Rammstein

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Dieser Artikel behandelt die Musikgruppe Rammstein. Der nach der Gruppe benannte, gleichnamige Asteroid ist unter (110393) Rammstein beschrieben. Zu Begriffen mit der Schreibweise Ramstein siehe dort.
Rammstein
Rammstein logo 2.svg
Offizieller Rammstein-Schriftzug
Offizieller Rammstein-Schriftzug
Allgemeine Informationen
Herkunft DeutschlandDeutschland Deutschland
Genre(s) Neue Deutsche Härte
Gründung Januar 1994
Website www.rammstein.de
Aktuelle Besetzung
Till Lindemann
Richard Zven Kruspe
Rhythmusgitarre, Hintergrundgesang
Paul H. Landers
E-Bass, Hintergrundgesang
Oliver Riedel
Christoph „Doom“ Schneider
Christian „Flake“ Lorenz

Rammstein ist eine deutsche Rockband, die 1994 in Berlin gegründet wurde und musikalisch zur Neuen Deutschen Härte gezählt wird. Ihr Kennzeichen ist ein als „brachial“ beschriebener[1][2] Musikstil, den die Bandmitglieder selbst „Tanzmetall“ nennen,[3] sowie häufig kontrovers diskutierte Texte. Auch der massive Einsatz von pyrotechnischen Elementen[4] findet häufig mediale Beachtung. Der musikalische Stil der Band wurde unter anderem von der slowenischen Band Laibach beeinflusst.[5] Bis 2009 verkaufte Rammstein über 16 Millionen Tonträger[6] und ist mit deutschsprachigen Texten weltweit unter anderem auch in Ländern wie den Vereinigten Staaten von Amerika kommerziell erfolgreich.[5]Rammstein ist die im Ausland derzeit erfolgreichste deutsche Band.

Bandgeschichte[Bearbeiten]

Konzert von Rammstein mit Apocalyptica in Mailand, 24. Februar 2005.

Vorgeschichte und Anfangszeit[Bearbeiten]

Die Vorgeschichte Rammsteins reicht bis in die Zeit vor der Deutschen Wiedervereinigung. Richard Kruspe floh aus seiner Heimatstadt Schwerin (damals DDR) über Ungarn und Österreich in die Bundesrepublik Deutschland und gründete als Gitarrist seine erste Band Orgasm Death Gimmick. Nach dem Mauerfall 1989 zog er zurück nach Schwerin. In dieser Zeit lernte er Till Lindemann kennen, der in der Punkband First Arsch Schlagzeug spielte. Zusammen mit Richard Kruspes Mitbewohnern Oliver Riedel, Bassist der Band The Inchtabokatables, und Christoph Schneider, Schlagzeuger bei Die Firma, starteten sie das Projekt Rammstein. Mit Till Lindemann als Sänger und Textschreiber begannen sie, gemeinsam zu musizieren. Um besser proben zu können, zog Lindemann von Chemnitz nach Berlin. Eine erste Demoaufnahme mit vier Liedern (Das alte Leid, Seemann, Weißes Fleisch und Rammstein) nahmen sie am 19. Februar 1994 für den Berliner Senatswettbewerb für junge Bands auf. Diese Lieder unterschieden sich aber von den gleichnamigen Liedern, die auf Herzeleid, dem Debütalbum der Band, zu hören sind. Bei diesem Wettbewerb gewannen sie eine einwöchige Aufnahmesitzung in einem Tonstudio.

Kurz darauf stieg als zweiter Gitarrist Paul Landers von der Band Feeling B mit ein, der bei den einwöchigen Aufnahmen bereits mitgespielt hatte. Wunschkandidat als Keyboarder war Flake Lorenz, der in derselben Gruppe wie Paul Landers spielte. Dieser zeigte zuerst Abneigung gegen die neue Band, erklärte sich später aber zur Zusammenarbeit bereit.

Zunächst spielte Rammstein auf Konzerten mit wenig Publikum und in Clubs. Der erste Auftritt fand am 14. April 1994 in der für ihr alternatives Programm bekannten Leipziger Kultureinrichtung NaTo vor 15 Besuchern statt.

1994 begann die Zusammenarbeit mit Manager Emanuel Fialik und seinem Unternehmen Pilgrim Management, welches die Band Ende des Jahres bei Motor Music vorstellte, die mit Rammstein Anfang 1995 einen Plattenvertrag abschloss.

Kommerzieller Erfolg[Bearbeiten]

1995 debütierte Rammstein mit dem Album Herzeleid, das auf Platz 99 der deutschen Albencharts einstieg.[7] Anschließend tourte Rammstein als Vorgruppe der Cottbuser Band Sandow und später mit Project Pitchfork durch Deutschland und trat als Vorgruppe der schwedischen Crossover-Band Clawfinger in Warschau und Prag auf. Danach folgte die erste, 17 Konzerte umfassende Deutschlandtour als Headliner. Zudem traten sie als Vorband der Ramones auf.

Das zweite Album Sehnsucht stieg dagegen in die Top Ten der deutschen, österreichischen und schweizerischen Albumcharts ein.[8][9][10] Infolgedessen erreichte auch Herzeleid höhere Chartplatzierungen als im Erscheinungsjahr.[7] Alle seitdem veröffentlichten Studioalben der Band erreichten in Österreich und Deutschland die Spitze der Charts.[11][12]

Die entsprechende Tour im Jahr 1997 führte durch den deutschsprachigen Raum und ganz Europa. Des Weiteren trat Rammstein zum ersten Mal in den USA auf, wo sie zwei Klubkonzerte im Rahmen des „CMJ-Festivals“ in New York City gaben und als Support der Band KMFDM auftraten.

Im selben Jahr erfuhr Rammstein durch die Verwendung zweier Lieder (Rammstein und Heirate mich) in dem Soundtrack des Films Lost Highway von David Lynch internationale Aufmerksamkeit.

Die erste Headlinertour durch die USA fand im folgenden Jahr statt. Auftritte hatten sie auch bei Open-Air Konzerten unter anderen bei Rock am Ring. Konzerte mit Korn und Limp Bizkit führten sie im Rahmen der „Family Values Tour“ abermals in die Vereinigten Staaten. Beim Konzert auf der Parkbühne in der Berliner Wuhlheide am 23. August 1998 wurde das Album Live aus Berlin aufgenommen, das 1999 erschien. Außerdem präsentierte die Band das Lied Du hast bei den MTV Europe Music Awards 1998 in Mailand.

1999 tourten sie als Support von KISS durch Süd- und Mittelamerika. Eine Tour durch Nordamerika mit Soulfly als Vorgruppe folgte.

Im Jahr 2001 – vier Jahre nach ihrem letzten Studioalbum – wurde Mutter veröffentlicht. Bei der „Pledge of Allegiance Tour“ im selben Jahr trat Rammstein unter anderem mit Slipknot und System of a Down auf. Gitarrist Paul Landers fiel für zwei Konzerte aus, da er wegen eines Krankheitsfalls in der Familie zwischenzeitlich nach Deutschland zurückkehrte. Einen Abend spielte Rammstein zu fünft, am Abend darauf ersetzte Daron Malakian von System of a Down[13] Landers. Rammstein brach die Tour danach komplett ab.

Rammstein hatte im Film „xXx – Triple X“ (erschien 2002) am Anfang einen Auftritt mit dem Song Feuer frei!, der zugleich Titelsong des Films ist.

Rammstein trat 2003 weder bei Festivals auf noch bei sonstigen Veranstaltungen, ging aber 2004 und 2005 mit dem neuen Album Reise, Reise auf Welttournee. Außerdem führte Rammstein das Lied Keine Lust bei der Echoverleihung 2005 auf, bei der die Gruppe den Preis in der Kategorie „Bester Live-Act“ gewann.[14] Bei den Konzerten dieser Tour wurde die DVD Völkerball aufgenommen, die aber erst Ende 2006 erschien.

2004 erhielten die Dresdner Sinfoniker unter Leitung von Torsten Rasch den Klassik-Echo für ihren Liederzyklus Mein Herz brennt, in dem sie Texte von Rammstein verwendeten. Produziert wurde das Projekt von Sven Helbig, der seitdem auch an den folgenden Alben von Rammstein als Produzent mitwirkte.

Am 28. Oktober des anschließenden Jahres veröffentlichte die Band das Album Rosenrot,[15] zu dem aber keine Konzerte gegeben wurden.[16] Manche der auf dem Album enthaltenen Lieder waren bereits während der Arbeiten zum Vorgängeralbum Reise, Reise geschrieben worden.[17]

Für das Jahr 2006 legte Rammstein eine Schaffens- und Auftrittspause ein. Ab Mai 2007 arbeitete die Band an einem neuen Studioalbum.[18]

Am 3. November 2008 wurde bekannt gegeben, dass die Band die Vorproduktion zum sechsten Album in Berlin fertiggestellt hatte. Die Schlagzeugtracks wurden von Christoph Schneider, gemeinsam mit dem Produzententeam um Jacob Hellner, im Henson Studio in Los Angeles Anfang November aufgenommen. Am 9. November begann dann die gesamte Band gemeinsam in einem angemieteten Studio in der Nähe von San Francisco das sechste Album aufzunehmen.[19] Die erste Singleauskopplung Pussy erschien am 18. September 2009, das Album Liebe ist für alle da am 16. Oktober. Der bereits am 15. Juli 2009 im Internet aufgetauchte gleichnamige Albumtitel führte dazu, dass zwei große Fanseiten temporär vom Netz genommen wurden.[20]

Im November 2010 tauchte, ähnlich wie schon bei Liebe ist für alle da, ein bisher unveröffentlichter Rammstein-Song mit dem Titel Eisenmann im Internet auf. Es ist höchstwahrscheinlich die Demo-Version eines nie veröffentlichten Liedes aus der Rosenrot-Zeit.[21]

Der erste Auftritt seit zehn Jahren in den USA fand am 11. Dezember 2010 im Rahmen der Liebe ist für alle da Tour im Madison Square Garden in New York statt. Alle Tickets waren in weniger als 30 Minuten ausverkauft.[22]

Am 2. Dezember 2011 erschien ein Best-of-Album mit dem Titel Made in Germany 1995–2011. Das Album enthält einen neuen Song sowie alle Videos auf DVD.[23] Außerdem wurden alle alten Songs remastered.[24] Bereits am 11. November erschien die Single Mein Land, die einen weiteren neuen Song enthält. Für das Video zu Mein Land gewann die Band den Loudwire Music Award für das Beste Musikvideo des Jahres 2011.[25]

Am 22. März 2012 trat Rammstein im Duett mit Marilyn Manson bei der Echoverleihung 2012 auf und spielte den Manson-Song The Beautiful People.[26]

Beim Wacken Open Air-Metalfestival 2013 trat Heino am 1. August als Überraschungsgast auf und spielte gemeinsam mit Rammstein den Song Sonne.[27]

Musik[Bearbeiten]

Rammstein gilt laut Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen als wichtiger Vertreter der Neuen Deutschen Härte.[28] Dabei spannt die Musik einen Bogen über verwandte Stilrichtungen wie Hard Rock und Alternative Metal, aber auch Deutschrock und Technoelemente (beispielsweise auf dem Album Sehnsucht). Eine genaue Klassifizierung wird dadurch erschwert, dass sich die Musik der Band im Laufe der Zeit gewandelt hat und auf den jüngeren Alben auch Einflüsse weiterer Musikstile und exotische Instrumente zu hören sind. So weist das Lied Te Quiero Puta! vom Album Rosenrot Einflüsse lateinamerikanischer Musik auf.

Andere Bands wie die slowenische Gruppe Laibach,[5] deren Musikstil ebenfalls verschiedene Genres vereint, oder die Rockband Oomph! [29] hatten Einfluss auf Rammstein.

Anders als viele Gruppen aus dem Berlin der frühen 1990er Jahre wollte Rammstein nach eigener Aussage keine amerikanischen und englischen Bands imitieren. Flake Lorenz sagte dazu in einem Interview: „Den Stil haben wir gefunden, indem wir alle genau wussten, was wir nicht wollen. Und wir wollten genau nicht amerikanische Funkymusik machen oder Punk eben oder irgend so was, was wir gar nicht können. Wir haben gemerkt, dass wir nur diese Musik können, die wir auch spielen. Und die ist halt mal sehr einfach, stumpf, monoton.“[30]

Texte[Bearbeiten]

Till Lindemann auf der LIFAD Tour 2010

Die Texte von Rammstein und vor allem deren Vortrag durch Sänger Till Lindemann sind ein essentielles Element der Musik und prägen die Wahrnehmung durch Fans und eine breitere Öffentlichkeit deutlich. Das liegt unter anderem daran, dass häufig sehr kontroverse, tabuisierte und schambesetzte Themen wie BDSM (Bück dich, Feuerräder und Ich tu dir weh), Homosexualität (Mann gegen Mann), Inzest (Spiel mit mir, Laichzeit, Tier und Wiener Blut), Sexueller Missbrauch (Wiener Blut, Tier und Halleluja), Nekrophilie (Heirate mich), Sextourismus (Pussy), Pyromanie (Benzin, Feuer frei! und Hilf mir), Kannibalismus (Mein Teil und Eifersucht), Asylbewerber (Mein Land), Misanthropie (Halt), das Spiel mit religiösen Bildern (Asche zu Asche) und Gewalteinwirkung während des Sexualaktes (Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?) bzw. eine außergewöhnliche Sichtweise auf diese gewählt werden. Insbesondere die Lieder auf den frühen Alben Herzeleid und Sehnsucht thematisieren Sex und Gewalt. Auf Reise, Reise und Rosenrot werden schließlich verstärkt zwischenmenschliche Beziehungen behandelt, wie beispielsweise im Lied Ohne dich vom Album Reise, Reise.

Die Texte lehnen sich zum Teil an bekannte Werke der deutschen Literatur an.[31] So ist das Lied Dalai Lama eine Adaption von Goethes Ballade vom Erlkönig:

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.“

– Goethes Erlkönig

„Ein Flugzeug liegt im Abendwind – An Bord ist auch ein Mann mit Kind – Sie sitzen sicher[,] sitzen warm – Und gehen so dem Schlaf ins Garn.“

– Rammsteins Dalai Lama

Der Liedtext von Haifisch ähnelt stellenweise der Moritat von Mackie Messer von Bertolt Brecht:

„Und der Haifisch, der hat Zähne / Und die trägt er im Gesicht / Und Macheath, der hat ein Messer / Doch das Messer sieht man nicht.“

– Bertolt Brechts Moritat von Mackie Messer

„Und der Haifisch der hat Tränen / und die laufen vom Gesicht / doch der Haifisch lebt im Wasser / so die Tränen sieht man nicht.“

– Rammsteins Haifisch

Das Lied Roter Sand setzt das Sujet der Duellszene aus Theodor Fontanes Effi Briest musikalisch um. Da Texter Till Lindemann sich bisweilen der Chiffrenlyrik bedient, ist stellenweise eine bewusste Mehrdeutigkeit der Texte festzustellen, bei denen viele Passagen gleichermaßen anzüglich als auch harmlos gedeutet werden können.[32] Außerdem lassen einige Texte zu umstrittenen Themen bewusst offen, ob sie die geschilderten Ansichten propagieren, ironisieren oder neutral schildern wollen. So lässt Lindemann im Text von Bestrafe mich offen, ob er sich auf masochistische Unterwerfung und Impotenz im sexuellen Umfeld oder auf die Unterwerfung und Machtlosigkeit des Menschen im Verhältnis zu Gott bezieht.

„Deine Größe macht mich klein – du darfst mein Bestrafer sein. Deine Größe macht ihn klein – du wirst meine Strafe sein. Der Herrgott nimmt – der Herrgott gibt. Doch gibt er nur dem[,] den er auch liebt.“

Stilistisch sind die Texte von der meist bewusst einfach und plakativen angelegten Verwendung von Wortspielen und Allegorien geprägt. So wird im Titel Du hast mit der Homophonie der Worte „haben“ und „hassen“ in der 2. Person Singular ([ˈhast]) gespielt.

„Du – Du hast – Du hast mich – Du hast mich gefragt – Du hast mich gefragt, und ich hab nichts gesagt.“

Dass bei „Rammstein […] immer Raum für Interpretationen frei[-bleibt]“[33], ist laut Schlagzeuger Christoph Schneider ein Markenzeichen der Band. Eine solche, auch oft für Missverständnisse sorgende Konzeption hänge eng mit dem Aufwachsen in der DDR zusammen: „Wenn man sich Texte von DDR-Bands ansieht, sieht man, wie gut die teilweise sind, wenn sie ein Thema mit lyrischen Mitteln umschreiben. Diese Vergangenheit ist mit uns eng verbunden.“[33] Der Text wird meistens in Form der ersten Person wiedergegeben, was Sänger Till Lindemann mit einer größeren zusätzlich polarisierenden „Unmittelbarkeit“ begründet.[34]

Instrumentierung[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Ihren Musikstil bezeichnen die Bandmitglieder Rammsteins als „Tanzmetall“.[3] Charakteristisch für die Musik der Band sind Gitarrenriffs, die von verzerrten E-Gitarren gespielt werden, und einfache Schlagzeugrhythmen. Häufig sind die Stücke auf einfachen, durchgehenden Mustern aufgebaut. Von klassischen Heavy-Metal-Bands, wie etwa Iron Maiden, unterscheidet sich Rammsteins Musik durch den massiven Einsatz von elektronischen Klängen – wie beispielsweise elektronisch simulierten Klavier- oder Geigenstimmen bei ruhigen Balladen, oder Technosounds –, sowie durch den selteneren Einsatz von Schlagzeugbreaks. Auch kommen Gitarren- und Keyboardsoli zwar vor, sind aber seltener und in der Regel einfacher gehalten.

(Loudspeaker.svg Hörbeispiel) Synthesizerfigur in Rammsteins Titel Asche zu Asche

Vergleichbar ist ihre Musik zum Teil mit Marilyn Manson, Dope oder Static-X, bei denen Heavy Metal mit elektronischer Musik und Soundeffekten gemischt wird. Beispiele dafür sind die Klänge, die die Titel Engel (Loudspeaker.svg Hörbeispiel) oder Asche zu Asche unterlegen, bei denen Gitarrenriffs mit einem durch lang ausgehaltene Grundtöne (H – A – G) unterlegten Synthesizer-Pattern wechseln.

Schlagzeug[Bearbeiten]

(Loudspeaker.svg Hörbeispiel) Ausschnitte aus den Schlagzeugstimmen zu Engel (Beispiel 1) und Du hast (Beispiel 2)

Die von Christoph Schneider gespielten Schlagzeugpatterns bilden die Grundlage für die für Rammstein typischen Gitarrenriffs, indem sie die Viertelschläge besonders betonen. Das ist beispielsweise in den beiden Schlagzeugausschnitten aus Engel und Du hast zu sehen: In Engel (Beispiel 1 in der Abbildung rechts) erklingen abwechselnd Viertelschläge auf der Bassdrum und der Snaredrum zu gleichmäßigen Achtelschlägen auf der Hi-Hat. Eine Variation auf dem dritten Viertel des zweiten Taktes sorgt für Abwechslung. Bei Du hast (Beispiel 2 in der Abbildung rechts) erklingt ein gleichmäßiger Beat in Vierteln, der dann von einem durch Hi-Hat-Achtel geprägten Teil abgelöst wird, in welchem die Viertelschläge weniger stark als zuvor betont werden.

Gitarren und Bass[Bearbeiten]

(Loudspeaker.svg Hörbeispiel) Ausschnitt aus einem Gitarrenriff in Quinten aus Rammsteins Titel Du hast

Die von Richard Kruspe und Paul Landers gespielten Gitarrenriffs zeichnen sich meist durch einen bestimmten Groove aus, der zu den Betonungen der Viertelschläge des Schlagzeugs (s.o.) passt. Um weitere Betonungen zu erzeugen bzw. diese hervorzuheben nutzen sie die in der Rockmusik und im Metal weit verbreitete Palm-Muting-Technik. Um einen kraftvolleren Klang zu erreichen, verwenden Kruspe und Landers häufig nur aus Grundton und dazugehöriger Quinte bestehende Akkorde, sogenannte Powerchords (siehe Abbildung rechts). Außerdem sind die Klänge der E-Gitarren meist stark verzerrt. Eine Ausnahme hiervon stellt das Lied Los vom Album Reise, Reise dar, in dem die Stimme der Rhythmusgitarre das ganze Lied hinweg unverzerrt bleibt, obwohl sie sich musikalisch sonst nur wenig von den Gitarrenspuren unterscheidet, die charakteristisch für Rammsteins Musik sind.[35] Die Stimmen des Basses und der Rhythmusgitarre ähneln sich bisweilen sehr. Im Titel Engel beispielsweise erklingt eine Sechzehntel-Figur des Basses, welche dann von den Gitarren aufgegriffen und im Unisono der Instrumente vorgetragen wird (Loudspeaker.svg Hörbeispiel).

Gesang[Bearbeiten]

Ein besonderes Kennzeichen der Musik Rammsteins ist Till Lindemanns tiefer, „teutonenhafter“ Gesang mit rollendem „R“, das durch Lindemanns tiefe Gesangslage begründet ist.[36] So deckt er mit seiner Stimme meist die Stimmlagen des Baritons oder des Basses ab, erreicht aber bei einigen Stücken auch die Altlage (wie in Seemann, Klavier oder Stirb nicht vor mir). So nahm beispielsweise Nina Hagen mit Apocalyptica ebenfalls eine Fassung des Liedes Seemann auf.[37]

Entwicklung[Bearbeiten]

(Loudspeaker.svg Hörbeispiel ohne Schlagzeug) Akustische Gitarre im Titel Ohne dich

Im Verlauf der einzelnen Alben ist jedoch, parallel zu der Entwicklung bei den Textinhalten, ein Wandel in der musikalischen Gestaltung erkennbar. Dominierten auf den ersten beiden Alben vor allem von wiederholten, von verzerrten E-Gitarren gespielte Riffs, wodurch ein Höreindruck von „stumpfen unnachgiebigen Gitarrenwänden“ entstand, machen die späteren Werke einen differenzierteren Eindruck. Der Anteil ruhigerer Lieder wie Nebel und Ohne dich erhöhte sich, und auch die nicht zu den Balladen zählenden Titel wirken weniger monoton. Das ist auf neue Spielweisen, einen melodischeren Gesang von Sänger Lindemann und die Einbeziehung anderer Instrumente – wie Akkordeoneinsätze bei Reise, Reise, Panflöten in Wo bist du oder Trompetenklänge im Stil mexikanischer Mariachimusik bei Te Quiero Puta! (Loudspeaker.svg Hörbeispiel) – zurückzuführen. Auch die Einsätze der Gitarren veränderten sich teilweise. So wechseln sich auf der Ballade Ohne dich Powerchords der E-Gitarre – die allerdings weniger hektisch als auf älteren Titeln wirken – mit einer durch Streichinstrumente unterlegten gezupften akustischen Gitarre ab. Auf Reise, Reise kommen auch erstmals von Sven Helbig arrangierte Chöre (Mein Teil, Morgenstern, Amerika, Reise, Reise) zum Einsatz. Auf den Nachfolgealben Rosenrot und Liebe ist für alle da bleibt er Rammsteins Arrangeur für markante Zusatzinstrumente wie Waldhörner, Mexikanische Trompeten, Posaunen, Jodler und Streichinstrumente.

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten]

Die Fachpresse sah die Musik der Band anfänglich eher kritisch. So bewertet das Rock-Lexikon von Barry Graves und Siegfried Schmidt-Joos das zweite Album der Band Sehnsucht folgendermaßen:[38]

„Das zweite Album enthielt wieder Songs voll platter Parolen („Bück dich“, „Tier“, „Bestrafe mich“), untermauert vom rauhen Sound der Band. Rammstein lebte von einer perfekt aufeinander abgestimmten Rhythmusgruppe und krankte an der Unsicherheit, Keyboardklänge adäquat einzubinden.“

Spätere Werke der Band wurden dagegen meist besser aufgenommen. So schrieb Frank Albrecht von der Zeitschrift Rock Hard über das Album Reise, Reise:[39]

„Musikalisch indes gibt’s ein paar kleinere Überraschungen. Am stärksten klingen Rammstein immer noch dann, wenn sie das volle Brett auffahren. Die Breitwand-Riffs, die kalten Rhythmen, die einfachen und gleichzeitig höchst einprägsamen Melodien. Aber sie wagen diesmal auch den Schritt zu sanfteren Klängen, wie etwa bei dem Dreierpack ‚Ohne dich‘, ‚Amore‘ und ‚Los‘. Ein neues Klanggewand, an das man sich aber alsbald gewöhnt hat und das man zu schätzen lernt.“

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Rammstein/Diskografie

Folgende Studioalben sind bisher erschienen:

Bühnenshow[Bearbeiten]

Einsatz von Pyrotechnik während des Konzerts 2005 in Nottingham

Rammstein setzt bei den Konzerten in erheblichem Maße Pyrotechnik ein. So tragen einzelne Bandmitglieder Flammenwerfer (Lycopodiummasken) auf dem Kopf, verwenden während des Spielens Rauch- und Funkenwerfer oder zünden ihre Mikrofonstative an. Beim Stück Rammstein zündete sich Sänger Lindemann – geschützt durch einen Asbestmantel – selbst an. Auch Requisiten wie Mikrofone in Messerform (zu Mein Teil), explodierende Schlagzeuge und Sticks finden bei einzelnen Stücken Verwendung. Die pyrotechnischen Einlagen, vor allem vom ausgebildeten Feuerwerkstechniker Lindemann, sind dabei für den hohen Bekanntheitsgrad der Band mitverantwortlich,[4] was Lindemann sich dadurch erklärt, dass Rammstein „einfach die härtere David-Copperfield-Show“ sei.[34] Das Rock-Lexikon schreibt dazu:[38]

Oliver Riedel bei einem Auftritt in Göteborg, 2005

„Rammstein spielten seit ihrer Gründung 1994 mit dem Feuer: auf der Bühne, wo sie mit deutscher Perfektion die feurigen Gags von Arthur Brown bis Red Hot Chili Peppers nachahmten, und mit ihren Texten und ihrem Gebaren, die den Musikern den Ruf rechter Gesinnung einbrachte.“

Das von der Band verwendete pyrotechnische Lycopodium stammt größtenteils aus chinesischer Ernte, die chinesische Jahresernte beträgt ca. 11 Tonnen, wobei Rammstein 2012 4 Tonnen für die Amerika-Tournee aufgekauft hat.[40]

Für die Shows der Band ist ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Lichtarchitekten Gert Hof, der oftmals die Bühnen- und Lichtkonzepte ausarbeitet, wichtig. Richard Kruspe sagte in einem Interview zur Bühnenshow, dass er Spaß daran habe, sich auf der Bühne zu verstellen und zu verkleiden, und die anderen Bandmitglieder schließe er da mit ein.[30] Als Rammstein noch relativ unbekannt war, hat die Band nach eigenen Aussagen Flammen durch ein verpuffendes Gasgemisch im Saal erzeugt.[34] Ein weiteres Showelement ist ein Gummiboot, in dem sich Keyboarder Flake von den Menschenmassen tragen lässt. Anfangs geschah dies nur zum Lied „Seemann“, zwischenzeitlich auch bei „Heirate mich“ und „Stripped“, seit der Liebe ist für alle da-Tour beim Lied „Haifisch“. Zwischenzeitlich, nach einigen schmerzhaften Stürzen, hatte Flake diese Aufgabe an Oliver Riedel und Paul Landers abgetreten, steuert das Gummiboot mittlerweile aber wieder selbst.

Kontroversen[Bearbeiten]

Bandname[Bearbeiten]

Der Name „Rammstein“ stammt von Paul Landers, Christoph Schneider und Flake Lorenz. Am 28. August 1988 fand auf der westpfälzischen Ramstein Air Base eine Flugschau statt, an der auch die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori teilnahm. Dabei kam es zu einem Flugzeugzusammenstoß, der 70 Menschen das Leben kostete. Rammstein selbst haben sich lange von einem direkten Bezug zwischen ihrem Bandnamen und dem Unglück distanziert. Die damit verbundene Kontroverse ist für den hohen Bekanntheitsgrad der Band teilweise verantwortlich. Tatsächlich entstanden die genannten Erklärungsversuche erst nachträglich. Kurz nach der Gründung trat die zu dieser Zeit unbekannte Band unter dem eindeutigen Namen „Rammstein-Flugschau“ auf.[41]

„Bei einer unserer Fahrten mit Feeling B hatten Schneider, Flake und ich schon den neuen Bandnamen. Wir hatten den an die Wand von unserem LO geschrieben: Rammstein Flugschau. Doof, wie wir waren, schrieben wir Rammstein gleich mit zwei M, weil wir nicht wussten, dass der Ort Ramstein nur ein M hat. Wir haben uns erstmal aus Quatsch so genannt, aber der Name blieb kleben wie ein Spitzname, den man nicht gut findet. Wir schafften es nicht mehr, den loszuwerden. Rammstein wollten wir eigentlich nicht heißen, das war uns zu festgelegt. Wir haben noch gesucht: Milch oder Erde oder Mutter, aber der Name war schon durch.“

Paul Landers[42]

Vorwurf des Rechtsextremismus[Bearbeiten]

Aufgrund der mehrdeutigen Texte und des harten Stils wurde der Band in der Anfangszeit seitens der Medien häufig vorgeworfen, rechtsextremen Tendenzen zu folgen. Die Kritik verstärkte sich, nachdem 1998 das Video zum Coversong Stripped – das Original ist von Depeche Mode – erschien, das Filmmaterial der Olympischen Sommerspiele 1936 von Leni Riefenstahl enthielt. So kritisierte der Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung Ulf Poschardt auf einem Vortrag im Rahmen der Leni-Riefenstahl-Ausstellung in Potsdam 1999:

„Solche Plattheiten müssen jedoch angesichts der Identitäts- und Nationalitätsdebatten in Deutschland, nach dem rechtsradikalen Terrorismus der letzten Jahre, ziemlich fragwürdig erscheinen. Der politische Kontext, in dem sich Rammstein auf Deutschland bezieht, ist nicht mehr der des Kniefalls Brandts in Warschau, sondern der von brennenden Häusern von Flüchtlingen und Migranten. […] Rammsteins Feedbackschleifen zum völkischen Sumpf der Neuen Rechten berauben ihre Musik jeglichen ‚hedonistischen Potentials‘.“

Trotz der Entfernung verfassungsfeindlicher Symbole aus dem Videomaterial wurde der Band die Verbreitung faschistoiden Gedankenguts und die gedankenlose Idealisierung nationalsozialistischer Ästhetik vorgeworfen. Ein Verbot der Ausstrahlung des Musikvideos für Sendezeiten vor 22 Uhr war die Folge. Sänger Till Lindemann erklärte später, man habe mit dieser Provokation eine Grenze überschritten, was er nicht noch einmal tun würde.[34]

Im ZDF/Arte Dokumentarfilm „Flake – Mein Leben“ distanziert sich Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz klar von jeglichem rechten Gedankengut und ärgert sich über die Vorwürfe.[43] Im Jahr 2001 veröffentlichte die Band das Lied Links 2-3-4 als Ausdruck einer linksgerichteten Einstellung. Laut Lorenz habe Rammstein diesen Titel geschrieben, um mit einer klaren politischen Aussage die herrschenden Vorurteile zu entkräften.[44]

Auch Gitarrist Paul Landers äußerte sich dazu:[45]

„Wir sehen die Welt anders als in links und rechts aufgeteilt. Aber für diesen Song bedienen wir uns der schlichten Schwarzweißmetaphern, die Journalisten scheinbar wichtig finden, um uns zu erklären.“

In anderen Interviews verurteilten sie rassistisch motivierte Gewalt. Sänger Till Lindemann beklagte im Stern, man ignoriere das Problem und würde nicht genug tun:

„Warum greift man heute nicht härter durch?“

Schlagzeuger Christoph Schneider legte dar, warum sie dennoch nicht an Aktionen wie „Rock gegen Rechts“ teilnehmen:[33]

„Was bringt das? Die Rechten sind da. […] Wir müssen dieses Problem annehmen und endlich akzeptieren, dass es diese Tendenzen in Deutschland gibt. […] Wir müssen mit denen reden, deren Probleme lösen.“

Gitarrist Paul Landers beschrieb Rammstein in einem weiteren Interview als „Kämpfer für linken Patriotismus“.[32] Bezüglich dieser Diskussion um eine politische Ausrichtung wurde die Band Laibach, die Rammstein in einigen Aspekten Pate stand,[5] ähnlich diskutiert.[46]

Martin Büsser warf in der Ausgabe des Magazins Der Rechte Rand vom Januar / Februar 2002 Rammstein und anderen Bands vor, nationalistische Ästhetik zu verwenden, ohne diese in den entsprechenden historischen Zusammenhang zu stellen. Dadurch würde diese Ästhetik als unpolitisch dargestellt und „wieder hoffähig“ gemacht.[47]

Das ebenfalls bisweilen kritisierte, expressiv gerollte „R“ im Gesang Lindemanns hat die Band nach eigener Aussage nicht beabsichtigt. So sagte Till Lindemann diesbezüglich:[48]

„Dabei ist das rollende ‚R‘ noch nicht einmal aus Absicht entstanden. Es kam von selbst, weil du in dieser tiefen Tonlage automatisch so singst. Wir wollten damit um Gottes Willen keine faschistische Attitüde erschaffen. […] Erst später, als wir in Interviews dazu befragt wurden, haben wir uns damit auseinandersetzen müssen.“

Aufgrund des gerollten „R“ werde Rammsteins Musik nur eingeschränkt gespielt, erklärte ein Mitarbeiter des Soldatensenders der Bundeswehr, Radio Andernach, gegenüber dem Magazin Rolling Stone, da „es zu einer verzerrten Darstellung und Wahrnehmung Deutschlands im Ausland“ kommen könne.[49]

Vereinzelt kam es zu Vereinnahmungen der Band von rechtsextremistischer Seite. So meinte das NPD-Parteiorgan Deutsche Stimme im Jahr 2004:[50]

„Nach den Erfolgen von Rammstein und den Aussagen des Liedermachers Heinz Rudolf Kunze scheint sich hier also eine weitere prominente Stimme der deutschen Popkultur für ein entspannteres Verhältnis zur eigenen Nation starkzumachen.“

Die FAZ konstatierte im gleichen Jahr nur eine eher provokative Verwendung nationalsozialistischer Ästhetik:[51]

„Ihre Posen waren immer martialisch, für manche proto-faschistisch, auf jeden Fall provokant. Mittlerweile ist klar, daß Sänger Lindemann und die anderen zwar mit dieser Ästhetik hantieren, die als rechts kodiert ist, daß sie aber eher ein Provokationsmagnet sind und ein Lifestylephänomen.“

Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen stufte die Band in einer 2005 erschienenen Publikation nicht als rechtsextremistisch ein:[28]

„Kritiker werfen der Band vor, auf diese Weise NS-Anleihen gesellschaftsfähig zu machen; als rechtsextremistisch ist die Band allerdings nicht einzustufen.“

Schulmassaker von Littleton[Bearbeiten]

In die Schlagzeilen geriet Rammstein auch nach dem Schulmassaker von Littleton. Die Attentäter Eric Harris und Dylan Klebold waren erklärte Fans der Band gewesen, was insbesondere in den USA für ein „Kreuzfeuer der Kritik“ und Vorwürfe in Richtung einer angeblichen Solidarität mit dem Nationalsozialismus sorgte. Doch auch deutsche Schul- und Jugendbehörden erwogen, einige der Songs auf den Prüfungsindex zu setzen. Daraufhin brachten die Bandmitglieder ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der tragischen Ereignisse zum Ausdruck und bekräftigten ihre Abneigung gegen jegliche Form von Gewalt,[52] wiesen aber jegliche Verbindung der schrecklichen Tat mit ihrer Musik scharf zurück.[53]

Vorwurf der Gewaltverherrlichung[Bearbeiten]

Weiteres Aufsehen erregte Rammstein mit der Verarbeitung tabuisierter Themen. Die intensive Auseinandersetzung mit Gewalt – sowohl aus der Sicht des Täters als auch des Opfers – führt oft zu heftiger Kritik in den Medien. Mit der Veröffentlichung der Single Mein Teil, die den Fall des als „Kannibale von Rotenburg“ bekannt gewordenen Armin Meiwes aufgriff, erregte die Band im Oktober 2004 großes Aufsehen. Das zugehörige Musikvideo wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für Zeiten vor 22 Uhr gesperrt. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) schrieb dazu im Jugendschutzbericht 2/2004, dass das Musikvideo zu Mein Teil geeignet sei, „die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen unter 16 Jahren zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen.“ Der Auftritt zu „Mein Teil“ in Nîmes hingegen wurde von MTV auch schon vor 22 Uhr gespielt.[54]

Indizierung des Albums Liebe ist für alle da[Bearbeiten]

Im Spätsommer 2009 veröffentlichte die Band das Musikvideo zu Pussy. Das Video wird jedoch nur in einer stark zensierten Version auf Musiksendern ausgestrahlt, unzensiert gibt es das Video nur auf einer Erotikseite und diversen Videoportalen im Internet zu sehen. Grund dafür waren die pornografischen Inhalte des Videos, die die Bandmitglieder beim Geschlechtsverkehr zeigen – allerdings wurden die Bandmitglieder von Schauspielern körpergedoubelt.[55] Die Single stieg als erste Rammstein-Single überhaupt auf Platz 1 der deutschen Charts ein.[56]

Das dazugehörige Album Liebe ist für alle da wurde am 11. November 2009 auf Antrag des Familienministeriums wegen des Liedes Ich tu dir weh und eines Fotos im Artwork indiziert.[57][58] Der Band wurde vorgeworfen, in diesem Lied und auf dem dazugehörigen Abbild im Booklet der CD das Quälen von Menschen und Sadomasochismus positiv darzustellen.[59]

Das Album wurde vom Verwaltungsgericht Köln mit Beschluss vom 31. Mai 2010 und mit Wirkung zum 1. Juni 2010 wieder von der Indizierungsliste gestrichen. Als Begründung wird die aufschiebende Wirkung der Klage gegen die Indizierung genannt.[60]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1Live Krone
    • 2005: Bester Liveact
  • Bravo Otto
    • 1997: Silber für Band Rock
    • 2005: Bronze für Band Rock
  • Comet
    • 1998: Beste Live Band
    • 2005: Bestes Video für Keine Lust
  • Echo
    • 1998: Bestes Video für Engel
    • 1999: Erfolgreichste nationale Künstler im Ausland
    • 2002: Künstler/Künstlerin/Gruppe des Jahres national
    • 2005: Künstler/Künstlerin/Gruppe des Jahres national/international
    • 2005: Best Live Act national
    • 2006: Künstler/Künstlerin/Gruppe des Jahres national
    • 2010: Bester Rock / Alternative / Heavy Metal National [61]
    • 2011: Bestes Video National für Ich tu dir weh [62]
    • 2012: Beste Gruppe Rock/Alternative national
    • 2012: Erfolgreichster nationaler Act im Ausland
  • Edison Award
    • 2006: Best Alternative Album für Rosenrot
  • Emma
    • 2005: Bester ausländischer Künstler
  • Hard Rock Award
    • 2002: Best Rock Act
    • 2004: Best Album für Reise, Reise
    • 2004: Best Song und Best Video für Mein Teil
  • Kerrang! Awards
    • 2002: Best International Live Act
    • 2010: Kerrang! Inspiration Award
  • Loudwire Music Award
    • 2011: Video of the Year für Mein Land
  • Metal Hammer Awards
    • 2010: Bestes Album für Liebe ist für alle da
    • 2012: Beste deutsche Band
  • MTV Europe Music Award
    • 2005: Best German Act
  • Revolver Golden Gods Award
    • 2011: Beste Live-Band
  • Rock Mag / Le Mouv
    • 2006:
      • Internationaler Künstler oder Gruppe
      • Album international für Rosenrot
      • Titel international für Mann gegen Mann
      • Clip international für Benzin
      • Konzert für Rammstein (Arènes de Nîmes)
      • Sänger international an Till Lindemann
  • Rock Pics'
    • 2006:
      • International Künstler oder Gruppe
      • Konzert des Jahres für ihr Konzert in Nîmes
      • Internationaler Sänger an Till Lindemann
      • Bassist des Jahres an Oliver Riedel
      • Keyboarder des Jahres an Flake Lorenz
      • Schlagzeuger des Jahres an Christoph Schneider
  • World Music Award
    • 2005: Best Selling Artists Around the World – Germany
    • 2010: Best Selling Artists Around the World – Germany

Auszeichnungen für Musikverkäufe[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rammstein – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter E. Müller Konzertbericht auf www. morgenpost.de, 22. Mai 2010 (deutsch, abgerufen am 24. Dezember 2010)
  2. Laut.de: Rezensions des „Mutter“ – Albums (deutsch, abgerufen am 29. Dezember 2010)
  3. a b Frank Rummeleit, Zillo Musikmagazin, Heft-Nr. 11/95, Interview mit Rammstein, Seite 52, November 1995
    Tobias Matkowitz, New Life Soundmagazine, Heft-Nr. 12/95, Interview mit Rammstein, Seite 30, Dezember 1995
    Reiner Rasche, Entry Musikmagazin, Heft-Nr. 5/96, Interview mit Rammstein, Seite 11, August/September 1996
  4. a b koeln.de: Bericht über ein Konzert in Köln (deutsch, abgerufen am 23. Dezember 2010)
  5. a b c d Peter Richter: Frühsport bei Tiffany In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 50, 2010, S. 27.
  6. arte.tv: Rammstein bei ARTE. Abgerufen am 18. Dezember 2010
  7. a b musicline.de: Chartverfolgung für das Album Herzeleid (deutsch, abgerufen am 20. Dezember 2010)
  8. musicline.de: Chartverfolgung für das Album Sehnsucht (deutsch, abgerufen am 20. Dezember 2010)
  9. hitparade.ch: Sehnsucht in den schweizer Albumcharts (deutsch, abgerufen am 20. Dezember 2010)
  10. austriancharts.at: Sehnsucht in den österreichischen Albumcharts (deutsch, abgerufen am 20. Dezember 2010)
  11. musicline: Übersicht über die Chartplatzierungen aller Rammstein-Alben in Deutschland (deutsch, abgerufen am 4. Januar 2011)
  12. austriancharts.at: Übersicht über alle Platzierungen der Band Rammstein in den österreichischen Charts (deutsch, abgerufen am 4. Januar 2011)
  13. 2001-10-24 Rammstein feat. Daron Malakian (CSU Convention Center, Cleveland, OH). Archiviert vom Original am 13. August 2013. Abgerufen am 13. August 2013.
  14. sueddeutsche.de: Übersicht über die Echo – Gewinner von 2005 (deutsch, abgerufen am 24. Dezember 2010)
  15. rammstein.de: Eintrag auf der Zeitleiste vom Oktober 2005 (deutsch, abgerufen am 11. Januar 2011)
  16. rammstein.de: Kein Eintrag zu Konzerten zu Rosenrot auf der Zeitleiste vorhanden (deutsch, abgerufen am 25. November 2013)
  17. Laut.de: Rezension des Albums Rosenrot (deutsch, abgerufen am 11. Januar 2011)
  18. Jason Fisher: Rammstein Interview. In: The Gauntlet, 31. Oktober 2007.
  19. Rammstein.de: Studiobericht „Mehr Passiert“ vom 7. September 2009 (deutsch, abgerufen am 20. Dezember 2010)
  20. Laut.de: Bericht über die Klagen gegen Fanseiten (deutsch, abgerufen am 19. Dezember 2010)
  21. Eisenmann auf lastfm.de. Abgerufen am 30. November 2012
  22. http://www.musikmarkt.de/Aktuell/News/News/Rammstein-im-ausverkauften-Madison-Square-Garden-Mittwoch-13.-Oktober-2010
  23. Meldung auf rammstein.de abgerufen am 9. August 2011
  24. Mitteilung auf der offiziellen Website der Band
  25. http://www.rammstein.de/news/rammstein-gewinnen-loudwire-music-award/
  26. http://www.berliner-kurier.de/kultur-leute/echo-2012-berlin-marilyn-manson-rammstein-schoeneberger-mueller,7169134,11959656.html
  27. Hardcore: Heino rockt Wacken In: Berliner Zeitung vom 2. August 2013.
  28. a b Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: Party, Pogo, Propaganda – Bedeutung der Musik für den Rechtsextremismus in Deutschland (PDF-Datei; 4,65 MB), S. 16, Juli 2005 (deutsch, abgerufen am 24. Oktober 2011, archiviert auf webcitation.org)
  29. laut.de: Biographie der Band Oomph! (deutsch, abgerufen am 24. Dezember 2010)
  30. a b Interview des ZDF mit Rammstein von 199?, erschienen auf Live aus Berlin (1999).
  31. Martina Lüke: Modern Classics: Reflections on Rammstein in the German Class. In: Die Unterrichtspraxis/Teaching German 41, Heft 1, Frühling 2008, S. 15–23.
  32. a b Torsten Groß: Rammstein „Wir sind linke Patrioten“. In: Motor.de.
  33. a b c Interview mit Lindemann und Schneider. In: Stern, Ausgabe 14 vom 29. März 2001, Seite 226
  34. a b c d Rudi Raschke und Mario Vigl: Wir haben Grenzen überschritten. In: Playboy, Ausgabe Januar 2006, Seite 69.
  35. laut.de: Rezension des Albums Reise, Reise (deutsch, abgerufen am 6. Januar 2011)
  36. Musik Express: Interview mit Till Lindemann, Juli 1997; zitiert nach rammsteinniccage.com (deutsch, abgerufen am 5. Januar 2011)
  37. salzburg.com: Bericht über die Zusammenarbeit von Nina Hagen und Apocalyptica (deutsch, abgerufen am 29. Dezember 2010)
  38. a b Barry Graves, Siegfried Schmidt-Joos, Bernward Halbscheffel: Rock-Lexikon. Rowohlt Taschenbuch, 2003, ISBN 3-499-61588-6, Seite 751f
  39. Frank Albrecht: Rezension des Albums Reise, Reise in der Ausgabe Nr. 210 des Rock-Hard-Magazins (Onlineversion) (deutsch, abgerufen am 26. Februar 2011)
  40. Süddeutsche Zeitung Magazin vom 6. Juli 2012 (27/2012) – „Wer zu Lebzeiten gut auf Erden“: „Rammstein – Mit Deutschlands größtem Kulturexport auf Tour in Amerika“. Seite 21.
  41. Gert Hof: Rammstein. Die Gestalten Verlag, 2001, ISBN 3-931126-32-3, Seite 34.
  42. Galenza/Havemeister: Feeling B. Mix mir einen Drink. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2003, S. 262
  43. „Flake – Mein Leben“ D 2011, Regie Annekatrin Hendel, im Auftrag von ZDF/Arte
  44. Chris Glaub: Spiel mir das Lied vom Tod. (deutsch, abgerufen am 6. Januar 2011) In: Breakout Magazin, Ausgabe 04/01.
  45. Metal Hammer, Ausgabe 04/01.
  46. Sophie Albers: „Laibach ist Rammstein für Erwachsene“. In: Netzeitung.de, 6. Dezember 2004.
  47. Martin Büsser: „Neue Deutsche Härte" – Nationalisierung durch Musik. In: Der Rechte Rand, Heft 74 (Januar/Februar 2002).
  48. Musik Express: Interview mit Till Lindemann, 1997; zitiert nach rammsteinniccage.com
  49. rollingstone.de: Bericht über Radio Andernach (Version vom 27. Juli 2010 im Internet Archive) (deutsch, abgerufen am 11. Januar 2011)
  50. Hugo Fischer: Chiffren nationaler Normalisierung. In: Deutsche Stimme, Januar 2004.
  51. Georg Diez: Neuer deutscher Pop: Böhse Enkelz. In Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Ausgabe vom 22. August 2004.
  52. Jeremy Williams: Did Rammstein’s music cause Columbine?. In: herzeleid.com.
  53. Interview mit Lindemann: Klingelnde Herzen klappern. In: Focus, Ausgabe 49/2002 vom 2. Dezember 2002.
  54. Kommission für Jugendmedienschutz: Jugendschutzbericht 2/2004. (Version vom 2. Februar 2007 im Internet Archive) Januar 2005. S. 38f.
  55. 20min.ch: Rammstein: „Wir hatten keinen Sex“
  56. musicline.de: Übersicht über die Chartsplatzierungen aller bisherigen Rammstein – Singles (deutsch, abgerufen am 24. Dezember 2010)
  57. Meldung auf Schnittberichte.com abgerufen am 16. Januar 2011.
  58. Indizierungsentscheidung Nr. 5682 vom 5. November 2009 (PDF-Datei; 169 kB)
  59. bundesprüfstelle.de: Meldung zur Indizierung des Albums Liebe ist für alle da (deutsch, abgerufen am 4. Januar 2011)
  60. Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien: CD „Liebe ist für alle da“ der Gruppe „Rammstein“ aus der Liste gestrichen, Meldung vom 1. Juni 2010
  61. echopop.de: Übersicht über alle Echo – Preisträger seit 1992 (Version vom 26. August 2010 im Internet Archive)
  62. metalist.caligatio.com: Rammstein gewinnt Echo 2011


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