Rainer Lehmann

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Rainer Lehmann (* 11. April 1959 in Berlin) ist ein deutscher Geograph und Biologe mit Schwerpunkten in Geomorphologie und Geoökologie.

Er ist als Wissenschaftler und Pädagoge an der Schnittstelle zwischen Forschung und schulische Lehre im Bereich Wissenschaftskommunikation tätig. Von 1998 bis 2020 arbeitete er als Oberstufen-Lehrkraft für Geographie und Biologie mit den thematischen Schwerpunkten Polargebiete, Hochgebirge und Mittelmeerraum. Seit Februar 2021 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Europa-Universität Flensburg am interdisziplinären Institut für Umwelt-, Sozial- und Humanwissenschaften, Abteilung Geographie mit überwiegender Tätigkeit in der Lehre im Bereich Physische Geographie und ihre Didaktik (Geomorphologie, Bodenkunde, Klimatologie, Hydrologie).

Wissenschaftlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehmann studierte an der Universität Heidelberg die Fächer Geographie, Geologie und Biologie. Dabei lebte er 1983 in Alaska, im Yukon und den kanadischen Nordwest-Territorien und lernte die Kultur der Einheimischen sowie den subarktischen Lebensraum kennen. Kontakte zu Lorenz King führten ihn 1988 mit wissenschaftlichen Fragestellungen in die kanadische Hocharktis nach Ellesmere Island und Axel Heiberg Island. 1990 war er Mitglied der Spitzbergen-Expedition SPE90.[1]

Für seine Dissertation forschte er von 1989 bis 1993 in Griechenland. Als Schüler von Dietrich Barsch und Hartmut Leser wurde er 1993 an der Universität Basel mit seiner Arbeit „Landschaftsdegradierung, Bodenerosion und -konservierung auf der Kykladeninsel Naxos, Griechenland“ promoviert. Nach drei Jahren Tätigkeit als Gutachter in der Altlastenbranche wechselte er in den Schuldienst und führte zahlreiche Projekte mit wissenschaftlicher Kooperation für Schüler zu den Themen Polargebiete und Klimawandel durch. Als Lehrkraft nahm er 2007 an der geowissenschaftlichen ANDRILL-Expedition in die Antarktis teil.[2]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1980er Jahre arbeitete er am Geographischen Institut der Universität Heidelberg im Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Geomorphologische Detailaufnahme in der Bundesrepublik Deutschland[3] in der Geländeaufnahme und Kartierung der GMK100 Blatt Mannheim mit.[4] Die im Schwerpunktprogramm entwickelte Kartieranleitung und Legende wendet er 1988 während der Kanarktis-2-Expedition[5] auf hocharktische Gebiete an und kartiert die Geomorphologie von Ward Hunt Island (GMK12,5 Ward Hunt Island, kanadische Hocharktis). Weitere Forschungsschwerpunkte waren Stauchmoränen auf Axel Heiberg Island und Ellesmere Island sowie auf Spitzbergen. Zudem wurden auch geoökologische Fragestellungen an Vogelkliffen verfolgt. In der Altlastenbranche war Lehmann Sachbearbeiter für Historische Erhebungen altlastverdächtiger Flächen sowie Projektleiter für Technische Altlastenerkundungen und multitemporale Karten- und Luftbildauswertungen.

Ab 1998 kam die pädagogische Arbeit in einer allgemeinbildenden Schule in den Fächern Geographie und Biologie dazu. Mehrere außerschulische, geoökologische Projekte mit 12. Klassen liefen insgesamt 16 Jahre im Themenbereich Gewässermonitoring, Gewässergütebestimmung und Renaturierung. Diese Projekte führten Schüler in wissenschaftliche Fragestellungen und Arbeitsmethoden, die graphische Umsetzung der Ergebnisse sowie deren Interpretation ein. Lehmann initiierte 2006 das innovative Projekt Coole Klassen, das ihn im Internationalen Polarjahr (IPY) 2007/08 wieder mit der Polarforschung auf nationaler und internationaler Ebene kooperieren ließ. Als Polarlehrer des ANDRILL-Projekts (Antarctic Geologic Drilling Project) 2007 in McMurdo-Station, Antarktika, arbeitete er in den Arbeitsgruppen Sedimentologie, Biostratigraphie und XRF-core scanning und publizierte dazu Unterrichtsmaterial. Aus dem bundesweiten Projekt „Coole Klassen“ entwickelte sich 2008 der Arbeitskreis Polarlehrer[6] der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung, den Lehmann seitdem koordiniert.[7] Seit der Gründung der internationalen Polarlehrer-Vereinigung Polar Educators International (PEI)[8] 2013 engagiert er sich im Beirat und organisiert 2015 den internationalen Workshop Education meets science – Bringing Polar Research into the Classrooms in Deutschland.[9]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit M. Kallfelz: Die Polarlehrer – Coole Klassen an den Polen der Erde. In: Biologie in unserer Zeit. Band 49, Nr. 4, 2019, S. 277–281, doi:10.1002/biuz.201910682.
  • mit K. Pound, L. Huffman, J. Hubbard, M. Cattadori, L. Dahlman, J. Dooley, R. Frisch-Gleason, B. Trummel: ANDRILL ARISE: A model for team-based field research immersion for educators. In: Polar Record. Band. 55, Nr. 4, 2019. S. 251–273, doi:10.1017/S0032247419000056.
  • mit M. Kallfelz: Kieselalgen im Dienst der Klimaforschung. In: Biologie 5–10. Nr. 12, 2015, S. 28–31 (mit Materialpaket).
  • mit I. May: Polargebiete (= Themenhefte Erdkunde: Landschaftszonen der Erde entdecken.) Verlag an der Ruhr, 2013, ISBN 978-3-8346-2403-1.
  • Geoecological investigation of a small creek: An interdisciplinary project of the 12th grade. In: Geoscience Education:Understanding System Earth (= Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften. Heft 48). 2006, S. 48 (archiv.ipn.uni-kiel.de, PDF), abgerufen am 25. Juli 2020.
  • Physische Geographie und Geowissenschaften an Waldorfschulen: Das Curriculum und seine Modifizierung im fachübergreifenden Unterricht. In: F. Jacobs, H.-G. Röhling O. Uhlmann (Hrsg.): GeoLeipzig 2004, Geowissenschaften sichern die Zukunft (= Schriftenreihe der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Heft 34). 2004, S. 238–239.
  • Landschaftsdegradierung, Bodenerosion und -konservierung auf der Kykladeninsel Naxos, Griechenland. In: Basler Beiträge zur Physiogeographie: Physiogeographica. Band 21, 1994.
  • The Significance of Permafrost in the Formation and Appearance of Push Moraines. In: Proceedings of the VI International Conference on Permafrost, Beijing, China. Vol. 1, 1993, S. 374–379.
  • Terrace Degradation and Soil Erosion on Naxos Island, Greece. In: S. Wicherek (Hrsg.): Farm Land Erosion In Temperate Plains Environments and Hills. 1993, S. 429–450.
  • Arctic push moraines, a case study of the Thompson Glacier Moraine, Axel Heiberg Island, N.W.T., Canada. In: Zeitschrift für Geomorphologie N.F. Supplement-Band 86, 1992, S. 161–171.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hartmut Leser, Stephan Reber, Armin Rempfler: Geoökologische Forschungen in Nordwest-Spitzbergen. Erster Bericht über das Teilprojekt Geoökologie der Geowissenschaftlichen Spitzbergen-Expedition 1990 (SPE '90) zum Liefdefjorden. In: Die Erde; Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Januar 1990, ISSN 0013-9998, S. 255–268 (Online-Zugang [abgerufen am 10. August 2020]).
  2. Andrill - Southern McMurdo Sound Project. Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, abgerufen am 10. August 2020.
  3. Gerhard Stäblein (Hrsg.): Geomorphologische Detailaufnahme (= Berliner geographische Abhandlungen. Band 30). Institut für Geographische Wissenschaften der Freien Universität Berlin, Berlin 1978, ISBN 3-88009-029-7, doi:10.23689/fidgeo-2860 (Online [abgerufen am 10. August 2020] GMK-Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft).
  4. http://web.giub.uni-bonn.de:7434/gmk.digital/home.htm Karte GMK100, Blatt Mannheim
  5. Lorenz King et al.: Expedition zur Ward Hunt Insel (Das Orbitex Arctic Ocean Research Project). In: R. C. Bachmann (Hrsg.): The Best of Switzerland. Orbitex, Zürich 1989, S. 331–346.
  6. Rainer Lehmann, Emily Rudolph: Polar Educators Germany. In: ECO Magazine Polar Special Issue. 2020, S. 124–125 (englisch, Online-Zugang [abgerufen am 4. Februar 2021]).
  7. Arbeitskreis Polarlehrer. Deutsche Gesellschaft für Polarforschung, abgerufen am 4. Februar 2021.
  8. Polar Educators International. Abgerufen am 4. Februar 2021 (englisch).
  9. Hannover 2015. Polar Educators International, 2015, abgerufen am 4. Februar 2021 (englisch, Internationaler Workshop „Education meets science“).