Ralph T. Niemeyer

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Ralph Thomas Niemeyer[1] (* 9. Oktober 1969 in Berlin) ist ein deutscher Autor, Journalist, Filmproduzent und Unternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niemeyer wuchs in Bonn-Bad Godesberg als Sohn eines Ministerialbeamten auf.[2] 1983 bekam er eine erste Stelle als Produktionsassistent für den Spielfilm Frühlingssinfonie und arbeitete danach als Assistent für diverse andere Spielfilme, parallel veröffentlichte er einige Bücher, die zunächst unpolitisch und narrativ waren, aber später zunehmend linkspolitische Inhalte thematisierten. In den 1990ern begann er, teils bezuschusst von der Bundestagsfraktion Die Linke und deren parteinaher Rosa-Luxemburg-Stiftung eigene Dokumentarfilme[3] zu produzieren, so drehte er Dokumentarfilme über Michail Gorbatschow (1991) und Nelson Mandela (1994). Im Mai 1996 wurde Niemeyer vom Landgericht Köln wegen Betruges in 46 Fällen zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die Strafe wurde später zur Bewährung ausgesetzt und ein fünfjähriges Berufsverbot als Finanzberater ausgesprochen.[4][5] Nach den gescheiterten Versuchen als Finanzberater fokussierte er sich auf das Filmgeschäft und die Produktion von Dokumentar- und Spielfilmen mit vorzugsweise linkspolitischen Inhalten.

Bei dem 2011 fertiggestellten Spielfilm The Consul of Bordeaux über das Leben des portugiesischen Generalkonsuls Aristides de Sousa Mendes, der 30.000 Menschen, darunter 10.000 Juden, das Leben rettete, fungierte Niemeyer als einer der ausführenden Produzenten. Zum Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Fukushima produzierte Niemeyer gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten und energiepolitischen Sprecherin der Linken, Dorothée Menzner, den Dokumentarfilm Hibakusha, der die Folgen von Verstrahlungen thematisiert und sich mit der Frage nach einem Atomausstieg in Japan befasst.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niemeyer war ursprünglich Mitglied der SPD, trat aber wegen deren Kurs unter den Vorsitzenden Engholm und Lafontaine aus. Im Januar 2011 wurde er Mitglied der Partei Die Linke, zunächst im Kreisverband Heidelberg-Rhein-Neckar in Baden-Württemberg, ab Juni 2012 in Niedersachsen.[6] Am 7. Mai 2013 wurde Ralph T. Niemeyer als Direktkandidat für den 18. Deutschen Bundestag im Wahlkreis 26 (Wittmund, Friesland, Wilhelmshaven) aufgestellt.[7] Er vertrat die Partei Die Linke auch auf der Landesliste.

Im März 2017 wurde Niemeyer, nachdem er aus der Linken ausgetreten und in Baden-Württemberg wieder als Mitglied der SPD aufgenommen worden war, auf dem Landesparteitag in Schwäbisch Gmünd auf den aussichtslosen Platz 39 der Landesliste für die Bundestagswahl 2017 gewählt, ohne einen Wahlkreis für eine Direktkandidatur gehabt zu haben.[8]

Niemeyer ist seit 2011 Mitglied der Kleinpartei Basisdemokratische Partei Deutschland.[9] Für diese Partei kandidierte er auch bei der Bundestagswahl auf der Landesliste Bayern.[10] Im Rahmen der Proteste gegen Schutzmaßnahmen zur COVID-19-Pandemie trat er mehrfach bei Kundgebungen als Redner auf, darunter auch bei der Großdemonstration am 29. August 2020 in Berlin[11] und in München am 14. Dezember 2021[12]. Auf dieser Demonstration forderte er einen Schulterschluss zwischen Links und Rechts.

Laut correctiv und dpa-factchecking, vertritt Niemeyer typische Reichsbürger-Positionen, wie die Falschaussage, dass Deutschland kein souveräner Staat sei[13] und keine Verfassung besäße.[14]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niemeyer war von 1997[15] bis 2013 mit der deutschen Politikerin Sahra Wagenknecht verheiratet. Aus anderen Beziehungen hat er drei Söhne und eine Tochter.[16]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Empty Words – some sort of poetry. 1989
  • Wolken zum Frühstück. R G Fischer Verlag, Frankfurt 1990
  • Das Märchen von 'Stiller Fluß' – vom Geheimnis des nächsten Jahrtausends. 1991
  • Kommunisten schnarchen nicht. 1992
  • Als in China das erste Mal ein Sack Reis umfiel. 1995
  • The Verdict – when a state is hijacked. 2002
  • Waiting for the new Führer. 2003
  • Under Attack – Morning Dawn in Venezuela. Verlag iUniverse, 2004, ISBN 0-595-30837-6
  • All the Ice of Africa. 2005
  • The Daughters of the Fisherman of Rio Chico. 2006
  • De-Mock-Crazy – the Information Age is over! 2007
  • To Excel/Kaleidoscope Sof. Hardcore Europe Verlag, 2008, ISBN 978-0-595-49205-3
  • The Shadow Commission: News from the Land Without Opposition. Verlag Iuniverse Star, 2008, ISBN 978-1-4401-0226-4
  • If the World was a bank it had been rescued. 2009
  • Germany after Capitalism – The Wagenknecht-Doctrine. 2012, ISBN 978-1-4697-6516-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anja Maier: In aller Freundschaft. In: die tageszeitung, 12. Juni 2013. Abgerufen am 13. Juni 2013.
  2. Anja Maier: Der Ex von Sahra Wagenknecht: Der rote Ralph. In: Die Tageszeitung: taz. 13. Juni 2013, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. Oktober 2020]).
  3. Vetternwirtschaft: Eine ziemlich linke Nummer in der Linkspartei. Die Welt vom 8. September 2013.
  4. Betrugsverdacht: Ermittlungen gegen Sahra Wagenknechts Ehemann. In: Der Spiegel, 19. Dezember 2001. Abgerufen am 27. August 2012.
  5. Anja Maier: Der Ex von Sahra Wagenknecht. Der rote Ralph. In: die tageszeitung, 13. Juni 2013. Abgerufen am 13. Juni 2013.
  6. Zur Person – Ralph Niemeyer für ein rotes Land (Memento vom 11. September 2013 im Internet Archive), abgerufen am 8. September 2013
  7. Die Linke. Wilhelmshaven: Aktuell. Abgerufen am 8. September 2013.
  8. Andreas Müller: Arglos kürt die SPD schillernden Kandidaten. In: Stuttgarter Zeitung, 15. März 2017, abgerufen am 16. März 2017.
  9. Susanne Beyer, Timo Lehmann, Ann-Katrin Müller: Heldin der Ungeimpften. In: Der Spiegel, 46/2021 (13. November 2021), S. 28–30, hier S. 30.
  10. Landeslisten im Freistaat Bayern zur Wahl des 20. Deutschen Bundestags am 26. September 2021, abgerufen am 25. April 2022
  11. Berlins Innensenator spricht von heftigen Auseinandersetzungen, in Die Zeit 29. August 2020, abgerufen am 9. Mai 2022
  12. 3700 Menschen bei Corona-Demo - Hunderte zogen Richtung Innenstadt, Süddeutsche Zeitung 16. Dezember 2021, abgerufen am 25. April 2022
  13. Stationierte Soldaten machen aus Deutschland kein besetztes Land, dpa-factchecking, 26. April 2022, abgerufen am 9. Mai 2022
  14. Alina Lipp: Wie eine 28-Jährige zum Sprachrohr russischer Propaganda wurde, correctiv, 8. April 2022, abgerufen am 9. Mai 2022
  15. Sahra Wagenknecht. Indiskretes vom Gatten aus Irland. In: Spiegel Online, 31. Januar 2010, abgerufen am 5. Juni 2011
  16. Martin Lutz, Uwe Müller: Eine ziemlich linke Nummer in der Linkspartei. In: Die Welt, 8. September 2013. Abgerufen am 8. September 2013.