Raiffeisen Schweiz

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  Raiffeisen Schweiz Genossenschaft[1]
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Staat SchweizSchweiz Schweiz
Sitz St. Gallen
Rechtsform Genossenschaft
BC-Nummer 80000[2]
BIC RAIFCH22XXX[2]
Gründung 1899
Website www.raiffeisen.ch
Geschäftsdaten 30.06.2018[3]Vorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Daten veraltet
Bilanzsumme ≈ 229 Mrd. CHF
Einlagen ≈ 166 Mrd. CHF
Kundenkredite ≈ 176 Mrd. CHF
Mitarbeiter 9'387 (Vollzeitstellen)
Geschäftsstellen 896 Standorte
Leitung

Unternehmensleitung

Michael Auer
(CEO, ad interim)
Heinz Huber (CEO ab 2019)[4]
Guy Lachappelle
(VR-Präsident)

Raiffeisen Schweiz ist ein Zusammenschluss aller Schweizer Raiffeisenbanken. Die auf Basis einer Genossenschaft organisierten Banken bilden mit 246 eigenständigen Raiffeisenbanken mit insgesamt 896 Geschäftsstellen das dichteste Bankstellennetz der Schweiz.

Im 21. Jahrhundert wurde die Raiffeisen-Gruppe mit einer gesamten Bilanzsumme von heute 229 Milliarden Franken zur drittgrössten Schweizer Bankengruppe. Sie gehört zu den führenden Schweizer Retailbanken. Seit Juni 2014 zählt Raiffeisen zu den systemrelevanten Banken der Schweiz und muss deswegen spezielle Anforderungen an die Eigenmittel erfüllen.[5] Raiffeisen Schweiz zählt 3,8 Millionen Kunden in der Schweiz. Davon sind knapp 1,9 Millionen Genossenschafter und somit Mitbesitzer regionaler Raiffeisenbanken.[3]

Verbundorganisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude der Raiffeisen Schweiz in St. Gallen

Die 246 rechtlich selbständigen Raiffeisenbanken in der Schweiz haben sich zur Raiffeisen Schweiz (ehemals Schweizer Verband der Raiffeisenbanken genannt) zusammengeschlossen. Raiffeisen Schweiz ist wie die beteiligten Raiffeisenbanken eine Genossenschaft. Diese koordiniert die Aktivitäten der Gruppe, schafft Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit der örtlichen Raiffeisenbanken (beispielsweise Informationstechnik, Infrastruktur, Refinanzierung) und berät und unterstützt sie in sämtlichen Belangen. Darüber hinaus gehören das Risikomanagement und die Kontrolle zu den Aufgaben von Raiffeisen Schweiz.

Raiffeisen Schweiz betreibt direkt geführte Niederlassungen in den städtischen Regionen Basel, Bern, St. Gallen, Thalwil, Winterthur und Zürich, in denen keine Raiffeisen-Genossenschaften bestehen.[6]

Der Hauptsitz von Raiffeisen Schweiz befindet sich faktisch seit 1912 und rechtlich seit 1936 in St. Gallen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ideen von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, insbesondere der Selbsthilfegedanke wurden in Europa mit Interesse aufgenommen und fanden vor allem in ländlichen Gebieten viele Nachahmer. Auf Initiative von Pfarrer Johann Traber entstand 1899 in Bichelsee die erste Raiffeisenkasse der Schweiz.

1902 gründeten zehn Institute den Schweizerischen Raiffeisenverband.

Ab 1912 gab es in St. Gallen eine gemeinsame Geschäftsstelle des Verbandes, welche während der folgenden 40 Jahre durch Direktor Josef Stadelmann ausgebaut wurde.

2017 leitete die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht ein Enforcement-Verfahren bezüglich Corporate-Governance-Themen gegen die Bankengruppe[7] und bezüglich Handhabung von Interessenkonflikten während seiner Zeit bei Raiffeisen Schweiz gegen deren ehemaligen Chef Pierin Vincenz ein. Aufgrund des Rücktritts von Vincenz als Präsident der Helvetia Versicherungen und seiner Versicherung, keine verantwortungsvolle Funktion bei einer Bank oder Versicherung mehr anzustreben, stellte die Finanzmarktaufsicht das Verfahren gegen Vincenz ein,[8] während dasjenige gegen Raiffeisen weitergeführt wurde. Nach achtmonatiger Untersuchung hat die Finanzmarktaufsicht im Juni 2018 das Enforcement-Verfahren gegen Raiffeisen abgeschlossen. Im November 2017 gab Raiffeisen bekannt, dass der Anteil von zehn Prozent am Schweizer Banken-Software-Spezialisten Avaloq an Warburg Pincus veräussert wird und Avaloq Anfang 2019 die Anteile am IT-Gemeinschaftsunternehmen Arizon übernimmt. Raiffeisen und Avaloq hatten Arizon gegründet, um Raiffeisen mit einem neuen Informatiksystem auszurüsten. Bis Anfang 2019 sollen alle Banken damit arbeiten. Raiffeisen hat auch angekündigt, den Anteil am Derivatespezialisten Leonteq von 29 auf 19 Prozent reduzieren zu wollen.[9] Am 26. Februar 2018 gab Raiffeisen bekannt, dass die bisherigen Minderheitsaktionäre 100 % an Investnet übernehmen. Die Raiffeisen-Tochter KMU Capital, an der Investnet bisher 40 % hielt, geht dafür zurück in den vollständigen Besitz von Raiffeisen. Die Kapitalgeberfunktion (KMU Capital) und das Investment Advisory (Investnet) soll somit klar voneinander getrennt werden.

Da klassische Bankschalter mit Bargeld immer weniger nachgefragt werden, setzt Raiffeisen derweil immer mehr auf Filialen mit Bankomaten und integrierten bargeldlosen Cafés.[10]

Geschäftliche Grundsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem gebietsmässig klar definierten Geschäftsbereich betreuen die genossenschaftlich organisierten Banken die Bevölkerung der Region. Dadurch, dass die Kundengelder im Geschäftsbereich verbleiben, sollen sie direkt zur Entwicklung der Region beitragen. Darüber hinaus unterstützen die Raiffeisenbanken auch lokale Vereine und soziale Einrichtungen. Sie sind zugleich regionale Arbeitgeber und Steuerzahler in den Gemeinden.

Zu den Prinzipien gehören lokale Verankerung und die Kundennähe, die Genossenschaftsstruktur und die Verbindung von genossenschaftlichen Werten mit betriebswirtschaftlichem Denken.

Individualinteressen Einzelner sind nicht möglich, die Führungsverantwortung bei Raiffeisen ist föderalistisch verteilt. Raiffeisen strebt kein Wachstum um jeden Preis an. Zu den Grundsätzen gehören ferner eine vorsichtige Kreditpolitik und die Kontrolle der Risiken.

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raiffeisen Schweiz kooperiert mit mehreren Firmen, um den angeschlossenen Raiffeisenbanken deren Services anzubieten. An den folgenden Firmen ist Raiffeisen Schweiz direkt beteiligt:[11]

Nach dem Abgang von Vincenz wurden diese Beteiligungen kritisch hinterfragt, und es findet seither ein Abbau von Beteiligungen statt.[16] So wurde die Notenstein Privatbank (Privatbank, Online-Privatbank), die seit 2012 zu 100 % zur Gruppe gehörte und durch Übernahme des bereinigten Kundenstamms und der Mitarbeitenden der Privatbank La Roche 2015 zur Notenstein La Roche Privatbank erweitert worden war,[17] im Mai 2018 für 700 Millionen Franken an die Privatbank Vontobel verkauft.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sibylle Obrecht: Raiffeisen. Verlag Huber, Frauenfeld 2000, ISBN 3-7193-1185-6
  • Andreas Zakostelsky, Friedrich Hagspiel (Hrsg.): Weißbuch Verbund. Überblick der Verbundstrukturen bei europäischen Genossenschaftsbanken. Wien 1999

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Handelsregister des Kantons St. Gallen. Abgerufen am 28. Mai 2013
  2. a b Eintrag im Bankenstamm der Swiss Interbank Clearing
  3. a b Zwischenabschluss Raiffeisen Gruppe 2017 (PDF; 1,1 MB), abgerufen am 18. November 2017
  4. Heinz Huber wird neuer Raiffeisen-Chef. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. November 2018.
  5. Eigenmittel-Situation, abgerufen am 31. Oktober 2017
  6. Schweizer Banken Info
  7. Finma leitet Verfahren gegen Raiffeisen ein. In: Finanz und Wirtschaft. 30. Oktober 2017.
  8. Ermes Gallarotti: Ein Weihnachtsgeschenk für Pierin Vincenz. In: Neue Zürcher Zeitung. 21. Dezember 2017.
  9. Holger Alich: Gisel entrümpelt die Bank. In: Der Bund. 18. November 2017.
  10. Mischa Stünzi: Banken nehmen Abschied vom Bargeld. In: derbund.ch, 18. September 2018, abgerufen am 18. September 2018.
  11. Kooperationen und Beteiligungen, abgerufen am 28. Dezember 2017
  12. Raiffeisen Führungsstruktur. Medienmitteilung Raiffeisen, 10. März 2015
  13. Marc Badertscher: Liaison dangereuse. In. Handelszeitung, 23. März 2017, S. 3
  14. Zahlen und Fakten, abgerufen am 31. Oktober 2017
  15. Raiffeisen Gruppe: Geschäftsbericht 2017, abgerufen am 12. Dezember 2018 (PDF).
  16. Ermes Gallarotti: Wohin treibt die Raiffeisen? Raiffeisen ist schlecht auf schwierige Zeiten vorbereitet. In: Neue Zürcher Zeitung, 21. Dezember 2017, abgerufen am 28. Dezember 2017.
  17. Notenstein übernimmt Basler La Roche, abgerufen am 21. Februar 2015

Koordinaten: 47° 25′ 18,4″ N, 9° 22′ 23,6″ O; CH1903: 745968 / 254128