine wurde ab Ende 1963 nach Brawdy transferiert. Die Vampire der No. 1 FTS dienten voran der Ausbildung von RAF sowie ausländischer und Commonwealth Flugschüler, bis sie Anfang 1966 zur No. 7 FTS in RAF Church Fenton verlegt wurden.

Aufgrund des absehbaren Endes des Betriebs von großen Flugzeugträgern endete die Grundausbildung zukünftiger FAA-Piloten im Juni 1969. Auch die Jet Provosts dienten fortan der Ausbildung für die RAF und Flugschülern aus verschiedenen anderen Ländern, während die Basisausbildung der Marine-Hubschrauber-Piloten ebenfalls nach Church Fenton verlagert wurde. Die Ausbildung zukünftiger FAA-Piloten für Flächenflugzeuge wurde 1976 wieder aufgenommen und die erste weibliche Flugschülerin begann ihr Flugtraining 1990.

Im Jahr 1993 wurden die Jet Provost durch Short Tucanos ersetzt und im Jahr 2002 erhielten die beiden Schulstaffeln die Bezeichnungen 72. und 207. (Reserve) Squadron. Prinz William durchlief hier Anfang 2008 seine fliegerische Grundausbildung. Zwischen 2007 und 2011 lag daneben noch eine dritte Tucano-Staffel, die dem Navigationstraining dienende 76. Staffel und die 207. Staffel wurde Anfang 2012 ebenfalls aufgelöst.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RAF Linton-on-Ouse ist insbesondere Heimat der No. 1 FTS mit zwei fliegenden Staffeln und dient der Grundausbildung zukünftiger Kampfflugzeugführer von RAF, Royal Navy und befreundeter Nationen. Der Flugschule unterstehen auch die beiden kleineren Flugplätze RAF Dishforth und RAF Topcliffe. Daneben liegt hier eine Schulstaffel Motorsegler.

Satelliten-Flugplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RAF Topcliffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Royal Air Force Station Topcliffe, kurz RAF Topcliffe, sie liegt zirka 20 km nordnordwestlich von Linton-on-Ouse, wurde 1940 unter der Kontrolle des RAF Bomber Command ebenfalls als Bomberbasis geöffnet. In der jüngeren Vergangenheit diente sie hauptsächlich der Pilotenausbildung. Heute liegt hier nur noch eine Schulstaffel Motorsegler.

RAF Dishforth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Royal Air Force Station Dishforth, kurz RAF Dishforth, zirka 15 km nordwestlich von Linton-on-Ouse gelegen, wurde 1936 als Bomber-Flugfeld eröffnet. Nach dem Krieg diente sie der Schulung von Transportflugzeugführern. Hauptnutzer ist seit 1988 das Army Air Corps. Dishford Airfield, so die Bezeichnung der Heeresflieger, ist seit Februar 1991 Heimat des 9. Regiments, das die meiste Zeit mit Lynx ausgerüstet war. Zwischen 2003 und 2007 flog es jedoch die Apache. Die letzten Lynx AH.7 wurden 2014 abgegeben und das 9. Regiment wurde als zuletzt reine Lynx AH.9A Einheit am 12. Mai 2016 außer Dienst gestellt. Der Flugbetrieb in Dishforth wurde damit eingestellt[1].

Das Areal ist nach wie vor eine Kaserne der Army, sie ist seit Sommer 2016 Heimat des 6. Regiments des Royal Logistics Corps. Dies Regiment war zuvor der letzte britische Einsatzverband auf dem Flughafen Gütersloh[2].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. End of an era for Army aviation, The York Press, 12. Mai 2016
  2. Abschied: Logistiker mit Fahnenband geehrt, Die Glocke, 17. Juni 2016