Rainer Holbe

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Rainer Holbe (* 10. Februar 1940 in Komotau, Reichsgau Sudetenland) ist ein deutscher Journalist, Autor und Fernsehmoderator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holbe erlernte zunächst den Beruf des Verlagskaufmanns. Er begann dann seine journalistische Karriere bei der Frankfurter Rundschau, wo er bis 1965 Redakteur war.[1] Bekannt wurde er durch seine Arbeiten für Illustrierte, den Hörfunk (Hessischer Rundfunk, Antenne Bayern und Radio Luxemburg) und das Fernsehen (ZDF, RTL und Sat.1).

Rainer Holbe wurde bei einem vom Hessischen Rundfunk veranstalteten Casting als Moderator entdeckt, als für die Sendung Bunter Abend, die vom hr und vom NDR ausgestrahlt wurde, ein Nachfolger für Hans-Joachim Kulenkampff gesucht wurde. Holbe nahm an diesem Quizmasterwettbewerb teil, um später darüber eine Reportage aus Kandidatensicht für die Frankfurter Rundschau zu schreiben.[1] Holbe arbeitete lange auch für den Print-Bereich. Bis 1972 war er Leiter des Frankfurter Büros des Burda-Verlags.[1]

Seine erste Sendereihe war Der verflixte Monat – ein Quiz zum Zeitgeschehen (1968–1972). Seine Show Starparade (1968–1980) gehörte zu den erfolgreichsten Formaten des ZDF. Im Jahr 1987 wurde Holbe mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Holbe moderierte bei RTL die Talkshow Die Woche (1988–1992). Von 1988 bis März 1990 moderierte er das RTL-Frühstücksfernsehen Guten Morgen Deutschland und die Sendereihe Unglaubliche Geschichten (1984–1988), ein Format, das er bei Sat.1 mit Phantastische Phänomene (1992/93) neu auflegte. In beiden Reihen befasste sich Holbe gemeinsam mit dem Parapsychologen Elmar R. Gruber mit angeblich mysteriösen Erlebnissen.

Dem Wechsel von RTL zu Sat.1 waren Antisemitismus-Vorwürfe vorausgegangen, die der Stern gegen Rainer Holbe erhoben hatte.[2] Im März 1990 veröffentlichte Holbe beim Knaur-Verlag in der RTL-Edition ein Buch unter dem Titel Warum passiert mir das?,[3] in dem er Aussagen von mehreren sogenannten „Sensitiven“ darstellte, die ihnen angeblich von Geistwesen aus dem Jenseits diktiert worden waren. Diese Geister hätten ihnen Details aus den früheren Leben prominenter Zeitzeugen erzählt, darunter auch über den 1987 verstorbenen jüdischen Radio- und Fernsehmoderator Hans Rosenthal. Außerdem sei die „Menschheitsentwicklung“ von „den Juden“ durch die Kreuzigung Jesu gestoppt worden. Obwohl Holbe betonte, dabei habe es sich lediglich um Zitate gehandelt und er habe damit „keineswegs“ den Holocaust rechtfertigen wollen, lehnten Kollegen die weitere Zusammenarbeit mit ihm ab, und RTL kündigte Holbe daraufhin fristlos.[4][5] Nach anderen Angaben sei es dagegen zu einer einvernehmlichen Beendigung der Zusammenarbeit mit RTL gekommen; Holbe habe die Moderation des Frühstücksfernsehens niedergelegt.[6] Ende März 1990 kündigte der Knaur-Verlag an, das Buch aus dem Handel zurückzuziehen.[7]

Holbe verfasste über 30 Bücher, vor allem dokumentarische Romane und Sachbücher über Bewusstseinsphänomene.

Er lebte früher in Luxemburg, heute in Frankfurt am Main.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hendrik Leuker: Rainer Holbe: „Das Radio Luxemburg von damals hätte heute keine Chance“ Personality-Porträt über Rainer Holbe (15 Jahre bei Radio Luxemburg). In: Radioszene. 29. Dezember 2011. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  2. Knaur-Verlag zieht Holbe-Buch zurück. In: Hamburger Abendblatt. 28. März 1990. Nr. 74. Seite 18. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  3. Rainer Holbe: Warum passiert mir das? Karma und wie es funktioniert. RTL-Edition. Droemer Knaur. München. 1990. ISBN 3-426-02958-8
  4. dpa/HA: RTL-Moderator Rainer Holbe darf nicht auf Sendung. In: Hamburger Abendblatt. Nr. 71 vom 24. März 1990. Seite 16. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  5. Harry Rowohlt: Pooh’s Corner. Meinungen eines Bären von sehr geringem Verstand. In: Die Zeit. Nr. 17. 20. April 1990.
  6. dpa: Kein Frühstück mehr mit Holbe. In: Hamburger Abendblatt. 5. April 1990. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  7. Hamburger Abendblatt vom 28. März 1990