Radiorekorder

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Tragbarer Nordmende IDOL+recorder 115A (1973), Netz- und Batteriebetrieb
Radiorekorder R160 von VEB RFT Sternradio Berlin
(Spitzname „Holzstern“)

Ein Radiorekorder (anglisierende Schreibweise auch Radiorecorder) ist ein tragbares Audiogerät mit Wiedergabe- und Aufnahmefunktionen für Audiokassetten (Kassettenrekorder) und eingebautem Radio zum Empfang von Hörfunksendungen. Das Gerät ist eine Weiterentwicklung der vordem verwendeten tragbaren Transistor- oder Kofferradios, mit denen nichts aufgezeichnet werden konnte. Charakteristisch für die ursprüngliche Bauform ist die im Verhältnis zur geringen Bautiefe große Front. Ihre Blütezeit waren die 1970er und frühen 1980er Jahre.

Viele Geräte besitzen ein eingebautes Mikrofon, oft auch ein zweites Kassettenteil oder – seit Mitte der 1980er Jahre – auch ein CD-Laufwerk zum Überspielen auf einen zweiten Tonträger. Heutige Geräte weisen teilweise Steckplätze (engl. slots) für Speicherkarten oder USB-Anschlüsse für Geräte mit MP3-Dateien auf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee, einen Rundfunkempfänger mit einem Magnetbandgerät zu kombinieren, wurde bereits vor Einführung der Kompaktkassette verwirklicht. Schon in den fünfziger Jahren waren Tonbandgeräte mit eingebautem Hörfunkempfangsteil auf dem Markt. Jedoch machten die zur Bewegung der großen Bandspulen nötigen kräftigen Elektromotoren und die damals üblichen Röhrenverstärker die Geräte groß und schwer (häufig 10 kg und mehr) und gestatteten nur einen Betrieb am Stromnetz. In den sechziger Jahren machten die Einführung der Transistortechnik einerseits sowie die Entwicklung dünnerer Magnetbänder und die damit mögliche Reduzierung des Spulendurchmessers andererseits die Entwicklung batteriebetriebener, tragbarer Geräte möglich. Solche Radio-Tonband-Kombinationen erlangten jedoch weder hinsichtlich Modellvielfalt noch bezüglich der Verkaufszahlen besondere Bedeutung. Erst mit der Verwendung von Kompaktkassetten, also nach nochmaliger deutlicher Reduzierung des Spulendurchmessers und Vereinfachung der Handhabung, hatte das Konzept Erfolg.

Ghettoblaster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stereo-Radiorekorder mit eingebautem Kleinfernseher
Spätere Version eines Ghettoblaster mit 50 W
Technik im Radiorekorder
Leiterplatte eines minimalistischen Radiorekorders
Laufwerkmechanik des Kassettenrekorders
Antrieb des Laufwerks

Große Geräte mit leistungsstarken Verstärkern und Lautsprechern werden umgangssprachlich als Boombox oder Ghettoblaster bezeichnet. Das leitet sich zum einen ab von Englisch to blast, hier: „Krach machen“, zum anderen von Ghetto als den Wohngebieten meist sozial benachteiligter Afroamerikaner und Hispanics in den USA. Der Ghettoblaster spielte eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des Hip-Hop und seiner oft straßenzentrierten Kultur (vgl. Breakdance, Graffiti). Herausragende Geräte waren etwa der JVC M-90 (der auf Albumcovern von LL Cool J oder den Beastie Boys abgebildet wurde) oder der Sharp GF-777; die anfangs nahezu ausschließlich in Japan produzierten, und bald in Billiglohnländern wie China nachgebauten, Geräte hatten oft ein pompöses Aussehen mit riesigen Lautsprechern mit separaten Hochtönern und vielen Zusatzfunktionen (Equalizern mit zahlreichen LEDs, zahlreiche Bedienelemente und Regler, später auch kleine Fernseher oder Karaokefunktion).

Die alten Geräte genießen in Sammlerkreisen einen Kultstatus, was sich in den teilweise hohen Preisen für gut erhaltene Gebrauchtgeräte bemerkbar macht.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1980er Jahre ebbte die „Radiorekorderwelle“ ab: die Geräte wurden kleiner und die Qualität ließ nach. Heute ist der klassische (und eher teure) Radiorekorder von oft kleineren, preiswerteren Produkten verdrängt, die qualitativ jedoch nicht an die „Boliden“ der 1970er und 1980er Jahre herankommen.

Komponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammlung verschiedener Stereo-Radiorekorder

Übliche Komponenten eines Radiorekorders sind:

Radiorekorder sind oft für den Betrieb mit Batterien ausgelegt (mobiler Einsatz), besitzen jedoch ein eingebautes Netzteil, um sie auch am Stromnetz betreiben zu können.

Spiel „Ghettoblaster“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 brachte Virgin Interactive das Computerspiel Ghettoblaster[1] heraus, in dem ein Rastafari und sein Radiorekorder die Hauptrolle spielen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Radiorekorder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Radiorekorder – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seite des C64-Spiels „Ghettoblaster“ auf den Spieleseiten der C64-Wiki, abgerufen am 10. April 2016