Rafael Caldera

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Rafael Caldera, 1971

Rafael Caldera Rodríguez (* 24. Januar 1916 in San Felipe, Yaracuy, Venezuela; † 24. Dezember 2009 in Caracas) war ein venezolanischer Politiker und war zwischen 1969 und 1973 sowie 1994 und 1998 Präsident des Landes. Er war Gründungsmitglied der COPEI, der christlich-demokratischen Partei Venezuelas. Caldera hatte maßgeblichen Anteil an der venezolanischen Politik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die frühen Jahre[Bearbeiten]

Caldera stammte aus einem Haushalt der Mittelklasse und studierte Rechtswissenschaften in Caracas. Im Alter von 20 Jahren gründete er die Studentenbewegung UNE, die sich gegen die Diktatur des damaligen Staatsoberhauptes Eleazar López Contreras auflehnte. Caldera wurde 1941 in die Abgeordnetenkammer gewählt und setzte sich in dieser Zeit für die Rechte der Arbeiter ein.

Die Einführung der Demokratie in Venezuela[Bearbeiten]

1943 trat Caldera von seinem politischen Amt zurück und erhielt einen Lehrstuhl am Institut für Rechtswissenschaften der Universität Caracas. 1946 kehrte er jedoch in die Politik zurück und wurde als Mitglied einer Kommission gewählt, die eine neue Verfassung ausarbeiten sollte. Caldera war dabei maßgeblich an den Gesetzestexten zu Arbeitnehmerrechten und Schutz des menschlichen Lebens beteiligt. Diese 1947 verabschiedete, neue Verfassung galt damals als eines der fortschrittlichsten in ganz Lateinamerika.

Bei den Präsidentschaftswahlen von 1947 trat Caldera erstmals als Kandidat für das Amt des Staatsoberhauptes an, verlor jedoch. Am 14. Oktober 1947 gründete Caldera mit einigen anderen Politikern die COPEI (Comité de Organización Política Electoral Independiente), die christlich-demokratische Partei Venezuelas und wurde ihr erster Vorsitzender. Im gleichen Jahr wurde er erneut in die Abgeordnetenkammer gewählt.

1948 kommt eine Militärjunta unter Marcos Pérez Jiménez durch einen Putsch an die Macht. Darauf hin zieht sich die gesamte COPEI-Fraktion aus dem Parlament zurück, da sie nicht mit den Putschisten zusammenarbeiten wollten. 1951 wurden zwar Wahlen gehalten, das Ergebnis wurde jedoch annulliert, da die regierende Militärjunta hierbei keine Mehrheit erreichte. Bei anschließenden Protesten wurde Caldera verhaftet und saß für einige Monate im Gefängnis.

1958 endete die Diktatur des Pérez Jiménez und so traten am 31. Oktober drei der großen Parteien des Landes (AD, COPEI und URD) zusammen, um einen Pakt zur Verteidigung und Erhaltung des Grundgesetzes zu schließen. Dieser sollte eine erneute Diktatur verhindern und legte weiterhin fest, dass die künftige Regierung eine Regierung der nationalen Einheit auf Grundlage des kleinstes gemeinsamen Nenners sein sollte. Dieser „Pakt von Punto Fijo“, benannt nach Calderas Residenz mit gleichem Namen, bildete die Grundlage für die Machtteilung der beiden großen Volksparteien COPEI und AD von 1958 bis 1993.

Bei den anschließenden Wahlen im Jahr 1959 trat Caldera als Präsidentschaftskandidat an, verlor jedoch gegen Rómulo Betancourt der sozialdemokratischen AD. 1963 verlor Caldera erneut gegen die AD, diesmal gegen Raúl Leoni.

Calderas erste Amtszeit (1969–1973)[Bearbeiten]

1969 wurde Caldera zum Staatsoberhaupt gewählt, obwohl die COPEI über keine Mehrheit im Parlament verfügte. Caldera gelang es jedoch, eine stabile Regierung zu bilden. Er verfügte über eine Generalamnestie für die immer noch zahlreich vorhandenen Guerilla-Kämpfer. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Amtszeit bildete die Auflösung der sogenannten Betancourt-Doktrin, die Venezuela keine diplomatischen Beziehungen zu Ländern gestattete, deren Oberhaupt nicht durch demokratische Mittel an die Macht gekommen ist. So nahm Caldera in seiner Amtszeit unter anderem Beziehungen zu Argentinien, Kuba, Panamá und zur Sowjetunion auf. 1970 ließ er die bis dahin verbotene kommunistische Partei zu. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Politik waren Reformen im Bereich der Erdölwirtschaft, dem bedeutendsten Wirtschaftszweig des Landes. Da die damalige Verfassung Venezuelas eine Wiederwahl des Präsidenten nicht zuließ, konnte Caldera 1973 nicht erneut zur Wahl antreten. Sein Nachfolger wurde Carlos Andrés Pérez von der AD.

1973–1993[Bearbeiten]

Fast zwanzig Jahre lang blieb Caldera aktiv in der venezolanischen Politik, ohne jedoch ein hohes Staatsamt inne zu haben. 1979 bis 1982 war er Vorsitzender der Interparlamentarischen Union. 1983 scheiterte er zum fünften Mal beim Versuch, zum Präsidenten gewählt zu werden, diesmal gegen Jaime Lusinchi von der AD. 1987 verlor er sogar die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten innerhalb seiner Partei.

Die zweite Amtszeit von Carlos Andrés Pérez (1988 bis 1993) war von neoliberalen Elementen geprägt und führte am 27. Februar 1989 zu einem als Caracazo bekanntem Aufstand in der Hauptstadt Caracas. Pérez gelang es nicht, die politische Stimmung zu beruhigen und auch sein neoliberaler Kurs vermochte es nicht, die Abwärtsspirale der Wirtschaft zu bremsen. 1992 und 1993 gab es mehrere Putschversuche, unter anderem einen, der durch den späteren Präsidenten Hugo Chávez angeführt wurde. Am 21. Mai 1993 wurde Pérez nach schwerwiegendem Korruptionsverdacht abgesetzt, eine Übergangszeit unter Ramón José Velásquez begann.

Calderas zweite Amtszeit (1994–1998)[Bearbeiten]

Im gleichen Jahr trat Caldera aus der COPEI aus und gründete das Bündnis CD – Convergencia Democrática, ein Mitte-Links Bündnis aus kleineren Parteien, darunter die kommunistische Partei PCV. 1994 gewann er mit diesem Bündnis die Präsidentschaftswahlen und übernahm so das Amt von seinem großen Rivalen, der ihn 1973 beerbte. Caldera gelang es zwar die politische Lage zu stabilisieren, benötigte dazu jedoch drastische Maßnahmen. Dazu gehörten staatliche Interventionen bei den Privatbanken und eine Aussetzung des Devisenexportes. Dies ließ das Vertrauen ausländischer Investoren sinken und brachte zeitweise einen großen, kaum erwarteten wirtschaftlichen Abschwung. Caldera, der lange Zeit nicht mit dem internationalen Währungsfonds zusammenarbeiten wollte, nahm die Hilfe des IWFs entgegen, mit der es ihm gelang, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren. Jedoch forderte der IWF erneut eine Ausrichtung auf neoliberale Politik, die Caldera nur widerwillig annahm.

Diese zweite Amtszeit von Caldera hatte sowohl negative als auch positive Aspekte. Ihm gelang es zwar, die gegen Ende der Amtszeit Pérez entflammten Aufstände zu beenden und die Wirtschaft sowie die sozialen Systeme des Landes gegen Ende seiner eigenen Amtszeit auf einem sehr stabilen Niveau zu halten. Jedoch führten die wirtschaftlichen Unruhen gegen Mitte seiner Amtszeit dazu, dass über 70 000 kleinere und mittlere Unternehmen bankrottgingen und ein großer Teil der Bevölkerung verarmte.

Zu den Wahlen von 1998 trat der 82-jährige Caldera aus Altersgründen nicht mehr an. Nachfolger wurde Hugo Chávez, der 1992 nach einem Putsch gegen Pérez verhaftet und von Caldera 1994 aus dem Gefängnis entlassen wurde. Calderas Bündnis CD hält zurzeit nur noch einen einzigen Sitz im Parlament.

Rafael Caldera schrieb zahlreiche Bücher und erhielt 1998 den „Path to Peace“ – Award für sein Lebenswerk. Er war mit Alicia Pietri verheiratet und hatte sechs Kinder, wovon eins, Juan José Caldera, für den Staat Yaracuy noch immer in der Politik tätig ist.

Ehrungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rafael Caldera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. AAS 87 (1995), n. 8, p. 739.