Raimund Kittl

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Raimund Kittl (* 1932 in Wien) ist ein österreichischer Gürtler, Ziseleur und Metallbildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kittl ist gelernter Modell-Bildhauer-Meister sowie Gürtler- und Ziseliermeister. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte er sich mit der Reparatur und der Restauration von Denkmalen. Später zog er von Österreich nach Deutschland.[1] Er lebte längere Zeit in Flensburg, wo er mit dem Künstler Hein Hoop zusammenarbeitete.[1]

1964[2] gründete er in der Bremer Straße 72 auf der Landzunge im Düsseldorfer Hafen seine eigene Gießerei, die neben Abgüssen von neuen Metallobjekten auch Vergrößerungen und Verkleinerungen bestehender Objekte im Sandform- und Wachsausschmelzverfahren herstellte.[3]

Er war Professor an der Kunstakademie Düsseldorf[4][5] und bis zu seiner Pensionierung[1] Leiter der Werkstatt für Kunstgießerei in der Eiskellerstraße 1.[6]

1999 übernahm der Ziseleurmeister Rolf Kayser die Kunstgießerei Kittls im Hafen Düsseldorfs,[7] in der er seine Ausbildung erhalten hatte,[8] und löste seinen Meister in dessen Werkstatt ab.[9][10] 2008 trat das Ehepaar Marija und Raimund Kittl endgültig von der Geschäftsführung zurück und bestellte Rolf Kayser als neuen Geschäftsführer.[11]

Raimund Kittl bezeichnete sich selbst als „Naturalist“. Er besitzt nach eigener Aussage die Fähigkeit, schneller einen Kopf zu formen als ihn zu zeichnen.[1] Heute lebt er in Tetenbüll.[12]

Werk (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wiederhergestellte Figurengruppe wird auf den Sockel des Deutschen Ecks gehoben, 1993
Frontansicht des rekonstruierten Reiterstandbilds Wilhelms I. mit Siegesengel

Einer der Höhepunkte in Kittls Schaffen war 1993 die Rekonstruktion des Reiterstandbilds Wilhelms I. mit Siegesengel am Deutschen Eck in Koblenz.[13]

Das ehemals dort bestehende Reiterstandbild war im März 1945 durch die Artillerie der 3. US-Armee von der Pfeilerhalle geschossen und damit weitgehend zerstört worden.[14] Werner Theisen (ehemaliger Verleger der Rhein-Zeitung) und dessen Ehefrau Anneliese hatten sich 1987 verpflichtet, die Rekonstruktion des zerstörten Standbildes zu finanzieren und es der Stadt Koblenz zu schenken, wozu die Bürgerinitiative Deutsches Eck e. V. gegründet wurde. Zwischen dem Land Rheinland-Pfalz, der Stadt Koblenz, dem Stifter und anderen Gruppierungen entbrannte ein jahrelanger heftiger Streit um die Realisierung des Projekts. Die Bürgerinitiative und Theisen gaben die Rekonstruktion der Figurengruppe im Februar 1989 bei Raimund Kittl in Auftrag, ohne dass eine Einigung mit der Landesregierung getroffen worden war. Die Schenkung der Landzunge am Deutschen Eck durch die Landesregierung an die Stadt Koblenz machte im Mai 1992 den Weg für das Errichten der Rekonstruktion frei.

Als Vorlage für die Rekonstruktion standen Kittl und seinen Mitarbeitern neben den wenigen noch vorhandenen Bruchstücken auch eine verkleinerte Nachbildung des Originalstandbildes zur Verfügung, die im Mittelrhein-Museum aufbewahrt wird. Sie verwendeten nicht wie ursprünglich getriebene und auf ein Eisengerüst montierte Kupferplatten, sondern erstellten 84 Einzelteile aus widerstandsfähigerem Bronzeguss, die sie zu einem Hohlkörper zusammenschweißten. Für die einzelnen Teile wurden unterschiedliche Legierungen genutzt, so dass die entstandene Patina heute verschiedene Farben aufweist und die einzelnen Gussteile deutlich zu unterscheiden sind. Die Außenwand des Objektes ist zwischen 8 und 30 Millimeter dick, es wiegt 69 Tonnen und ist 14 Meter hoch.[13][15]

Unter elf Brücken hindurch wurde die fertiggestellte Rekonstruktion des Reiterstandbildes von Düsseldorf rheinaufwärts verschifft,[16] wo sie am 16. Mai 1992 an Bord der MS Futura in Koblenz eintraf. Wegen der notwendigen Sanierung des Sockels lagerte die wiederhergestellte Figurengruppe mehr als ein Jahr im Rheinhafen Koblenz, bis sie am 2. September 1993 vom damals größten fahrbaren Gittermastkran Europas auf den Sockel gehoben wurde.[17]

Andere Werke, die von Kittl handwerklich umgesetzt wurden:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Raimund Kittl – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Raimund Kittl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Uwe Carstens: Lieber Freund Ferdinand. Die bemerkenswerte Freundschaft zwischen Theodor Storm und Ferdinand Tönnies. BoD, 2008. ISBN 3-83704-762-8, S. 215ff.
  2. Raimund Kittl. Miscellaneous Nonmetallic Mining Companies - Düsseldorf - Germany. In: FindTheCompany.
  3. Otto J. Groeg: Who's who in the Arts: A Biographical Encyclopedia Containing Some 13,000 Biographies and Addresses of Prominent Personalities, Organizations, Associations and Institutions Connected with the Arts in the Federal Republic of Germany. Band 2. Who's Who-Book & Publishing, 1978. ISBN 3-92122-022-X, S. 503.
  4. Marco Zerwas: Lernort 'Deutsches Eck'. Zur Variabilität geschichtskultureller Deutungsmuster. Logos Verlag, Berlin 2015. ISBN 3-83253-856-9, S. 299.
  5. Archäologie Österreichs, Ausgaben 6-7. Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, 1995. S. 41
  6. Reichsstudentenführung, Verband Deutscher Studentenschaften: Deutscher Hochschulführer, Band 1-2. Verlag Dr. Josef Raabe, 1992. S. 29.
  7. Helga Meister: Große Kunst aus einem Guss. Im Medienhafen lassen die Stars der Kunst ihre Werke in der Kunstgießerei Kayser fertigen. (Memento vom 11. April 2016 im Internet Archive) In: Westdeutsche Zeitung vom 15. März 2010.
  8. Chronik. (Memento vom 28. Juni 2017 im Internet Archive) In: kunstgiesserei.com.
  9. Oliver Burwig: Kunstgießer. Ein Knochenjob für die Kunst. In: Rheinische Post vom 17. April 2015.
  10. Juliane Kaelberlah: Denkmäler in Düsseldorf. Mendelssohn-Denkmal fast fertig. In: Rheinische Post vom 19. Juli 2012.
  11. Kunstguß Kittl GmbH. In: cylex.de.
  12. Raimund Kittl. In: Open Directory Tetenbüll.
  13. a b Video: Wie ist das Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal entstanden? In: Rhein-Zeitung vom 1. September 2013.
  14. Heinz Csallner: Deutsche Kaiserdenkmäler in alten Ansichten. Zaltbommel/Niederlande 1982, ISBN 9-02881-961-4, S. 74.
  15. Matthias von der Bank, Ines Heisig (Hrsg.): Mittelrhein-Museum Koblenz. Auswahlkatalog, Petersberg 2017, S. 156–157.
  16. Denkmäler. Steinernes Geklump. Wilhelm I. soll wieder am „Deutschen Eck“ bei Koblenz reiten - zum Verdruß der Sozialdemokraten in Mainz. In: Der Spiegel, Ausgabe 5/1992 vom 27. Januar 1992.
  17. Heroisches Kaiserdenkmal oder „Faustschlag aus Stein“? Das Deutsche Eck in Koblenz. In: Portal Rheinische Geschichte des Landschaftsverbands Rheinland.
  18. Relief Königshof. In: emuseum.duesseldorf.de
  19. Cord Eberspächer, Peter Schamoni, Nicolaus Sombart: Wilhelm II. und Wilhelmshaven: zur Topographie einer wilhelminischen Stadt. Verlag Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 2003. ISBN 3-93051-021-9, S. 201.
  20. Die Elberfelder Löwen. In: denkmal-wuppertal.de.
  21. Raimund Kittl: Willy Millowitsch, Bronze, 1992. Eisenmarkt, 50667 Köln. In: Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln.
  22. Figuren vor Block. In: emuseum.duesseldorf.de
  23. Uwe Karwath: Wilhelmshaven. Sehenswürdigkeiten von A bis Z.
  24. Johann Ralf Beines, Walter Geis, Ulrich Krings: Köln: das Reiterdenkmal für König Friedrich Wilhelm III. von Preussen auf dem Heumarkt. Bachem, Köln 2004. ISBN 3-76161-796-8, S. 1906, 1915, 1917.
  25. Jens Rönnau: Kunst am Wegesrand. In: Kieler Nachrichten vom 28. März 2014.
  26. St. Florian-Brunnen. In: emuseum.duesseldorf.de
  27. Heimatbrunnen In: emuseum.duesseldorf.de
  28. Heinrich-Heine-Monument. In: emuseum.duesseldorf.de
  29. Markus Knappe: Der Bildhauer Karl Bobek. Leben und Werk. 12. Juli 2000.