Raoul Walsh

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Raoul Walsh (1917)

Raoul Walsh (* 11. März 1887 in New York; † 31. Dezember 1980 in Simi Valley, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmregisseur und Schauspieler, der über ein halbes Jahrhundert Kinoerfolge verzeichnen konnte. In seiner langen Filmkarriere erwarb er sich einen Ruf als Spezialist für Kriminaldramen, Gangsterfilme und Western.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raoul Walsh lief schon als Junge von zu Hause fort und schlug sich mit unterschiedlichen Jobs durch. Er fuhr eine Zeit lang zur See und arbeitete als Cowboy und Rodeoreiter. 1910 kam er in Kontakt mit der Filmindustrie und bereits 1912 war er als Schauspieler und Regieassistent für David Wark Griffith tätig. Griffith verschaffte ihm auch die erste Gelegenheit als Regisseur, als er 1914 zusammen mit Christy Cabanne mit The Life of General Villa einen der ersten abendfüllenden Spielfilme drehten konnte. Im Jahr darauf wirkte Walsh als Lincoln-Attentäter John Wilkes Booth in Griffiths Die Geburt einer Nation mit.

Walsh drehte bis in die 1960er Jahre über hundert Spielfilme, die ihm bald den Ruf als einer der besten Handwerker der Industrie eintrugen. Bereits 1915 sorgte er mit dem innovativen Regeneration, einem der ersten Gangsterfilme, für Aufsehen. Zu Walshs bekanntesten Stummfilmen zählen der aufwendige Abenteuerfilm Der Dieb von Bagdad (1924) mit Douglas Fairbanks sowie das Kriegsdrama What Price Glory? (1926), einer seiner größten finanziellen Erfolge. Bis Mitte der 1930er war er bei den Fox-Studios von William Fox tätig, um dann zu Paramount und danach zu Warner Brothers zu wechseln. Bei Warner Brothers arbeitete er in den 1940er-Jahren für mehrere Filme mit Errol Flynn zusammen, nachdem dieser sich mit seinem zuvor bevorzugten Regisseur Michael Curtiz zerstritten hatte. Walsh führte auch Regie bei Sein letztes Kommando, dem letzten gemeinsamen Auftritt des Leinwandpaars Errol Flynn und Olivia de Havilland. Mit Entscheidung in der Sierra (1941) und Sprung in den Tod (1949) drehte Walsh auch zwei Klassiker des Gangsterfilms. Gegen Mitte der 1950er revitalisierte Walsh die stagnierende Karriere von Clark Gable und half dem Schauspieler mit dem Western Drei Rivalen 1955 zum letzten Mal in die Top Ten der kassenträchtigsten Stars.

Seine letzte Regiearbeit war Die blaue Eskadron (1964), aber noch 1970 verfasste er das Drehbuch zu Tay Garnetts Film Der Delta Faktor. Raoul Walsh wurde mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt. Ein Markenzeichen des Regisseurs war seine Augenklappe, die er trug, nachdem er bei den Dreharbeiten zu In Old Arizona ein Auge verloren hatte. 1974 veröffentlichte er seine Biografie Each Man in His Time.

Der Regisseur war dreimal verheiratet und starb an Silvester 1980 im Alter von 93 Jahren. Sein jüngerer Bruder George Walsh war ebenfalls Schauspieler.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stil von Raoul Walsh ist schnörkellos und geradeheraus. Er bevorzugte schnelle Schnitte und verband ein gutes Gespür für die notwendige Dramatik einer Szene mit einem geübten Auge für die Ausstattung und die Schauspielerführung. Walsh verstand es wie nur wenige andere Regisseure, Aktionszenen aus der Handlung heraus zu entwickeln und dabei die Charakterisierung der Darsteller nicht aus den Augen zu verlieren. Wie Fritz Göttler feststellt, überwinden seine Helden am Ende ihr ‚Heldentum‘.[1] Er war ein begehrter ‚Männerregisseur‘, der aus Errol Flynn, Clark Gable und Gregory Peck ausgezeichnete schauspielerische Leistungen herausholte. Neben Henry King gilt Walsh als Meister der ‚americana‘, der Darstellung einer amerikanischen Gesellschaft, die auf einfachen und ehrlichen zwischenmenschlichen Beziehungen aufbaut.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Grob: Raoul Walsh. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage, Reclam, Stuttgart 2008 [1. Auflage 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 800–802 (mit Literaturhinweisen).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „[Bei Walsh] geht nicht der Zuschauer vom Film ‚geheilt‘ fort, sondern der Held wird am Ende von seinem ‚Heldentum‘ geheilt.“ Fritz Göttler: Die blaue Eskadron. In: Bernd Kiefer, Norbert Grob, unter Mitarbeit von Marcus Stiglegger (Hrsg.): Filmgenres. Western. Reclam (= RUB, Nr. 18402), Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018402-9, S. 262–264, hier 263.