Ramsch

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Ramsch bedeutet so viel wie „minderwertige Ausschussware, Schleuderware, Massenware, wertloses Zeug.“ Das Wort wird von den meisten Wörterbüchern als umgangssprachlich markiert.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herkunft des Wortes „Ramsch“ ist unsicher; in der heutigen Bedeutung ist es seit Mitte des 19. Jahrhunderts geläufig. Offenbar handelt es sich um eine Entlehnung des französischen ramas „Aufsammeln, Auflesen, Haufen wertloser Dinge, Plunder“ (zum Verb ramasser „sammeln, zusammenraffen“); dieses Wort liegt jedenfalls der Bezeichnung des Ramsch, Rams oder auch Rammes genannten, vor allem in Süddeutschland und der Schweiz gespielten Kartenspiels zugrunde, bei dem derjenige Spieler gewinnt, der nicht etwa die höchsten, sondern die wenigsten Augen sammelt. Der kaufmännische Ausdruck mit der Bedeutung „minderwertige Ware“ mag aber aus einer Vermischung dieses französischen Ausdrucks mit einheimischen Wortgut entstanden sein; diskutiert wird zum einen eine Herleitung von bzw. Vermischung mit Rotwelsch (be-)ramschen „betrügen“, das seinerseits auf hebräisch רָמָאוּת (rammāʾūþ) „Betrug“ zurückgeht,[1] zum anderem ein Zusammenhang mit der mittelniederdeutschen Redewendung im rampe kōpen „in Gänze, in Bausch und Bogen kaufen.“[2][3][4] Alfred Schirmer notierte dazu 1911 in seinem Wörterbuch der deutschen Kaufmannssprache einerseits, dass das Wort vor allem in Norddeutschland gebräuchlich sei (was für einen niederdeutschen Ursprung spräche), merkte aber andererseits auch an, dass es „heute meist als jüd.[isch] empfunden“ werde.[5]

Verramschen, Ramschläden, Ramschanleihen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ableitung ramschen bezeichnet das „billige Aufkaufen von Ramschware“; verramschen wiederum „zu einem Schleuderpreis verkaufen“. Als Ramschladen oder auch Ramschbasar wird ein Ladengeschäft bezeichnet, in dem – vermeintlich oder tatsächlich – minderwertige Ware verkauft wird. Im Zuge der Verödung der Innenstädte werden auch Geschäfte, die leerstehende Ladenlokale ehemals etablierter Einzelhandelsgeschäfte übernehmen und deren Sortiment als vergleichsweise minderwertig angesehen wird, so bezeichnet. Das gesamte Wortfeld gilt als negativ konnotiert und wird von Unternehmen in der Regel nicht zur Eigenbezeichnung verwendet. Der deutsche Unternehmer Werner Metzen allerdings wurde in den 1990er Jahren durch die Medien und auch in der Biografie seines Sohnes als Ramschkönig tituliert.

Im Buchhandel wird der Begriff Verramschen intern benutzt, wenn Teile einer Buchauflage nicht mehr der Buchpreisbindung unterliegen. Dies bezieht sich vor allem auf Restbestände einer Auflage, deren Verkaufszahlen stark rückläufig sind oder von Anfang an ein in der Regel vertraglich vereinbartes Maß unterschreiten. Mit dem vom Verlag genannten Termin einer Verramschung gehen sämtliche Nutzungsrechte an den Autor zurück. Vom gebundenen Ladenpreis abweichen können im Vorfeld auch Angebote von Remittenden und (teilweise absichtlich zu diesem Zweck) beschädigten Büchern, so genannte Mängelexemplare. Der Vertrieb solcher meist sehr stark verbilligter Buchtitel ohne Buchpreisbindung wird beschönigend als Modernes Antiquariat bezeichnet.

In jüngster Zeit wird das Wort Ramsch immer wieder auch von seriösen Medien im Zusammenhang mit den Bonitätsbewertungen von Rating-Agenturen verwendet und übersetzt in diesem Kontext englisch junk („Schrott“); eine Ramschanleihe (junk bond) ist eine Anleihe mit hohem Anleihezins, aber umso höherem Kreditrisiko.

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In gleicher oder ähnlicher Bedeutung wie Ramsch werden im Deutschen Kram, Krempel, Plunder, Tand, Tinnef und Nippes gebraucht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Ramsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So insbesondere Marlies Philippa et al.: Etymologisch Woordenboek van het Nederlands. Amsterdam University Press, Amsterdam 2003-2009, s. v. ramsj (ongeregelde handel, goederen tegen verlaagde prijs)
  2. Artikel Ramsch in: Trübner's deutsches Wörterbuch, im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für deutsche Wortforschung hrsg. von Alfred Götze, weitergeführt von Walter Mitzka, Band 5 (O-R), Walther de Gryuter, Berlin 1954, S. 287.
  3. Ramsch. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts (DWDS)., die dortigen Angaben zur Etymologie sind textgleich mit dem Artikel Ramsch in Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 2. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1993.
  4. Artikel Ramsch in: Friedrich Kluge, Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., aktualisierte und erweiterte Auflage (E-Book), Berlin u.a. 2012.
  5. Artikel Ramsch in: Alfred Schirmer: Wörterbuch der deutschen Kaufmannssprache auf geschichtlichen Grundlagen. Trübner, Straßburg 1911 [Neudruck: Walter de Gruyter, Berlin 1991], S. 153-154.