Raketenrucksack

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Schematische Darstellung eines Bell Textron Jet Packs
Patentzeichnung. 1 – Dampfgenerator, 2 – Heißdampfrohr, 3 – Düse, 4 – Treibstoffventil, 5 – Steuerhebel, 6 – Wasserstoffperoxidvorrat, 7 – Stickstoffvorrat, 8 – Tragerahmen, 9 – Schwenkgelenk, 10 – Beingurt
Eugene Shoemaker mit einem Bell Rocket Belt

Ein Raketenrucksack (auch Jet-Pack oder Jetpack) ist eine auf dem Rückstoßprinzip (meist heißer Verbrennungsgase) basierende, tragbare Antriebseinheit, mit der sich eine einzelne Person frei in der Luft (oder im Weltall) bewegen kann. Der Begriff Jet-Pack ist eine Ableitung des englischen Wortes für Rucksack (Backpack) in Anspielung auf die Tragweise des Gerätes.

Bekannte Exemplare[Bearbeiten]

JetPack International[Bearbeiten]

Seit der Gründung des Unternehmens JetPack International 2003 wurden über zweitausend erfolgreiche Flüge absolviert. Zurzeit werden drei verschiedene Modelle mit einer Flugzeit von 33 bis 43 Sekunden (zwei Wasserstoffperoxid-Versionen für Schauzwecke) und bis zu neun Minuten (eine Version mit Turbinen) angeboten.

Bell Textron Jet-Pack[Bearbeiten]

Anfang der 1960er-Jahre entwickelte die amerikanische Bell Textron für die US-Army ein Jet-Pack, das als Rocket-Belt bezeichnet wurde. Dieses Jet-Pack verfügte über einen Düsenantrieb, der mit überhitztem Wasserdampf arbeitete. Ein Druckzylinder enthielt Stickstoffgas, mit dem hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid aus zwei weiteren Zylindern auf einen Katalysator gedrückt wurde; unter starker Wärmeentwicklung zersetzte sich dort das Wasserstoffperoxid zu einem Gemisch aus Wasserdampf und Sauerstoff mit einer Temperatur von ca. 740 °C. Dieser überhitzte Dampf wurde durch zwei isolierte, gekrümmte Leitungen zu den Düsen geführt und lieferte dort den Rückstoß. Zum Schutz vor Verbrühungen durch den austretenden heißen Wasserdampf musste der Pilot isolierende Kleidung tragen.

Ein solcher Rocket-Belt wurde bereits im James-Bond-Film Feuerball von 1965 verwendet. Ebenso wurde dieses Jet-Pack in der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Los Angeles (1984) vorgeführt. Es konnte eine einzelne Person über neun Meter große Hindernisse tragen und erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 11 bis 16 km/h. Allerdings war seine Flugzeit auf 20 Sekunden beschränkt. Eine spätere Weiterentwicklung aus den Jahren 1995–2000 konnte die Flugzeit auf nicht mehr als 30 Sekunden verbessern.

Neben der äußerst beschränkten Betriebsdauer blieb diesem Jet-Pack auch jegliche praktische Relevanz aufgrund der Tatsache verwehrt, dass sein Pilot bei einem Defekt des Antriebs über keinerlei Möglichkeit verfügte, kontrolliert zu landen (Fallschirme sind in den geringen Höhen, die mit einem solchen Jet-Pack erreicht werden, nutzlos). Dies stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar und unterscheidet das Jet-Pack von Flugzeugen und Hubschraubern, die auch ohne eigenen Antrieb durch Segelflug oder Autorotation noch sicher zu landen vermögen.

Williams Research[Bearbeiten]

1970 wurde Williams International von Bell Textron eine Lizenz vergeben, den Rocket-Belt herzustellen und zu verkaufen. Später entwickelte Williams eine verbesserte Version, die im Unterschied zu anderen Exemplaren keine Rakete sondern eine Turbine als Antrieb verwendete. Dadurch konnte die Flugdauer auf etwa 30 Sekunden erhöht werden. Die Entwicklung wurde allerdings nicht weiterverfolgt, weil das Gerät weniger kosteneffizient als ein Hubschrauber war und einen geübten, speziell ausgebildeten Piloten brauchte.

Jetlev[Bearbeiten]

Das Jetlev Jetpack ist ein Raketenrucksack, der einen Rückstoß mit Hilfe von Wasser erzeugt. Dazu zieht das Gerät ein Boot hinter sich her, das per Schlauch mit ihm verbunden ist und stetig Wasser nach oben pumpt. Der Jetlev wurde 2000 von dem Kanadier Raymond Li erfunden und ist als einziges Jetpack kommerziell erhältlich.[1]

Weltraum-Raketenrucksäcke[Bearbeiten]

Manned Maneuvering Unit (MMU)[Bearbeiten]

Astronaut Bruce McCandless beim Gebrauch einer MMU

Sein Einsatzgebiet ist das Weltall, wo es vom Space-Shuttle aus operieren kann und einem Astronauten ermöglicht, sich in begrenztem Maße unabhängig von diesem zu bewegen.

Die Steuermomente am MMU werden von Stickstoffgas erzeugt, das unter hohem Druck steht und durch Düsen austritt (insgesamt hat das MMU vierundzwanzig Düsen).

Nur eine Umgebung wie das Weltall, in der die Astronauten der Schwerelosigkeit unterliegen, ermöglicht einen effektiven Einsatz dieser Technik, da in dieser Umgebung die Notwendigkeit entfällt, ständig Schub aufzubringen, um den Auftrieb zu gewährleisten. Im All steht also der gesamte Treibstoff für die eigentliche Steuerung des Gerätes zur Verfügung, während unter dem Einfluss der Schwerkraft der mit Abstand größte Teil der Energie für den Auftrieb aufgewendet werden muss.

Die MMU wurde seit 1984 bislang in drei Shuttlemissionen eingesetzt (STS-41-B, STS-41-C und STS-51-A).

Simplified Aid for EVA Rescue (SAFER)[Bearbeiten]

Astronaut Mark Lee schwebt mit Hilfe des SAFER-Systems frei im All

SAFER ist eine vereinfachte Form des MMU-Geräts. Es wird als Rettungssystem bei Außenbordeinsätzen am Space Shuttle oder an der internationalen Raumstation verwendet, falls die Sicherungsleine des Raumfahrers versagen sollte.

SPK (Sredstvo peredvizheniya kosmonavta)[Bearbeiten]

Das SPK war das sowjetische Gegenstück zum MMU. Es wurde im Freiflug an der Raumstation Mir getestet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Raketenrucksack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jetlev, abgerufen am 27. April 2012