Radio Aided Satellite Navigation Technique

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Radio Aided Satellite Navigation Technique (RASANT)[1] ist ein Verfahren, das DGPS-Korrekturdaten über das Radiodatensystem (RDS) des UKW-Hörfunks in Deutschland und anderen europäischen Ländern übermittelt.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das RASANT-Verfahren wurde in den neunziger Jahren am Landesvermessungsamt in Bonn entwickelt. Beteiligt daran waren die Vermessungsingenieur Paul Raven und Stefan Sandmann sowie der Mathematiker Günter Schoemackers. Die Korrekturdaten wurden dabei über einen nicht hörbaren Unterträger der UKW-Hörfunkprogramme bereitgestellt. Zunächst wurde in Deutschland landesweit der Echtzeit Positionierungs Service (EPS) eingeführt. RASANT verwendete das Radio Data System (RDS) als zusätzlichen Datenkanal. Zur Auswertung der RASANT-Daten war ein Differential-GPS-Empfänger sowie ein spezieller RASANT-Decoder erforderlich. Im Kaufpreis des Decoders war die einmalige Gebühr für die Nutzung von RASANT enthalten.[2] Die GPS-Genauigkeit wird auf Anwenderseite durch RASANT auf 1 bis 3 m gesteigert. Außerdem ist RASANT eine Komprimierung des Datenformats RTCM 2.0, was zu sehr schlanker und schneller Datenübertragung im Rundfunk führt.

Aufbau, Betrieb und Betriebsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche in Deutschland permanent betriebene unbemannte GPS-Referenzstationen ermitteln fortlaufend die aktuellen GPS-Korrekturdaten. Diese werden bei den jeweiligen Landesvermessungsbehörden aufbereitet und über den RDS-Dienst des öffentlichen UKW-Rundfunks der ARD verteilt. Zwischen 1999 und 2009 war dieser Dienst bundesweit verfügbar. Ende 2008 haben Bayern (BR), Hessen (HR) und Bremen (RB), seit 2009 Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (alle NDR), sowie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (alle MDR) die RDS-Korrekturdatenausstrahlung eingestellt. Nordrhein-Westfalen (WDR) hat die Ausstrahlung RASANT zum 1. Juli 2010 beendet. In Rheinland-Pfalz Anfang 2011, in Baden-Württemberg etwas früher, wurde auch die RASANT-Bereitstellung über den Südwestrundfunk (SWR) beendet.

Alternative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der zusätzlichen Nutzung von GLONASS (Globale Navigations-Satelliten-Systeme) zu GPS sowie neuer flexibler Übertragungsmöglichkeiten wurde das auf GPS beschränkte RASANT-Angebot seit Mitte 2007 kaum noch genutzt. Die Übertragung von Korrekturdaten über Internet und die immer weiter fortschreitende Verfügbarkeit von mobilen Internetanwendungen via GPRS / UMTS führte dazu, dass die bisher von RASANT bediente Genauigkeitsklasse zunehmend über das Verfahren Ntrip abgedeckt wurde. Hier ist auch keine Datenkomprimierung mehr erforderlich, wie RASANT sie noch beinhaltete, sondern es wird das originäre RTCM-Format verwendet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Raven, Stefan Sandmann, Günter Schoemackers: RASANT: Radio Aided Satellite Navigation Technique. In: Ebu Technical Review. Nr. 267, 1996, ISSN 1019-6587, S. 27–32 (tech.ebu.ch [PDF]).
  • Hans Dodel, Dieter Häupler: 8.7.1 EPS – Echtzeitpositionierungsservice. In: Satellitennavigation. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-79444-8, S. 224–225 (books.google.de – Leseprobe).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 3.3.1 Zugang zu SAPOS® EPS über UKW-Rundfunk. In: Ergebnisbericht der Expertengruppe GPS-Referenzstationen (2004) im Arbeitskreis Raumbezug der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV). Im Gemeinschaftsprojekt Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessung (SAPOS) adv-online.de (Memento vom 28. März 2019 im Internet Archive), [PDF, S. 17 ff.] abgerufen am 28. März 2019.
  2. Norbert de Lange: Geoinformatik: in Theorie und Praxis. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2006, ISBN 3-540-28292-0, S. 222 (books.google.de – Leseprobe).