Rafid Ahmed Alwan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rafid Ahmed Alwan oder auch Rafid Ahmed Alwan El Dschanabi (arabisch رافد أحمد علوان الجنابي, DMG Rāfid Aḥmad ʿAlwān) oder Rafed Aljanabi, auch unter dem Pseudonym Curveball bekannt, ist ein deutscher Staatsangehöriger irakischer Herkunft. Nach seiner Ankunft in Deutschland im Jahre 1999 behauptete er, an irakischen Programmen zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen beteiligt gewesen zu sein.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alwan kam 1999 nach Deutschland und beantragte Asyl. Hier sprach der Ingenieur[1] mit dem BND. Er gab an, Experte für chemische Kampfstoffe und Direktor einer Anlage zu deren Produktion in Djerf al Nadaf zu sein. Auch von mobilen Anlagen zur Produktion chemischer Kampfstoffe erzählte er.[2] Er weigerte sich, mit amerikanischen Geheimdiensten zu reden.[3]

Die Aussagen Alwans zu den angeblichen Massenvernichtungswaffen wurden von der Bush-Regierung als Begründung für den Irakkrieg herangezogen und seine Bekundungen von US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat als Beleg für unerlaubte Waffenprogramme Bagdads angeführt. Der damalige Europachef der CIA Tyler Drumheller behauptet, er habe zuvor CIA-Chef George Tenet vor der Unzuverlässigkeit der Quelle gewarnt.[4]

Gunter Pleuger, ehemaliger Botschafter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen, bestätigte, dass die Informationen ursprünglich aus Deutschland kamen. Eine offizielle Warnung, dass die Informationen möglicherweise nicht richtig sind, gab es von seiner Seite nicht.[5] 2011 bezichtigte der ehemalige BND-Chef August Hanning die USA, sie hätten „den BND für ihre Begründung des Irak-Krieges missbraucht“. Mehrere ehemalige hochrangige BND-Mitarbeiter bestätigten, die CIA mehrmals auf verschiedenen Kanälen davor gewarnt zu haben, sich auf die Aussagen von Curveball zu verlassen. Hanning habe seine Bedenken sogar in einem Schreiben an Tenet formuliert.[6]

Alwan wurde nach zahlreichen Warnungen, unter anderem vom Bundesnachrichtendienst, in einer Burn Notice als unzuverlässige Quelle eingestuft. In der Presse wurde er u. a. als „der Mann, der die Welt in einen Krieg log“ bezeichnet.[7][8] Im Jahr 2011 gestand Rafid Ahmed Alwan El-Dschanabi, der dem Bundesnachrichtendienst unter dem Codenamen Curveball die Informationen über vermeintliche Biowaffen und geheime Massenvernichtungsanlagen geliefert hatte, gegenüber dem britischen Guardian, dass seine Angaben hierzu gelogen waren. El-Dschanabi begründet seine Lügen damit, dass er die Chance gehabt hatte, „etwas zu fabrizieren, um das Regime zu stürzen“.[9][10]

Späteres Leben in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alwan arbeitete offiziell seit dem 1. Januar 2001 als freiberuflicher Mitarbeiter für eine mutmaßliche Tarnfirma des BND. Sein bürgerlicher Name wurde im November 2007 enthüllt.[8] Ende 2008 wurde der Arbeitsvertrag gekündigt.[11] Alwan klagte dagegen vor dem Arbeitsgericht München.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bob Drogin: Curveball: Spies, Lies, and the Con Man Who Caused a War. Random House, 2007, ISBN 1400065836.
  • Tyler Drumheller: Wie das Weiße Haus die Welt belügt. München: Diederichs Verlag, 2007, ISBN 3720530132.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BBC / ZDF, 2013: Es begann mit einer Lüge – Zehn Jahre nach dem Irak-Krieg.[13]
  • ZDF Doku, 2015: Krieg der Lügen – Curveball und der Irak-Krieg.[14] (90 min., von Matthias Bittner, International Emmy Award 2016).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Carstens: Waffe der Massendesinformation: Der Märchenerzähler "Curveball" und der Weg in den Irak-Krieg. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Februar 2008; abgerufen am 29. August 2011.
  2. Draggan Mihailovich: Faulty Intel Source „Curve Ball“ Revealed. In: CBS News. 11. Februar 2009
  3. Jason Vest: Big Lies, Blind Spies, and Vanity Fair. In: The Village Voice. 5. April 2005
  4. Helen Pidd & Martin Chulov: Curveball admissions vindicate suspicions of CIA's former Europe chief. In: The Guardian. 15. Februar 2011
  5. ARD: Die Lügen vom Dienst: Der BND und der Irakkrieg. 2. Dezember 2010; abgerufen am 29. August 2011.
  6. U. Müller, L. Wiegelmann & D. Banse: Deutscher Geheimdienst: „USA haben BND für Irak-Krieg missbraucht“. In: Die Welt. 27. August 2011
  7. Edward Helmore: US relied on „drunken liar“ to justify war. In: The Observer. 3. April 2005; abgerufen am 29. August 2011.
  8. a b BBC News: Iraq war source’s name revealed. 2. November 2007; abgerufen am 29. August 2011.
  9. Martin Chulov & Helen Pidd: Defector admits to WMD lies that triggered Iraq war. In: The Guardian. 15. Februar 2011
  10. n-tv: Massenvernichtungswaffen im Irak: Informant wollte Saddam stürzen. 16. Februar 2011
  11. Panorama in das Das Erste: Kriegslüge: BND bezahlte irakischen Betrüger. 2. Dezember 2010, archiviert vom Original am 11. Dezember 2010; abgerufen am 11. Dezember 2010.
  12. Arbeitsgericht München - Gz.: 20 Ca 15684/08
  13. Es begann mit einer Lüge - Zehn Jahre nach dem Irak-Krieg, ZDF.de
  14. Krieg der Lügen - Curveball und der Irak-Krieg, ZDF.de