Radonbelastung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strahlenbelastung in Deutschland

Die Belastung durch Radon stellt den größten natürlichen Beitrag zur Strahlenbelastung der meisten Menschen dar. Radon ist ein natürliches radioaktives Element, das in den natürlichen Zerfallsreihen des Urans und Thoriums vorkommt. Das Gas, das meistens aus dem Untergrund in Häuser eindringt, kann unter ungünstigen Bedingungen die Aktivität der Raumluft so stark steigen lassen, dass das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, nennenswert steigt.

Einfluss des Radons auf den Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Einatmen von Radon selbst steigt das Risiko kaum, denn das Edelgas wird fast vollständig wieder ausgeatmet ohne im Körper zerfallen zu sein. Weit zahlreicher sind die Zerfälle in der Raumluft. Dabei entstehen ebenfalls radioaktive Radon-Zerfallsprodukte, die sich als Schwermetallatome an Feinstaub anlagern, sich so in der Lunge anreichern und dort zerfallen.

Bei Uran-Bergarbeitern ist Lungenkrebs durch Radon eine anerkannte Berufskrankheit. In den Anfängen des Bergbaus ist sie als Schneeberger Krankheit bekannt geworden, die praktisch alle Bergleute in der Umgebung von Schneeberg im Erzgebirge getötet hat.

Rechnerische Abschätzungen aus der Lungenkrebshäufigkeit von Bergarbeitern haben ergeben, dass Radon für etwa 10 % der Lungenkrebstodesfälle verantwortlich ist. Diese Größenordnung wurde inzwischen durch epidemiologische Studien belegt. Damit gehen pro Jahr in der EU 20.000 Lungenkrebstodesfälle und in Deutschland etwa 1.900[1] auf Radon zurück.

Belastung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle mit für Deutschland repräsentativen Radonaktivitäten (angegeben in Becquerel je Kubikmeter) verdeutlicht, woher das Radon überwiegend stammt, aus dem Boden.

Mittelwert Bq/m³
Freiluft 15
Raumluft 60
Trinkwasser 6.000
Bodenluft in 1 m Tiefe 5.000–500.000

Im Wasser ist Radon schlecht löslich. In der freien Atmosphäre verdünnt es sich stark und zerfällt innerhalb einiger Tage. In Häusern ist die Belastung größer, besonders in Kellern mit Hausbrunnen. In höheren Geschossen ist die Belastung geringer. Häuser aus Naturstein oder Lehm (Fachwerkhaus) sind stärker belastet.

In Deutschland beträgt die durchschnittliche Radonbelastung in Innenräumen 59 Bq/m³. 1984 ergab eine Studie in Westdeutschland eine logarithmisch-normalverteilte Belastung bei einem Mittelwert von 40 Bq/m³ in der Raumluft. Die Belastung ist allerdings regional sehr unterschiedlich. Dies ist auf die unterschiedlichen Vorkommen einzelner Gesteinsarten und -zusammensetzungen zurückzuführen. Regionen, in denen Uran abgebaut wurde, und Regionen mit Granit-, Bauxit- und Schwarzschiefervorkommen weisen hohe Radonkonzentrationen im Boden, in der Luft und im Wasser auf, höhere als Böden aus Kalkgesteinen.

Die regionalen Unterschiede zeigen sich auch im Trinkwasser: Der Durchschnitt liegt in Deutschland bei 6 kBq/m³[2], in Schweden bei 15 kBq/m³ und in Finnland bei 50 kBq/m³.[3] Beim Kontakt mit der Luft gast Radon aus dem Wasser aus. Besonders belastet können Mitarbeiter von Wasserwerken sein – in einem Wasserwerk wurden 40.000 Bq/m³ Luft festgestellt.[4]

Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf der Radonaktivität in einem Labor über eine Woche, Nachts und am Wochenende war die Lüftung reduziert.

Die Radonkonzentration in Gebäuden unterliegt in Abhängigkeit von der Art der Nutzung des Gebäudes sowie den Gewohnheiten der Bewohner Schwankungen, die bis zu drei Größenordnungen betragen können. Nebenstehendes Diagramm zeigt die Auswirkung verminderten Luftaustauschs. So kann eine Bauwerksabdichtung, beispielsweise gemäß der deutschen Energieeinsparverordnung, zu einem Anstieg der Radonkonzentration bis in Bereiche führen, in denen eine signifikante Gesundheitsgefährdung besteht.

Betroffen sind vor allem Bewohner von Häusern, die auf Baugrund mit geologisch bedingt erhöhter Radonkonzentration errichtet wurden. Das geogen bedingt vorhandene Radonpotenzial unter einem Gebäude kann durch eine Untersuchung des Baugrundes ermittelt werden. In diesem Zusammenhang ist es vorteilhaft, vor der Errichtung von Neubauten die Radonkonzentration in einem Meter Tiefe im Erdreich zu ermitteln.

Abhilfe gegen aufsteigendes Radon bietet z. B. der Einbau von Hohlraumelementen (IGLU o.ä.) in der untersten Bodenplatte, die über Rohre mit der Außenwelt verbunden sind. Dadurch werden sowohl aufsteigende Feuchtigkeit als auch Radon oder Grubengase gefahrlos ins Freie geleitet. Unbewohnte Kellerräume können und sollten mechanisch zwangsbelüftet werden. Leichter Überdruck im Keller verhindert das Eindringen von Bodenluft, leichter Unterdruck das Aufsteigen in die Wohnräume.[5]

Für das Problem der Lüftung gibt es heute Fenster, die eine kleine Klappe im Rahmen besitzen, welche bei Windstille eine kontinuierliche Lüftung bewirkt. Bei stärkeren Windbewegungen schließt sich diese Klappe, und das Fenster ist so dicht wie ein gemäß aktuellen Richtlinien gefertigtes konventionelles Fenster. Die jahreszeitlichen Schwankungen im Haus hängen mit einem veränderten Lüftungsverhalten im Sommer gegenüber den Wintermonaten zusammen. Aber auch die Wetterlage ist für die Schwankungen verantwortlich. So kann sich bei einer austauscharmen Wetterlage die Radonkonzentration erhöhen.

Radonschutzgesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Radonschutz

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europäische Kommission empfiehlt, die maximale Radonkonzentration in Innenräumen zu begrenzen. Dabei werden folgende Grenzwerte empfohlen:[6]

Eingreifrichtwert: 400 Bq/m³ gilt für Gebäude, die vor 1996 gebaut wurden

Planungsrichtwert: 200 Bq/m³ gilt für Gebäude, die nach 1996 gebaut wurden

Die Strahlenschutzkommission hat in ihrer Stellungnahme vom 14. Juli 2004 eine statistische Signifikanz des zusätzlichen Lungenkrebsrisikos durch Radon ab 150 Bq/m³ festgestellt. Es wird deshalb eine Reduzierung der Radonkonzentration in Innenräumen auf unter 100 Bq/m³ empfohlen.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hatte im März 2005 einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Grenzwerte für die Radonkonzentration in Gebäuden festlegen sollte. Als Zielwert waren 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft für Neu- und Altbauten geplant. Wegen der vorgezogenen Bundestagsneuwahl am 18. September 2005 konnte das Gesetzesvorhaben nicht beendet werden und das Gesetzesvorhaben verfiel mit Auflösung des Bundestages. In den folgenden Legislaturperioden wurden zu diesem Thema bisher (Stand April 2012) kein Gesetz beschlossen.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Strahlenschutzverordnung von 1994 wurden folgende Grenzwerte für Radon-222 festgelegt: 1000 Bq/m³ für Wohn- und Aufenthaltsräume und 3000 Bq/m³ für Arbeitsräume. Für Neubauten gilt ein Richtwert von 400 Bq/m³.[7]

Richtwerte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radon ist das Zerfallsprodukt von Radium-226 und Thorium-232. Ihre Aktivität in Baumaterialien soll kleiner sein als 260 Bq/kg (7 nCi/kg). Ist sie höher, muss eine gute Lüftung gewährleistet sein, die eine zu große Radonanreicherung verhindert. Als Richtwert soll der Radonfluss (die Exhalationsrate) weniger als 2 Bq/m²h betragen und die Konzentration in der Luft kleiner sein als 50 Bq/m³.[8] [9]

Radonhandbuch der WHO[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im September 2009 ein Handbuch über Lungenkrebsrisiken durch Radon in Innenräumen herausgegeben. Danach ist Radon eine der häufigsten Ursachen für Lungenkrebs. Die WHO fordert unter anderem individuelle Risiken betroffener Personen zu mindern. Längerfristig soll die Bevölkerung durch vorsorgliche bauliche Maßnahmen und Altbausanierungen geschützt werden. Nach der WHO sollte 100 Becquerel pro Kubikmeter als höchstzulässige Radonkonzentration in Neu- und Altbauten gelten.[10]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angabe BfS unter Bezug auf: Menzler S., Schaffrath-Rosario A., Wichman H.E., Kreienbrock L.: Abschätzung des attributablen Lungenkrebsrisikos in Deutschland durch Radon in Wohnungen. Ecomed-Verlag, Landsberg, 2006
  2. Karl Wolfgang Evers: Wasser als Lebensmittel: Trinkwasser – Mineralwasser – Quellwasser – Tafelwasser. Behr's 2009, ISBN 978-3-89947-528-9, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  3. Hans Kiefer, Winfried Koelzer: Strahlen und Strahlenschutz: Vom verantwortungsbewußten Umgang mit dem Unsichtbaren. Springer 1987, ISBN 978-3-540-17679-4, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  4. Im Wasserwerk kann Strahlung lauern. Kölnische Rundschau, 14. Oktober 2007.
  5. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Umweltpolitik Radon. 2004, abgerufen am 27. Juni 2012 (PDF; 2,3 MB).
  6. Die Auswirkung von Radon auf die Gesundheit. 3. Oktober 2014, abgerufen am 3. Oktober 2014.
  7. Henning von Philipsborn,Radioaktivität und Strahlungsmessung, ISBN 3-910088-01-5
  8. Typische Werte
  9. Bundesamt für Strahlenschutz:Natürliche Radionuklide in Baumaterialien (Memento vom 3. Februar 2013 im Internet Archive) (PDF; 131 kB), Infoblatt.
  10. Handbuch der WHO (eng.) (PDF; 609 kB)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesministerium f. Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Radon-Handbuch Deutschland. Wirtschaftsverlag NW, Verlag für neue Wissenschaft, Bremerhaven.
  • GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit: Strahlung im Alltag. München 1991, ISSN 0175-4521.
  • Ettenhuber, E. et al.; Begrenzung der Strahlenexposition durch Radon in Aufenthaltsräumen; Strahlenschutzpraxis (Organ d. Fachverbandes f. Strahlenschutz); Heft 1/2005; S. 52–58.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]