Raimundtheater

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Das Raimundtheater in Wien (2005)

Das Raimundtheater (offiziell Raimund Theater) ist ein Theater im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf in der Wallgasse 18–20, das heute zu den Vereinigten Bühnen Wien gehört und hauptsächlich Musicals als Spielstätte dient.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Raimundtheater um 1898
Der Eingangsbereich während der Spielzeit von We Will Rock You

Das nach dem österreichischen Dramatiker Ferdinand Raimund benannte Theater wurde im Jahr 1893 von einem Verein von 500[1] Bürgern des Gemeindebezirks Mariahilf gegründet, nach Entwürfen des Architekten Franz Roth (1841–1909)[2] errichtet und, vollständig elektrisch beleuchtet,[3] am 28. November 1893 (erste Vorstellung am 27. November 1893)[1] mit Raimunds Zauberspiel Die gefesselte Phantasie[4] feierlich eröffnet (Prolog verfasst von Alfred von Berger)[5][Anm. 1]

Bis zum Jahr 1896 stand das Theater unter der Leitung von Adam Müller-Guttenbrunn.[6] Er und sein künstlerischer Beirat Hermann Bahr machten das Theater zu einer Sprechbühne mit klassischen Volksstücken, die ein Gegengewicht zur großbürgerlichen „Operettendekadenz“ darstellen sollten. Alexander Girardi, Eleonora Duse, Max Reinhardt, Louise Dumont und Adele Sandrock traten hier auf.

1907 übernahm der jüdische Regisseur und Theaterdirektor Sigmund Lautenburg[7] [1](1851–1918) die Leitung des Raimund-Theaters, jedoch nur für kurze Zeit. Er beauftragte für eine neue Inszenierung des Schauspiels "Die Nibelungen" von Friedrich Hebbel Carl Otto Czeschka, die Bühnenbilder und Kostüme zu entwerfen. Auf die Aufführung wurde aus verschiedenen Gründen verzichtet, aber ein unmittelbares Ergebnis der intensiven Beschäftigung Czeschkas mit dem Nibelungenthema für das Raimund-Theater waren die Zeichnungen, die dem kleinen Buch "Die Nibelungen" im Verlag Gerlach & Wiedling als Grundlage dienten. [8][7][9]

Unter Direktor Wilhelm Karczag hielt ab 1908 die Operette Einzug, etwa durch die Eigenproduktion „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß im Jahre 1908 oder Robert Stolz' „Glücksmädel“ und dem auf Franz Schuberts Musik beruhenden Dreimäderlhaus. Von 1921 bis 1924 wurden unter Direktor Rudolf Beer wieder vor allem Sprechstücke gespielt.

Nach 1945 erlebte unter Rudolf Marik (1900–1976), der das Haus von 1948 bis 1976 leitete, die Operette mit Johannes Heesters, Marika Rökk, Zarah Leander und anderen bekannten Darstellern und Sängern einen Höhepunkt. Am Raimund Theater begannen viele berühmte Schauspieler ihre Karriere, wie zum Beispiel Hansi Niese, Paula Wessely, Attila Hörbiger, Karl Skraup.

Im Dezember 1968 beging das Raimundtheater sein 75-Jahr-Jubiläum mit der Aufführung der Operette "Der Bettelstudent" von Carl Millöcker.

Als Festwochenpremiere am 23. Mai 1969 wurde die Operette Giuditta von Franz Lehár gegeben, in der Gretl Schörg (1914–2006) nochmals glänzend in Erscheinung trat,[10] bevor sie sich wenig später ganz vom Bühnenleben zurückzog.

Nach 1976 wurden bereits sporadisch Musicals gespielt. In den Jahren 1984 und 1985 wurde das Theater generalsaniert. Seit 1987 gehört es gemeinsam mit dem Theater an der Wien und dem Ronacher zu den Vereinigten Bühnen Wien (GmbH) und ist seither hauptsächlich Spielstätte für Musicals.

Bekannte Musicals in deutscher Sprache wie zum Beispiel Die Schöne und das Biest mit Ethan Freeman und Caroline Vasicek in den Hauptrollen, Tanz der Vampire mit Steve Barton und Cornelia Zenz, Wake Up mit Alexander Goebel und Rainhard Fendrich und zuletzt auch Barbarella mit Nina Proll in der Titelrolle und Eva-Maria Marold, hatten jeweils am Raimund Theater ihre Uraufführung. Im Februar 2005 fand die Premiere der deutschsprachigen Erstaufführung von Romeo und Julia mit Lukas Perman und Marjan Shaki in den beiden Titelrollen statt. In weiteren Rollen waren unter anderem Carin Filipčić als Amme, Mark Seibert als Tybalt, Rasmus Borkowski als Mercutio und Mathias Edenborn als Benvolio sowie Thomas Mülner als Graf Paris zu sehen.

Das Musical Elisabeth wurde anlässlich dessen 20. Geburtstag von 2012 bis 2014 gespielt. Dabei wurden im Saal vier LED-Übersetzungstafeln angebracht, auf denen seither die Stücke in Englisch übersetzt werden.

Die Verleihung des im Jahr 2000 initiierten Nestroy-Theaterpreises fand 2011 zum ersten Mal im Raimund Theater statt.

Das Raimund Theater umfasst derzeit 1.195 Sitzplätze und 40 Stehplätze. Kann allerdings von Produktion zu Produktion variieren.

Im März 2018 beschloss der Kulturausschuss des Wiener Gemeinderats für die Sanierung des Theaters 12,76 Millionen Euro bereitzustellen. Das Theater soll ab Sommer 2019 für Sanierungsarbeiten rund 14 Monate geschlossen werden, die Wiedereröffnung ist für Herbst 2020 geplant.[11]

Uraufführungen Operette / Singspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des Raimund Theaters
Zuschauerraum des Raimundtheaters

Uraufführungen Musical[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Musicalaufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein für den früheren Direktor Rudolf Marik
  • Gustav Andreas Ressel: Das Raimund-Theater. Eine Denkschrift. Reisser, Wien 1892.
  • Satzungen des Raimund-Theater-Vereines. Gorischek, Wien 1892.
  • Adam Müller-Guttenbrunn: Die gefesselte Phantasie. Gelegenheitsschrift zur Eröffnung des Raimund-Theaters. (Beigefügte Werke: —: Zur Geschichte der Gefesselten Phantasie). Honegen, Wien 1893.
  • Oscar Friedmann: Zur Krise im Raimundtheater. August Schulze, Leipzig 1896.
  • Adam Müller-Guttenbrunn: Das Raimund-Theater. Passionsgeschichte einer deutschen Volksbühne. Neue Revue, Wien 1897.
  • 70 Jahre Raimund-Theater. 28. November 1893 – 28. November 1963. Wiener Theaterbetriebsgesellschaft, Wien 1963.
  • Maria Kinz: Raimund Theater. Jugend und Volk, Wien (u. a.) 1985, ISBN 3-224-16003-9.
  • Eva Marlene Drnek: Entstehung des Wiener Raimund-Theaters. Burgtheater für das Volk. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2007.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Raimund-Theater. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 10514/1893, 28. November 1893, S. 5 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  2. Franz Roth. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Herausgegeben vom Architekturzentrum Wien. Wien 2007.
  3. Raimund-Theater. In: Josef Kareis (Red.): Zeitschrift für Elektrotechnik. Organ des Elektrotechnischen Vereins in Wien. XI. Jahrgang (1893). Selbstverlag, Wien 1893, S. 561. – Volltext online.
  4. Volltext online.
  5. Alfred Freiherr von Berger: Prolog zur Eröffnungs-Vorstellung im Raimund-Theater. Steyrermühl, Wien 1893.
  6. Adam Müller-Guttenbrunn: Der suspendierte Theaterdirektor. Rede des Direktors – Gehalten am 24. Februar 1896 in der außerordentlichen General-Versammlung des Raimund-Theater-Vereins in Wien. Zweite Auflage. Meyer, Leipzig 1896.
  7. a b Futter: Lautenburg, Sigmund. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1972, S. 52.
  8. "Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950", 1970, S. 52.
  9. Senta Siller, Carl Otto Czeschka – Leben und Werk, Dissertation 1990, S. 77.
  10. Harald Sterk„Giuditta“ als Festwochenpremiere im Raimundtheater: Lehars unglückliche Liebe zur Oper. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 25. Mai 1969, S. 6, Mitte links.
  11. orf.at: Raimund Theater: Sanierung startet 2019. Artikel vom 7. März 2018, abgerufen am 7. März 2018.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Raimundtheater – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei der Eröffnungsvorstellung waren unter anderem zugegen: k.k. Innenminister Bacquehem, Bürgermeister Prix sowie Statthalter von Niederösterreich Kielmansegg – der beim nachfolgenden Festbankett im Hotel Goldenes Kreuz, Mariahilfer Straße 99, als Ranghöchster das Wort ergriff. — Siehe: Raimund-Theater. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 10515/1893, 29. November 1893, S. 7, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.

Koordinaten: 48° 11′ 32″ N, 16° 20′ 23″ O