Radio Helsinki – Verein freies Radio Steiermark

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Radio Helsinki
Senderlogo
Allgemeine Informationen
Empfang analog terrestrisch, Webradio
Sendegebiet Großraum Graz
Eigentümer Verein Freies Radio Steiermark
Sendestart 22. September 1995
Rechtsform Freies Radio
Programmtyp Regionalsender
Homepage www.helsinki.at/
Liste der Hörfunksender

Radio Helsinki – Verein freies Radio Steiermark ist ein freier Radiosender aus Graz. Das nichtkommerzielle Lokalradio ist seit dem 25. März 2000 als 24-stündiges Vollprogramm auf Sendung.

Für die erste Privatradiolizenz in der Steiermark bewarben sich Radio Helsinki und die Antenne Steiermark. Durch eine vorgerichtliche Einigung mit der Antenne ging Radio Helsinki am 22. September 1995 und somit als erstes freies Radio Österreichs on air. Bis 1997 wurde laut Vereinbarung in einem Sendefenster der Antenne ein fünfstündiges Programm am Sonntag Abend gesendet. Im Herbst 1997 kam es zu internen Differenzen und in der Folge zum Zerwürfnis mit der Antenne und Radio Helsinki verlor das Sendefenster.

Im Herbst 1999 sendete das Radio einen Monat lang ein Programm für den Steirischen Herbst als Eventradio.

Der Sender erhielt 2000 und 2001 eine jeweils einjährige Bildungslizenz, bevor er im Juli 2002 eine Volllizenz auf 10 Jahre erteilt bekam.

Das Programm von Radio Helsinki wird von rund 150 ehrenamtlichen Mitarbeitern produziert, die ca. 100 Projekte bzw. Sendungen betreuen. Sie spiegeln ein sehr buntes Spektrum wieder – Musik, Textinhalte, Fremdsprachen. Livesendungen kommen aus einem der zwei Studioplätze. Überwiegend werden Inhalte aus aufgenommenen oder heruntergeladenen Tondokumenten vorfabriziert. Manche Sendungen werden wiederholt. Das Programmschema weist einen sich wöchentlichen wiederholenden Stundenplan auf. Manche Sendungsplätze werden von zwei Sendungen im 14-Tage-Rhythmus geteilt.

Der Radiosender ist in Graz auf der UKW-Frequenz 92,6 MHz, sowie per Live-Stream im Internet zu empfangen.

Das heutige "Sendehaus", Schönaugasse 8, ist ein Straßenlokal mit ebenem Eingang, das zuvor die Filiale einer Drogeriekette beherbergte. Am Rand der Innenstadt, in der Nähe des Straßenbahnknotens Jakominiplatz. Die Jahrzehnte für Autoverkehr als Einbahn mit Parkstreifen organisierte wurde vor einigen Jahren umgestaltet, weist nun schmale Schanigärten auf und ist für Radverkehr wieder in beiden Richtungen offen.

Nicht ganz so zentral und ÖV-günstig und mit etwa 3 Stufen hinauf zur Eingangstür lag das frühere Sendelokal seit 2000 oder früher in der Schörgelgasse 27.[1]

Die Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch bevor Privaten, also nichtstaatlichen Organisationen, das Senden auf Rundfunkbändern ab 1995 erlaubt wurde, sendeten Aktivisten ab 1992 in Graz zeitweise und von wechselnden Antennenstandorten aus als sogenannter Piratensender unter den Bezeichnungen Radio ZARG und Radio Dauerwelle. "ZARG" spiegelt den Stadtnamen Graz. Die Bezeichnung "Radio Helsinki" wurde Jahre später per Abstimmung unter den Radiomachern über einige schnell gesammelte Vorschlage festgelegt.[2]

Zum damaligen Kommunikationsumfeld: Mobiltelefone waren (um 1992) noch 1/2 Kilogramm schwer und wegen hohen Preises für Anschaffung, Monats- und Minutengebühr rar. Mit kleineren und günstigeren Personrufempfängern konnten Techniker, Ärzte, Feuerwehrlehrer, Pressefotografen per roter Leuchtdiode und Pieps bloß alarmiert, später auch mit kurzer Textanzeige aktiv informiert werden. Compact-Cassetten-Player (Walkman) passten in die Jackentasche, Mini-CD-Spieler in die Hemdtasche, Mini-Radio-Empfänger mit Sendersuchlauf waren zündholzschachtelklein. Internet kam eben über rein textbasierte Diskussionsforen auf und war vorerst nur an Universitäten zugänglich.

Beim Piratenfest am 12. Mai 2017 im "Funkhaus" in der Schönaugasse anlässlich 25 Jahre Piratenradio in Graz war zu hören, wie die Piraten sowohl Dachgeschosse von höheren Stadthäusern als auch vorhandene bekletterbare Masten auf umliegenden Hügeln, etwa dem Plabutsch nutzten; und wie andererseits Mitarbeiter der staatlichen Funküberwachung wiederholt die an einer Stelle jeweils nur kurzzeitig betriebene Sendeanlage angepeilt, gesucht, aufgespürt und mit unterschiedlichem Erfolg gejagt haben.

Die verwendete UKW-Sendeanlage war typisch gut aktenkoffergroß und konnte aus einer Autobatterie oder dem Stromnetz energieversorgt werden. Der Sendeinhalt kam beispielsweise nach Live-Anmoderation von einem Kasettenrecorder. Es kam vor, dass im Studentenheim Hafnerriegel der Lift blockiert wurde, um die Funkfahnder aufzuhalten, um oben am Flachdach noch etwas länger senden zu können.[3]

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Von einer Piratenflagge hat das Logo das quadratische Format, die Grundfarbe schwarz mit weißen Details. An einen Totenkropf mit gekreuzten Knochen darunter erinnert von der Form her die weiße Zeichnung im linken unteren Viertel des Quadrats: Ein (linkes) Ohr – Symbol für den aufmerksame Radiohörer. Darunter zwei gekreuzte Wattestäbchen – wie zum Ohrputzen, um die Ohren frei zu halten. Rechts unten die Angabe der (einzigen) Sendefrequenz: "92,6 MHz". In der oberen Hälfte, ebenfalls zweizeilig: "Radio Helsinki Freies Radio Graz" stellt zuletzt den Wirkungsort klar.

Die drei Felder sind nur durch zwei feine weiße Linien aus dem Quadrat abgeteilt. Die Schriftzüge bestehen aus Schreibmaschinlettern mit Serifen und grafischen Unreinheiten, wie sie beim Tippen mit altem Farbband auf raues Papier auftreten.[4]

Sendeanlage und Lizenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radio Helsinki betreibt einen UKW-Sender Sender auf der Anhöhe Ries, Riesstraße 105. Der Sender erhält das Programm über eine Mietleitung der Telekom Austria, und strahlt mit 300 W Sendeleistung über eine Richtantenne mit horizontaler Polarisierung Richtung Stadtzentrum Graz ab.

Nach einer provisorischen Lizenz vom 25. März 2000, die einmal verlängert wurde, erhielt "Radio Helsinki - Verein Freies Radio Steiermark" am 4. Juli 2002 von der KommAustria eine 10 Jahre laufende Lizenz als Ausbildungsradiio, die ebenfalls verlängert wurde.[5]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radio Helsinki ist Mitglied im Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Radio Helsinki Korso, Juni 2000, abgerufen 12. April 2018.
  2. Anna Rezk: Radio für alle jakominiviertel.at, 19. Juli 2016, abgerufen 12. April 2018.
  3. Christoph Hofer: Die "Funk-Piraten" werden 25 meinbezirk.at, 10. Mai 2017, abgerufen 12. April 2018.
  4. Das Piratenfest helsinki.at, 12. Mai 2017, abgerufen 12. April 2018.
  5. Bescheid KOA 1.465/02-23 rtr.at, KommAustria, 4. Juli 2002, abgerufen 12. April 2018.