Ralph Tegtmeier

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Ralph Tegtmeier (geboren am 1. November 1952 in Kairo, Ägypten), auch bekannt unter seinen Pseudonymen Frater V∴D∴, (lat. Vbique Daemon / Vbique Devs = „Der Dämon und Gott sind in allem“) und E. R. Carmin, ist ein esoterischer Schriftsteller.[1] Er war Mitglied der Loge Fraternitas Saturni, die er seit den 1980er Jahren mit geprägt hat, und einer der Gründer der deutschen Sektion der Illuminaten von Thanateros.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tegtmeier studierte eigenen Angaben zufolge Literaturwissenschaft. Von 1979 bis 1981 unterhielt er in Bonn einen Buchladen für okkulte Literatur.

Neubildung der Fraternitas Saturni und der Illuminaten von Thanateros[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den frühen 1980er Jahren initiierte Tegtmeier eine Neubildung der okkulten Vereinigung Fraternitas Saturni (FS) mithilfe einiger FS-Mitglieder niederen Grades, die noch den alten Namen FS führten. Dazu wurden bisherige ideologische Versatzstücke der FS mit der sogenannten Chaosmagie vermischt. Diesen Synkretismus diverser magischer Lehren und Praktiken griff das Führungsmitglied des Temple of Set, Stephen Flowers, auf und verarbeitete das Material in seinem 1990 auch auf deutsch erschienenen Buch Fire and Ice,[2] das der heutigen FS als Ideen-Steinbruch dient.[3] Tegtmeier ist seit dem 15. März 1984 Mitglied der FS, nahm den Ordensnamen Scorpio an und absolvierte bereits zwei Monate nach seiner Aufnahme den 12° (einen Meistergrad). Nach Unstimmigkeiten mit den beiden Altmeistern Herbert Fink und Benz trat Benz zurück. Der ihn ersetzende Großmeister Babacan hielt Tegtmeier für unerträglich und veranlasste seine Verbannung aus der Loge.[4] Tegtmeier leistete gegen seinen Rauswurf erfolgreich Widerstand und versuchte daraufhin die Fraternitas Saturni aufzulösen, was misslang.[5] Gemäß dem „Lexikon des Geheimwissens“ begründete und propagierte er die „Pragmatische Magie“.[6]

Tegtmeier war 1978 Mitbegründer der Illuminaten von Thanateros, für die er eine Übersetzung von Peter J. Carrolls Liber Null anfertigte. 1996 gründete das Ehepaar Frankl-Rietti mit Unterstützung Tegtmeiers das O.T.O.-Derivat OTO-Foundation.[7]

Verlagstätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er gründete den Verlag Ralph Tegtmeier und den Verlag Edition Magus, über die er Bücher, mitunter pseudonym, publizierte. In der Edition Magus erschienen u. a. Bücher über Magie, Satanismus und Hexenwesen.[8] 1994 verlegte er im Verlag Ralph Tegtmeier das 900 Seiten starke Buch Das schwarze Reich. Geheimgesellschaften und Politik im 20. Jahrhundert, das unter dem Pseudonym E. R. Carmin erschien. E. R. Carmin beschäftigt sich mit NS-Esoterik und stützt sein Werk auf seriöse und rechtsextremistische Autoren, deren Ergebnisse er – geschickt mit Esoterik gespickt – zu einem einheitlichen magischen irrationalen Weltbild gemischt habe. Dabei habe er, wie andere rechtsextreme Autoren, die Protokolle der Weisen von Zion als „glaubwürdige Quelle“ herangezogen und die These zweier verfeindeter jüdischer Volksgruppen entwickelt, von denen eine den Antisemitismus erfunden habe, um die andere zu bekämpfen.[9][10]

Tegtmeier gab die Zeitschrift Anubis heraus, die mit dem Untertitel „Zeitschrift für praktische Magie und Psychonautik“ erschien. Er arbeitete außerdem als Übersetzer für den Bastei-Verlag, für den er zahlreiche Übersetzungen von Science-Fiction- und Fantasy-Literatur anfertigte. Unter anderem war er Übersetzer der Fantasy-Autoren Piers Anthony, Alan Dean Foster und Robert Asprin. 1997 gewann er für die Übersetzung von Ian McDonalds Roman Schere schneidet Papier wickelt Stein den Kurd-Laßwitz-Preis.

Er wohnt heute in Belgien und hat weitere Firmen angemeldet, die sich u. a. mit Seminarorganisation und Internetsoftware beschäftigen.[11]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historiker Marco Pasi beschreibt Tegtmeier als prominente Persönlichkeit in deutschen, okkultistischen und von Aleister Crowley geprägten Kreisen. Tegtmeiers Crowley-Monographie erwähnt Pasi als für sich genommen interessant, da sie sich mit Crowleys Einflussnahmeversuchen auf die Politik beschäftige und einen sachlichen Versuch darstelle, Crowley in den Kontext seiner Epoche zu stellen, dem Wandel der spätviktorianischen Gesellschaft in die edwardsche Gesellschaft.[12]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ralph Tegtmeier

  • Okkultismus und Erotik in der Literatur des Fin de siècle. Edition Magus, Königswinter 1983
  • Der heilende Regenbogen: Sinnvolle Spiele, Experimente und Meditationen zum kreativen Umgang mit den geheimnisvollen Energien von Klang, Farbe und Licht. Edition Schangrila, Haldenwang 1985, ISBN 3-924624-14-3
  • Evolutions-Training: Die Methode zur Erschließung der Kraftzentren d. Unterbewußtseins. Durch Trance-Reisen in die eigene Entwicklungsgeschichte. Edition Schangrila, Haldenwang 1986, ISBN 3-924624-39-9
  • Musikführer für die Reise nach innen. Kosmische Klänge zum Entspannen und Meditieren. Die Erfahrbarkeit kosmischer Musik mit Meditationsübungen und Wahrnehmungsschulungen. Edition Schangrila, Haldenwang 1986, ISBN 3-924624-39-9
  • Die heilende Kraft der Elemente. Praxis der Tattwa-Therapie. Verlag Hermann Bauer, Freiburg 1986, ISBN 3-7626-0304-9
  • Tarot. Geschichte eines Schicksalsspiels. DuMont Buchverlag, Köln 1986
  • Der Geist in der Münze. Vom magischen Umgang mit Reichtum und Geld. Goldmann Verlag, München 1988, ISBN 3-442-11820-4
  • Runen: Alphabet der Erkenntnis. Urania, Neuhausen 1988, ISBN 3-908644-52-6
  • Casino. Die Welt der Spielbanken, Spielbanken der Welt. DuMont, Köln 1989, ISBN 3-7701-2225-9
  • Aleister Crowley. Die tausend Masken des Meisters. Knaur, München 1989, ISBN 3-426-02403-9
  • Sternenglaube – Sternenzauber. Das Weltbild der Astrologie. DuMont Buchverlag, Köln 1990, ISBN 3-7701-2183-X
  • Zauber der Runen. Ein praktisches Arbeitsbuch der esoterischen Runenkunde. Goldmann Verlag, München 1991, ISBN 3-442-11899-9
  • Astro 5.0 für Einsteiger: Astrologie für Computerfreaks. Goldmann Verlag, München 1992, ISBN 3-442-27052-9
  • Magie und Sternenzauber. Okkultismus im Abendland. DuMont Buchverlag, Köln 1995, ISBN 3-7701-2666-1
  • Astrologie. Edition Roter Löwe im Aurum Verlag, Braunschweig 1995, ISBN 3-591-08364-X

Als Frater V∴D∴

Als E. R. Carmin

  • «Guru» Hitler. Die Geburt des Nationalsozialismus aus dem Geist von Mystik und Magie. SV International, Zürich 1985.
  • Das schwarze Reich. Geheimgesellschaften und Politik im 20. Jahrhundert. Verlag Ralph Tegtmeier, 1994.

Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Weinhoff: Der Hexer von Bonn. Lui, Ausgabe April 1986.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens (= Esoterik. Bd. 12179). Original-Ausgabe; sowie 3. aktualisierte Auflage, beide Goldmann, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 83, S. 222.
  2. Stephen Flowers: Feuer und Eis. Die magischen Geheimlehren des deutschen Geheimordens Fraternitas Saturni. Ins Deutsche übertragen von Michael DeWitt. Edition Ananael, Wien 1993, ISBN 3-901134-03-4.
  3. [1] Peter-R. König: Die heutige Fraternitas Saturni. 2006.
  4. Peter-Robert König: Der O.T.O. Phänomen RELOAD. Band 1. Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, München 2011, ISBN 978-3-941421-16-5, S. 320–321.
  5. Peter-Robert König: Der O.T.O. Phänomen RELOAD. Band 1. Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, München 2011, ISBN 978-3-941421-16-5, S. 321.
  6. Horst Miers, Lexikon des Geheimwissens, Goldmann, München 1993. S. 396 und S. 222.
  7. Peter-Robert König: Der O.T.O. Phänomen RELOAD. Band 3. Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, München 2011, ISBN 978-3-941421-16-5, S. 28.
  8. Karl R. H. Frick: Satan und die Satanisten I-III. Satanismus und Freimaurerei - Ihre Geschichte bis zur Gegenwart. Marixverlag Wiesbaden 2006. Teil III Seite 146. ISBN 978-3-86539-069-1
  9. Hubert Michael Mader: Studien und Berichte. Politische Esoterik - eine rechtsextreme Herausforderung. Wien: Landesverteidigungsakademie 1999. S. 113–114.
  10. Eduard Gugenberger, Franko Petri und Roman Schweidlenka: Weltverschwörungstheorien. Die neue Gefahr von Rechts. Deuticke, Wien 1998, S. 264–265.
  11. DNB 10986249X
  12. Marco Pasi: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik. Ares-Verlag. Graz 2006. S. 30–31.; Ralph Tegtmeier: Aleister Crowley. Die tausend Masken des Meisters. Edition Magus, Bad Münstereifel 1992. S. 45–47.