Rainer Maria Gerhardt

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Rainer Maria Gerhardt (* 9. Februar 1927 in Karlsruhe; † 27. Juli 1954 in Karlsruhe ) war ein deutscher Schriftsteller, Verleger und Übersetzer.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Rainer Maria Gerhardt besuchte die Volksschule und begann 1941 eine Ausbildung bei einer Lebensversicherung in Karlsruhe. 1942 verlor er durch einen Bombenangriff seine Wohnung und beendete seine Lehre in Wien, wo er bei einem Onkel, dem Komponisten Hans Erich Apostel wohnte. Dort kam er mit moderner Literatur und Musik in Berührung.

1947 besuchte er als Gasthörer Philosophievorlesungen an der Universität Freiburg und versuchte, Anschluss an die aktuelle amerikanische Lyrik (Ezra Pound, William Carlos Williams, Charles Olson und Robert Creeley) zu finden. In seinem Verlag fragmente publizierte er neben Titeln von Ezra Pound, Claire Goll und Claus Bremer auch eigene Bücher, in der von ihm edierten Zeitschrift fragmente standen Texte von Ezra Pound, William Carlos Williams, Basil Bunting, T.S. Eliot, Robert Creeley, Aimé Césaire, Henry Miller, die er gemeinsam mit seiner Frau Renate zum Teil zum ersten Mal ins Deutsche übertrug. Die zweite Ausgabe seiner Zeitschrift enthielt eine Beilage, in der er seine poetologischen Gedanken versammelte, Gottfried Benn vehement angriff und sich auf Arno Schmidt, James Joyce und Paul Klee berief. Seine Überlegungen waren von großem Einfluss auf Charles Olson, der sich von Gerhardt zu seinen Überlegungen zum Raum (SPACE) und zum Atem in der modernen Lyrik anregen ließ.

In Deutschland fand Gerhardt Anerkennung bei Ernst Robert Curtius, Alfred Andersch und Hans Magnus Enzensberger, international bei Autoren wie William Carlos Williams in Amerika, André Breton und Max Ernst in Frankreich oder Jean Arp in der Schweiz. Gerhardt scheiterte an der fehlenden breiten Anerkennung, die ihn, finanziell ruiniert und literarisch isoliert, 1954 in den Selbstmord trieb. Seine Frau Renate Gerhardt, die nach seinem Tod weiterhin als Übersetzerin renommierter Autoren tätig war, versuchte, mit dem Gerhardt Verlag an die frühere Arbeit anzuknüpfen. Beispielsweise übersetzte sie Virginia Woolfs feministischen Essay A Room of One’s Own aus dem Jahr 1929 erstmals ins Deutsche, gab ihm den Titel Ein Zimmer für sich allein und veröffentlichte ihn 1978 im eigenen Verlag.[1]

Die Sammlung Umkreisung erschien zu Gerhardts 80. Geburtstag im Februar 2007 und wurde in der Berliner Akademie der Künste der Öffentlichkeit vorgestellt.

Einzeltitel[Bearbeiten]

  • Umkreisung. Das Gesamtwerk, hg. von Uwe Pörksen, Wallstein Verlag, Göttingen 2007
  • der tod des hamlet, Freiburg 1950
  • umkreisung, Karlsruhe 1952

Anthologien und Literaturzeitschriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hans Bender (Hg.), Widerspiel. Deutsche Lyrik seit 1945, Hanser Verlag, München 1962
  • FRAGMENTE. blätter für freunde. [2] Ausgaben 1 – 6, Freiburg o. J.
  • fragmente. internationale revue für moderne dichtung, Ausgaben 1 und 2, Freiburg 1951
  • Akzente, 3. Ausgabe, München 1956

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietmar Noering u.a., Von Heiligen und Menschen. In: Der Haide-Anzeiger. Mitteilungen zu Arno Schmidt. Heft 17. Frankfurt am Main: Bangert & Metzler 1987, S. 10-12.
  • Stefan Hyner und Helmut Salzinger (Hg.), »Leben wir eben ein wenig weiter«. Über das Nachleben des Dichters Rainer Maria Gerhardt, HEAD FARM, Odisheim 1988. Enthält Reprint: Helmut Salzinger und Peer Schröder: Rainer M. Gerhardt und die Zeitschrift 'fragmente', Falk. Loose Blätter für alles Mögliche, Ausgabe 9, Odisheim, Oktober 1984
  • Franz Josef Knape, »... zugeritten in manchen Sprachen ...«. Über Werk und Wirkung des Dichters und Vermittlers Rainer Maria Gerhardt, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1995.
  • Uwe Pörksen, Wenn einer dafür lebt was Dichtung ist. Rainer Maria Gerhardts Fragmente, Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2002.
  • Uwe Pörksen in Zusammenarbeit mit Franz Josef Knape und Young-Mi Quester (Hg.): Rainer Maria Gerhardt, Umkreisung. Das Gesamtwerk. Wallstein Verlag, Göttingen 2007.
  • Georg Patzer: "... hier noch unbekannt...". Rainer Maria Gerhardt in Karlsruhe. Deutsches Literaturarchiv, Marbach 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe d-nb.info
  2. "Die unpaginierten Hefte erschienen im heutigen Din A 5-Querformat mit dem Titelzusatz "gesammelt von r. m. gerhardt. freiburg, stadtstrasse 7. als manuskript vervielfältigt". Jede Ausgabe schloss der Herausgeber mit dem Hinweis: "LIEBE FREUNDE, leider können wir nicht mehr den freundlichen austausch von manuskripten weiterführen. Der langsam grösser gewordene kreis ist uns über den kopf gewachsen und wir können beim besten willen nicht mehr so viele abschriften anfertigen [...] Gebt, liebe freunde, die blätter (Heft 6: versuche) weiter, damit alle diejenigen sie in die hände bekommen, die interessiert sind oder es sein könnten [...]" – Sammlung: Peer Schröder.