Raketenpanzerbüchse 54

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Panzerfaust (oben) und Panzerschreck (unten)
Panzerfaust (oben) und Panzerschreck (unten)

Die Raketenpanzerbüchse 54 oder dienstlich kurz RPzB 54 genannt, umgangssprachlich Panzerschreck war eine wiederverwendbare Panzerabwehrwaffe der Kaliber 88 mm und 100 mm, die während des Zweiten Weltkriegs auf deutscher Seite zum Einsatz kam.

Der Panzerschreck wird gelegentlich irrtümlich mit der deutlich bekannteren Panzerfaust verwechselt, die jedoch nur einmalig verwendbar ist und nicht über ein Schutzblech mit Sichtblende verfügt.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 besaß die deutsche Wehrmacht lediglich Panzerbüchsen 39 des Kalibers 7,92 mm, die jedoch mangelhafte Leistungen gegen gepanzerte Fahrzeuge aufwiesen.

Die Wehrmacht erbeutete die ersten amerikanischem Bazookas an der Ostfront. Diese wurden der alliierten Sowjetunion von den USA bereitgestellt.[1] Das geschah noch vor der amerikanisch-deutschen Konfrontation im Tunesienfeldzug. Manchmal wird jedoch fälschlicherweise berichtet, die Wehrmacht hätte die Bazooka erst in Tunesien erbeutet.[2]

In Deutschland erkannte man das Potential der Waffe. Von der Bazooka ausgehend wurde nun eine eigene Waffe entwickelt. Das Kaliber wurde von 60 mm auf 88 mm vergrößert und ein Schutzschild auf dem Rohr angebracht. Mit dem größeren Kaliber konnte der Großteil der sowjetischen Panzermaschinerie bekämpft werden. Im Vergleich zum amerikanischen Vorbild wog das Geschoss des Panzerschreck mehr als das Doppelte, die effektive Reichweite war vergleichbar. Die Entwicklung dauerte mehr als ein Jahr, bevor die Waffe im Frühjahr 1944 an die Truppe ausgeliefert wurde.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges hin wurden im Zuge des von Goebbels ausgerufenen „totalen Krieges“ Teile der Panzerschreck in den Herzogenauracher Fabriken der Schuhfabrikanten Adolf und Rudolf Dassler montiert, die nach dem Krieg die Firmen Adidas und Puma gründeten.[3]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Panzerfaust (hellgrün) und ein Panzerschreck-Geschoss (dunkelgrün/braun)

Anders als die Panzerfaust und die Bazooka war der Panzerschreck eine reine Raketenwaffe, bei welcher der Vortrieb durch den Treibsatz während des Fluges erfolgt statt nur beim Abschuss. Der Gefechtskopf beruht auf dem Prinzip der Hohlladung. Dabei formt und verdichtet die Explosion einen Penetrationskörper aus Metall, der aufgrund seiner starken Beschleunigung die Panzerung durchschlägt. Die Rakete besitzt das Kaliber des Laufs, die Zündung erfolgt durch einen vorgelagerten Zünder.

Wegen des heißen Abgasstrahls des Raketenmotors erforderten die ersten Versionen für den Schützen einen feuerfesten Poncho und eine Gasmaske, um ihn vor Verbrennungen zu schützen. Dies wurde bei späteren Modellen durch einen am vorderen Ende montierten Schutzschild überflüssig. Die Waffe erhielt aufgrund der Rauchentwicklung beim Schuss und ihres Aussehens bei der Truppe den Spitznamen „Ofenrohr“.

Die Reichweite der Raketenpanzerbüchse war größer als die der Panzerfaust, sodass Feindpanzer nicht mehr aus nächster Nähe bekämpft werden mussten. Im Gegensatz zur Panzerfaust, die ein Einmal-Gerät war, konnte die Raketenpanzerbüchse nachgeladen werden.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Soldaten mit Panzerschreck bei Narva

Die Panzerschreck wurde erstmals im Frühjahr 1944 der Truppe übergeben; bis zum Ende des Krieges wurden 314.895 Raketenpanzerbüchsen und 2.218.400 Geschosse produziert. Sie wurde hauptsächlich gegen Panzer wie Sherman oder T-34 eingesetzt und erzielte bei diesen Fahrzeugen gute Wirkung, da deren Panzerungen problemlos durchschlagen werden konnten. Die Geschosse wurden aber auch bei Häuserkämpfen eingesetzt, um etwa Häuserwände zu durchschlagen.

Während die gewöhnliche Panzerfaust im Prinzip an jeden Soldaten, Hitlerjungen oder Volkssturmmann verteilt wurde, war der Panzerschreck als Waffe für ausgebildete Soldaten entwickelt worden. Im Einsatz sollten immer zwei Mann die Raketenpanzerbüchse bedienen, wobei ein Soldat die Waffe führte, während der zweite diese von hinten mit Munition bestückte.

Als Nachteil erwies sich, dass nach dem Abschuss eine gut sichtbare Rauchwolke entstand, die dem Gegner oftmals die Position des Trupps verriet. Die für die Rauchentwicklung verantwortlichen heißen und giftigen Gase traten dabei auch nach hinten aus und machten ihren Einsatz in Gebäuden, Unterständen oder Bunkern unmöglich.

Weiterentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine an Flugzeugen montierte Version des Panzerschrecks war das Panzer-Büchsenrohr 8,8 cm, das für den Einsatz als Außenlast unter die Flügelstation einer Focke-Wulf Fw 190 umkonstruiert wurde.

Die Panzerschreck 54/100 mm war eine Spezialanfertigung, die eine noch höhere Durchschlagskraft als die 88-mm-Version aufwies; sie wurde aber nur in relativ geringer Stückzahl produziert, da die Produktionskosten höher waren.

Basierend auf dem Panzerschreck entwickelte die belgische Firma Mecar SA nach dem Zweiten Weltkrieg die RL-83 Blindicide.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngrößen Daten
Hersteller Enzinger Union, HASAG, Jäckel
Stückpreis 70 RM
Kaliber 88 mm und 100 mm (Spezialversion)
Gesamtgewicht 9,5 kg und 11 kg mit Schutzschild
Länge 1,64 m
Mündungsgeschwindigkeit 130 m/s
Reichweite 100–200 m
Gewicht der Granate 2,4–3,3 kg
Durchschlagsleistung 150–220 mm/90°

Museale Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien ist im Saal Republik und Diktatur ein Panzerschreck im Kontext der Schlacht um Wien ausgestellt.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Raketenpanzerbüchse 54 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lida Mayo: The Ordnance Department: On Beachhead and Battlefront. United States Army Center of Military History, Washington D. C., 1968, S. 31 [1]
  2. Gordon L. Rottman: The Bazooka. Osprey Publishing, 2012, ISBN 978-1-84908-801-5. S. 37
  3. Spiegel – Panzerschreck im Schuhimperium
  4. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000, S. 82.