Rahnsdorf (Zahna-Elster)

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Rahnsdorf
Koordinaten: 51° 56′ 43″ N, 12° 47′ 11″ O
Höhe: 95 m
Einwohner: 226 (1993)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 2003
Eingemeindet nach: Zahna
Postleitzahl: 06895
Vorwahl: 034924
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Lage von Rahnsdorf in Zahna-Elster

Rahnsdorf ist seit dem 1. Januar 2011 ein Ortsteil der Einheitsgemeinde und Stadt Zahna-Elster im Landkreis Wittenberg im Land Sachsen-Anhalt. Zuvor wurde der Ort durch die Stadt Zahna, bis 30. Juni 2003 eigenständig, vom 1. Mai 1974 bis 30. August 1990 durch Klebitz verwaltet.[1]

In den Statistiken der Landtagswahl von 2002 wird Rahnsdorf letztmals separat aufgeführt, wahlberechtigt waren 157 Einwohner.[2]

Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rahnsdorf auf einer 1812 erschienenen Karte, damals Raansdorf

In einer Karte von 1812 wird die Siedlung Raansdorf genannt.[3]

Dieselbe Karte bezeichnet die einzige Mühle des Dorfes als Hässler Mühle, wie im amtlichen Kartenwerk von 1993.[4] Das 1874 erschienene Meßtischblatt von Zahna[5] verwendet Hestlermühle. Die folgenden Ausgaben der Meßtischblätter ab 1904 tragen allerdings wieder die in den Werken von 1812 und 1993 zu findende Bezeichnung. Das Schild des Zufahrtsweges führt heute den Namen Heßlermühle. Es gibt also mindestens drei verschiedene Schreibweisen.[6]

Für den Oberlauf der Zahna, der früher das Mühlrad trieb, wird in den Kartenwerken das heute noch gebräuchliche Zahnabach[4] verwendet, altertümlich auch Zahnische Bache.[3]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im Niederen Fläming und wird westlich von den Gewässern Drehningsbach und Zahna umflossen. Die geschützten Auen erstrecken sich im Süden bis an die Bahnstrecke Jüterbog – Wittenberg.[7] Südlich der ICE-Strecke liegt der Ort Zahna.

Noch nördlich des Ortes nimmt der vom brandenburgischen Wergzahna kommende Drehningsbach den Kropstädter Hauptgraben auf. Die in Ortsnähe als Weideland und Koppelfläche genutzte Aue des Drehningsbachs ist dem Kiefernwald der Kropstädter Heide im Westen vorgelagert.[4] Ortsausgehend unterquert der Drehningsbach die Kreisstraße 2014 und vereinigt sich wenig später mit dem von Wüstemark kommenden Zahnabach. Die Gemarkung Rahnsdorf südlich verlassen passiert die Zahna die ehemalige Fischermühle, unterquert kurz darauf die Bahnstrecke und durchfließt fortführend den gleichnamigen Ort.

Im Osten Rahnsdorfs liegen weit zusammenhängende, landwirtschaftliche Nutzflächen und säumen das schmale, nord-süd-orientierte Wohngebiet.

Naturräumliche Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rahnsdorf zählt zum Roßlau-Wittenberger Vorfläming, Zifferncode 854 im Handbuch der naturräumlichen Gliederung. Das Gebiet lässt sich wiederum den nächstgrößeren Regionen Fläming und Norddeutsches Tiefland zuordnen.

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 5. September 1973 wird der südlich von Rahnsdorf liegende Teil um das Wasserwerk Zahna zwischen K 2014 im Westen, dem Fischermühlenweg im Osten und der Bachstraße nördlich des Bahndamms als WasserSchutzGebiet ausgewiesen.[8]

Der westlich gelegene Kiefernwald, das Zahnabachtal im Südwesten und Süden des Dorfes sowie die Aue des Drehningsbach im Nordwesten sind Teile des LandschaftsSchutzGebietes Wittenberger Vorfläming und Zahnabachtal, das am 30. August 1999 durch den Landkreis Wittenberg auf der Grundlage des anhaltischen Landesnaturschutzgesetzes erklärt wurde und etwa 10.900 Hektar groß ist.[7]

Der Friedenthaler Grund zu Beginn des Zahnabachtals zwischen Jahmo, Kropstädt und Wüstemark ist das Rahnsdorf nächstgelegene NaturSchutzGebiet. Es wurde am 2. April 2003 durch das Landesverwaltungsamt festgelegt, hat eine Größe von ca. 146 Hektar und liegt in etwa 2,5 km Entfernung westlich des Dorfes.[9] Den gleichen Namen trägt das etwa ein Jahr später durch die EU aufgenommene Fauna-Flora-Habitat Friedenthaler Grund. Es ist bis auf eine flächenhafte Erweiterung westlich der B 2 mit dem Naturschutzgebiet identisch.[10]

Im März 2004 wurde das Fauna-Flora-Habitat Klebitz-Rahnsdorfer Feldsölle mit einer Größe von 327 Hektar zur Aufnahme in das Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 an die EU gemeldet. Die Schutzwürdigkeit begründet sich mit bedeutenden Rotbauchunkenvorkommen. Das Schutzgebiet besteht zu 93 % aus bewirtschaftetem Ackerland, 5 % Grünland und etwa 2 % Nadelwald. Es gliedert sich in etwa drei gleich große Teile, wovon zwei in der Umgebung von Klebitz liegen. Die Rahnsdorfer Feldsölle liegen am Schönefelder Weg, nordöstlich der Siedlungsgrenze.[11]

Am 5. Oktober 2005 wurde schließlich das umfassende Großschutzgebiet Naturpark Fläming mit einer Fläche von etwa 82.425 Hektar durch das Land Sachsen-Anhalt erklärt, welches an den älteren, brandenburgischen Naturpark Hoher Fläming anschließt.[12] Der Naturpark wird durch Wander- und Freizeitangebote lokaler Tourismusvereine vermarktet.[13]

Überblick in tabellarischer Form:

Typ Name Code Größe seit Logo/Zeichen
NUP Naturpark Fläming NUP0007[12] 82.425 ha 2005-10-05
Logo Naturpark Fläming-Sachsen-Anhalt.svg
FFH Klebitz-Rahnsdorfer Feldsölle FFH0234[11] 327 ha 2004-03
FFH Friedenthaler Grund FFH0240[9] 167 ha 2004-03
NSG Friedenthaler Grund NSG0290[9] 146 ha 2003-04-02
Naturschutzgebiet.svg
LSG Wittenberger Vorfläming und Zahnabachtal LSG0071[7] 10.900 ha 1999-08-30
WSG Wasserwerk Zahna WSG0216[8] 83,5 ha 1973-09-05
Zeichen 354 - Wasserschutzgebiet, StVO 1992.svg

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feldsteinkirche Rahnsdorf
und Pfarrhaus (links)
Denkmalplakette Deutschland.svg

Die Feldsteinkirche Rahnsdorfs stammt im Kern aus dem 13. Jahrhundert und wurde später um einen fläminguntypischen barocken Turm ergänzt.[14] Sie beherbergt eine pflegebedürftige Blasbalgorgel. Weitere Kulturdenkmale des Ortes sind der anschließende Pfarrhof und die Heßlermühle. Das ehemalige Pfarrhaus ist heute in Privatbesitz, der Pfarrgarten öffnet als einer von vielen Offenen Gärten in Sachsen-Anhalt einmal im Jahr seine Pforten.[15]

Touristisch erschlossen wird das Dorf teilweise durch den Radweg Berlin–Leipzig. Aufgrund des sandigen Bodens der Region eignen sich die unbefestigten Feld-, Wald und Wiesenwege nur bedingt zum Radfahren. Sie wurden vorzugsweise als Reit- und Wanderwege markiert. Jährlich wiederkehrend finden im Frühjahr das Osterfeuer und in den Sommermonaten das Dorffest statt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorf und Umgebung sind landwirtschaftlich geprägt. Die durch Landflächenkollektivierung aus der Vorwendezeit bedingten Ackergrößen sorgen nicht nur zur Erntezeit für regen Betrieb von Großmaschinen. Mit dem Übergang der seit 1974 bestehenden LPGen Frohe Jugend und Freier Bauer[16][17] 1992 in die Agrofarm Flämingrand GmbH[18] veränderten sich die Verhältnisse zugunsten des Nutzpflanzenbaus. Zwischen 1996 und 1997 wurde im Dorf die Schweine-, später auch die Rinderproduktion im benachbarten Klebitz eingestellt.

Heute stellt die Ölmühle Rahnsdorf täglich kaltgepresstes Leinöl als Tierfutter her.[19] Reiterhöfe unterstützen den ökologischen Tourismus. Fast alle Waren und Dienstleistungen werden außerhalb bezogen, neben den Hofläden existieren keine Ladengeschäfte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die K 2014 verbindet den Ort mit Wergzahna im Norden und Zahna im Süden. Dorfmittig gibt es einen Abzweig nach Klebitz. Benannte Wege sind

  • Lindenplatz
  • Rahnsdorfer Lindenstraße (K 2014)
  • Klebitzer Landstraße
  • Schönefelder Weg
  • Fischermühlenweg
  • Heßlermühle (früher Hässlermühle[4])

Das Dorf wird an Schultagen von der Buslinie 376 angefahren, die von Zahna über die Stationen Rahnsdorf, Klebitz, Zahna, Bülzig und Labetz nach Wittenberg und zurück verkehrt. Ergänzend zu den festen Fahrzeiten steht die Linie werktags alle 60 Minuten als Anrufbus zur Verfügung.[20] Der auf direktem Weg erreichbare Bahnhof Zahna liegt etwa 2,5 km entfernt und wird im Zweistundentakt vom Regional Express 3 angefahren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rahnsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag Rahnsdorf. In: Genealogisches Ortsverzeichnis (GOV). Verein für Computergenealogie. Auf: genealogy.net, abgerufen am 15. August 2013.
  2. Stimmenzählung Rahnsdorf. In: Ergebnisse der Landtagswahl 2002. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt. Auf: statistik.sachsen-anhalt.de, abgerufen am 15. August 2013.
  3. a b Siehe Datei:Zahna Fläming Kupferstichkarte von 1812.df dk 0011468 0006.png
  4. a b c d Landesamt für Landesvermessung und Datenverarbeitung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Topografische Karte 1:10.000 Blatt M-33-2-B-a-3 Zahna N, Halle (Saale), 1. Auflage 1993.
    Aktuelle Auflage im Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise) einsehbar. Min-/Max-Koordinaten: (r/h) 4553675m; 5756070m und 4554046m; 5756353m
  5. Meßtischblatt 199 : Zahna, 1874. Aufnahme 1851, Maße 48x45 cm, Maßstab 1:25000. In: Topographische Karte (Meßtischblätter); 4042,1874. Reichsamt für Landesaufnahme, Berlin 1874. Auf: deutschefotothek.de, abgerufen am 15. August 2013.
  6. Unter Zuhilfenahme des regulären Ausdrucks H(ä|e)(ss|st|ß)ler(mühle| Mühle) ergeben sich zwölf verschiedene Schreibweisen.
  7. a b c LSG Wittenberger Vorfläming und Zahnabachtal. DE-ST: LSG0071 (Übersicht). Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Auf: sachsen-anhalt.de, abgerufen am 21. August 2013.
  8. a b WSG0216 im Beschluss Nr. 335-21/73 vom 5. September 1973 des Rates des Kreises Wittenberg zur Festlegung der Schutzgebiete für die Trinkwasserfassungen der öffentlichen Wasserwerke.
  9. a b c NSG Friedenthaler Grund. DE-ST: NSG0290 (Übersicht). Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt. Auf: sachsen-anhalt.de, abgerufen am 21. August 2013.
  10. FFH Friedenthaler Grund. DE-ST: FFH0240, EU: DE 4042 303 (Übersicht). Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Auf: sachsen-anhalt.de, abgerufen am 21. August 2013.
  11. a b FFH Klebitz-Rahnsdorfer Feldsölle. DE-ST: FFH0234, EU: DE 4042 302 (Übersicht). Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Auf: sachsen-anhalt.de, abgerufen am 21. August 2013.
  12. a b Naturpark Fläming. DE-ST: NUP0007 (NUP0007_Flaeming.pdf). Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Auf: sachsen-anhalt.de, archiviert vom Original am 23. August 2013, abgerufen am 21. August 2013.
  13. Kienbergrundweg im Naturpark Fläming. Abgerufen am 21. August 2013 (PDF; 208 kB).
  14. Siehe Datei:Rahnsdorf Zahna church1.JPG
  15. Sabine Priezel: Offene Gärten in Lutherstadt Wittenberg und Umgebung. Querbeet Kräter- und Gartenschule. Auf: kraeuter-querbeet.de, 6. Juni 2013, abgerufen am 21. August 2013.
  16. Wolfgang Habedank: Geschichte Zahnas. In: stadt-zahna.de. Einheitsgemeinde und Stadt Zahna-Elster, abgerufen am 1. August 2013.
    Wolfgang Habedank: Sport-Historie Zahnas. In: stadt-zahna.de. Einheitsgemeinde und Stadt Zahna-Elster, abgerufen am 1. August 2013.
  17. Tanja Busse: Wie es die Genossen schafften. In: Zeit Online. 15. August 2002, abgerufen am 1. August 2013.
  18. Amtsgericht Stendal, HRB 11143.
  19. Eiserbeck Naturprodukte UG. In: urkraft-leinmanufaktur.de. Abgerufen am 15. August 2013.
  20. Linie 376. Wittenberg – Zahna – Rahnsdorf – Zahna. Auf: vetter-bus.de, abgerufen am 22. August 2013 (PDF; 268 kB).