Radrennbahn Friedenau

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Rennen um das Goldene Rad (1900),
v.l.n.r.: Emile Bouhours, Alfred Köcher und Edouard Taylor

Die Radrennbahn Friedenau befand sich von 1897 bis 1904 im Sportpark Friedenau, damals bei Berlin, in unmittelbarer Nähe des damaligen Ringbahnhofs Wilmersdorf-Friedenau.

Die Radrennbahn wurde von dem im Jahr 1891 gegründeten Friedenauer Radfahrer-Verein gebaut. Später ging sie in den Besitz der Berliner Sportpalast GmbH über und wurde von Ferdinand Knorr geleitet, einem bekannten Berliner Radsportorganisator. Die Bahn war offen, 500 Meter lang, aus Zement gefertigt und besonders für Steherrennen geeignet. Der Radrennfahrer Bruno Büchner eröffnete eine Rennfahrerschule an der Radrennbahn.[1] Das Gelände des Sportparks umfasste neben der Radbahn auch Schießstände und Tennisplätze, Turnplatz und Fechthalle, Restaurants und einen Park. Die Tribünen boten Platz für 20.000 Zuschauer. Der Sportpark gilt als erstes Berliner Stadion.[2]

Sportliche Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Medaille Goldenes Rad von 1899
Rennen auf der Radrennbahn im Sportpark Friedenau, 1903

Im Jahr 1897 wurde die Bahn mit dem Rennen Großer Preis von Berlin eröffnet, Sieger war Sprint-Weltmeister Willy Arend. Besonders beliebt war das jährliche Rennen um das Goldene Rad von Friedenau mit internationalen Radsportstars. Unter den Gewinnern, die das Goldene Rad in Form einer Medaille erhielten, befanden sich Émile Bouhours, Bruno Salzmann und Thaddäus Robl.[3] Eine der letzten Veranstaltungen auf der Bahn war das 100-Kilometer-Steherrennen Der Große Preis von Europa mit den damals Besten, Robert Walthour, Piet Dickentman, Tommy Hall und Robl, das Walthour gewann. [4] Der walisische Radsportler Jimmy Michael stürzte 1904 auf der Bahn und erlitt schwere Kopfverletzungen, die mit zu seinem Tod im selben Jahr beitrugen.[5][6]

Zweimal wurden auf der Bahn UCI-Bahn-Weltmeisterschaften ausgetragen: 1901 gewann Robl in Friedenau seinen ersten Weltmeistertitel der Profi-Steher, 1902 an selber Stelle seinen zweiten. In den Wintermonaten diente der Innenraum als Eisbahn.[7] Im Sommer fanden auf der Bahn auch reine Motorradrennen statt, das erste im Jahr 1898.[8]

Im Jahr 1899 wurde der Innenraum der Rennbahn für Fußball hergerichtet. 1901 pachtete der BTuFC Britannia 1892 den Innenraum. 1903 und 1904 fanden hier Endrundenspiele zur deutschen Fußballmeisterschaft statt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der ersten Stummfilme wurde 1904 mit dem Titel Auf der Radrennbahn in Friedenau gedreht, was für den Bekanntheitsgrad der Rennbahn sprach.[9] Im selben Jahr wurde die Bahn abgerissen, da an ihrer Stelle von dem Bauunternehmer Georg Haberland Wohnungen im heutigen Wagnerviertel errichtet wurden.

Als Nachfolger der Rennbahn Friedenau wurde die Radrennbahn Steglitz errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Radrennbahn Friedenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rad-Welt, 9. Juni 1897.
  2. Christian Wolter: Rasen der Leidenschaft. Die Fußballplätze von Berlin. Geschichte und Geschichten, S. 27.
  3. H. Ebling: Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde, 1871–1924, S. 80.
  4. Andrew M. Homan: Life in the Slipstream. The Legend of Bobby Walthour sr. Potomac Books 2011, S. 145.
  5. Sport-Album der Rad-Welt 1905 4. Jg., Berlin 1906, S. 70 ff.
  6. Aberaman Cyclists (Memento vom 11. Oktober 2008 im Internet Archive) abgerufen am 16. Oktober 2010 (englisch)
  7. Leseprobe: „Friedenau erzählt…“ Auf: friedenau-netzwerk.de
  8. Heinz-Jürgen Plathner, Wilhelm Bittorf: Die brüllende Straße, S. 47.
  9. Gudrun Blankenburg: Friedenau – Künstlerort und Wohnidyll. Die Geschichte eines Berliner Stadtteils, S. 22.

Koordinaten: 52° 28′ 34″ N, 13° 19′ 54″ O