Raguhn

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Raguhn
Wappen von Raguhn
Koordinaten: 51° 42′ 29″ N, 12° 16′ 7″ O
Höhe: 90 m
Fläche: 15,24 km²
Einwohner: 3558 (30. Jun. 2017)
Bevölkerungsdichte: 233 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06779
Vorwahl: 034906
Kirche St. Jakobus
Kirche St. Georg
Muldewehr und Wasserkraftwerk

Raguhn ist ein Ortsteil der Stadt Raguhn-Jeßnitz im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Raguhn liegt in wesentlichen Teilen im Urstromtal der Mulde ca. 12 km nördlich von Bitterfeld und ca. 15 km südlich von Dessau.

Östlich der Stadt befindet sich ein derzeit noch gesperrter Bereich eines ehemaligen Truppenübungsplatzes der Sowjetarmee in der Kleckewitzer Heide (westlicher Ausläufer der Dübener Heide).

Südlich von Raguhn teilt sich die Mulde, wobei der kleinere, westliche Flussarm (Liebauer Muldarm) nach wenigen hundert Metern mit der Fuhne zusammenfließt und sich nördlich von Raguhn wieder mit der Mulde vereint. Dadurch liegt die Altstadt Raguhns auf einer Insel, die aus westlicher Richtung über die Hallesche Brücke („Brücke des Friedens“), aus südlicher Richtung über die Schlossbrücke und aus östlicher Richtung über die Wittenberger Brücke erreichbar ist. Aufgrund dieser Lage sind die Altstadt sowie Teile der westlichen Stadt und des Ortsteiles Kleckewitz alljährlich mehr oder minder vom Hochwasser betroffen. Als Folge des Jahrhunderthochwassers im Jahre 2002 haben die Stadt und das Land Sachsen-Anhalt umfangreiche Dammbaupläne bzw. Dammerneuerungen in die Wege geleitet und bisher in großen Teilen abgeschlossen.

Zur ehemaligen Gemeinde gehörten die Ortsteile Raguhn und Kleckewitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raguhn wurde erstmals 1285 urkundlich erwähnt. Der Ort entstand an dem strategisch wichtigen Mulde-Übergang der Straße von Halle nach Wittenberg.

Im Jahr 1395 wurde Raguhn durch Fürst Albrecht III. von Anhalt-Köthen die Gerichtsbarkeit über Hals und Hand bestätigt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, von Februar bis April 1945, wurde ein Außenlager des KZ Buchenwald für 200 bis 500 jüdische Frauenhäftlinge aus dem KZ Ravensbrück eingerichtet, die – neben sowjetischen Kriegsgefangenen – zur Zwangsarbeit für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke gezwungen wurden.

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Städte Raguhn und Jeßnitz (Anhalt) sowie die Gemeinden Altjeßnitz, Marke, Retzau, Schierau, Thurland und Tornau vor der Heide zur Stadt Raguhn-Jeßnitz zusammen. Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Raguhn, zu der Raguhn gehörte, aufgelöst.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1970 5.962
2005 3.720

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde der Stadt 1549 von den Fürsten Georg und Joachim von Anhalt verliehen. Es zeigt den aufrecht stehenden, gekrönten askanischen Bären zwischen zwei Türmen auf den Zinnen der Stadtmauer, darunter zwei halb zufallende Tore und drei Neunaugen.

Das Wappen in seiner jetzigen Form wurde 1995 vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch, der in Raguhn geboren und aufgewachsen war, getreu dem ursprünglichen Wappenbrief gestaltet und (da keine Genehmigungsurkunde nachweisbar war) ins Genehmigungsverfahren durch die Landesregierung geführt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegerdenkmal

Neben der St.-Georgs-Kirche befindet sich ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Auf dem Raguhner Ortsfriedhof befinden sich ein Gedenkstein und Grabstätten für 15 namentlich bekannte Frauenhäftlinge, die Opfer der Zwangsarbeit wurden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Libehna Fruchtsaft GmbH

In Raguhn ist die Libehna Fruchtsaft GmbH ansässig. Der Name des Getränkeindustriebetriebs wurde 1990 von der ehemaligen Ausflugs-Gaststätte Schloss Lipehna entliehen und steht nicht im Zusammenhang mit der Gemeinde Libehna. Das Unternehmen wurde 1876 als Firma HeßIer & Herrmann in Raguhn gegründet, hieß später Aromatica und firmierte in der DDR unter dem Begriff VEB OGIS. Das Familienunternehmen hat heute (2009) etwa 50 Mitarbeiter und beliefert den Groß- und Einzelhandel zum Teil bundesweit.[1]

RMIG GmbH

Im Jahr 1861 als Drahtweberei Gottlob Herbrandt AG gegründet und seit 150 Jahren in Raguhn ansässig, ist die RMIG GmbH (ehemals PRESTARA) der größte Arbeitgeber der Stadt Raguhn-Jeßnitz. Seit 1992 gehört die RMIG GmbH zur weltweit aktiven Unternehmensgruppe RMIG (Richard Müller Industrial Group). Das Unternehmen zählt heute (2013) mit seinen 150 Mitarbeitern zu einem der größten Produktionsstandorte für Lochbleche in Deutschland und Europa.

Die Firma Enercon errichtete im Jahr 2009 an der Mulde eine Wasserkraftanlage mit zwei Turbinen mit insgesamt 2300 kW.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 184 und die Bahnstrecke Trebnitz–Leipzig führen durch das Gemeindegebiet, an Letzterer besitzt Raguhn einen Haltepunkt. Die nahegelegene Bundesautobahn 9 ist über die Anschlussstelle Dessau-Süd (etwa sechs Kilometer) zu erreichen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Bezug zu Raguhn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Raguhn im 20. Jahrhundert: Vom Kaiserreich zur Bundesrepublik Deutschland: Tl 2. Geiger-Verlag, 2. unveränd. Aufl. 2007. ISBN 978-3-89570-349-2
  • Frauke Gränitz, Haik Thomas Porada, Günther Schönfelder (Hrsg.): Bitterfeld und das untere Muldetal: Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Bitterfeld, Wolfen, Jeßnitz, Raguhn, Gräfenhainchen und Brehna. Böhlau, 2. verb. Aufl. 2008. ISBN 978-3-412-03803-8
  • Rudolf Brückner (Hrsg.): Raguhn in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, 1998. ISBN 978-90-288-5375-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Raguhn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Libehna, Unternehmen, Tradition