Ramón Novarro

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem mexikanisch-US-amerikanischen Schauspieler Ramón Novarro, für den Biathleten siehe Jose Ramon Navarro Perez.
Ramón Novarro, fotografiert von Carl van Vechten im Jahr 1934

Ramón Novarro; eigentlich Ramón Gil Samaniego (* 6. Februar 1899 in Durango, Mexiko; † ermordet am 30. Oktober 1968 in Los Angeles, Kalifornien) war ein mexikanisch-US-amerikanischer Schauspieler und gelegentlicher Regisseur. Gegen Ende der Stummfilmzeit und in den frühen Tonfilmtagen zählte er zu den beliebtesten Stars in Hollywood.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ramon Novarro wurde als ältestes von 14 Kindern eines Zahnarztes geboren und war ein Großcousin von Dolores del Río. In seiner Jugend studierte er Musik und nahm Gesangsunterricht. Mit seiner Familie floh er 1916 vor der Mexikanischen Revolution nach Los Angeles, wo er sich zunächst im Umfeld von Theater- und Unterhaltungsindustrie als Balletttänzer, Klavierlehrer und singender Kellner durchschlug. Ab 1917 arbeitete er als Statist in diversen Filmen und trat mitunter mit seiner Schwester auf, so auch in Rudolph Valentinos berühmter Tangoszene aus The Four Horsemen of the Apocalypse. Er lernte die Autorin Mary O’Hara kennen, über die er den Regisseur Rex Ingram kennenlernte. Ingram vermittelte Novarro daraufhin einen Vertrag bei der Metro Pictures Corporation. Das Studio wollte zunächst den Künstlernamen Ramon Navarro, jedoch unterlief der Sekretärin ein Tippfehler und es wurde Ramon Novarro daraus.

Im Jahre 1922 gelang ihm mit Der Gefangene von Zenda nach dem gleichnamigen Roman unter der Regie von Rex Ingram in einer wesentlichen Nebenrolle an der Seite von Alice Terry der Durchbruch. Mit dem Ehepaar Ingram-Terry drehte Novarro noch eine Reihe weiterer Filme, die seinen beginnenden Ruhm als attraktiver Darsteller in romantischen Mantel- und Degenfilmen festigten, etwa Scaramouche. Novarro kam vor allem bei den weiblichen Kinogängern sehr gut an; für seinen Film The Arab, einem nur vage kaschierten Remake von Der Scheich, wurde er als „neuer Valentino“ angepriesen. Fast das gesamte Jahr 1925 war er mit den nicht enden wollenden Dreharbeiten zu Ben Hur beschäftigt, in dem er die Hauptrolle spielte. Der Film sollte sich am Ende als größter Kassenerfolg seit Die Geburt einer Nation erweisen und machte aus Novarro einen Star, der wöchentlich über 6.000 Dollar verdiente. Es folgten einige romantische Komödien und aufwändig produzierten Melodramen, so Lovers? aus dem Jahr 1927, wieder mit Alice Terry unter der Regie von Rex Ingram, und Ernst Lubitschs stummer Verfilmung der Operette Alt-Heidelberg an der Seite von Norma Shearer.

Seine Karriere geriet Ende der 1920er-Jahre mit dem Aufkommen des Tonfilmes wegen seines starken mexikanischen Akzents in Gefahr. Das Studio nahm sich Zeit dafür, ein passendes Vehikel für Novarro zu finden, wie sich MGM unter der umsichtigen Politik von Louis B. Mayer ohnehin nur behutsam der neuen Technik öffnete. Das Studio wählte schließlich die Südseeromanze The Pagan, die überwiegend als Stummfilm gedreht wurde, in der Novarro allerdings ein Lied sang und die meiste Zeit mit nacktem Oberkörper und in einem Sarong spielte. Die Presse war angetan von seiner Singstimme und sagte ihm eine große Tonfilmkarriere voraus. Eine Zeitlang profilierte sich der Schauspieler noch in Musicals wie In Gay Madrid, doch anders als Greta Garbo, mit der er 1931 Mata Hari drehte, konnte Novarro nicht entscheidend von dem neuen Medium Tonfilm profitieren. Seit der Weltwirtschaftskrise waren romantische Liebhaber wie er oder John Gilbert allmählich weniger gefragt. 1930 war Novarro als Regisseur verantwortlich für die spanischen und französischen Versionenfilme von Call of the Flesh, in denen er jeweils auch die Hauptrolle spielte. Seine Gage betrug jeweils 25.000 US-Dollar. Weitere Pläne als Regisseur zu arbeiten, zerschlugen sich.[1] Nach einer Reihe von Flops und schlechten Rollen, darunter als chinesischer Liebhaber von Helen Hayes in The Son-Daughter und weltmännischer Verführer in der Arthur Schnitzler-Verfilmung Daybreak beendete das Studio 1934 den Vertrag, Anlass war der künstlerische und finanzielle Reinfall von Laughing Boy mit Novarro als unglücklich verliebten Angehörigen der indigenen Bevölkerung.

Späteres Leben und Mordfall Novarro[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ramon Novarro war strenger Katholik und zugleich (der Öffentlichkeit unbekannt) homosexuell, was ihm einen schweren inneren Konflikt bereitete.[2] Das war auch ein Mitgrund für Novorros lebenslange Alkoholprobleme: Der Star verursachte in den 1930er-Jahren einige Autounfälle im betrunkenen Zustand, was zu schlechten Schlagzeilen und Imageverlust führte. Seine Sucht wirkte sich zudem nachteilig auf sein Aussehen und damit auf seine Karriere auf. Die großen Rollenangebote blieben aus, doch bis in die 1960er hinein übernahm Novarro noch in unregelmäßigen Abständen Nebenrollen oder Gastauftritte in Film und Fernsehen. Er verdiente sein Geld aber hauptsächlich als Makler und blieb bis zu seinem Tod wohlhabend. 1960 erhielt Novarro einen Ehren-Golden Globe. Ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erinnert an Ramón Novarro.

Im Oktober 1968 erhielt der mittlerweile 69-jährige Ramon Novarro, der häufiger männliche Prostituierte von einer Agentur bestellte, einen Anruf vom 22- und 17-jährigen Brüderpaar Paul und Tom Ferguson, die ihm ihre Dienste anbieten wollten.[3] Novarro lud sie in seine Villa ein, woraufhin der ehemalige Filmstar im Verlaufe des Abends von den Brüdern festgehalten und erpresst wurde. Sie verlangten 5000 US-Dollar von Novarro, die angeblich im Haus versteckt seien, doch da er nie größere Summen im Haus bei sich hatte, fanden sie nur 20 Dollar. Dabei wurde Novarro von den Brüdern mit verschiedenen Gegenständen so schwer zusammengeschlagen, dass er an seinem eigenen Blut erstickte.[4] Der Mord sorgte in den USA für große Schlagzeilen und die Brüder wurden nach einem Gerichtsprozess, in dem sie sich zeitweise gegenseitig beschuldigt hatten, zu lebenslanger Haft verurteilt. Wegen ihres geringen Alters wurden Paul und Tom Ferguson in den 1970er-Jahren zunächst vorzeitig entlassen, später aber wegen anderer Vergehen erneut inhaftiert.[5]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1922: Der Gefangene von Zenda (The Prisoner of Zenda)
  • 1923: Scaramouche
  • 1924: The Arab
  • 1924: The Red Lily
  • 1925: Ben Hur
  • 1927: Lovers?
  • 1927: Alt-Heidelberg (The Student Prince in Old Heidelberg)
  • 1928: Pflicht und Liebe (Across to Singapore)
  • 1928: A Certain Young Man
  • 1928: Forbidden Hours
  • 1929: The Pagan
  • 1929: Devil May Care
  • 1930: Call of the Flesh
  • 1930: In Gay Madrid
  • 1931: Daybreak
  • 1931: Son of India
  • 1932: The Son-Daughter
  • 1932: Huddle
  • 1932: Mata Hari
  • 1933: The Barbarian
  • 1933: The Cat and the Fiddle
  • 1934: Laughing Boy
  • 1935: The Night is Young
  • 1942: La Virgen que forjó una patria
  • 1949: Wir waren uns fremd (We Were Strangers)
  • 1949: Die rote Schlinge (The Big Steal)
  • 1950: Hexenkessel (Crisis)
  • 1960: Die Dame und der Killer (Heller in Pink Tights)
  • 1964: Dr. Kildare (Fernsehserie, drei Folgen)
  • 1965: Bonanza (Fernsehserie, eine Folge)
  • 1967: Verrückter wilder Westen (Fernsehserie, eine Folge)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Soares, Beyond Paradise. The Life of Ramón Novarro, 2010, S. 162–164.
  2. Los Angeles Times: "A star is killed: Hollywood's deadly secret"
  3. Mordfall Novarro bei Find A Death
  4. Los Angeles Times: "A star is killed: Hollywood's deadly secret"
  5. Mordfall Novarro bei Find A Death