Radiale Verteilungsfunktion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die radiale Verteilungsfunktion in der Statistischen Physik. Für die radiale Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion in der Quantenmechanik, siehe dort.

Die radiale Verteilungsfunktion (Abkürzung rdf) mit dem Formelzeichen zwischen zwei Teilchensorten A und B beschreibt die Häufigkeit, mit der man ein Teilchen der Sorte B im Abstand von einem Teilchen der Sorte A findet, bezogen auf die Häufigkeit, dass zwei Teilchen eines idealen Gases in diesem Abstand vorliegen. Die radiale Verteilungsfunktion ist somit dimensionslos.[1]

Bestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung 1: Schema zur Bestimmung der rdf

Zur Bestimmung der radialen Verteilungsfunktion zählt man wie in Abbildung 1 die Zahl der Teilchen der Sorte B (blau) in der Kugelschale mit Radius und Dicke um ein Teilchen der Sorte A (dunkelrot). Dadurch erhält man ein Histogramm. Normiert man dieses Histogramm entsprechend, erhält man die radiale Verteilungsfunktion. Bei Molekulardynamik oder Metropolis-Importance-Sampling gilt folgende Formel: . Hierbei wird der Histogrammeintrag, welcher dem Abstand zugeordnet ist, durch das Bin-Volumen , sowie die Zahl der Stichproben () geteilt, wodurch man eine mittlere Dichte im Bin erhält. Diese mittlere Dichte wird anschließend mit der Dichte eines idealen Gases verglichen.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im NVT-Ensemble kann die radiale Verteilungsfunktion auch aus der 2N-Punkt-Wahrscheinlichkeitsdichte (N Orte und N Geschwindigkeiten)

für eine Hamiltonfunktion erhalten werden.

Durch Abintegrieren von Orten und allen Geschwindigkeiten aus der 2N-Punkt-Wahrscheinlichkeitsdichte erhält man zunächst die 2-Punkt-Wahrscheinlichkeitsdichte

Diese normiert man mit , wobei die mittlere Teilchenzahldichte ist:

Im Thermodynamischen Limes gilt:

.

In einem homogenen System ist

Paarverteilungsfunktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radiale Verteilungsfunktion einer Lennard-Jones-Flüssigkeit. Die radiale Verteilungsfunktion nimmt um praktisch den Wert 0 an, da die Teilchen mit einem Lennard-Jones-Potential wechselwirken und somit praktisch nicht überlappen können.

Die Paarverteilungsfunktion (auch Paarkorrelationsfunktion) hängt nicht nur vom Abstand ab, sondern wegen (Kugelkoordinaten) auch von den Winkeln und . Die (statische) Paarkorrelationsfunktion ist gegeben durch:

Dieses Ergebnis erhält man aus der Berechnung der (kollektiven) Van-Hove-Korrelationsfunktion [2], indem man die Definition der Dichte einsetzt, über abintegriert und anschließend bei auswertet. Dabei ist zu beachten, dass

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mithilfe der radiale Verteilungsfunktion kann man durch Fouriertransformation den Strukturfaktor bestimmen.

Die radiale Verteilungsfunktion spielt in der Kirkwood-Buff-Theorie eine wichtige Rolle.

In einem homogenen System[3] gibt die Paarkorrelationsfuktion das „Potential of mean force an, welches durch die Zuweisung definiert wird (mit der Boltzmann-Konstanten ).

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Molecular Modelling: Principles and Applications, Pearson Education, 2001, ISBN 0582382106, Seite 310 ff, Google Books
  2. mit ,
  3. In homogenen Systemen gilt: . Wählt man , so erhält man