Rafael Eitan

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem israelischen General. Für den israelischen Politiker und früheren Top-Agenten siehe Rafi Eitan.
Rafael Eitan (2002)

Rafael „Raful“ Eitan (hebräisch רפאל איתן); (11. Januar 1929 in Tel Adaschim – 23. November 2004 in Aschdod) war ein israelischer Offizier, zuletzt im Range eines Generals und Chef des Generalstabs der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, sowie Politiker und Mitglied der Knesset.

Militärische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rafael Eitan (1948)

Eitan war als junger Offizier in der Palmach und nahm am Unabhängigkeitskrieg teil. Er kämpfte in Jerusalem und wurde im April 1948 in den Kämpfen um das San-Simeon-Kloster verwundet.

Im Sinaifeldzug von 1956 war Eitan Kommandeur des Fallschirmjägerbataillons 890, in Ariel Scharons 202. Fallschirmjäger-Brigade, und nahm an dem Angriff vom 29. Oktober 1956 auf den Mitla-Pass teil. Während des Sechstagekriegs (1967) kommandierte er die Fallschirmjäger im Gazastreifen und wurde im Kampf verwundet.

Im Jahre 1969 wurde er zum Chef der Infanterieeinheiten ernannt und diente später als Divisionskommandeur. In dieser Position stoppte er den syrischen Angriff in den Golanhöhen im Jom-Kippur-Krieg (1973) und wurde danach zum Kommandeur im nördlichen Befehlsbereich ernannt und zum Generalmajor (Aluf) befördert.

Generalstabschef[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1978 wurde Eitan zum General befördert und von Ezer Weizmann zum Generalstabschef der Streitkräfte ernannt.

Eitan begann seine Dienstzeit mit symbolischen Schritten, um die Disziplin und die Effektivität der israelischen Armee zu steigern. Dazu gehörte, das Barett zu tragen und nach dem Schießen leere Patronenhülsen einzusammeln. Des Weiteren verringerte Eitan die Größe der militärischen Einheiten. Er überwachte den Rückzug der Armee aus dem Sinai, nachdem dieses Gebiet den Ägyptern zurückgegeben worden war. Er und Ariel Scharon veranlassten im April 1982 den Abriss der israelische Siedlung Jamit im Sinai, um zu verhindern, dass die ehemaligen israelischen Bewohner versuchten, illegal dorthin zurückzukehren.

Als Generalstabschef war Eitan bekannt für sein „Raful-Youth“-Projekt, das junge Menschen aus ärmlichen oder schwierigen Verhältnissen integrieren, sie in Berufen ausbilden und Jugendkriminalität eindämmen sollte.

Libanonkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Juni 1982 verübte die militärische Gruppe Abu Nidals ein Attentat auf Schlomo Argov, den israelischen Botschafter in London. Daraufhin bombardierte die israelische Luftwaffe palästinensische Siedlungen im Libanon, was wiederum palästinensische Angriffe auf Dörfer im Norden Israels zur Folge hatte. Am 6. Juni begann der Libanonkrieg 1982. Der israelische Plan war, die PLO von der israelischen Grenze zu vertreiben und es der phalangistischen Miliz Bachir Gemayels zu ermöglichen, den Süd-Libanon zu kontrollieren. Der Plan misslang. Während des Krieges stand die israelische Armee der syrischen Armee wie auch palästinensischen Einheiten und verschiedenen Milizen gegenüber. Sie wurde in Häuserkämpfe verwickelt und versuchte, das Hauptquartier der PLO in Beirut zu treffen.

Israel konnte zwar einige militärische Erfolge erzielen, wie die Ausschaltung der gesamten Luftverteidigung Syriens in den ersten Kriegstagen unter dem Kommando des Luftwaffengeneralmajors David Ivry. Aber es erlitt auch Fehlschläge, wie etwa in der Schlacht um Sultan Yacoub.

Die Operation sollte begrenzt sein, aber unter dem Kommando des Verteidigungsministers Ariel Scharon überschritt die Armee die geplante 40 Kilometer tiefe Zone und rückte weiter nördlich in den Libanon vor. Die steigenden israelischen Verluste, zusammen mit dem Massaker von Sabra und Schatila, führten zu Massenprotesten in der israelischen Öffentlichkeit gegen den Krieg. Eine Feuerpause wurde vereinbart und die Kahan-Kommission eingerichtet, die den Fall untersuchen sollte. Diese schloss, dass Israel nicht direkt für das Massaker verantwortlich sei, dass aber leitende israelische Offizielle wie Scharon und Eitan teilweise schuldhaft gehandelt hätten. Begin reagierte auf den innenpolitischen Druck: Scharon verlor seinen Posten als Verteidigungsminister und wurde Minister ohne Geschäftsbereich. Eitan blieb im Amt. Dennoch wurde er fortan mit dem gescheiterten Libanonkrieg identifiziert.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Rückzug aus der Armee im April 1983 ging Eitan in die Politik.

Eitan wurde als Konservativer betrachtet, der eine repressive Politik den Palästinensern gegenüber verfolgte. Er etablierte die ultra-nationalistische Partei Tzomet, welche konservative Ansichten in der Verteidigungs- und Außenpolitik vertritt, aber säkular in der Innenpolitik agiert. Er wurde in die 11. Knesset gewählt und war zwischen 1988 und 1991 Landwirtschaftsminister. In der 12. Knesset erreichte die Tzomet-Partei mit acht Sitzen ihr bestes Ergebnis. Eitan lehnte es ab, der Koalition von Jitzhak Rabin beizutreten.

Eitan hatte fortan Probleme, seine Partei zu kontrollieren, was dazu führte, dass einige Knessetmitglieder der Tzomet anderen Parteien beitraten. Als Rabin der Knesset die Verträge von Oslo vorlegte, konnten diese nur mit Unterstützung der beiden Tzomet-Abgeordneten Alex Goldfarb und Gonen Segev die Abstimmung passieren, denen dafür von Rabin Ministerposten angeboten wurden.

Im Jahre 1996 trat Tzomet dem Likud und Gescher zur Seite. Die Parteien gewannen die Wahlen und Benjamin Netanjahu wurde israelischer Ministerpräsident. Eitan wurde der Posten des Ministers für innere Sicherheit versprochen, doch eine kriminalistische Untersuchung gegen ihn verhinderte seine Nominierung. Die Untersuchung sprach Eitan letztendlich frei. Der Fall wurde 1998 ad acta gelegt. Zwischenzeitlich diente Eitan als Landwirtschafts- und Umweltminister und sogar als stellvertretender Ministerpräsident.

Im Jahre 1999 konnte Tzomet keinen Knessetsitz gewinnen und Eitan zog sich aus der Politik zurück.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. November 2004 besuchte Eitan den Mittelmeerhafen Aschdods, wo er im Rahmen eines Projekts zur Errichtung von Wellenbrechern tätig war. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht klar, aber er rutschte vermutlich auf einem Wellenbrecher aus und fiel in die See. Erst nach einer Stunde wurde er von Hubschraubern gesichtet und von Marinetauchern identifiziert. Alle Wiederbelebungsversuche scheiterten.

Der Vater zweier verstorbener Söhne hinterließ seine Ehefrau und drei Töchter.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Mordechai Gur Generalstabschef der israelischen Streitkräfte
1978 - 1983
Mosche Lewi